Bänderdehnung (Bänderzerrung)

Letzte Aktualisierung am 30. März 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Eine Bänderdehnung oder Bänderzerrung ist eine häufig vorkommende Sportverletzung. Durch starke Belastung der Gelenkbänder durch extreme und ruckartige Bewegungen kommt es zu einer Überdehnung bzw. Zerrung dieser Bänder. Typische Ursachen sind daher das Verdrehen des Knies oder das Umknicken des Fußes. Um einen Knochenbruch und weitere Komplikationen auszuschließen, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Bänderdehnung (Bänderzerrung)?

Eine Bänderdehnung, oft auch Bänderzerrung genannt, bezeichnet eine Überdehnung der Sprunggelenksbänder. Die Anzeichen einer Bänderdehnung sind meistens starke Schwellungen, heftige Blutergüsse und spürbare Schmerzen im Bereich des betroffenen Gelenks.

Eine gezielte Erste Hilfe bei dem Verdacht auf eine Bänderdehnung ist ein Druckverband, der die Schwellung zurückhält, eine ausreichende Kühlung und ein sofortiger Besuch im Krankenhaus. Denn bei der Diagnose einer Bänderdehnung muss auch immer ein möglicher Bänderriss oder Knochenbruch ausgeschlossen werden.

Ursachen

Eine Bänderdehnung tritt meistens als Folgeerscheinung eines Unfalls auf, bei dem der oder die Betroffene etwa umknickt oder anderwärtig ungünstig mit dem Sprunggelenk aufkommt. Eine Bänderdehnung kann aber ebenfalls auftreten, wenn man sich das Sprunggelenk stark verdreht. Daher tritt eine Bänderdehnung auch oft in Verbindung mit den verschiedensten sportlichen Aktivitäten auf, denn Sprunggelenksbänder finden sich an allen Gelenken im menschlichen Körper.

Am häufigsten sind jedoch die Sprunggelenke der Füße und die der Finger von einer Bänderdehnung betroffen. Eine Bänderdehnung ist schnell passiert und sehr schmerzhaft, aber in den meisten Fällen nicht wirklich von drastischer Natur. Sie tritt häufiger auf, als es viele Menschen erwarten. Eine Bänderdehnung kann in verschiedenen Schweregraden daherkommen: von leicht über mittel bis hin zu sehr schwer. Daher ist es wichtig, die Symptome einer Bänderdehnung nach einem entsprechenden Unfall genau zu beobachten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Dehnung beziehungsweise Zerrung der Bänder entsteht in der Regel durch eine zu starke Überbelastung der Gelenke. Bemerkbar macht sich dieses Krankheitsbild durch einen stechenden Schmerz, der auch im nachträglichen Ruhezustand auftritt. Betroffene Personen sind bei einer Bänderdehnung im gesamten Bewegungsablauf stark eingeschränkt, da bereits geringste Bewegungen starke Schmerzen verursachen.

In einigen Fällen ist auch eine Schwellung zu erkennen, die jedoch durch ausreichendes Kühlen gehemmt werden kann. Eine Bänderdehnung kann sich allerdings auch im absoluten Ruhezustand bemerkbar machen. Betroffene Personen verspüren oftmals eine langanhaltenden Schmerz, der das gesamte Bein betreffen kann.

In einigen Fällen kann sich das betroffene Gelenk sogar entzünden, sodass es zur Bildung eines Abszesses kommt. Ein solcher Abszess macht sich durch eine bläuliche Verfärbung an der jeweiligen Stelle bemerkbar. Deuten mehrere Anzeichen auf einen solchen Abszess hin, dann ist schnellstmöglich ein entsprechender Arzt aufzusuchen.

Krankheitsverlauf

Umso stärker die Bänder des Sprunggelenkes bei einer Bänderdehnung gezerrt sind, umso heftiger sind meistens auch die Schwellungen, Blutergüsse und die Schmerzen. Je nach Schwere der Bänderdehnung können Schmerzen bereits beim Stehen auftreten oder aber erst beim Laufen. Meistens treten sie als Druckschmerz oder gefühlte Sperre im Gelenk auf.

Komplikationen

Im Ruhezustand, etwa wenn der Fuß oder die Hand viel gekühlt und hochgelegt wird, schwillt das betroffene Sprunggelenk meistens wieder erheblich ab. Ebenso lassen die Schmerzen bei ausreichender Ruhe nach – allerdings nur solange, wie das Gelenk geschont wird. Versucht man mit einer Bänderdehnung vorzeitig wieder normal am Alltag oder Sport teilzunehmen, kommen die Beschwerden sehr schnell, und meistens drastischer, zurück.

Eine einfache Bänderdehnung ist meist harmlos und nach einigen Tagen überstanden. Wird die Zerrung allerdings nicht oder nur unzureichend behandelt, kann es zu verschiedenen Komplikationen kommen. Unbehandelt besteht bei einer Bänderdehnung immer das Risiko, dass es zum vollständigen Bänderriss und in der Folge zu einer chronischen Gelenkinstabilität kommt; Einschränkungen der Bewegung und bei der Funktionalität sind mögliche Folgen.

Durch eine Fehlbelastung in Folge einer Schonhaltung werden überdies die Gelenke belastet, was zum vorzeitigen Gelenkverschleiß führen kann. Außerdem schränkt eine Bänderdehnung die Mobilität ein und erhöht dadurch die Unfallgefahr im Alltag. Wird nach einer Dehnung zu früh mit dem Sport begonnen oder die Gelenke im Alltag übermäßig belastet, kehren die Beschwerden sehr schnell und zumeist stärker wieder zurück.

Heilt die Zerrung nicht vollständig aus, besteht außerdem die Gefahr dauerhafter Gangstörungen oder Gelenkschmerzen. Oftmals strahlen die Schmerzen in den gesamten Fuß aus und entwickeln sich dadurch auch zu einer physischen Belastung für den Betroffenen. Bei der Behandlung können unsachgemäße Therapiemaßnahmen zu einer Verschleppung der Bänderdehnung und in der Folge zu schweren Komplikationen führen.

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Wann sollte man zum Arzt gehen?

Beim Verdacht auf eine Bänderdehnung sollte sofort zum Arzt gegangen werden. Schmerzen und Schwellungen des betroffenen Gelenks deuten auf eine ernste Verletzung hin, die medizinisch abgeklärt und gegebenenfalls direkt behandelt werden muss. Spätestens, wenn das Gelenk nicht mehr oder nur noch eingeschränkt bewegt werden kann, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Eine leichte Überdehnung heilt dagegen meist von alleine ab. Sofern die sportlichen Aktivitäten für einige Tage eingestellt werden, lassen die Schmerzen üblicherweise schnell nach und auch die Schwellung klingt ohne Komplikationen ab.

Sollten die Beschwerden nach spätestens ein bis zwei Wochen nicht zurückgegangen sein, wird am besten ein Arzt oder Sportmediziner konsultiert. Professionelle Sportler und Menschen, die sich beruflich viel bewegen müssen, sollten Sportverletzungen umgehend erstversorgen und anschließend einen Arzt aufsuchen. Nur durch eine medizinische Diagnose können schwerere Bandverletzungen wie ein Bänderanriss oder ein Bänderriss ausgeschlossen werden. Zudem kann der Arzt eine gezielte Behandlung einleiten und damit die Abheilung der Bänderdehnung beschleunigen.

Behandlung

Grundsätzlich muss eine Bänderdehnung bzw. Bänderzerrung unbedingt von einem Facharzt diagnostiziert werden, denn ein Bänderriss und Knochenbruch muss ausgeschlossen werden. Von allen möglichen Verletzungen des Sprunggelenkes ist eine Bänderdehnung mitunter am unproblematischsten zu behandeln. Alles, was das Gelenk an dieser Stelle braucht, ist etwas Ruhe, um sich wieder zu erholen.

Nach dem Unfall und bei einer Bänderdehnung sollte das betroffene Sprunggelenk geschont und hochgelegt werden. Spezielle Salben können die Heilung dabei ebenso unterstützen, wie eine gezielte Kühlung. Diese sorgt dafür, dass die Schwellung zurückgeht, was wiederum die Bewegungen erleichtert. Übergreifend heilt eine Bänderdehnung in etwa einer Woche oberflächlich ab. Dann kann man bei einer Bänderdehnung langsam wieder in einen privaten und beruflichen Alltag übergehen.

Da bei einer Bänderdehnung allerdings auch Muskeln, Sehnen und Gewebe in Mitleidenschaft gezogen werden, sollte man es mindestens zwei bis drei Wochen nach dem Unfall sehr ruhig angehen lassen. Bei einer Bänderdehnung können in dieser Zeit bei Überlastung immer noch leichte Beschwerden auftreten. Sind diese allerdings zu stark, sollte man unbedingt erneut einen Arzt aufsuchen.

Nachsorge

Im Falle einer Bänderdehnung und Bänderzerrung spielt die Nachsorge eine wichtige Rolle. So hat selbst eine Bänderdehnung eine temporäre leichte Instabilität des betroffenen Gelenks zur Folge. Einerseits ist die stabilisierende Muskulatur geschwächt, da diese nach der Verletzung geschont und damit nur bedingt genutzt wird. Andererseits werden bei einer Bänderzerrung auch die sensiblen Rezeptoren innerhalb der Bänder beschädigt, was wiederum die Koordination negativ beeinträchtigt und eine erneute Verletzung wahrscheinlicher macht.

Eine angemessene Nachsorge sorgt demnach einerseits dafür, dass die Muskeln wieder gestärkt und die Tiefensensibilität wieder hergestellt werden. Dies lässt sich am besten durch eine gezielte Physiotherapie erreichen. Diese setzt gezielte Kraft- und Koordinationsübungen ein, um verletzte Strukturen zu erneuern. Erlernte Übungen können dann privat fortgesetzt werden und haben auch eine prophylaktische Wirkung gegen zukünftige Verletzungen der betroffenen Bänder. Wichtig ist zudem das Gelenk erst dann wieder allmählich voll zu belasten, sobald dies schmerzfrei möglich ist.

Andererseits kann das Gelenk in den Monaten nach der Bänderdehnung auch durch orthopädische Bandagen und Tapes im Alltag und speziell beim Sporttreiben stabilisiert werden. Jedoch sollten solch unterstützende Maßnahmen nicht dauerhaft eingesetzt werden, um den Bandapparat und die muskuläre Koordination wieder an natürliche Belastungen ohne Unterstützung heranzuführen.

Aussicht & Prognose

Die Dehnung oder Zerrung von Bändern haben eine gute Prognose. Innerhalb von wenigen Wochen besteht unter Berücksichtigung der ärztlichen Vorgaben die Aussicht einer Heilung. Die betroffene Region muss entlastet werden und die Teilnahme an einer Physiotherapie erhöht den Heilungserfolg wesentlich. Menschen in einem guten gesundheitlichen Zustand und mit Normalgewicht können innerhalb weniger Monate vollkommen beschwerdefrei sein. Maßgeblich sind dafür der Zeitpunkt der Behandlung und eine ausreichende Schonung.

Anschließend erfolgt über die Wirkung der natürlichen Selbstheilungskräfte des Körpers eine Regeneration der Gewebeschäden in den tieferen Schichten. Dieser Vorgang findet individuell statt und kann bis zu einem Jahr anhalten. Bis dieser Prozess abgeschlossen ist, besteht eine erhöhte Sensibilitätsempfindung in dem Bereich. Zum Schutz empfiehlt sich das Tragen von Schutzmaßnamen wie Gelenkschoner oder Bandagen, um eine Überbelastung zu vermeiden.

Je eher die Bänderdehnung diagnostiziert und behandelt werden kann, desto schneller ist der Heilungsprozess. Ist es bereits zu starken Schwellungen gekommen, verzögert sich die Heilung. Bei einer starken oder wiederholten Bänderdehnung kann es zu Verzögerungen der Genesung kommen. Sind bereits mehrere Dehnungen vorhanden, die nicht vollständig auskuriert wurden, kann es zu einem Schlottergelenk kommen. Dabei ist die Stabilität des Gelenk wesentlich beeinträchtigt und unterliegt kaum mehr der willentlichen Kontrolle.

Das können Sie selbst tun

Kommt es zu einer Bänderdehnung oder Bänderzerrung, ist es wichtig, so rasch wie möglich einer Einblutung sowie einer übermäßigen Schwellung entgegenzuwirken. Dies lässt sich am besten durch die sogenannte PECH-Regel erreichen.

Die Bezeichnung PECH steht als Abkürzung für Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Verletzungen wie einer Bänderdehnung, die sich problemlos von den Betroffenen selbst ausführen lassen. Zu diesen Maßnahmen gehören Pause (P), das Auflegen von Eis (E), Compression (C), also das Anlegen eines Druckverbands, sowie das Hochlagern der betroffenen Körperregion (H). Unter Pause wird das umgehende Abbrechen jeglicher sportlicher Aktivitäten nach der Bänderzerrung verstanden. Das heißt, dass das betroffene Gelenk konsequent geschont wird. Zu den wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen zählt außerdem das Kühlen der verletzten Stelle mit einer Kühlpackung oder kaltem Wasser. So lässt sich zum Beispiel ein Handtuch in Eiswasser eintauchen und für etwa 15 Minuten auf die schmerzende Stelle legen. Die Kühlung sollte in den ersten 12 bis 24 Stunden in regelmäßigen Abständen vorgenommen werden. Es gilt jedoch als ratsam, auf richtiges Eis zu verzichten, weil dieses zu einer Mehrdurchblutung führt.

Sofern vorhanden, kann außerdem ein Druckverband um die Stelle der Bänderdehnung gelegt werden. Die Kompression bewirkt nach dem Kühlen eine verstärkte Durchblutung. Ebenfalls sinnvoll ist das Hochlagern der beeinträchtigten Körperregion, weil dadurch weniger Blut über die Arterien in das geschädigte Gelenk gelangt. Darüber hinaus sollte die verletzte Stelle einige Tage lang nicht beansprucht werden.

Quellen

  • Engelhardt, M. (Hrsg.): Sportverletzungen – Diagnose, Management und Begleitmaßnahmen. Urban & Fischer, München 2009
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Hüter-Becker, A., Dölken, M.: Physiotherapie in der Orthopädie. Thieme, Stuttgart 2015

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