Behandlung und Vorbeugung von Masern bei Kindern Teil 2
Das an Masern erkrankte Kind ist in diesem Krankheitsstadium jedoch für alle übrigen Kinder in der Klinik hoch ansteckend; es muss also innerhalb der Klinik streng isoliert oder auf einer Infektionsabteilung für Masernkranke untergebracht werden. Diese zwingende Notwendigkeit gestattet es nur in seltenen Fällen, ein Masernkind der stationären Behandlung zuzuführen. Der Arzt sieht sich vielmehr gezwungen, den Zustand des Kindes durch mehrere Hausbesuche ständig zu kontrollieren.
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Komplikationen bei Masern
Der geschilderte, normale Masernverlauf wird leider oft genug durch Komplikationen, Begleit- und Nachkrankheiten erschwert, besonders wenn eine zusätzliche Infektion mit Eitererregern das widerstandslos gewordene Kind befällt. Am häufigsten ist in diesem Zusammenhang eine Entzündung der kleinsten Bronchien, die schließlich in eine meist doppelseitige Lungenentzündung übergeht. Bei dieser Komplikation wird der Masernausschlag oft recht undeutlich und blasst überaus rasch ab, so dass man im Volksmund davon spricht, "der Ausschlag sei nach innen geschlagen". Erneutes Fieber sowie eine beschleunigte und stöhnende Atmung, bei der sich die geblähten Nasenflügel bewegen, lassen auch den Laien die Lungenentzündung des Masernkindes frühzeitig erkennen. Masernkranke mit Lungenentzündung erholen sich am besten an der frischen Luft.
Mit Recht wird der Masernkrupp am meisten gefürchtet, der sich durch bellenden Husten und durch eine heisere Stimme ankündigt. Besonders bei Kindern im 2. bis 4. Lebensjahr entsteht neben völliger Stimmlosigkeit eine tönende (juchzende) Einatmung, die von tiefen Einziehungen des Brustkorbs als Ausdruck der hochgradigen Atemnot begleitet wird. Derartige Zustände von schwerer Atemnot als Folge der Schleimhautschwellung im Bereich der Stimmritze können zu tödlicher Erstickung führen, wenn nicht rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch, genommen wird.
Masernkinder mit Kehlkopfkrupp gehören unbedingt in klinische Behandlung. Auch eine meist doppelseitige Mittelohrentzündung gehört zu den häufigen Komplikationen nach Masern, die in der Regel während der zweiten, Krankheitswoche auftritt. Dieses Krankheitsbild lässt sich heute jedoch mit Penizillin und anderen antibiotisch wirkenden Arzneimitteln gut beherrschen. Wenn ein Masernkind noch zusätzlich Krämpfe bekommt, wenn sich sein Bewußtsein trübt und Benommenheit sowie Lähmungen auftreten, sind Anzeichen einer Gehirnentzündung vorhanden. Eine so ernste Komplikation macht die stationäre Behandlung unbedingt erforderlich, weil das gesamte Rüstzeug der modernen Kinderheilkunde eingesetzt werden muss, um die Erkrankung des Zentralnervensystems zu beherrschen und bleibende Störungen der Sinnesorgane zu verhüten.
Vorbeugung von Masern bei Kindern
Wegen der Möglichkeit solcher Komplikationen zählen Kinderärzte die Masern heute keinesfalls zu den harmlosen Kinderkrankheiten. Kinder im Krippenalter erkranken nicht nur sehr oft an Masern, sie können sogar den Masernkomplikationen zum Opfer fallen. Auch im Hinblick auf die kontinuierliche Nutzung unserer Kinderkrippen und -gärten spielen die Masern eine bedeutende Rolle. Um die arbeitenden Mütter von den Sorgen um ihre Kinder zu befreien, muss von Seiten der Ärzte und Pflegekräfte, aber auch von den Eltern alles getan werden, was dazu beitragen kann, die Masern möglichst zu verhüten. Deshalb dürfen Geschwister masernkranker Kinder nicht mehr in eine Wochen- oder Tageskrippe gebracht werden, da sie bereits als infiziert angesehen werden müssen und die anderen Kinder gefährden.
Wenn sich ein infiziertes Kind bereits in einer Krippe oder auf einer Kinderstation befindet, so müssen die Leiterinnen unbedingt benachrichtigt werden, damit alle anderen Kinder vor dem Ausbruch einer Masernepidemie möglichst verschont bleiben. Besonders komplikationsreich pflegen die Masern bei Kindern der ersten drei Lebensjahre zu verlaufen. Deshalb sollen Kinder dieses Alters niemals absichtlich einer Masernansteckung ausgesetzt wenden. Manchen Müttern scheint die Zeit, die masernkranke Kinder den Krippen und Schulen fernbleiben müssen, zu lang. Doch muss ärztlicherseits unbedingt darauf geachtet werden, dass die Kinder 14 bis 16 Tage nach dem Abklingen des Ausschlags den Kindereinrichtungen und Schulen fernbleiben.
Dieser Serumbestandteil ist so reich an Schutzstoffen, dass sich damit - zur rechten Zeit gespritzt - ein vollständiger, wenn auch nur vorübergehender Schutz erzielen lässt. Diese Masernprophylaxe kommt vorzugsweise für kranke Kinder in Frage, die innerhalb einer Gruppe mit Masern angesteckt wurden; aber auch in Krippen und Heimen lässt sich auf diese Weise eine Masern-Infektionskette unterbrebrechen. Am Besten ist jedoch die Möglichkeit , mit Hilfe einer Schutzimpfung der Masern Herr zu werden. Die Kinder bekommen zwar im Anschluss an die Impfung nach etwa elf Tagen sogenannte "Impf-Masern", die mit Fieber und leichtem Ausschlag einhergehen, jedoch keine Komplikationen hervorrufen und vor allem für die Umgebung des Impflings nicht ansteckend sind.
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