Beckenendlage (Steißlage)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 3. Januar 2017
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Die Beckenendlage ist eine von der Norm abweichende Lage des ungeborenen Kindes im Mutterleib über die 34. Schwangerschaftswoche hinaus. Das Kind liegt dabei mit dem Kopf nach oben statt nach unten wie bei der normalen Schädellage. Der Steiß oder die Beine befinden sich am unteren Ende der Gebärmutter. Etwa fünf Prozent aller Kinder liegen bei der Geburt in einer Beckenendlage.

Inhaltsverzeichnis

Formen der Beckenendlage

Bis zur 34. Schwangerschaftswoche liegen alle Ungeborenen mit dem Kopf nach oben in der Gebärmutter. Mit zunehmendem Platzmangel drehen sie sich dann von selbst mit dem Kopf nach unten in die Schädellage. Findet diese Drehung nicht statt, spricht man von einer Beckenendlage. Es gibt unterschiedliche Varianten dieser Geburtsposition.

Die häufigste Form ist mit mehr als 60 Prozent die komplette Steißlage. Dabei kommt es nicht selten vor, dass nur ein Bein nach oben gerichtet ist. Es kann ebenso vorkommen, dass beide Beine des Kindes nach oben gerichtet sind und der Steiß unten liegt. Bei der kompletten Steiß-Fuß-Lage sind beide Beine angehockt. Bei den Mischformen gibt es die Knielagen (eines oder beide Knie nach unten), die Fußlagen (einer oder beide Füße nach unten).

Ursachen

Etwa die Hälfte der Beckenendlagen hat keine medizinisch feststellbare Ursache. Bei mehr als 50 Prozent ist die Mutter erstgebärend, auch eine familiäre Häufung ist feststellbar. Frauen und Männer, die selbst als Beckenendlage zur Welt gekommen sind, haben eine bis zu drei Mal höhere Wahrscheinlichkeit für ein Beckenendlagenkind.

Mehrlinge liegen ebenfalls überdurchschnittlich oft in Beckenendlage im Mutterleib. Bei Zwillingen beträgt die Häufigkeit etwa ein Drittel. Weitere Risikofaktoren für diese Abweichung sind Kopfmißbildungen, eine zu kurze oder verschlungene Nabelschnur sowie zu wenig oder zu viel Fruchtwasser. Gebärmutterfehlbildungen und bestimmte Beckenformen der Mutter begünstigen ebenfalls das Auftreten einer Beckenendlage.

Risiken einer Beckenendlage

Die Risiken einer Beckenendlage bestehen in einer Unterversorgung des Kindes mit Sauerstoff und Verletzungen bei der Geburt selbst. Das Umklappen der Arme im Geburtsvorgang kann ein Durchtreten des Kopfes verhindern. Die Geburtshelfer müssen die Arme dann manuell aus dieser Position lösen. Dabei kann es zu Armbrüchen und Muskelverletzungen kommen. Die Nabelschnur wird in der Beckenendlage zudem schneller zusammengedrückt als bei einer normalen Geburt.

Dies kann zu einer Sauerstoffunterversorgung des Kindes und schlimmstenfalls zu Hirnschäden führen. Bei bis zu 70 Prozent der Beckenendlagengeburten tritt außerdem ein durch Muskelverspannungen bedingter Schiefhals auf. Für die werdende Mutter ist eine Beckenendlagengeburt anstrengender, da diese oft länger dauert als eine normale Geburt. Auch die besonders belastende Pressphase kann sich länger hinziehen als bei einer Schädellagengeburt, weil der große Kopf des Kindes erst zum Schluss kommt.

Vaginale Geburt oder Kaiserschnitt?

Eine vaginale Geburt ist bei einer Beckenendlage generell möglich, wird aber heutzutage selten empfohlen. Sie setzt ein erfahrenes Team von Geburtshelfern voraus. Relativ wenige Kliniken bieten die Möglichkeit einer Spontanentbindung bei Beckenendlage.

Bei einer einfachen Steißlage, einem Geburtsalter von über 34 Wochen und wenn keine Erkrankungen der Mutter oder des Kindes vorliegen, steht einer Spontangeburt grundsätzlich nichts entgegen. Als Gebärposition wird der Vierfüßlerstand empfohlen, da das Kind in diesem weitgehend selbständig auf die Welt kommen kann. Es sind dann im Normalfall keine zusätzlichen Handgriffe durch die Geburtshelfer nötig.

Bei einem geschätzten Geburtsgewicht von mehr als 3500 Gramm, einem vorzeitigen Blasensprung, Erkrankungen der Mutter oder des Kindes sowie einer gestreckten Kopfhaltung des Kindes wird der Mutter ein Kaiserschnitt empfohlen. Dies gilt auch für ein relativ hohes Geburtsalter der Mutter sowie einen überdurchschnittlich großen Kopfumfang des Kindes.

Äußere Wendung bei der Beckenendlage

Die äußere Wendung bei einer Beckenendlage des Kindes ist eine Möglichkeit, dieses doch noch in die Schädellage zu bringen. Diese ist ab der 36. Schwangerschaftswoche möglich. Ein erfahrener Geburtshelfer übt dabei von außen Druck auf das Ungeborene aus und dreht es in die Schädellage. Dieses Verfahren geht mit Risiken einher: es kann zu Komplikationen der Nabelschnur, vaginalen Blutungen und einer vorzeitigen Lösung der Plazenta kommen.

Die Erfolgsquote liegt bei etwa 60 Prozent, das Risiko für Komplikationen wird mit etwa drei Prozent angegeben. Es sollte immer ein OP-Team bereitstehen, um im Falle einer Komplikation sofort einen Kaiserschnitt durchführen zu können. Weil eine äußere Wendung erst in der Spätphase der Schwangerschaft möglich ist, sind die Kinder bei einem solchen Kaiserschnitt schon reif genug für die Geburt.

Akupunktur und Moxibustion (Erwärmung von speziellen Körperpunkten) werden ebenfalls als Methode für eine Wendung diskutiert. Es handelt sich dabei um Verfahren aus der traditionellen chinesischen Medizin. Diese sind aber wissenschaftlich nicht bewiesen.




Alles wird gut!

Viele Frauen machen sich wegen einer Beckenendlage schon früh unnötig Sorgen. Meistens drehen sich die Kinder aber dann doch noch spontan in die Schädellage. Bei einer Beckenendlage liegt die Entscheidung für eine vaginale Geburt oder einen Kaiserschnitt immer bei der Mutter. Dies gilt auch für die Entscheidung zu einer äußeren Wendung.

Wichtig ist eine ausführliche medizinische Beratung, die ausführlich über Möglichkeiten und Risiken aufklärt. Egal ob Kaiserschnitt oder Spontangeburt, Beckenendlagenkinder unterscheiden sich in ihrer Entwicklung nicht von Schädellagenkindern. Unabhängig von der Art der Entbindung sind Schmerzen und Ängste meist schnell wieder vergessen und die Freude über das Wunder des neuen Lebens überwiegt.

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