Behandlung und Vorbeugung von Masern bei Kindern

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Juli 2017
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"Bis auf Masern und andere Kinderkrankheiten bin ich nie ernstlich krank gewesen!", so berichten oft Patienten, wenn man sie als Arzt nach der Vorgeschichte ihres derzeitigen Leidens befragt. Die Tatsache, dass in den europäischen Industrieländern mit ihrer hohen Bevölkerungsdichte fast jeder Mensch bereits als Kind die Masern übersteht, lässt diese Erkrankung in der Erinnerung des einzelnen als eine harmlose Episode mit Unterbrechung des Kindergarten- oder Schulbesuchs erscheinen. Auf die Sorgen und auf die Mühe, die unsere Mütter mit ihren masernkranken Kindern hatten, vermag sich der Erwachsene später natürlich nicht mehr zu besinnen.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen & Übertragung von Masern

Die Masern als akute Infektionskrankheiten ließen sich bisher trotz vorbildlicher Körperhygiene und hohem Lebensstandard der Bevölkerung nicht vermeiden. Masern sind so ansteckend, dass sich praktisch jedes Kind nach Zusammentreffen mit einem Masernkranken infiziert und elf Tage später mit Fieber und akuten Entzündungserscheinungen der Augen und des Nasen-Rachen-Raumes erkrankt. Weitere drei Tage später beginnt der großfleckige Hautausschlag am Hals und hinter den Ohren.

Als Erreger dieser Krankheit ist das Masernvirus zu nennen, dessen Züchtung seit vielen Jahren auf Gewebekulturen, zum Beispiel auf menschlichen Krebszellen oder auf bebrüteten Hühnereiern, gelungen ist. Das Masernvirus lässt sich aus dem Rachenspülwasser des Kranken, aus seinem Nasensekret und dem Bindehautsack und 48 Stunden vor Beginn des Ausschlags auch aus dem Blut heraus züchten. Der Masernerreger ist äußerst flüchtig und verliert außerhalb des menschlichen Körpers sehr bald seine Lebensfähigkeit, weil er durch Sonne und Luft rasch vernichtet wird. Seine Übertragung erfolgt daher auch nicht durch tote Gegenstände, sondern ausschließlich durch unmittelbare Berührung eines Kranken oder durch Tröpfcheninfektion.

Gesunde Keimträger gibt es bei Masern nicht. Ein Luftzug aber vermag die Masernerreger doch auf die Entfernung von einigen Metern durch Türspalten und offene Fenster zu verbreiten. Die Ansteckungsfähigkeit ist zu Beginn der Erkrankung während der ersten Fiebertage am größten, mit Abblassen des Hautausschlags hört auch die Ansteckungsgefahr auf.

Masern bei Kindern

Auf der Wangenschleimhaut erkennt man am zweiten oder dritten Fiebertag punktförmige Fleckchen von weißer Farbe, die wie Milchreste aussehen, sich aber nicht wegwischen lassen, über Nacht, meist unter erneutem steilen Fieberanstieg, bricht der Hautausschlag durch.

Hat ein Kind die Masern überstanden, so behält es in der Regel einen lebenslänglichen Schutz vor dieser Kranhheit. Wenn ein Kind zum zweiten Mal die Masern erleidet, sind Bedenken an der Richtigkeit der früher gestellten Diagnose durchaus berechtigt. Röteln können - besonders wenn der Ausschlag stark ausgeprägt ist - ähnlich wie die Masern verlaufen. Die Empfänglichkeit für Masern ist in jedem Lebensalter etwa gleich groß. Eine Ausnahme macht allein das erste Lebensvierteljahr, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Mutter selbst in ihrem Leben Masern überstanden hat, so dass sie ihrem Kind Schutzstoffe — als immunisatorische Mitgift - mit auf den Lebensweg geben konnte. Jenseits des vierten Lebensmonats ist dieser mütterliche Schutz jedoch erloschen.

In unseren Großstädten sind Masern dauernd vorhanden. Diese Tatsache und die hohe Krankheitsbereitschaft bewirken infolge der leichten Übertragbarkeit, dass Masern in der Regel bereits im Kleinkind- und Vorschulalter erworben werden. Aus den Städten gelangen die Masern - natürlich durch die Menschen - über die Verkehrswege aufs Land und vermögen dort in Dörfern und kleineren Orten regelrechte Epidemien auszulösen. Die "Ausbrütungszeit" der Masern ist äußerst konstant: Die Eltern müssen damit rechnen, dass genau 11 Tage nach Ansteckung ihres Kindes Fieber und Entzündungserscheinungen auftreten; am 14. Tag erscheint dann der Ausschlag.

Symptome & Krankheitsverlauf

Der Arzt ist oft schon vor Beginn des Ausschlags imstande, die Masern zu erkennen. Für die Geschwister des Masernkindes kommt die ärztliche Diagnose dennoch meist zu spät, denn die Ansteckung ist bereits erfolgt, so dass die Geschwister in der Regel zwei Wochen später in gleicher Weise erkranken. Zu den Hinweiszeichen einer beginnenden Masernerkrankung gehören Lichtscheu (Lichtempfindlichkeit) und Bindehautentzündung, starker Schnupfen und trockener Reizhusten. Auf der Wangenschleimhaut erkennt man am zweiten oder dritten Fiebertag punktförmige Fleckchen von weißer Farbe, die wie Milchreste aussehen, sich aber nicht wegwischen lassen, über Nacht, meist unter erneutem steilen Fieberanstieg, bricht der Hautausschlag durch.

Er zeigt sich im Gesicht, hinter den Ohren, am Nacken und auf dem Rücken zwischen den beiden Schulterblättern. Im Laufe dar nächsten Tage wandert er über den ganzen Körper, über Arme und Beine bis zu den Fingern und Zehen. Zwischen den geröteten, meist zackig oder sternförmig begrenzten Hautstellen von zuerst hellroter, später mehr violettroter Farbe lässt sich immer noch etwas blasse gesunde Haut erkennen. Nach drei Tagen blasst wiederum zuerst das Gesicht ab. In den nächsten Tagen sinkt das Fieber und mit ihm schwindet auch der Ausschlag vollständig.

Das Allgemeinbefinden des masernkranken Kindes ist in den meisten Fällen stark beeinträchtigt. Die lichtscheuen Kinder sind weinerlich, haben keinen Appetit und lassen sich durch nichts zufriedenstellen. Viele Kinder erscheinen apathisch und dösen vor sich hin. Die entzündeten Augenlider verkleben im Laufe der Nacht, die Nase sondert einen eitrigen Schleim ab, der die Oberlippe wund macht und mitunter sogar eine rüssel-förmige Schwellung der Oberlippe hervorruft. Die Zunge ist oft stark belegt, die Atmung wird beschleunigt, desgleichen der Puls, so dass die Eltern - entsetzt über das schwere Krankheitsbild ihres hochfiebernden, mitunter leicht benommenen Kindes - mehrmals den Arzt rufen und dieser schon die Einweisung des Kindes in eine Kinderklinik erwägt.

Das an Masern erkrankte Kind ist in diesem Krankheitsstadium jedoch für alle übrigen Kinder in der Klinik hoch ansteckend; es muss also innerhalb der Klinik streng isoliert oder auf einer Infektionsabteilung für Masernkranke untergebracht werden. Diese zwingende Notwendigkeit gestattet es nur in seltenen Fällen, ein Masernkind der stationären Behandlung zuzuführen. Der Arzt sieht sich vielmehr gezwungen, den Zustand des Kindes durch mehrere Hausbesuche ständig zu kontrollieren.

Komplikationen bei Masern

In der Regel vermag er die Eltern nach wenigen Tagen zu beruhigen, denn nach dem Abklingen des Exanthems pflegt sich das Kind rasch zu erholen. Die weitverbreitete Meinung, die erkrankten Kinder müssten in verdunkelten Räumen untergebracht werden, ist völlig falsch. Der Aufenthalt in verdunkelten Räumen ist niemals notwendig.

Der geschilderte, normale Masernverlauf wird leider oft genug durch Komplikationen, Begleit- und Nachkrankheiten erschwert, besonders wenn eine zusätzliche Infektion mit Eitererregern das widerstandslos gewordene Kind befällt. Am häufigsten ist in diesem Zusammenhang eine Entzündung der kleinsten Bronchien, die schließlich in eine meist doppelseitige Lungenentzündung übergeht. Bei dieser Komplikation wird der Masernausschlag oft recht undeutlich und blasst überaus rasch ab, so dass man im Volksmund davon spricht, "der Ausschlag sei nach innen geschlagen". Erneutes Fieber sowie eine beschleunigte und stöhnende Atmung, bei der sich die geblähten Nasenflügel bewegen, lassen auch den Laien die Lungenentzündung des Masernkindes frühzeitig erkennen. Masernkranke mit Lungenentzündung erholen sich am besten an der frischen Luft.

Mit Recht wird der Masernkrupp am meisten gefürchtet, der sich durch bellenden Husten und durch eine heisere Stimme ankündigt. Besonders bei Kindern im 2. bis 4. Lebensjahr entsteht neben völliger Stimmlosigkeit eine tönende (juchzende) Einatmung, die von tiefen Einziehungen des Brustkorbs als Ausdruck der hochgradigen Atemnot begleitet wird. Derartige Zustände von schwerer Atemnot als Folge der Schleimhautschwellung im Bereich der Stimmritze können zu tödlicher Erstickung führen, wenn nicht rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch, genommen wird.

Masernkinder mit Kehlkopfkrupp gehören unbedingt in klinische Behandlung. Auch eine meist doppelseitige Mittelohrentzündung gehört zu den häufigen Komplikationen nach Masern, die in der Regel während der zweiten, Krankheitswoche auftritt. Dieses Krankheitsbild lässt sich heute jedoch mit Penizillin und anderen antibiotisch wirkenden Arzneimitteln gut beherrschen. Wenn ein Masernkind noch zusätzlich Krämpfe bekommt, wenn sich sein Bewußtsein trübt und Benommenheit sowie Lähmungen auftreten, sind Anzeichen einer Gehirnentzündung vorhanden. Eine so ernste Komplikation macht die stationäre Behandlung unbedingt erforderlich, weil das gesamte Rüstzeug der modernen Kinderheilkunde eingesetzt werden muss, um die Erkrankung des Zentralnervensystems zu beherrschen und bleibende Störungen der Sinnesorgane zu verhüten.

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Vorbeugung

Bei bereits angesteckten Kindern lässt sich seit einigen Jahren der Krankheitsausbruch verhüten, wenn man den Kindern während der ersten zwei Tage nach der Ansteckung Antikörper injiziert.

Wegen der Möglichkeit solcher Komplikationen zählen Kinderärzte die Masern heute keinesfalls zu den harmlosen Kinderkrankheiten. Kinder im Krippenalter erkranken nicht nur sehr oft an Masern, sie können sogar den Masernkomplikationen zum Opfer fallen. Auch im Hinblick auf die kontinuierliche Nutzung unserer Kinderkrippen und -gärten spielen die Masern eine bedeutende Rolle. Um die arbeitenden Mütter von den Sorgen um ihre Kinder zu befreien, muss von Seiten der Ärzte und Pflegekräfte, aber auch von den Eltern alles getan werden, was dazu beitragen kann, die Masern möglichst zu verhüten. Deshalb dürfen Geschwister masernkranker Kinder nicht mehr in eine Wochen- oder Tageskrippe gebracht werden, da sie bereits als infiziert angesehen werden müssen und die anderen Kinder gefährden.

Wenn sich ein infiziertes Kind bereits in einer Krippe oder auf einer Kinderstation befindet, so müssen die Leiterinnen unbedingt benachrichtigt werden, damit alle anderen Kinder vor dem Ausbruch einer Masernepidemie möglichst verschont bleiben. Besonders komplikationsreich pflegen die Masern bei Kindern der ersten drei Lebensjahre zu verlaufen. Deshalb sollen Kinder dieses Alters niemals absichtlich einer Masernansteckung ausgesetzt wenden. Manchen Müttern scheint die Zeit, die masernkranke Kinder den Krippen und Schulen fernbleiben müssen, zu lang. Doch muss ärztlicherseits unbedingt darauf geachtet werden, dass die Kinder 14 bis 16 Tage nach dem Abklingen des Ausschlags den Kindereinrichtungen und Schulen fernbleiben.

Es ist außerdem sehr wichtig, darauf zu achten, dass Kinder, deren Geschwister oder Spielgefährten an Masern erkrankt sind, keinesfalls geimpft werden dürfen, damit der Masernausbruch und die Impfreaktion nicht zusammenfallen. Für eine wirkungsvolle Masernbekämpfung reichen diese Maßnahmen jedoch noch nicht aus. Deshalb in Deutschand die Meldepflicht für jede Masernerkrankung eingeführt. Nur so ist es möglich, dass die zuständigen medizinischen Stellen rechtzeitig Maßnahmen einleiten können, um die Ausbreitung der Krankheit einzudämmen. Bei bereits angesteckten Kindern lässt sich seit einigen Jahren der Krankheitsausbruch verhüten, wenn man den Kindern während der ersten zwei Tage nach der Ansteckung Antikörper injiziert.

Dieser Serumbestandteil ist so reich an Schutzstoffen, dass sich damit - zur rechten Zeit gespritzt - ein vollständiger, wenn auch nur vorübergehender Schutz erzielen lässt. Diese Masernprophylaxe kommt vorzugsweise für kranke Kinder in Frage, die innerhalb einer Gruppe mit Masern angesteckt wurden; aber auch in Krippen und Heimen lässt sich auf diese Weise eine Masern-Infektionskette unterbrebrechen. Am Besten ist jedoch die Möglichkeit , mit Hilfe einer Schutzimpfung der Masern Herr zu werden. Die Kinder bekommen zwar im Anschluss an die Impfung nach etwa elf Tagen sogenannte "Impf-Masern", die mit Fieber und leichtem Ausschlag einhergehen, jedoch keine Komplikationen hervorrufen und vor allem für die Umgebung des Impflings nicht ansteckend sind.

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