Bakteriurie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Oktober 2017
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Von einer Bakteriurie spricht die Medizin, wenn bei der Untersuchung des Harns ein erhöhter Wert an Bakterien festgestellt wird. In vielen Fällen sind damit keinerlei Beschwerden verbunden. Treten Symptome wie Schmerzen beim Urinieren, starker Harndrang sowie Fieber auf, liegt in Verbindung mit einer Entzüdung der Harnwege bis hin zur Nierenbeckenentzündung eine symptomatische Bakteriurie vor.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Bakteriurie?

Unter einer Bakteriurie verteht die Medizin eine erhöhte Ansammlung von Bakterien im Harn. Je nach Befund kann eine Bakteriurie völlig beschwerdefrei und harmlos sein oder mit Symptomen einer Entzündung wie starken Schmerzen in den Harnwegen, Schüttelfrost und Fieber einhergehen.

In einem solchen Fall spricht die Medizin von symptomatischer Bakteriurie. Eine schwere Bakteriurie mit ausgeprägten Symptomen einer Harnwegsinfektion kann sich unbehandelt zu einer Nierenbeckenentzündung entwickeln. Betroffen von einer Bakteriurie können Patienten in jedem Lebensalter sein, ältere Menschen allerdings häufiger als jüngere. Wegen der anatomischen Besonderheit der Harnwege leiden Frauen statistisch gesehen häufiger als Männer an einer Bakteriurie.

Ursachen

Ursachen für eine Bakteriurie sind in den Urin von außen eingedrungene Bakterien, die das Gleichgewicht im normalerweise keimfreien Harn stören. Das Eindringen der Bakterien kann vielerlei Ursachen haben.

Bei Frauen sind es infolge des offenen Zugangs zum Harnleiter häufig Darmbakterien, die beim Toilettengang in den Urin gelangen können. Auch Hygienefehler beim Anlegen eines Blasenkatheters sowie Blasenkrebs und Diabetes können zu einer Bakteriurie führen.

Wieso eine Bakteriurie manchmal ohne Symptome und manchmal mit Beschwerden auftritt, ist medizinisch nicht eindeutig geklärt. Die Forschung geht von schwächeren Bakterien aus, die dem Immunsystem nicht genügend Angriffsfläche bieten und daher zu einer gemäßigten Bakteriurie führen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Frau leidet an Bakteriurie
Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen können bei einer Bakteriurie auftreten und sind sehr unangenehm.

Die Diagnose Bakteriurie wird gestellt, wenn bei der Untersuchung des Urins im Labor erhöhte Bakterienwerte gemessen werden. Meist sind für die Erstellung der Diagnose zwei Urinproben nötig, da das Ergebnis durch Bewegung des Harns leicht verfälscht werden kann.

Ist die Diagnose eindeutig, der Patient zeigt allerdings keinerlei Symptome, verläuft die Bakteriurie unauffällig und verschwindet irgendwann wieder von selber. Im Gegensatz dazu kann eine Bakteriurie mit Symptomen sehr heftig verlaufen.

Schmerzen im Zusammenhang mit den Harnwegen können vom leichten Brennen beim Urinieren bis zu sehr starken Schmerzen im Bereich der Harnröhre oder auch des Beckens reichen.

Eine auffälige Veränderung des Harns, etwa milchtrübe oder rötliche Verfärbungen bis hin zu Blut im Urin oder üblem Geruch, können Hinweise auf eine Bakteriurie sein.

Komplikationen

Bei einer Bakteriurie können unterschiedliche Komplikationen auftreten. Das Auftreten der Bakteriurie ist bei Frauen und Männern stark unterschiedlich und vor allem bei Frauen in der Schwangerschaft stark bevorzugt. Durch die Bakteriurie kommt es in vielen Fällen zu einer Entzündung in der Niere oder in den Harnwegen. Dabei tritt in der Regel ein erhöhtes Wasserlassen auf.

Beim Wasserlassen sind Schmerzen keine Seltenheit. Dadurch kann sich die Lebensqualität des Patienten stark verringern, da es bei jedem Toilettengang zu Schmerzen kommt. Als Folge trinken Menschen oft weniger, was zu anderen Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Schlafstörungen führen kann. Beim Urinieren klagen die Betroffenen auch über ein Brennen.

Die Behandlung sollte immer durch einen Arzt erfolgen. In den meisten Fällen findet sie mit Hilfe von Antibiotika statt. Ein operativer Eingriff ist nicht notwendig. Das Symptom tritt oft bei Diabetikern auf und kann durch die verminderte Zufuhr an Zucker und einer reichlichen Flüssigkeitszufuhr vermieden werden.

Bei einer Bakteriurie helfen auch Bettruhe und Erholung, um das Symptom zu bekämpfen. Das Aufsuchen der Arbeitsstelle ist in der Regel nicht möglich und sollte auch vermieden werden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen oder Blut im Urin sollte schleunigst zu einem Arzt gegangen werden. Dieser kann dann eine Untersuchung vornehmen und feststellen, ob es sich um eine Bakteriurie oder um eine andere Ursache handelt. Anschließend kann die konkrete Erkrankung, etwa eine Blasenentzündung oder ein Infekt der Harnwege, ermittelt und behandelt werden. Sollten die Beschwerden besonders intensiv sein und nach spätestens einer Woche nicht zurückgehen, muss spätestens ein Arzt konsultiert werden.

Womöglich haben sich die Bakterien inzwischen auf andere Körperbereiche wie die Nieren oder die Harnwege ausgebreitet oder es hat sich bereits ein ernsthafter Infekt entwickelt. Kopfschmerzen, Schlafstörungen und andere Beschwerden sind ein eindeutiger Hinweis auf eine fortgeschrittene Bakteriurie. Tritt eines oder mehrere dieser Symptome auf, sollte der Betroffene ab zum Arzt und die Ursache feststellen lassen. Dies gilt vor allem für Risikogruppen wie Diabetiker, Menschen mit Immunschwäche und schwangere Frauen. Meist genügt es, Antibiotika, Bettruhe und diätetische Maßnahmen gegen die Krankheit anzuwenden.

Behandlung & Therapie

Wird eine harmlose leichte Bakteriurie durch Zufall bei einer Routineuntersuchung entdeckt und bleibt sie dauerhaft beschwerdefrei, wird der Arzt in der Regel keine weitere Behandlung vornehmen.

Allerdings ist es zu empfehlen, die Zufuhr von Flüssigkeit, etwa in Form von stillem Mineralwasser, erheblich zu erhöhen um die Bakterien aus den Harnwegen herauszuschwemmen. Heiltees mit harntreibender Wirkung können dabei ebenfalls unterstützend wirken. So wirken sich Löwenzahn und Brennessel, Rosmarin und Wacholder positiv auf die Harnausscheidung aus. Solche als Entwässerungstees oder Harntees bekannten Mischungen gibt es fertig zu kaufen, sie lassen sich allerdings auch selber zusammenstellen.

Gut eignen sich zum Ausschwemmen harntreibendes Gemüse und Obst wie Spargel und rohe Karotten, Melonen und Ananas als Diät bei Bakteriurie. Bei Schwangeren wird vorsichtshalber eine Bakteriurie auch ohne Symptome behandelt, um das Risiko einer möglichen Frühgeburt oder Nierenbeckenentzündung vorbeugend zu vermeiden. Zuverlässig wirken auch in der Schwangerschaft nur Antibiotika gegen Bakteriurie.

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Aussicht & Prognose

Nicht in jedem Falle muss es bei der Bakteriurie zu Beschwerden oder zu Schmerzen kommen. Viele Betroffene leiden dabei an keinen Symptomen und benötigen aus diesem Grund auch keine besondere Behandlung.

Eine Behandlung ist daher nur dann notwendig, wenn der Betroffene an Schmerzen oder an einem Brennen beim Wasserlassen aufweist. In der Regel führt die Behandlung der Bakteriurie immer zu einem Erfolg, sodass es stets zu einem positiven Krankheitsverlauf bei dieser Erkrankung kommt. In den meisten Fällen erfolgt die Behandlung dabei mit Hilfe von Antibiotika. Dabei verschwinden die Beschwerden schon nach einigen Tagen und es kommt nicht zu weiteren Komplikationen. Eventuell kann die Bakteriurie auch zu Entzündungen oder Beschwerden in den benachbarten Regionen des Körpers führen, die allerdings ebenso mit Hilfe von Medikamenten behandelt werden können. Auch verschiedene Tees können sich dabei positiv auf die Erkrankung auswirken.

Sollte die Bakteriurie nicht behandelt werden, so kommt es in der Regel nicht zu einer Selbstheilung und zu verschiedenen Entzündungen oder Infektionen an den Organen. In vielen Fällen kann auch eine verbesserte Hygiene die Erkrankung bekämpfen und die Beschwerden einschränken.

Vorbeugung

Gegen eine Bakteriurie gibt es keine zu einhundert Prozent sicher wirkende Vorbeugemaßnahme. Die übermäßige Ansammlung von Bakterien im Urin kann sich jederzeit auch ohne erkennbare Ursachen entwickeln. Vorbeugend hilft neben reichlich Flüssigkeitszufuhr peinliche Hygiene beim Waschen im Intimbereich und beim Toilettengang. So sollten Frauen darauf achten, beim Wischen mit dem Waschlappen oder dem Toilettenpapier keine Bakerien aus dem Darm versehentlich die Harnwege passieren zu lassen. Bei Patienten mit Blasenkatheter ist ebenfalls besondere Hygiene angezeigt um eine Bakteriurie zu vermeiden.

Das können Sie selbst tun

Liegt eine Bakteriurie vor, sollte grundsätzlich ärztlich abgeklärt werden, ob die Behandlung mit einem Antibiotikum notwendig ist. Wenn nur wenige Bakterien im Urin vorhanden sind, reicht oft schon eine Erhöhung der Flüssigkeitszufuhr auf mindestens zwei Liter pro Tag aus, um diese auszuschwemmen.

Wasser und Kräutertees sind dabei koffein- und zuckerhaltigen Getränken vorzuziehen, viele Heilkräuter wie etwa Brennnessel, Kamille, Bärentraubenblätter und Ackerschachtelhalm wirken zusätzlich harntreibend und entzündungshemmend. Preiselbeeren und Cranberrys enthalten Substanzen, die es den Bakterien erschweren, sich in der Blasenschleimhaut einzunisten – auch die Anzahl der Krankheitserreger im Urin kann durch das regelmäßige Trinken von Preiselbeer- oder Cranberrysaft erheblich gesenkt werden. Pflanzliche Arzneimittel mit Extrakten aus Kapuzinerkresse und Meerrettich bekämpfen auf natürliche Weise die im Urin vorhandenen Bakterien ähnlich wie ein Antibiotikum.

Unterkühlung macht die Blase anfällig für Infektionen, insbesondere Unterleib und Füße sollte daher immer warm gehalten werden. Hat sich aus der Bakteriurie bereits eine Blasenentzündung entwickelt, die mit Krämpfen einhergeht, hilft oft das Auflegen einer Wärmflasche oder eines Kirschkernsäckchens. Eine regelmäßige und vollständige Blasenentleerung hindert die Bakterien daran, sich massiv zu vermehren – für Frauen empfiehlt sich insbesondere nach dem Geschlechtsverkehr der Gang zur Toilette. Intimhygiene ist bei einer Bakteriurie wichtig, übertrieben ausgeführt schadet sie allerdings mehr als sie nützt.

Bücher über Harnwegsinfektionen

Quellen

  • Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Suttorp, N., et al.: Infektionskrankheiten. Thieme, Stuttgart 2004

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