Beißkraft

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. November 2016
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Die Beißkraft des Menschen scheint heutzutage fast schon verweichlicht zu sein. Das könnte zumindest angenommen werden, wenn ein Blick auf die modernen Essgewohnheiten geworfen wird, die denen vergangener Zeiten doch scheinbar stark entgegengesetzt sind. Unter den Frühmenschen gab es z. B. den Paranthropus, dessen Backenknochen vier Mal größer als die des modernen Menschen waren. Er konnte ohne Anstrengung Nüsse samt Schale zermalmen oder auch harte Fasern von Pflanzen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Beißkraft?

Die Kaumuskeln des modernen Menschen sind im Verhältnis dazu eher schwächer ausgebildet, dennoch haben die veränderten Essgewohnheiten mit der Zeit keinen großen Einfluss auf die Beißkraft selbst gehabt. Tatsache ist, der stärkste Muskel beim Menschen ist sein Kaumuskel. Er entspringt der Schädelseite und –basis. Jeder Ansatz aller Kaumuskeln beginnt am Unterkiefer und sorgen dafür, dass dieser geschlossen werden kann.

Der Kaumuskel dient dem Menschen dazu, dass er kräftig zubeißen und seine Nahrung ausreichend zerkleinern kann. Er besteht aus vier Skelettmuskeln, die am Akt des Kauens maßgeblich beteiligt sind. Alle Muskeln sind durch Äste mit den Hirnnerven verbunden und werden über diese versorgt, die Umgebung wiederum ist in Faszien gehüllt, die mit sich bringen, dass genügend Raum zur Verfügung steht, aber auch keine Quetschungen ausgeübt werden.

Die Kaumuskulatur ist paarig angelegt, kann einseitig als Mahlbewegung oder seitengleich wirken. Ebenso wichtig sind die Zungen-, die Mundboden- und die Gesichtsmuskulatur. Der kräftigste der Kaumuskeln ist der Schläfenmuskel. Er schließt den Kiefer. All das ermöglicht die den Menschen zur hohen Beißkraft.

Unter der Beißkraft ist die Kraft oder der Druck gemeint, den der Kiefer bei einem Biss benötigt. Dieser wird in Newton pro Quadratzentimeter gemessen.

Funktion & Aufgabe

Der Kiefer in seiner Betätigung wirkt wie die Funktion eines einfachen Hebels. Die Beißkraft oder der Druck des Kiefers wirkt aus dem Verhältnis der Distanz zwischen Wirkungs- und Drehpunkt gegenüber dem Vergleich der Distanz vom Drehpunkt zum Muskelansatz, über den die Kraft ausgeübt wird. Dies kann berechnet werden. Dabei wird von der statischen Beißkraft gesprochen, da diese sich nur auf den Wirkungspunkt bezieht.

Die Berechnung der Beißkraft hängt von mehreren Variablen ab. Dazu gehören die Zahn- oder Objektauflagefläche, die gesamte Kiefergeometrie, die Wirkungsrichtung und die in dem Augenblick ausgeübte Muskelkraft selbst. Das Zubeißen kann dadurch nur beim Menschen exakt gemessen werden. Bei Tieren kann die Messeinrichtung nicht gezielt angesetzt werden. Die Auswertung ist wissenschaftlich schwieriger.

Unter der Beißkraft ist die Kraft oder der Druck gemeint, den der Kiefer bei einem Biss benötigt.

Dennoch werden auch bei verschiedenen Tierarten Untersuchungen der Struktur des Kiefers und der Muskulatur in Bezug auf die Beißkraft entwickelt. Die größte Kieferkraft aller heutzutage noch lebenden Tiere besitzt wohl der weiße Hai. Hier wurden 1,8 Tonnen gemessen, dem gegenüber steht etwa der Löwe mit gerade einmal 560 Kilogramm.

Die Kiefer- und Beißkraft des Menschen, wie aller Lebewesen einer Art, ist unterschiedlich. Dabei spielt auch die unterschiedliche Ausprägung der Kiefermuskulatur eine Rolle. Durchschnittlich wird ein Wert von etwa 800 Newton pro Quadratzentimeter angegeben. Das bedeutet eine Beißkraft von 80 Kilogramm. Damit ist die Beißkraft des Menschen kleiner als die eines Löwen, aber doch größer als etwa die eines Wolfes, der mit ca. 60 Kilogramm zubeißen kann.

Wissenschaftler konnten auch Vergleichsversuche machen. Der Mensch wurde mit verschiedenen Affentypen verglichen. Mit Hilfe einer Computertomographie wurden Röntgenaufnahmen vom Kiefer aus verschiedenen Perspektiven gemacht und diese dann zu einem dreidimensionalen Bild zusammensetzt, über das wiederum die Beißkraft des Kiefers berechnet werden konnte.

Simuliert wurde dann der Biss in ein hartes Objekt. Das Ergebnis der Kraftausübung wurde schließlich im Computer visualisiert. So konnte herausgefunden werden, dass die Beißkraft des Menschen erstaunlich effizient ist, dass er weitaus kräftiger zubeißen kann als beispielsweise Menschenaffen wie Schimpansen oder Orang-Utans.

Die Untersuchung zeigte auf, dass der Mensch im Vergleich fast 50 Prozent mehr an Beißkraft aufbringen kann. Das wiederum spricht für ein besseres Gebiss und liegt mitunter auch an der Länge und der Lage des Kiefergelenks. Der Unterkiefer des Menschen ist länger als der der Menschenaffen, so kann auch eine größere Hebelwirkung ausgeübt werden.

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Krankheiten & Beschwerden

Bei vielen Menschen ist die Kiefermuskulatur ständig angespannt, ohne dass sie es bemerken. Das kann eintreten, wenn die Zähne stets zusammengepresst werden oder mit diesen geknirscht wird. In der Folge kommt es zu Verspannungen.

Kieferbeschwerden haben verschiedene Gründe und Auswirkungen. Einmal können sie mit Bindegewebe- und Muskelverhärtungen einhergehen. Dabei handelt es sich allgemein um chronische Verspannungen der Kaumuskulatur, die die Beißkraft stark einschränken. Die Auswirkungen können Kiefergelenkschmerzen, Wangen-, Schläfen- und Zahnschmerzen sein. Dadurch ist der Kiefer in seiner Bewegung eingeschränkt und es kann teils zu dauerhaften Verschiebungen kommen.

Manche Menschen haben eine Kieferfehlstellung, wobei die Belastung der Kiefermuskeln dann unterschiedlich ist und stärkere Verspannungen nach sich ziehen kann. Das kann zB der Fall sein, wenn der Mensch ein fliehendes Kinn besitzt.

Die Beschwerden sind meistens eine Verspannung des großen Kaumuskels, wobei die Temporalmuskeln an den beiden Schläfen und die Massetermuskeln an den Wangen gemeint sind. Diese Muskeln werden angespannt, um den Kiefer zu schließen. Ebenso beim Zubeißen oder einfachen Zusammenpressen der Zähne.

Der Kiefer wird allerdings auch zu anderen Bewegungen genutzt, darunter zum Sprechen, Gähnen, Lachen und ähnliche Aktivitäten. Bei einer Verspannung können auch diese Bewegungen sehr schmerzhaft sein. Beschwerden dieser Art werden dann zB durch eine sensomotorische Körpertherapie behandelt.

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