Beißen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. November 2016
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Beißen bezeichnet das kräftige Schließen der Zähne, um Nahrung zu zerkleinern oder sich, wie im Tierreich, zu wehren. Dabei kann es zu teils schweren Verletzungen kommen, die lebensbedrohlich ausfallen können. Bisswunden können sich darüber hinaus schnell entzünden und bedürfen einer angemessenen Behandlung, um Infektionen zu vermeiden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Beißen?

Im üblichen Sprachgebrauch wird das Wort „beißen“ auch als Synonym für das Zerkleinern von Nahrung verwendet. Meist wird es aber benutzt, um einen Angriff und eine Verletzung durch die Zähne eines Menschen oder Tieres zu beschreiben. Besonders im Tierreich gilt das Beißen auch als Drohgebärde, um potenzielle Bedrohungen oder Konkurrenten zu vertreiben.

Bisswunden sind sogenannte mechanische Wunden, die durch die Einwirkung von Zähnen auf die Haut und das Fleisch entstehen. Sie ähneln Risswunden oder Stichwunden und fallen, abhängig vom Gebiss des Angreifers, unterschiedlich schwer aus.

Durch das Beißen können auch körpereigene Gifte in den Organismus des Opfers geraten. Dies ist beispielsweise bei Schlangen der Fall, die so durch einen gezielten Biss töten können. Aber auch ohne Gift können durch Bisse verursachte Wunden gefährlich werden. Über den Kontakt der Zähne und der Mundschleimhaut mit der offenen Wunde kommt es schnell zu Infektionen. Ein Desinfizieren auch kleiner Bisswunden ist daher sehr wichtig.

Das Beißen bedeutet ein Zusammenspiel der Kaumuskulatur sowie der Muskeln in Zunge, Wangen und Lippen. Auch die Zähne sind in unterschiedlichem Maße involviert, denn sie zerquetschen, zerkleinern und zermahlen die Nahrung in der Mundhöhle. Kommt es zu Erkrankungen, die Kieferknochen, Muskulatur oder Zähne beschädigen oder deren Funktion beeinträchtigen, werden das Beißen und das Kauen deutlich erschwert. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Einstellen der Nahrungsaufnahme kommen.

Funktion & Aufgabe

Beißen erfüllt wichtige Funktionen. Mithilfe der Zähne kann Nahrung in kleinere Portionen zerteilt und anschließend zerkleinert werden. In frühen Phasen der Menschheitsgeschichte war dies die einzige Möglichkeit, Nahrung zu sich zu nehmen, da Werkzeuge zum Zerkleinern noch fehlten. Wer nicht beißen bzw. abbeißen konnte, musste hungern. Heute können Menschen auf Messer, Gabel oder sogar Geräte zum Pürieren zurückgreifen und müssen sich nicht mehr so stark auf die Kraft ihrer Zähne verlassen. Außerdem können wir uns heute notfalls ein künstliches Gebiss anfertigen lassen.

Der Beißvorgang beginnt damit, dass die Nahrung oder das zu zerbeißende Objekt mithilfe der Zunge zwischen den Zähnen positioniert wird. Das Zerkleinern findet mithilfe des wiederholten Öffnens und Schließens des Kiefers statt. Beim Öffnen tritt dabei insbesondere die Mundbodenmuskulatur in Aktion, beim Schließen der Musculus temporalis. Die hinteren Zahnreihen wie die Backenzähne und Weisheitszähne werden zum Zermahlen von Nahrung genutzt. Das Abbeißen und Zerkleinern erfolgt dagegen durch die Schneidezähne. Bestehen große Zahnlücken, muss der Betreffende zum Beißen und Kauen mehr Kraft aufwenden als ein Mensch mit einem vollständigen Gebiss.

Beißen bezeichnet das kräftige Schließen der Zähne, um Nahrung zu zerkleinern oder sich, wie im Tierreich, zu wehren.

Im Rahmen einer Auseinandersetzung beißen Menschen im Gegensatz zu den Tieren nur in Notsituationen, wenn sie sich nicht anders zu wehren wissen. Im menschlichen Miteinander hat ein solches Verhalten keinen Platz mehr, und das Beißen wird nur auf die Nahrungsaufnahme beschränkt. Eine besondere Rolle spielt dabei die Kiefermuskulatur. Hier befinden sich die stärksten Muskeln im menschlichen Körper. Die menschliche Beißkraft beträgt dabei ungefähr 80 kg (im Vergleich dazu hat ein Löwe eine Beißkraft von 560 kg) oder 30 Newton. Theoretisch wären sogar höhere Werte möglich; allerdings verursacht das zu starke Aufeinanderbeißen des Ober- und Unterkiefers Zahnschmerzen und Muskelverspannungen, die ein Aufbringen einer größeren Beißkraft verhindern.

Im Tierreich gehört das gegenseitige Beißen immer noch zum Alltag. Es wird eingesetzt, um sich zu verteidigen, Konkurrenten abzuwehren oder Beute zu erlegen. Menschen beißen dagegen nur in Notsituationen, wenn sie sich nicht anders zu wehren wissen. Bei Kleinkindern unter zwei Jahren kommt es häufig vor, dass sie einander und auch die Eltern beißen. In dieser Altersgruppe wird dies als normales Verhalten betrachtet, denn sie entdecken gerade erst ihren Körper und können noch nicht absehen, dass sie durch das Beißen auch Schmerzen verursachen können. Ab dem Kindergartenalter sollte das Beißen von Mitmenschen aber der Vergangenheit angehören. Im menschlichen Miteinander hat ein solches Verhalten keinen Platz mehr, und das Beißen wird nur auf die Nahrungsaufnahme beschränkt.

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Krankheiten & Beschwerden

Auch der Beißvorgang selbst kann durch Erkrankungen oder Verletzungen beeinträchtigt werden. Besonders häufig treten in diesem Zusammenhang Schädigungen der Zähne auf, die ein Beißen erschweren oder unmöglich machen. Eine zahnärztliche Behandlung ist erforderlich, um die defekten Zähne wiederherzustellen.

Gelingt dies aufgrund zu starker Beschädigungen nicht, kann ein entsprechender Zahnersatz angefertigt und eingesetzt werden. Dieser stellt meist die Beiß- und Kaufunktion wieder vollständig her. Ist die Muskulatur im Kieferbereich erkrankt oder verletzt, können die wichtigen Bewegungen beim Beißen erschwert oder vollständig eingestellt werden. Dies ist beispielsweise bei einer Lähmung der Mundbodenmuskulatur der Fall.

Verspannen sich die Kiefermuskeln auf schmerzhafte Weise, können gereizte Gesichtsnerven dafür verantwortlich sein. Nächtliches unbewusstes Zähneknirschen kann ebenfalls spürbare Verhärtungen der Kaumuskulatur hervorrufen, ebenso wie ein Abreiben oder gar Abbrechen der Zähne. Auch Ohrenschmerzen und Kopfschmerzen gehören zu den Begleiterscheinungen des oftmals durch Stress verursachten Knirschens.

Wenn Menschen oder Tiere beißen, verletzen sie damit die Haut und das Gewebe ihres Gegenübers mit den Zähnen. Das führt zu einer Bisswunde, die je nach Größe und Zahnprofil des Angreifers ganz unterschiedlich ausfallen kann. Die meisten Bisse, die in Arztpraxen und Krankenhäusern behandelt werden, stammen von Hunden und Katzen. Hundebisse fallen oftmals recht großflächig aus und weisen zudem nicht selten Quetschungen und ausgerissene Wundränder aus. Katzenbisse sind viel kleiner und eher punktförmig, dafür sind sie aber tiefer als vergleichbare Hundebisse. Dadurch sind Katzenbisse aufgrund der Beschaffenheit der Zähne potenziell gefährlicher, denn durch sie dringen mehr Keime in die Wunde ein.

Am gefährlichsten sind jedoch Menschenbisse. Diese kommen zwar nicht allzu häufig vor, bergen jedoch ein großes Infektionsrisiko. In nur einem Milliliter menschlichen Speichels finden sich bis zu hundert Milliarden unterschiedlicher Keime und Bakterien. Darüber hinaus können durch das Beißen schwere Krankheiten wie Hepatitis oder HIV übertragen werden.

Kommt es zu einer Verletzung durch einen Biss, sollte die Wunde in jedem Fall desinfiziert werden. Bei sehr kleinen Bisswunden kann dies zuhause erfolgen, und bei entsprechender Beobachtung ist in diesen Fällen nicht immer eine ärztliche Behandlung erforderlich. Größere Verletzungen sollten dagegen immer einem Arzt vorgestellt werden. Unter Umständen ist es erforderlich, dass die Wunde nach der Reinigung genäht und anschließend steril verbunden wird. Ein steriler Verband ist auch bei selbst behandelten Bissen anzuraten. So kann verhindert werden, dass zusätzliche Keime in die Verletzung eindringen und es zu Infektionen kommt. Nach einem Zeitraum von sechs Stunden werden auch großflächige Bisswunden aus diesem Grund nicht mehr genäht, da das Risiko einer Infektion zu groß wäre.

Nach der Säuberung kann zusätzlich eine Wunddrainage gelegt werden, die Wundwasser abtransportiert. Eine sogenannte interaktive Wundauflage kann ebenfalls Wundsekrete aufnehmen und verhindert außerdem ein Austrocknen. So kann die Heilung beschleunigt werden.

Tierbisse bergen neben einer hohen Infektionsgefahr auch das Risiko einer Ansteckung mit Tollwut oder das Entstehen von Tetanus (Wundstarrkrampf). Gegen Tollwut gibt es mittlerweile eine Impfung, die auch nach dem Biss erfolgen kann. Eine Tetanusimpfung sollte ungefähr alle zehn Jahre stattfinden, um jederzeit über einen aktiven Impfschutz zu verfügen.

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