Beckenboden–EMG

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 5. Oktober 2017
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Unter einem Beckenboden–EMG versteht man ein Verfahren zur Diagnostik von Harnblasenentleerungsstörungen. Es können Funktion und Aktivität der Muskulatur aufgezeichnet und somit pathologische Veränderungen festgestellt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Beckenboden–EMG?

Als Beckenboden–EMG wird eine Elektromyographie der Beckenbodenmuskulatur bezeichnet. Die Elektromyographie gilt als zusätzliche Untersuchung der Uroflowmetrie und dient zur Quantifizierung und anschließender Beurteilung der Beckenbodenmuskulatur.

Die Uroflowmetrie beinhaltet verschiedene Untersuchungsmethoden zum diagnostizieren von Blasenentleerungsstörungen. Während der Untersuchung mittels einer Beckenboden-Elektromyographie werden Muskelaktionspotentiale der quergestreiften Beckenbodenmuskulatur und der Sphinktermuskulatur (Schließmuskel) aufgezeichnet. Bei Muskelaktionspotentialen handelt es sich um elektrische Impulse, die durch Muskelaktivität ausgelöst werden.

Die Aufzeichnungen des Muskelaktionspotentials wird als Elektromyogramm bezeichnet. Neben der Anwendung zur Diagnostik kann diese Untersuchungsmethode, mit den entsprechenden zusätzlichen Utensilien wie einem akustischen Verstärker oder einem Bildschirm, zu therapeutischen Zwecken benutzt werden. Hierbei liegt der Schwerpunkt bei dem sogenannten Biofeedback-Training. Diese Art des Trainings dient dazu, die Funktion des Beckenbodens, die in der Regel nicht bewusst wahrnehmbar ist, zu messen und dem Patienten eine Rückmeldung zu geben. Der Patient kann anhand dieses Feedbacks Einfluss auf das Messergebnis nehmen und beispielsweise die Muskelspannung des Beckenbodens erhöhen oder vermindern.

Funktion, Wirkung & Ziele

Ein Beckenboden–EMG wird angewendet zur Diagnostik bei Miktionsstörungen, einer Belastungsinkontinenz, Anale Inkontinenz oder auch bei Obstipation (Verstopfung).

Bei der Untersuchung von Miktionsstörungen wird während der Beckenboden-Elektromyographie kein Kontrastmittel verwendet und birgt daher weniger Risiken als andere Untersuchungsmethoden. Die Belastungsinkontinenz, auch bekannt als sogenannter Stressinkontinenz, wird mittels eines Nadel–EMGs untersucht. Durch das EMG kann eine qualitative und quantitative Beurteilung der Miktion erfolgen und eine mögliche Ursache der Inkontinenz gefunden werden. Des weiteren wird dieses Verfahren der Diagnostik auch außerhalb der Urologie im Bereich der analen Inkontinenz angewendet, um eine anale Funktionsstörung zu beurteilen. Außerdem kommt es noch in der Proktologie zum Einsatz, zur Untersuchung einer möglichen pathologischen Opstipation (Verstopfung).

Das Verfahren des Flow–EMG zur Einschätzung einer vorliegenden Miktionsstörung ist eine der wichtigsten Screening-Verfahren. Dabei sollte immer beachtet werden, dass je nach Alter und Geschlecht die Werte der Miktion unterschiedlich ausfallen. Daher ist die Anamnese des Patienten sehr wichtig, um eine aussagekräftige Beurteilung zu erstellen.

Ein Beckenboden–EMG wird angewendet zur Diagnostik bei Miktionsstörungen, einer Belastungsinkontinenz, Anale Inkontinenz oder auch bei Obstipation (Verstopfung).

Um ein adäquates Ergebnis durch das Verfahren der Beckenboden–Elektromyographie zu erzielen, ist vor allem die richtige Positionierung der Elektroden wichtig. Um die ensprechenden Muskelaktionspotentiale abzuleiten, muss eine Klebeelektrode im Bereich des Afters und eine als Erdungselektrode (Indifferenzialektrode) am Oberschenkel angebracht werden. Bei der sogenannten Nadel–Beckenboden–EMG werden keine Klebeelektroden, sondern Nadelelektroden verwendet. Diese werden direkt im Gewebe platziert.

Die Aufzeichnung der Muskelaktionspotentiale erfolgt über einen 2–Kanal–Schreiber. Während einer Miktionsphase zeichnet dieser eine Harnflusskurve und die Funktion der Beckenbodenmuskulatur auf. Ein urologischer Facharzt kann anhand dieser Werte und der Anamnese des Patienten eine Beurteilung zum Miktionsverhalten abgeben.

Es gibt unterschiedliche Verfahren der Beckenboden–Elektromyographie. Allgemein lässt sich anhand dieses Verfahrens die komplette quergestreifte Muskulatur des Beckenbodens beurteilen. Es werden jedoch zwei Möglichkeiten der Anwendung unterschieden. Zum einen gibt es das unspezifische Oberflächen-EMG und das einfache Oberflächen–EMG. Dieses reicht in der Regel aus für allgemeine Beurteilungen einer Funktionsstörung. Sollen spezifische Untersuchungen mit dem EMG erfolgen, so wird ein eher aufwendiges Nadel–EMG durchgeführt. Dieses erzielt spezifische und aussagekräftigere Ergebnisse als das Oberflächen–EMG. Obwohl dieses Verfahren die besseren Ergebnisse erzielt, wird es jedoch selten durchgeführt.

Grund dafür ist, dass es deutlich schmerzhafter ist und mehr Risiken birgt. Trotzdem ist in manchen Fällen ein Nadel–EMG von hoher Bedeutung, da auch die Spontanaktivität der einzelnen Muskeln separat aufgezeichnet wird. Dies ist von Vorteil, wenn neurologische Dysfunktionen oder Vernarbungen im Beckenbodenbereich vorliegen oder festgestellt werden sollen. Grundsätzlich ist das Verfahren des Beckenboden–EMGs als alleinige Untersuchung nicht aussagekräftig genug, um eine abschließende mögliche Diagnose zu stellen.

Die Werte variieren zu stark durch die äußeren Gegebenheiten, die nicht nur die Anamnese (Alter, Vorerkrankungen) betreffen, sondern auch die einzelnen Gewebestrukturen und die Veranlagung in ihrer Funktion. Daher gilt das EMG als ein Diagnostikverfahren von vielen aus der Uroflowmetrie. Als alleinige Untersuchung sind die Ergebnisse der Elektromyographie nicht ausreichend genug und die Beurteilung demnach wage.

Bei der Beurteilung der Messergebnisse achtet der Facharzt auf die Funktion der Harnblase. Die physiologisch Aktivität wird durch eine Steigerung der Muskelspannung parallel zur Füllung der Harnblase beobachtet. Verstärkte oder zu geringe Aktivität der Harnblase werden als pathologisch bezeichnet. Während der Entleerung der Blase kommt es zu einer Entspannung der Sphinktermuskulatur. Dadurch wird der Schließmuskel geöffnet und der Harn kann abgeführt werden. In dieser Phase sollte ein Elektromyogramm nur minimale oder im besten Fall keine Aktionspotential der Muskulatur aufzeichnen.

Werden andere Werte aufgezeigt, so kann dies ein Hinweis auf eine pathologischen neurologischen Befund sein. Die Beckenbodenmuskulatur und der Schließmuskel können nicht mit entsprechenden neurologischen Reizen der Nerven angesteuert werden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Allgemein kommt es bei dem Beckenboden–EMG nur in ganz seltenen Ausnahmefällen zu Komplikationen. Die Oberflächen–Elektromyographie birgt keine Risiken oder anschließenden Komplikationen, es können sehr selten Hautirritationen durch die Klebeelektroden auftreten, welche durch Wundsalben schnell zurück gehen.

In sehr seltenen Fällen kann es durch die Nadel–Elektromyographie zu Komplikationen kommen. Bei der Anlage der Nadelelektroden in das Gewebe kann es zu Verletzungen der Nerven oder Blutgefäße kommen, welches jedoch so selten auftritt, dass es fast als hypothetisch bezeichnet werden kann.

Bücher über Beckenbodenschwäche

Quellen

  • Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Hautmann, R., Huland, H.: Urologie. Springer, Heidelberg 2010
  • Wetzke, M. et. al.: Bildgebende Verfahren. Urban & Fischer, München 2012

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