Augenkammer

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. November 2016
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Die Augenkammern werden durch zwei Hohlräume, die vordere und die hintere Augenkammer, gebildet und befinden sich im vorderen Teil des Auges direkt hinter der Hornhaut und noch vor der Linse. Die beiden Augenkammern stehen miteinander in Verbindung und sind mit Kammerwasser gefüllt, das in erster Linie der Nährstoffversorgung der Linse und der Hornhaut dient und den notwendigen Augeninnendruck aufrecht erhält.

Inhaltsverzeichnis

Was sind die Augenkammern?

Die Augenkammern bestehen aus der größeren vorderen und der deutlich kleineren hinteren Augenkammer. Die vordere Augenkammer befindet sich direkt unterhalb der Hornhaut. Nach innen wird sie durch die Iris und die Pupillenmuskel (Musculus sphincter und dilatator pupillae) zur Verengung und Erweiterung der Pupille abgegrenzt.

Über die Pupille steht sie mit der Linse und der hinteren Augenkammer in Verbindung. Die hintere Augenkammer wird nach vorne durch die hintere Seite der Iris und der Pupillenmuskeln und nach hinten von der Vorderseite des Glaskörpers begrenzt. Das heißt, dass Iris und die Pupillenmuskulatur (glatte, vegetativ gesteuerte Muskelzellen) die Hauptabgrenzung zwischen hinterer und vorderer Augenkammer bilden. Beide Kammern sind mit Kammerwasser gefüllt, ein glasklarer Elektrolyt, in dem Proteine, Hyaluronsäure, Ascorbinsäure (Vitamin C) und andere Stoffe gelöst sind.

Anatomie & Aufbau

Anatomisch betrachtet weisen die vordere und die hintere Augenkammer keine eigene Struktur auf, die durch eine Membran abgegrenzt wird, sondern es handelt sich um Hohlräume, die durch die Abgrenzung anderer Strukturen entstehen.

Die vordere Kammer wird nach vorne durch die Hornhaut (Cornea) begrenzt, so dass das in den Augenkammern befindliche Kammerwasser direkt mit der Hornhaut in Berührung kommt und zwischen Hornhaut und Kammerwasser ein Stoffaustausch stattfinden kann. Die hintere Augenkammer wird nach hinten von der Vorderseite des Glaskörpers und zur Mitte hin von der Vorderseite der Linse abgegrenzt. In die hinteren Augenkammern ragen vom äußeren Rand her die ringförmigen Ziliarmuskel, die über Zonulafasern die Akkommodation auf weite Entfernungen bewirken.

Die Ziliarmuskeln enthalten spezielle Zellen, die das Kammerwasser produzieren und in die hintere Augenkammer abgeben. Am äußeren Rand der vorderen Augenkammer wird zwischen Iris und Hornhaut ein Winkel gebildet, Kammerwinkel genannt, der Strukturen (Trabekelgerüst) aufweist, die das „verbrauchte“ Kammerwasser aufnehmen und in eine ringförmige Vene, den Schlemmschen Kanal, in den venösen Blutkreislauf zur „Wiederaufbereitung“ einschleusen kann.

Funktion & Aufgaben

In den beiden Augenkammern und an ihren Rändern befinden sich bewegliche Strukturen, die für die Akkommodation des Auges, also für die Veränderung der Linsenform für die Einstellung des Scharfsehens auf weite oder kurze Entfernungen notwendig ist und andere Strukturen, deren Aufgabe darin besteht, die Pupille, abhängig von der Stärke des Lichteinfalls, enger oder weiter zu stellen.

Das bedeutet, dass die beweglichen und in der Form veränderlichen Strukturen einerseits variablen Raum für sich beanspruchen und andererseits benötigen auch andere Strukturen des Auges einen bestimmten Druck, um das Auge in der notwendigen Form zu halten. Eine der beiden Hauptaufgaben und Funktionen der beiden Kammern ist es deshalb, den benötigten Druck, den Augeninnendruck, über die Regelung von Produktion und Abfluss des Kammerwassers bei etwa 15 bis 20 mm Hg (Erwachsener in mittlerem Alter) zu halten.

Die zweite Hauptaufgabe besteht darin, angrenzende Strukturen, die nicht durchblutet werden können, mit Nährstoffen und Energie zu versorgen. Es sind dies vor allem die Linse und die Hornhaut. Linse, Hornhaut und Glaskörper können nicht direkt über den Blutkreislauf versorgt werden, weil ein Geflecht von Blutkapillaren innerhalb der Linse, der Hornhaut und des Glaskörpers den „Blick trüben“ würde.

Die Aufgabe übernimmt deshalb das Kammerwasser, in dem als Elektrolyt die zur Versorgung notwendigen Proteine, Hyaluronsäure, Ascorbinsäure und weitere Stoffe gelöst sind. Der Ascorbinsäure kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, weil das Vitamin C als besonders wirksames Antioxidans oxidativen Schäden durch UV-Einstrahlung entgegenwirkt und damit Trübungen in der Hornhaut und in der Linse vorbeugen kann. Das Vitamin C im Kammerwassser des Auges entspricht damit bis zu einem gewissen Grad einer „eingebauten Sonnenbrille“.

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Krankheiten

Eine der häufigsten Krankheiten, die mit Fehlfunktionen der Augenkammern in Zusammenhang gebracht werden können, ist das Glaukom, auch Grüner Star genannt. Eine von mehreren Hochrisikofaktoren für die Ausbildung eines Glaukoms ist ein erhöhter Augeninnendruck. Zu dem erhöhten Augeninnendruck kann es kommen, wenn das Trabekelgerüst in der vorderen Augenkammer in seiner Funktion eingeschränkt ist und nicht genügend Kammerwasser abführen kann.

Bei ungebremster Produktion des Kammerwassers in den Ziliarkörpern in der hinteren Augenkammer kommt es zu einer Art Stau in den Augenkammern, was die Ausbildung eines Glaukoms verursachen kann. Ein Glaukom führt zu einer allmählichen Zerstörung des Sehnervenkopfes, so dass es zu Gesichtsfeldausfällen kommen kann. Grüner Star ist weltweit einer der häufigsten Ursachen für Erblindungen. Als Verursacher des Glaukoms kommt wird vor allem ein Missverhältnis zwischen Durchblutung des Sehnervs und dem Augeninnendruck verantwortlich gemacht.

Bei Vorliegen von Durchblutungsstörungen am Sehnerv kann bereits ein normaler Augeninnendruck die Krankheit auslösen. Ähnlich problematisch kann der Verlust des Kammerwassers aufgrund einer Verletzung oder nach einer Operation sein. Wenn der Verlust nicht ausgeglichen wird, kommt es zu einer mit erheblichen Sehstörungen verbundenen Schwellung der Aderhaut. Bei einer mechanischen Beschädigung der Linsenkapsel kann Kammerwasser in die Linse eindringen, was zu einem Aufquellen der Linsenrinde führt und eine Akkommodation der Linse erschwert.

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