Bettnässen bei Kindern Teil 3

Auch liegt die Schwierigkeit mit darin begründet, dass das noch nicht sauber gewordene Kind als blasenleidend angesehen und zum Arzt gebracht wird. Und tatsächlich finden sich bei diesen Kindern gar nicht selten – allerdings abhängig von der Dauer des ständigen Bettnässens – Blasenmuskelschwächen, da sie noch gar nicht gelernt hatten, diese Muskeln zu beanspruchen.

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Inhaltsverzeichnis

Bettnässen beim Schlafen

Sehr häufig wird dem tiefen Schlaf des Kindes die alleinige Ursache für das Bettnässen zugeschoben. Bekanntlich schläft das gesunde Kind nach einem fröhlichen und ausgelassenen, aber auch ausgeglichen verbrachten Tageslauf unbeschwert tief, während das aus verschiedenen Gründen körperlich und psychisch gestörte Kind unruhig schläft. Genauso verhält es sich bei den mit schweren Erlebnissen behafteten Kindern.

Aufgrund von Forschungen wissen wir, dass das Gehirn des Menschen und auch des Kindes nicht gleichmäßig schläft, sondern dass sogenannte Wachpunkte (besser Wächterpunkte), die sich etwa um das 2. Lebensjahr herum in der Hirnrinde bilden, über die Aufrechterhaltung lebenswichtiger Funktionen wachen und somit auch den Harndrang zum Bewusstsein kommen lassen.

Demzufolge wird durch die Reflektion das Aufwachen bei Blasenfülle hervorgerufen. Beim Bettnässen spielt eine Schwächung der Wachfunktionen eine bedeutsame Rolle. Nicht der tiefe Schlaf ist die Ursache des Bettnässens, sondern eine Verminderung der Wachfunktionen im Gehirn infolge eines neurotischen Hemmungsvorganges. Wir halten es daher für nicht berechtigt, bettnässende Kinder mehrmals aus dem Schlaf herauszureißen. Ein Kind unter zwei Jahren nachts noch einmal herauszunehmen, ist ohne Schaden, denn die Wachfunktionen sind noch gar nicht entsprechend richtig ausgebildet.

Wenn man bettnässende Kinder nachts zu oft und leider des öfteren auch sehr drastisch weckt, so werden sie unruhig, ängstlich und unsicher und gehen abends bereits furchtsam ins Bett, schlafen auch entsprechend unruhig, und im unruhigen Schlaf geschieht das Bettnässen häufiger als im ruhig-ausgeglichenen. Meist sind auch diese Kinder am Tag ruhig und zurückgezogen, traurig und müde, denn sie haben durch den unterbrochenen Schlaf nicht die notwendige Erholung und Erfrischung finden können.

Behandlung und Therapie von Bettnässen bei Kindern

Beim neurotischen Bettnässen stehen psychotherapeutische Maßnahmen verschiedener Art im Vordergrund der Behandlung. Allgemein-erzieherische Maßnahmen, die vorwiegend auf Lob und Anerkennung aufgebaut sind und dem Kind die notwendige Geborgenheit geben, unterstützen die ärztlichen Maßnahmen erheblich. Besonders sei darauf hingewiesen, dass es völlig falsch ist, wenn das Kind bei allen möglichen Gelegenheiten immer wieder als Bettnässer hingestellt und entwürdigt wird.

Ob eine zusätzliche medikamentöse Behandlung notwendig ist, wird man vom Einzelfall abhängig machen. Der Flüssigkeitsentzug am Abend hat für das Bettnässen höchstens die Bedeutung, dass man dem Kind sagt: „Du hast nun wenig oder gar nichts getrunken und wirst daher auch nicht das Bett nass zu machen brauchen.“ – also eine suggestive, aber keine physiologisch begründete Wirkung. Das bedeutet, dass man das Kind nicht grausam mit Durstleiden quälen soll, denn die Erfahrungen lehren, dass auch durstige Kinder das Bett nass machen, eben weil diese Erscheinung, ganz einfach gesprochen, viel weniger von den Nieren und viel mehr vom Gehirn abhängt.

Ein allgemeines und universelles Rezept gibt es bei einem so vielgestaltigen Erscheinungsbild, wie es das Bettnässen im Kindesalter darstellt, nicht. Individuell angepasste Behandlungsmaßnahmen, die der Arzt raten kann, selbstverständlich unter Beachtung der sozialen Zusammenhänge, sind erforderlich.

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