Auskultation der Lunge

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. September 2017
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Die Auskultation der Lunge dient der Diagnose von Lungenerkrankungen und der Überprüfung der Lungenfunktion. Dazu wird die Lunge mit einem Stethoskop abgehört.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Auskultation der Lunge?

Die Auskultation der Lunge ist fester Bestandteil der körperlichen Untersuchung. Mit dem Stethoskop können physiologische (normale) Atemgeräusche von abnormen, also pathologischen Atemgeräuschen unterschieden werden.

Im Stethoskopkopf befindet sich entweder eine Membran oder ein Trichter. Durch diese werden die akustischen Wellen, die durch die Luftströmungen in der Lunge verursacht werden, aufgenommen. Die Schwingungen werden über die Luftsäule im Stethoskopschlauch bis in die Ohroliven und damit zum Ohr des Untersuchers weitergeleitet.

Funktion, Wirkung & Ziele

Die Auskultation der Lunge findet vornehmlich beim stehenden Patienten statt. Bei schwachen Patienten kann die Untersuchung auch im Sitzen mit aufrechtem Oberkörper erfolgen. Der Oberkörper des Patienten sollte komplett frei von Kleidung sein.

Vor der Untersuchung sollte der Patient kurz husten. Dadurch löst sich eventuell vorhandenes zähes Sekret in der Lunge. Während der Auskultation sollte der Patient gleichmäßig und tief atmen. Das Stethoskop wird auf mindestens acht Punkte im Bereich der Lunge aufgesetzt. Dabei wird seitenvergleichend vorgegangen. Zeigt sich an einem der Punkte ein auffälliges Geräusch, werden weitere Stellen in der unmittelbaren Umgebung abgehört. Auskultiert wird auf der Brust- und der Rückenseite. Aufgrund der anatomischen Lage sollte auch seitlich des Brustkorbs das Stethoskop aufgesetzt werden.

Bei den Auskultationsphänomenen unterscheidet man grundsätzlich zwischen physiologischen und pathologischen Geräuschen. Physiologische Geräusche sind die normalen Strömungsgeräusche, die die Luft in den Atemwegen und in der Lunge verursacht. Dazu gehört das Trachealatmen, das über der Luftröhre zu hören ist. Im Bereich der Bronchien ist das Bronchialatmen physiologisch. In den Randbereichen der gesunden Lunge ist das Vesikuläratmen hörbar, welches während des Atemvorgangs in den Lungenbläschen entsteht.

Die Auskultation der Lunge dient der Diagnose von Lungenerkrankungen und der Überprüfung der Lungenfunktion. Dazu wird die Lunge mit einem Stethoskop abgehört.

Es lässt sich in der Regel nur während der Einatmung hören. Bei gesunden, schlanken Menschen und bei Kindern ist es aber auch während der Ausatmung wahrnehmbar. Sonst kann das Hören von Vesikuläratmung in der Ausatmung auch ein Zeichen für eine Infiltration der Lunge sein. Ein sicheres Zeichen für eine Infiltration und/oder Verdichtung des Lungengewebes ist das Auftreten von Bronchialatmung in den Randgebieten der Lunge. Hier sollte eigentlich nur das Vesikuläratmen zu hören sein.

Die Verdichtung im Lungengewebe leitet die Vibrationen von den Bronchien bis in die Peripherie der Lunge. Verdichtungen und Infiltrationen treten zum Beispiel bei einer Lungenentzündung auf. Auch ein Lungentumor kann zu diesen Geräuschweiterleitungen führen. Besteht der Verdacht auf eine Infiltration, lässt sich dieser mit dem Verfahren der Bronchophonie testen. Bei der Bronchophonie setzt der Untersuchende das Stethoskop über dem vermeintlich infiltrierten Lungenbereich auf und lässt den Patienten das Wort "66" flüstern. Bei einer Infiltration hört man durch die Weiterleitung dieses Wort dann sehr scharf und zischend am Ohr.

Ein weiteres pathologisches Phänomen bei der Lungenauskultation sind Rasselgeräusche. Dabei lassen sich trockene von feuchten und feine von grobblasigen Rasselgeräuschen unterscheiden. Feuchte Rasselgeräusche entstehen, wenn dünnflüssiges Sekret durch die ein- und ausströmende Luft in Bewegung versetzt wird. Man spricht von kleinblasigen Rasselgeräuschen, wenn sich das Sekret in den kleinen Endverzweigungen der Bronchien befindet. Grobblasige feuchte Rasselgeräusche haben ihren Ursprung in den großen Bronchialästen. Ursachen für feuchte Rasselgeräusche sind das Lungenödem, Bronchiektasen, die Bronchitis und die Lungenentzündung. Trockene Rasselgeräusche, auch als trockene Atemnebengeräusche bezeichnet, werden durch zähflüssige Sekrete in den Alveolen oder in den Bronchien verursacht. Häufig sind sie als Pfeifen, Giemen oder Brummen hörbar und werden gelegentlich auch als Stridor betitelt. Trockene Rasselgeräusche sind charakteristisch für chronisch obstruktive Lungenerkrankungen und Asthma bronchiale. Im Asthmaanfall sind diese Geräusche sehr gut hörbar, man spricht hier auch vom Asthmakonzert.

Bei einer Verklebung der Lungenbläschen mit wenig Sekret kommt es zu Knisterrasseln über den betroffenen Lungenabschnitten. Knisterrasseln ist hörbar im Anfangs- und Endstadium einer Lungenentzündung. Im Anfangsstadium spricht man von einer Crepitatio indux, am Ende der Lungenentzündung von einer Crepitatio redux. Das sogenannte amphorische Atmen, auch Kavernenatmen genannt, entsteht über großen Hohlräumen. Es klingt so als würde man über einen Flaschenhals blasen. Diese Kavernen entstehen vornehmlich bei der Lungentuberkulose.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Die Auskultation der Lunge ist ein nebenwirkungsfreies und kostengünstiges Untersuchungsverfahren. Richtig durchgeführt ermöglicht die Auskultation ein schnelles und präzises Untersuchungsergebnis, welches dann durch weitere bildgebende Verfahren geprüft werden kann. Um keine falschen Ergebnisse zu erhalten, sollte auf mögliche Fehlerquellen bei der Durchführung geachtet werden.

Der Oberkörper des Patienten sollte vollständig entkleidet sein. Kleidungsstücke können auf der Haut kratzen und somit vermeintlich pathologische Geräusche über das Stethoskop vermitteln. Die Arme des Patienten sollten möglichst locker runterhängen und nicht vor dem Brustkorb verschränkt werden. Auch hier können durch das Schaben der Arme und Hände an der Haut Geräusche entstehen.

Haare sollten wenn möglich zum Zopf gebunden werden. Kommen Haare mit dem Stethoskop in Berührung verursachen sie ein lautes und störendes Knacken. Der Untersuchungsraum sollte angenehm temperiert sein. Friert der entkleidete Patient, können durch das Zittern verwirrende Nebengeräusche erzeugt werden. Vorsicht ist auch bei der Atmung des Patienten geboten. Viele Patienten meinen sie müssten besonders forciert ein- und ausatmen. Dies kann im Extremfall zur Hyperventilation bis hin zur Ohnmacht führen.

Bücher über Lungenerkrankungen

Quellen

  • Bungeroth, U.: BASICS Pneumologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Grüne, S., Schölmerich, J.: Anamnese, Untersuchung, Diagnose. Springer, Heidelberg 2007
  • Kochen, M.M.: Duale Reihe. Allgemeinmedizin und Familienmedizin. Thieme, Stuttgart 2012

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