Autokinetischer Effekt

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. November 2016
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Der autokinetische Effekt entspricht einer optischen Täuschung. Wenn ein statischer Lichtreiz in einer ansonsten monochrom dunklen Umgebung abgegeben wird, fehlen dem Menschen Referenzpunkte zur Beurteilung der Lokalisation und der Bewegtheit des Lichtpunkts. So entsteht der Eindruck, dass sich der statische Reiz in der Umgebung bewegt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der autokinetische Effekt?

Die visuelle Wahrnehmung des Menschen ist nicht frei von Fehlern. Wie fehlerbehaftet die Wahrnehmung ist, veranschaulichen zum Beispiel optische Täuschungen. Eine davon ist als autokinetischer Effekt bekannt. Aufgrund dieses Effekts nehmen Menschen eine fixierte Lichtquelle oder kurz dargebotene Lichtpunkte in stationärer Position bei einer ansonsten gänzlich dunklen Umgebung als bewegte Punkte wahr. Sowohl die Richtung, als auch die Weite der wahrgenommenen Bewegung können stark variieren.

Der autokinetische Effekt ist aus objektiver Sicht nur schwer nachzuvollziehen. Wenn er auftritt, handelt es sich in dem Moment um ein rein subjektives Täuschungsphänomen. Man kann es beispielsweise erleben, wenn man in den sternenklaren Himmel blickt und darin einen der Sterne fixiert. Es scheint, als würde er sich leicht bewegen. Dem autokinetischen Effekt liegt die Tatsache zugrunde, dass die visuelle Wahrnehmung von Bewegungen stets in Bezug auf einen bestimmten Referenzpunkt erfolgt und dieser Referenzpunkt in einer dunklen Umgebung letztlich abgängig ist.

Funktion & Aufgabe

Der Mensch ist dazu in der Lage, Bewegungen wahrzunehmen. Er zählt zu den augengesteuerten Lebewesen. Gerade die visuelle Wahrnehmung von Bewegungen ist für ihn aus evolutionsbiologischer Sicht essenziell gewesen, um in seiner Umwelt zu überleben. Bewegte Reize wurden eher als gefährlich beurteilt und zogen daher eher die Aufmerksamkeit auf sich.

Beim autokinetischen Effekt misslingt die Unterscheidung zwischen bewegter und stationärer Reizquelle. Der Mensch nimmt bewegte und stationär gelegene Reize immer bezüglich eines Referenzpunkts im Blickfeld wahr. Dieser Referenzpunkt kann zum Beispiel ein definitiv statisches Gebäude sein. Wenn der Hintergrund allerdings gleichförmig reizarm ausfällt, existieren keine geeigneten Referenzpunkte zur Differenzierung zwischen bewegt und unbewegt. Wenn in einer solchen Umgebung also ein Lichtreiz abgegeben wird, lässt sich dessen Beweglichkeit kaum einschätzen. Nur in einer Umgebung mit Referenzpunkten ist die Position des Lichtpunkts selbst definitiv verankert. Vor einem reizarmen und gleichmäßig dunklen Hintergrund sieht ein stationärer Lichtreiz daher aus, als würde er sich bewegen, denn seine Position kann ohne Referenzpunkt nicht als definitiv fixiert wahrgenommen werden. Dieses Phänomen entspricht dem autokinetischen Effekt.

Die visuelle Wahrnehmung des Menschen ist nicht frei von Fehlern. Der autokinetische Effekt ist einer dieser Fehler, er entspricht einer optischen Täuschung.

Darüber hinaus tragen Spekulationen zufolge auch die unwillkürlichen Augenbewegungen im Sinne der Mikrosakkaden zu dem Phänomen bei. Diese Mikrosakkaden verschieben permanent das Licht auf neue Rezeptoren der Netzhaut, da sich komplett statische Lichtreize der visuellen Wahrnehmung entziehen. Besonders bei Ermüdung treten starke Mikrobewegungen der Augen auf, die für den autokinetischen Effekt mitunter eine Rolle spielen. Allerdings sind die Mikrobewegungen der Augen nicht eins zu eins mit den erlebten Bewegungen der Lichtreize gleichzusetzen.

Eine besondere Rolle spielt der autokinetische Effekt für Piloten auf Nachtflügen. Sie müssen während des Nachtflugs unter Umständen einzelne Punkte aus Licht in einer monochrom schwarzen Umgebung richtig einordnen und lokalisieren, so zum Beispiel statische Lichter am Boden oder die von Sternen. Wegen des autokinetischen Effekts halten sie die statischen Lichter in ihrer Umgebung unter Umständen für die Lichter eines anderen Flugzeugs. Damit ist die Sicherheit insofern bedroht, als dass sie womöglich den scheinbaren Kollisionskurs mit dem Lichtpunkt korrigieren wollen.

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Krankheiten & Beschwerden

Der autokinetische Effekt hat keinen Krankheitswert. Er ist eine optische Täuschung, die auf Basis natürlicher Wahrnehmungsprozess zustande kommt. Ob der autokinetische Effekt an Menschen mit einer Lähmung der Augenmuskeln mit derselben Intensität auftritt wie bei gesunden Menschen, bleibt eine unbeantwortete Frage. Da die Mikrobewegungen der Augen zu dem Effekt beizutragen scheinen, wären Menschen mit einem Ausfall dieser Mikrobewegungen weitestgehend immun gegen diese Sinnestäuschung.

Weil die wahrgenommene Bewegung der Lichtpunkte keine objektive Grundlage haben, eignet sich der autokinetische Effekt zur Untersuchung von psychologischer Meinungsbildung. Solche Untersuchungen hat Muzafer Sherif 1935 in Gruppenexperimenten durchgeführt. Die Studienteilnehmer mussten in seiner Studie die Bewegung der Lichter subjektiv beurteilen und ihr Urteil im Gruppenkontext kommunizieren. Ab einem bestimmten Zeitpunkt stimmten die Wahrnehmungen der Studienteilnehmer überein. Damit scheint ein meinungsbildender Einfluss von Gruppenkonstellationen bestätigt. Häufig wird die Studie in Zusammenhang mit Gruppenzwang bei Meinungsbildungsprozessen erwähnt.

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