Bartflechte (Tinea barbae)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. Oktober 2017
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Die Bartflechte, auch Tinea barbae oder Bartmykose genannt, ist eine männliche Hauterkrankung, die durch Pilze verursacht wird. Sie zeigt sich durch große rötliche Flecken, die im Krankheitsverlauf zu Pusteln werden können und vor allem an der Gesichtsbehaarung auftreten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Bartflechte?

Die Bartflechte, deren medizinischer Fachbegriff Tinea barbae ist, gehört zu den sogenannten Dermatophytosen. Hierunter werden Hauterkrankungen gefasst, die durch eine der 38 Arten der Deratophyten, einer Fadenpilzart, verursacht werden.

Eine der häufigsten Formen dieser Erkrankung ist die Bartflechte, die nur bei Männern auftritt. Daneben gibt es ähnliche, durch diese Pilze verursachte, Hautausschläge, die alle Säugetiere befallen können, beispielsweise die Kopfflechte oder die Gesichtsflechte.

Die Bartflechte betrifft in der Regel ältere Männer, Jungen und junge Männer sind selten betroffen. Das Vorhandensein und die Länge des Bartes spielen jedoch keine Rolle bei Krankheitsentstehung und -verlauf.

Typische Symptome der Bartflechte sind runde, schuppige, rötliche Flecken, die sich sehr schnell mit den Haarfollikeln am Haaransatz verbinden und dort sogenannte Furunkeln oder Pusteln bilden. Funkeln sind tiefe, sehr schmerzhafte Entzündungen von Haarbalg und dem ihn umgebenden Gewebe, die sich mit Eiter füllen und bei ihrer Abheilung Narben hinterlassen.

Ursachen

Die Ursache der Bartflechte sind Infektionen mit spezifischen Fadenpilzen, den Deratophyten. Die genauen Erreger heißen Trichophyton mentagrophytes, der bei Nagetieren vorkommt, oder Trichophyton verrucosum, dessen Hauptwort Rinder sind. Seltener können Sprosspilze oder bakterielle Infektionen, diese zumeist mit Staphylokokken, als Ursache ausgemacht werden.

Die Übertragung der Erreger und somit die Ansteckung erfolgt durch Kontakt mit den genannten Tierarten. Problematisch ist, dass die Pilzsporen nicht nur hochansteckend sind, sondern sich zudem auch noch über vier Jahre infektiös und resistent gegenüber jeglichen Umwelteinflüssen zeigen.

Um den Menschen anstecken zu können, müssen die Pilze die natürliche Hautflora und ihr spezifisches Immunsystem überwinden, um in Nägel, Hornschicht oder Haare eindringen zu können. Die folgenden Abläufe sind sehr komplex, führen jedoch zu den geschilderten Symptomen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Stellt ein Mann auffällige Flecken an sich fest, so sollte er sich einen Termin bei einem Dermatologen besorgen. Wichtig ist, schon bei der Terminvereinbarung den Ausschlag möglichst genau zu schildern, um einen möglichst zeitnahen Termin zu bekommen.

Für den Hautarzt sind Form, Aussehen und Ort des Ausschlags schon ein typisches Indiz auf Bartflechte und er kann auf Verdacht eine allgemeine Behandlung einleiten. Die genaue Diagnose und damit die ursachenbezogene Behandlung darf jedoch erst gestellt werden, wenn nach einem Abstrich und der Laboranalyse der Haut der Erreger einwandfrei identifiziert wurde.

Differenzialdiagotisch sind Lupus erythematodes, eine Autoimmunerkrankung, andere Hautpilzerkrankungen, Schuppenflechte und Ekzeme auszuschließen. Werden die rötlichen Flecken nicht oder unzureichend behandelt, so entwickeln sie sich zu eitergefüllten Furunkeln und, sollte weiterhin eine Behandlung ausbleiben, zu großen Abszessen. Diese können mit einer Lymphknotenschwellung und Fieber einhergehen. Auch die Chronifizierung der Bartflechte ist eine mögliche Komplikation des unbehandelten Verlaufs.

Komplikationen

Die Bartflechte, die meist von dem Fadenpilz Trichophyton mentagrophytes oder Trichophyton verrucosum hervorgerufen wird, kann unbehandelt zu erheblichen Komplikationen führen. Nach dem Anfangsstadium der Pilzinfektion bilden sich typischerweise auf der Gesichtshaut in den Bereichen mit Bartwuchs Pusteln, die sich mit Eiter füllen. Wenn die Eiterpusteln nicht aufplatzen und nicht mechanisch eröffnet werden, entstehen tief reichende, schmerzhafte Furunkel.

Mehrere Furunkel können sich zu Karbunkeln zusammenschließen und letztlich Abszesse verursachen, die auch von Fieber begleitet sein können. Bei Nichtbeachtung einer Grundhygiene bieten Furunkel, Karbunkel und Abszesse das Einfallstor für Infektionen mit anderen Keimen. Als weitere Komplikation kann sich deshalb eine Art Superinfektion ausbilden, die von verschiedensten Keimen verursacht werden kann.

Bei weiterer Nichtbehandlung der Erkrankung besteht die Gefahr, dass die Entzündungen chronisch werden und nur schwer behandelbar sind. Falls sich keine Superinfektion einstellt, heilt die Bartflechte normalerweise nach mehreren Monaten von selbst aus. Allerdings hinterlassen die ausgeheilten Furunkel, Karbunkel und Abszesse Narben, die ein kosmetisches Problem darstellen können.

Falls der Erreger der beginnenden Bartflechte einwandfrei diagnostiziert werden kann, stehen breitbandige und zum Teile auch erregerspezifische Antimykotika zur äußeren Anwendung zur Verfügung. Die oben beschriebenen Komplikationen bleiben bei einer fachgerechten und gezielten Behandlung weitestgehend aus. Die Bartlänge selbst hat keinen Einfluss auf die Erscheinungsformen der Bartflechte.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Beim Auftreten von Bartflechte sollte in jedem Falle ein Arzt aufgesucht werden. Die Beschwerden können sich auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten und auch dort zu verschiedenen Beschwerden führen. Dabei sollte bei dauerhaften Rötungen der Haut oder beim Auftreten von Pusteln in der Region des Bartes ein Doktor aufgesucht werden. Auch bei Schwellungen der Lymphknoten oder bei hohem Fieber können die Beschwerden auf Bartflechte hinweisen, sodass eine Untersuchung bei einem Arzt sinnvoll ist. Nicht selten kommt es weiterhin auch zu anderen Erkrankungen der Haut oder zu Schuppenflechten.

In der Regel kann bei Bartflechten direkt ein Hautarzt aufgesucht werden. In akuten Notfällen oder bei einem starken Juckreiz oder bei Schmerzen kann auch das Krankenhaus aufgesucht werden. In der Regel wird die Behandlung mit Hilfe von Medikamenten durchgeführt und führt nicht zu weiteren Komplikationen. Die Beschwerden werden dabei relativ gut eingedämmt. Vor allem eine direkte Rasur des Bartes kann die Bartflechte schnell entfernen und beseitigen. Die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch diese Beschwerde nicht eingeschränkt.

Behandlung & Therapie

Zwar heilt die Bartflechte häufig nach mehreren Monaten von selbst aus, da dies jedoch nicht ohne Abszessbildung vonstatten geht, sind hiermit Schmerzen und große Narben verbunden.

Aus diesem Grund ist Betroffenen eine fachärztliche Behandlung anzuraten. Zudem sollte eine Chronifizierung verhindert werden. Ein wichtiger erster Behandlungsschritt ist die gründliche Rasur des betroffenen Bereiches.

Die weitere Therapie richtet sich nach den festgestellten Erregern und der Schwere der Erkrankung. Bartpilzflechten werden äußerlich mit Antimykotika oder desinfizierenden Cremes behandelt, die Einnahme von Medikamenten ist selten und nur in sehr schweren Erkrankungsfällen nötig.

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Aussicht & Prognose

Die Bartflechte lässt unterschiedliche Prognosen zu, die abhängig vom Betroffenen, seiner Hygiene und der Art der Behandlung sind. So kann eine frühzeitig erkannte Bartflechte, die sich noch nicht im Stadium der Abzess- und Furunkelbildung befindet, gut medikamentös behandelt werden. Ein völliges Ausheilen ist zu erwarten und es sind bei früher Erkennung keine Folgeschäden zu erwarten.

Unbehandelt heilt die Tinea barbae ebenfalls aus. Dies bedeutet für den Betroffenen aber auch, dass sich erst Pusteln bilden, später dann Furunkel und Abzesse. Dies kann aufgrund der enormen Hautschädigungen Zweitinfektionen mit anderen Erregern ermöglichen, wodurch eine gefährliche Superinfektion möglich wird. Die Reihe an darauf folgenden Komplikationen ist lang und umfasst unter anderem eine dauerhafte Entstellung des Gesichtes durch Gewebeschädigungen. Außerdem gehen Haarwurzeln - und damit der Bartwuchs - an betroffenen Stellen häufig verloren, wenn der Pilz nicht medikamentös behandelt wird. Außerdem kann ein Voranschreiten der Pilzinfektionen zu geschwollenen Lymphknoten und Fieber führen.

Die Behandlung einer Bartflechte ist umso erfolgreicher, desto gewissenhafter sie durchgeführt wird. Empfohlen wird zur besseren Erreichbarkeit des Pilzes und zur besseren Hautregeneration, dass vorhandener Bart abrasiert wird. Desto besser das Gesicht im Zuge der Behandlung gepflegt wird, desto besser kann sich auch die Haut regenerieren.

Ein einmaliger Befall durch eine Bartmykose führt beim Betroffenen nicht zu einer Resistenz. Der Hauttyp, verschiedene Krankheiten und die Lebensumstände sind maßgeblich an der Wahrscheinlichkeit einer Wiedererkrankung beteiligt.

Vorbeugung

Antimyotika sind ein sehr wirksames Medikament gegen Pilze, sofern sie richtig eingesetzt und auf den Krankheitserreger ausgerichtet werden. Sie werden als Creme oder Salbe aufgetragen.

Es gibt aufgrund der Langlebigkeit der Erreger keine sicheren Präventivmaßnahmen, wenn der Kontakt mit erkrankten Tieren nicht ausgeschlossen werden kann.

Erkrankte sollten jedoch strenge Hygienemaßnahmen einhalten, um eine wiederkehrende Ansteckung zu vermeiden. Benutzte Rasierapparate sollten nach jeder Nutzung desinfiziert, Handtücher und Fachlappen müssen regelmäßig heiß gewaschen oder idealerweise ausgekocht werden.

Das können Sie selbst tun

Bartflechten lassen sich in Rücksprache mit einem Arzt selbstständig behandeln. Meist genügt es, die betroffene Stelle mehrmals täglich mit pilztötenden Salben, Lotionen und Cremes zu versorgen. Bis die Entzündung abgeklungen ist, sollte außerdem auf eine Nassrasur verzichtet werden. Es empfiehlt sich, Trockenrasierer zu verwenden und generell auf eine ausreichende Hygiene zu achten. Um eine erneute Entzündung zu verhindern, sollten auch die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten hinterfragt und gegebenenfalls umgestellt werden.

Zuvor muss allerdings die Ursache der Bartflechte ermittelt werden. Meist ist eine geschwächte Immunabwehr ursächlich, die sich neben einer gesunden Ernährung und ausreichend körperlicher Bewegung auch durch eine Darmsanierung oder Eigenbluttherapie behandeln lässt. Heilkräuter wie die Taigawurzel haben ebenfalls einen positiven Effekt auf das körpereigene Abwehrsystem.

Gegen die eigentliche Entzündung hilft Ringelblumensalbe oder -tinktur aus der Apotheke. Alternativ können Tees oder Kompressen aus Zinnkraut verwendet werden. Aus der Homöopathie bieten sich etwa die Schüssler Salze Nr. 1 „Calcum fluoratum“, Nr. 11 „Silicea“ und Nr. 12 „Calcium sulfuricum“ an. Günstige Alternativen aus dem Haushalt sind unter anderem Essig und Teebaumöl.

Bücher über Hautrötungen & Hautpflege

Quellen

  • Abeck, D.: Häufige Hautkrankheiten in der Allgemeinmedizin. Springer, Berlin Heidelberg 2011
  • Altmeyer, P.: Therapielexikon Dermatologie und Allergologie. Springer Medizin Verlag, Berlin Heidelberg 2005
  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011

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