Beriberi

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. November 2017
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Beriberi oder Beri-Beri ist eine Mangelerkrankung, die auf einer ungenügenden Zufuhr von Thiamin beruht. Thiamin ist das für den Körper lebensnotwendige Vitamin B1. Auslöser ist eine falsche oder eine mangelhafte Ernährung, andauernder Alkoholismus und in seltenen Fällen eine angeborene Form von Beriberi.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Beriberi?

Bekannt ist Beriberi als klassische Mangelerkrankung bereits seit mehreren Jahrhunderten. Vitamin B1 ist ein unverzichtbarer Bestandteil der menschlichen Ernährung. Thiamin wird für die Umsetzung von Kohlenhydraten und Zucker benötigt. Es unterstützt die Energieversorgung des Metabolismus.

Sobald nicht mehr genug Thiamin zugeführt wird, kann sich eine der verschiedenen Formen von Beriberi entwickeln. Bekannt sind die beiden Hauptgruppen der feuchten Beriberi und die trockene Variante. Bei der feuchten Beriberi sind das Herzkreislaufsystem und die inneren Organe betroffen.

Bei der trockenen Beriberi hingegen äußert sich die Erkrankung durch Ausfälle des Nervensystems. Eine Sonderform ist das Wernicke-Korsakow-Syndrom als Folge langjährigen Alkoholismus. Wie bei vielen Mangelerkrankungen lassen sich die Symptome von Beriberi durch die Gabe hoher Dosen von Thiamin behandeln und fast immer vollständig heilen. Nur wenn die Schäden zu weit fortgeschritten sind, ist auch bei Beriberi mit bleibenden Schäden zu rechnen.

Ursachen

Beriberi tritt immer dann auf, wenn die Ernährung einen Mangel an Vitamin B1 ausweist oder Thiamin nicht vom Körper umgesetzt werden kann. Das Vitamin ist für die Nervenzellen und den Glukosestoffwechsel erforderlich.

Kommt es zu einem Mangel, folgen Ausfälle des Nervensystems oder Funktionsstörungen der inneren Organe. Die Einführung von geschältem und poliertem Reis führte in Teilen Asiens zu einem vermehrten Auftreten von Beriberi. Wirtschaftlich schwächere Bevölkerungsschichten leben dort von einer einseitigen Diät aus Reis.

Durch die industrielle Verarbeitung wird die Thiamin enthaltene Schale entfernt und der Vitaminmangel verursacht Beriberi. Alkoholiker leiden häufig unter der Sonderform von Beriberi, da Alkohol die Aufnahme von Thiamin erschwert. Säuglinge, die ausschließlich mit Muttermilch ernährt werden, können dann an Beriberi erkranken, wenn die Mutter selbst unter einem Vitamin-B1-Mangel leidet.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Müdigkeit, Reizbarkeit, Störungen des Gedächtnisses oder Schlafstörungen sind neben Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen oder Verlust von Körpergewicht mögliche erste, noch unspezifische Symptome bei Beriberi.

Ein schwerer Thiamin-Mangel ist mit Symptomen verbunden, die auf ernste körperliche Veränderungen hinweisen. Diese beziehen sich vorwiegend auf Gewebe und Muskeln, Nerven und Gehirn sowie das Herz. Hinweise auf Anomalien von Muskeln und Nerven können Krämpfe oder Schmerzen in den Beinen sein, ebenso ein kribbelndes Gefühl in den Zehen, Brennen der Füße, insbesondere während der Nacht.

Auch schwächer werdende Muskeln, Muskellähmung oder Atrophie, einem allmählichen Abbau von Muskelgewebe, sind mögliche ernste Symptome eines schweren Thiamin-Mangels. Durch Beriberi verursache Veränderungen im Herz führen zu Flüssigkeitsansammlungen im Körper. Resultierende Ödeme in den Beinen oder Stauungen in der Lunge deuten gegebenenfalls auf das Vorliegen eines Thiamin-Mangelzustands hin.

Schwerwiegende Veränderungen im Gehirn zeigen sich etwa durch Zustände von Verwirrtheit, Erinnerungsverlust, insbesondere bezogen auf kürzlich stattgefundene Ereignisse, aber auch Schwierigkeiten mit willkürlichen Augenbewegungen oder Augenlähmung. Säuglinge im Alter von drei bis vier Wochen, deren stillende Mütter von Thiaminmangel betroffen sind, zeigen möglicherweise ein Ausbleiben bestimmter Reflexe und bis zu einem gewissen Grad Verlust der Stimme.

Diagnose & Verlauf

Die Diagnose von Beriberi ist aufgrund der Vielfalt der Symptome nicht unproblematisch. Hinzu kommt, dass in den westlichen Industrienationen eher selten beim Auftreten von Muskel- und Nervenerkrankungen, Gedächtnisstörungen oder Herzerkrankungen an die Folge einer Mangelernährung gedacht wird.

Der behandelnde Arzt erstellt zunächst eine genaue Anamnese und hinterfragt die exakten Ernährungsgewohnheiten des Betroffenen. Beriberi als Wernicke-Korsakow-Syndroms bei starken Alkoholikern wird häufiger erkannt, da die auftretenden Gedächtnisstörungen und Hirnerkrankungen erheblich sein können.

Es kommt je nach Form der Beriberi zu starken Herzproblemen, Anschwellen der inneren Organe und Ödemen. Bei der trockenen Beriberi verschlechtert sich das Gangbild, die Koordination der Extremitäten lässt nach. Die Sprachfähigkeit ist beeinträchtigt, Gedächtnisstörungen und Bewusstseinseintrübungen sind zu beobachten. Auch Krämpfe können bei Beriberi auftreten.

Komplikationen

Die Mangelkrankheit Beriberi geht immer auf eine mangelhafte Versorgung des Körperstoffwechsels mit Thiamin beziehungsweise dem Vitamin B1 zurück. Gleiche Auswirkungen können ein erhöhter Bedarf des Körpers oder eine Stoffwechselstörung haben, die verhindert, das Vitamin B1 in ausreichender Form zu nutzen. Bei anhaltend unzureichender Zufuhr des Vitamins stellen sich zunächst leichte, unspezifische und im weiteren Verlauf gravierende gesundheitliche Komplikationen ein.

Bei der trockenen Beriberi ist hauptsächlich das Nervensystem betroffen. Neben Muskelschwäche und Muskelabbau ist vor allem das ZNS in Mitleidenschaft gezogen. Konzentrationsfähigkeit, Kurzzeitgedächtnis und Sprachveermögen sind auffällig vermindert, und es kommt zu Apathie und Bewusstseinsstörungen. Unmittelbar lebensbedrohliche Komplikationen treten bei der feuchten oder nassen Verlaufsform der Beriberi auf.

Vorwiegend sind zunächst Herz und Kreislauf betroffen. Durch die zunehmende Herzinsuffizienz werden sekundäre Komplikationen wie Ödeme und Atembeschwerden provoziert. Bei anhaltender Unterversorgung mit Thiamin wurden auch schwere Verlaufsformen bekannt, die zu Herzversagen und damit zum Tode führten. Eine weitere schwerwiegende Verlaufsform ist die sogenannte Wernicke-Enzephalopathie, die als Komplikation zu ödematösen Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn führt mit entsprechenden Auswirkungen.

In der Regel stellen sich Komplikationen und Probleme im vegetativen Nervensystem ein, die Hypotonie, Sprechstörungen, Schlafstörungen, die Regulation des Wärmehaushalts und vieles mehr betreffen. Solange die Schwelle zur Irreversibilität nicht überschritten ist, bilden sich die Symptome und Komplikationen selbständig zurück, sobald für eine ausreichende Verfügbarkeit des Vitamins B1 gesorgt wird.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Beriberi kann durch eine ausreichende Gabe von Thiamin (Vitamnin B1) in aller Regel problemlos und ohne Spätfolgen geheilt werden. Die Diagnose ist aber nicht immer einfach. Bei angeborenen Formen von Beriberi muss in jedem Fall ein Arzt konsultiert werden. In der Regel sind regelmäßige Untersuchungen erforderlich.

Auch wenn für Beriberi die Lebensführung ursächlich ist, sollten nicht einfach freiverkäufliche Vitaminpräparate konsumiert werden. Eine Diagnose durch den Arzt ist in jedem Fall wichtig, da viele der Symptome auch durch andere Krankheiten, insbesondere durch andere Mangelerscheinungen, ausgelöst werden können. Ein Arzt kann auch noch andere Defizite, die häufig gemeinsam mit Vitamin-B1-Mangel auftreten, identifizieren und behandeln.

Risikogruppen sollten bei Verdacht auf Beriberi unbedingt einen Arzt aufsuchen. Zu den Risikogruppen zählen Personen, die sich stark einseitig Ernähren, regelmäßig Reduktionsdiäten durchführen oder an einer Essstörung leiden. Auch bei schwerem Alkoholmissbrauch besteht ein erhöhtes Risiko, an Beriberi zu erkranken. Bei Säuglingen, die gestillt werden, ist ein Vitamin-B1-Mangel immer dann wahrscheinlich, wenn die stillende Frau selbst nicht ausreichend mit Thiamin versorgt ist. Bei Säuglingen und Kleinkinder sollte auf keinen Fall eine reine Selbstmedikation durchgeführt, sondern ein Arzt konsultiert werden, da bei unzureichender Versorgung mit Entwicklungsstörungen zu rechnen ist.

Behandlung & Therapie

Je nach Ausprägung der Symptome von Beriberi reicht die Gabe von konzentriertem Vitamin B1 in Tablettenform. Diese Behandlung kann ambulant durchgeführt werden bei einer regelmäßigen ärztlichen Beobachtung des Patienten. Zeigen die Betroffenen bereits stärkere Symptome von Beriberi erfolgt eine stationäre Aufnahme und eine Behandlung mit hoch dosierten Vitaminen in Form von Infusionen.

Die Symptome entwickeln sich unter der Gabe von Thiamin zumeist schnell zurück. Nur wenn die Erkrankung noch weiter fortgeschritten ist, verursacht Beriberi bleibende Schäden. Diese bestehen oft in Herzerkrankungen und unzureichender Leistung der inneren Organe. Eine unterstützende Therapie mit Medikamenten ist erforderlich.

Bei Schäden an der Motorik kann eine Physiotherapie zusammen mit der Vitamingabe die Bewegungsbeeinträchtigung schneller wieder heilen. Problematisch ist die Behandlung von Beriberi bei Alkoholikern. Häufig bleiben erhebliche Schäden des Gedächtnisses zurück. Die Betroffenen sind überwiegend im Bereich des Kurzzeitgedächtnisses beeinträchtigt. Sie benötigen neben einer Entzugstherapie noch dauerhaft Pflege und Betreuung.

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Aussicht & Prognose

In vielen Fällen kann die Krankheit Beriberi relativ gut behandelt werden. Dies gilt vor allem dann, wenn die Erkrankung aufgrund von einer falschen oder ungenügenden Ernährung auftritt.

Das Vitamin B1 kann dabei durch eine gesunde Ernährung oder durch die Einnahme von Ergänzungsmitteln wieder aufgenommen werden, sodass die Beschwerden auch verschwinden. Sollte es nicht zu einer Behandlung von Beriberi kommen, so leiden die meisten Betroffenen an starken Bauchschmerzen, an einer Müdigkeit und ebenso an Depressionen oder an einer inneren Unruhe. Die Beschwerden verschwinden auch nicht wieder von alleine, wenn die Erkrankung nicht behandelt wird. Dabei kann es zu Störungen des Gedächtnisses oder der Konzentration kommen. Falls die Krankheit durch einen sehr hohen Alkoholkonsum ausgelöst wird, so ist der Betroffene in den meisten Fällen auf einen Entzug angewiesen, welcher auch in einer geschlossenen Klinik durchgeführt werden kann. Auch bei Essstörungen kann eine klinische Behandlung notwendig sein.

Ist die Krankheit angeboren, so sind die Patienten dauerhaft auf die Einnahme von Ergänzungsmitteln angewiesen. Allerdings werden dadurch die Beschwerden vollständig gelindert und eingeschränkt, sodass es nicht zu einer verringerten Lebenserwartung oder zu einer eingeschränkten Lebensqualität des Betroffenen kommt.

Vorbeugung

Die Vorbeugung bei Beriberi ist unproblematisch, solange die erforderlichen Nahrungsmittel auch zur Verfügung stehen. Eine ausgewogene Ernährung, zu der unbehandelte Lebensmittel wie Vollkornreis, Bohnen oder tierische Milchprodukte gehören, reicht bereits aus. Ansonsten kann Beriberi durch Vitamintabletten verhindert werden.

Das können Sie selbst tun

Die typischen Symptome der Vitamin B1-Mangelerkrankung Beriberi können zwar recht deutlich sein, sind aber unspezifisch, so dass nicht immer sofort erkannt wird, dass es sich um eine B1-Vitaminose und damit um einen Mangel an Thiamin – wie das Vitamin B1 auch genannt wird – handelt. Falls für die auftretenden Symptome frühzeitig Beriberi und damit der Thiaminmangel als Ursache erkannt wird, besteht die Selbsthilfe in einer Ernährungsumstellung auf Nahrungsmittel, die möglichst viel Vitamin B1 enthalten.

Falls vorzugsweise geschälter und polierter Reis auf dem Speiseplan steht, sollte dieser durch ungeschältem Reis ersetzt werden, weil sich das Thiamin in der Schale des Reiskorns befindet und auch nach dem Kochen seine physiologischen Fähigkeiten behält und vom Körper aufgenommen wird. Außer ungeschälter Reis sind auch Weizenkeime, Vollkorngetreide und Haferflocken und Erbsen sowie Schweinefleisch und Herz Lieferanten von Thiamin. Das bedeutet, dass auch betroffene Vegetarier und sogar Veganer normalerweise keine Beriberi zu fürchten brauchen, wenn ihre Hauptnahrung nicht vorwiegend aus geschältem Reis besteht.

Wenn die Vitamin B1 Zufuhr über eine Nahrungsumstellung gesichert ist, verschwinden die typischen motorischen und kognitiven Symptome und Probleme von selbst. Sollte Beriberi erst in fortgeschrittenem Stadium diagnostiziert worden sein, bleibt ein Teil der Symptome irreversibel und werden chronisch. Das gilt besonders für Betroffene, die zusätzlich alkoholabhängig sind.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Baenkler, H.-W., et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme Verlag, Stuttgart 2010
  • Greten, H., Rinninger, F., Greten, T. (Hrsg.): Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2010

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