Berylliose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. Oktober 2017
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Bei der Berylliose handelt es sich um eine Vergiftung des menschlichen Organismus mit dem chemischen Element Beryllium. Die Substanz gehört zu den Metallen und führt bei bestimmten Personengruppen zu einer akut oder chronisch verlaufenden Berylliose. Auch berylliumhaltige Stoffe lösen die Krankheit unter Umständen aus. Die Berylliose zählt zu den sogenannten Staublungen (medizinischer Fachbegriff maligne Pneumokoniosen).

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Berylliose?

Grundsätzlich wird in zwei Varianten der Berylliose unterschieden, die akute und die chronische Verlaufsform. Bei der chronischen Form der Berylliose handelt es sich in der Regel um eine Berufskrankheit. Betroffen sind insbesondere Personen, die über einen langen Zeitraum in Kontakt mit dem Metall Beryllium sind. Die Berylliose zählt zur Kategorie der malignen Pneumokoniosen.

Aus histologischer Perspektive handelt es sich bei der Berylliose um eine Krankheit mit speziellen Granulomen. Diese verkäsen nicht und finden sich im überwiegenden Teil der Fälle im Bereich der Lunge sowie der Haut. Mitunter wird die Berylliose mit der Sarkoidose verwechselt, was bei der Diagnosestellung zu berücksichtigen ist.

Die Krankheiten lassen sich klinisch und mittels radiologischer Untersuchungen nicht differenzieren. Aus diesem Grund spielen die Anamnese sowie ein Allergietest eine wichtige Rolle. Dabei ergründet der Arzt vor allem die Berufsgeschichte des Patienten, um Hinweise auf die Berylliose zu sammeln.

Ursachen

Die Berylliose wird in erster Linie durch eine andauernde Exposition mit dem Metall ausgelöst. Dabei sind oftmals berylliumhaltige Dämpfe für die Sensibilisierung gegenüber dem Stoff verantwortlich. Auch der Kontakt der Haut mit Beryllium-Staub führt bei manchen Menschen nach einiger Zeit zur Entstehung der Krankheit.

Grundsätzlich gilt, dass jede Exposition eine Überempfindlichkeitsreaktion bewirkt. In der Folge davon entstehen sogenannte Granulome im Bereich der Lungen. Jedoch entwickelt sich die Berylliose nicht bei allen Personen, die mit dem Metall in Kontakt geraten. Lediglich ein bis zehn Prozent aller exponierten Personen leiden an einer entsprechenden Überempfindlichkeit auf den Stoff.

Wiederum nur ein geringer Teil dieser Menschen erkrankt an der chronischen Form der Berylliose. Es zeigt sich jedoch, dass jene Berufsbranchen mit dem intensivsten Kontakt zu Beryllium das höchste Risiko für die Erkrankung aufweisen. Prinzipiell tritt die Berylliose bei weiblichen und männlichen Patienten etwa mit der gleichen Häufigkeit auf.

Zudem besteht eine genetische Veranlagung für die Krankheit. Dabei ist in erster Linie ein bestimmter Haupthistokompatibilitätskomplex verantwortlich. Die chronische Form der Berylliose kommt bei Menschen aller Altersklassen vor. Einem besonderen Erkrankungsrisiko sind Personen in bestimmten Berufen ausgesetzt.

So tritt die Berylliose am häufigsten in der Luftfahrtbranche auf, denn hier wird das Metall Beryllium eingesetzt. Auch Arbeiter in der Keramikindustrie tragen ein erhöhtes Risiko für die Berylliose.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Berylliose verursacht bei den erkrankten Patienten verschiedene Beschwerden. Zunächst leiden die Personen an Husten, der Rachen und Speiseröhre reizt. In der Folge entwickeln sich Schmerzen sowie entzündliche Prozesse. Zudem bilden die betroffenen Patienten eine Rhinitis aus.

Im Zuge dessen erhöht sich der Ausfluss aus der Nase, außerdem werden die Schleimhäute der Nase gereizt. Im weiteren Verlauf der Berylliose folgt eine sogenannte chemische Lungenentzündung. Dabei leiden die Erkrankten an Atemnot, geschwollenen Lymphknoten sowie Schmerzen im Bereich der Brust.

Weitere charakteristische Beschwerden bestehen in einer Dermatitis, die sich durch die Exposition der Haut mit dem Metall ergibt. Auch sind Müdigkeit, Schmerzen in den Gelenken und eine Hepatosplenomegalie möglich. Oftmals verlieren die Patienten an Gewicht.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Verdacht auf eine Berylliose kommen verschiedene Untersuchungstechniken zum Einsatz. Besonders wichtig ist die Abgrenzung der Krankheit von der sogenannten Sarkoidose. Die einzige Möglichkeit einer erfolgreichen Differentialdiagnose besteht in einer gründlichen Berufsanamnese. Außerdem werden Allergiestests durchgeführt.

Anhand der Informationen über das Berufsleben des Patienten erhält der Arzt Hinweise über einen potenziellen Kontakt mit Beryllium. Neben der Luftfahrtbranche sind auch Arbeiter in den Bereichen Kernkraft, Metallverarbeitung und Elektronik einem besonderen Erkrankungsrisiko ausgesetzt.

Die Berylliose wird mittels mehrerer Untersuchungsverfahren diagnostiziert. Dabei werden unter anderem Blutanalysen, bildgebende Verfahren und Tests zur Überprüfung der Lungenfunktion durchgeführt. Zur Diagnose der chronischen Form der Berylliose kommt ein sogenannter Beryllium-Lymphozytenproliferationstest zur Anwendung.

Der Test wird nur von bestimmten Fachärzten in spezialisierten medizinischen Einrichtungen durchgeführt. Als bildgebende Verfahren kommen [Röntgen|röntgentechnische Untersuchungen]] sowie CT-Untersuchungen in Frage. Dabei weist beispielsweise eine hiläre Lymphadenopathie auf die Krankheit hin.

Bei der Differentialdiagnose schließt der Arzt neben einer Sarkoidose auch eine idiopathische Lungenfibrose sowie eine allergische Alveolitis aus.

Komplikationen

In Folge einer Berylliose können verschiedene Komplikationen auftreten. Je nach Schwere der Vergiftung kann es zu Übelkeit und Erbrechen, aber auch zu schweren allergischen Reaktionen, Hautausschlag und Herzrhythmusstörungen kommen. Außerdem können Blutdruckschwankungen und Schweißausbrüche auftreten. Bei schweren Vergiftungen kommt es im Verlauf der Berylliose zu Bewusstseinsstörungen, innerer Unruhe und Konzentrationsstörungen.

Betroffene sind mit dem Fortschreiten der Erkrankung außerdem zunehmend müde und gereizt; oftmals kommen auch Magenschmerzen und rheumatische Beschwerden bis hin zu Arteriosklerose hinzu. Selten können auch Angststörungen auftreten. Ist die Leber betroffen, kann es durch die gestörte Entgiftung zu weiteren Problemen kommen.

Im Extremfall führt die Berylliose zu Erinnerungslücken oder gar zum vollständigen Gedächtnisverlust. Es ist jedoch nicht ungewöhnlich, dass sich schwere Komplikationen dieser Art meist über einen langen Zeitraum bilden und nicht immer eindeutig auf die Vergiftung zurückzuführen sind. Bei der Behandlung selbst kann es im Rahmen der Therapiemöglichkeiten (Blutwäsche, Lipidtherapie, Aktivkohle-Behandlung u.a.) zu allergischen Reaktionen, Abstoßungsreaktionen des Körpers und weiteren Komplikationen kommen.

Erfolgt die Behandlung zu spät oder überhaupt nicht, können sich aus einer Berylliose weitere aktue Beschwerden soweie chronische Folgeerkrankungen entwickeln. In schweren Fällen können diese auch zum Tod führen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine nicht rechtzeitig erkannte oder zu spät behandelte Vergiftung mit Beryllium zieht eine Reihe schwerer Komplikationen und Langzeitschäden nach sich. Durch das Metall wird die Lunge meist irreversibel geschädigt. Wird nicht zeitnah eine Therapie eingeleitet, steigt das Risiko, dass die Lunge ihre Funktionstüchtigkeit verliert beträchtlich an. In diesen Fall kann der Patient nur durch eine Lungentransplantation geheilt werden. Selbst wenn die Vergiftung weniger dramatisch verläuft, ist im Falle einer fehlenden oder unzulänglichen Behandlungen mit anderen sehr ernsten Langzeitfolgen zu rechnen. Insbesondere kann es zu permanenten Erinnerungslücken oder gar zum vollständigen Gedächtnisverlust kommen.

Angehörige von Risikogruppen sollten deshalb bereits bei den ersten Anzeichen einen Spezialisten, am besten einen Lungenfacharzt oder einen Toxikologen, aufsuchen. Zu den Risikogruppen gehören Beschäftigte in der Luft- und Raumfahrt, Personen, die in Kernkraftwerken arbeiten oder diese zu Forschungszwecken regelmäßig aufsuchen sowie die Beschäftigten in der Elektronik-, Elektrotechnik- und in der metallverarbeitenden Industrie.

Typische Symptome, bei deren Auftreten der genannte Personenkreis unverzüglich einen Facharzt aufsuchen sollte, sind insbesondere häufiger Husten, Atemwegsprobleme und Rhinitis. Im fortgeschrittenen Stadium treten Atemnot, Schmerzen im Brustbereich und meist eine Lungenentzündung hinzu. Betroffene sollten aber nicht warten, bis es soweit kommt, sondern sofort zum Arzt gehen.

Behandlung & Therapie

Eine vollständige Heilung der Berylliose ist in der Regel nicht möglich. Denn durch die Erkrankung wird das Gewebe der Lunge irreversibel geschädigt. Zur Therapie kommen Kortikosteroide zum Einsatz. Um eventuell auftretende unerwünschte Nebeneffekte einzudämmen, ist unter Umständen eine Behandlung mit dem Wirkstoff Methotrexat erforderlich.

Zur Überprüfung des Erfolgs der medikamentösen Therapie sind regelmäßige Lungenfunktionstests angezeigt. Die Vermeidung des Kontakts mit Beryllium spielt in sämtlichen Krankheitsfällen eine wesentliche Rolle bei der Therapie. Bei manchen Patienten ist infolge der Berylliose und der Unterversorgung mit Sauerstoff eine Transplantation der Lunge notwendig.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose der chronischen Berylliose ist grundsätzlich schlecht. Es handelt sich um eine progressiv voranschreitende Erkrankung. Eine kurative Therapie besteht leider nicht.

Im Rahmen der Therapie wird versucht, die Symptome zu mildern und den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen. Das Immunsystem versucht, die über lange Zeit eingeatmeten Berylliumstäube aus der Lunge zu entfernen. Dabei werden zytotoxische T-Lymphozyten gebildet, welche die betroffenen Zellen bekämpfen. Wenn jedoch fast die gesamte Lunge betroffen ist, kommt es zu massiven Umbauprozessen, die von chronischen Entzündungen begleitet sind. Da die zerstörten Zellen durch neue Zellen ersetzt werden, bilden sich knötchenförmige Gewebeneubildungen, die auch als Granulome bezeichnet werden. An sich sind die Gewebeneubildungen gutartig. Allerdings treten sie gehäuft auf und verändern so die Struktur der Lunge durch eine verstärkte Bildung von Bindegewebe. Es kommt zu chronischer Atemnot, erhöhter Atemfrequenz, ständig trockenem Husten und auch Fieber.

Zur Linderung der Entzündungsprozesse werden Immunsuppressiva wie Kortikoide oder in schwereren Fällen Azathioprin angewendet. Oft wird auch eine Lungentransplantation notwendig. Ohne Behandlung führt die chronische Berylliose zum Tod. Genaue Angaben zur Lebenserwartung gibt es aber nicht. Der Verlauf einer akuten Berylliose ist abhängig von der einmalig eingeatmeten Staubmenge. Zur Milderung der Symptome werden auch hier Immunsuppressiva eingesetzt, da es sich ebenfalls um Immunreaktionen des Körpers handelt.

Vorbeugung

Eine wirksame Prävention der Berylliose besteht darin, die Exposition gegenüber dem Metall Beryllium zu meiden.

Das können Sie selbst tun

Die Berylliose kann in der Regel nicht vollständig geheilt werden. Betroffene können jedoch selbst einiges tun, um das Leben mit der Erkrankung zu erleichtern.

Als ersten Schritt sollte mit der Erkrankung zu einem Fachmann für Lungenerkrankungen oder Toxikologie gegangen werden. Unter der Anleitung des Arztes können geeignete Schritte ausgearbeitet und ohne die Gefahr von Komplikationen durchgeführt werden. Bei der Berylliose wird der Mediziner zunächst sportliche Betätigung empfehlen. Erkrankte sollten mit leichten Übungen aus der Krankengymnastik beginnen und dann, je nach Schwere der Gewebeschäden, zu anspruchsvollerem Training wechseln. Geeignet sind etwa Walking, Laufen, Schwimmen, Wandern oder Tanzen, aber auch „kleinere“ Aktivitäten wie Treppensteigen oder Kniebeugen. Weitere Informationen und Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung erhalten Betroffene etwa bei Lungensportgruppen.

Die Teilnahme an ambulanten Sportgruppen dient auch dem Austausch mit anderen Erkrankten. Da die Berylliose im Normalfall nicht heilbar ist, kann durch Gespräche mit Therapeuten und anderen Betroffenen auch der langfristige Umgang mit der Krankheit gelernt werden. Der zuständige Arzt kann weitere Möglichkeiten aufzeigen, wie das Leben mit der Berylliose und seinen Ausprägungen gelingt.

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Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin. Springer, Heidelberg 2011

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