Augeninnendruck

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. November 2016
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Bei Erkrankungen wie dem Grünen Star (Glaukom) ist der Augeninnendruck stark erhöht. In Deutschland leiden über 900.000 Menschen an dieser Erkrankung, wobei die Dunkelziffer vermutlich weit höher ist. Dabei kommt es zu einer Schädigung des Sehnervs, der nur durch regelmäßige Kontrollen des Augeninnendrucks vorgebeugt werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Augeninnendruck?

Dem Druck im Auge (Tensio) kommt eine wichtige Bedeutung zu. Auch als intraokularer Druck bezeichnet, benennt er den physikalischen Druck, der auf der Innenwand des Auges lastet. Geregelt wird er durch den Kammerwasserab- und zufluss im Auge.

Innerhalb der mittleren Augenhaut - genau genommen, im Ziliarkörper - gebildet, dringt das Kammerwasser durch die Pupille ins Auge und reguliert dort den Augeninnendruck. Üblicherweise liegt der Normalwert zwischen 10 und 21 mmHg. Mit der sogenannten Tonometrie kann ein Mediziner den Druck bestimmen und so entscheiden, ob er im Durchschnitt liegt. Unter dem Begriff der Tonometrie fasst der Fachmann verschiedene Messverfahren zusammen. Dazu gehört beispielsweise die Non-Contact-Tonometrie, bei der die Hornhaut mithilfe eines Luftstoßes abgeplattet wird.

Je nach Widerstand kann so der Innendruck des Auges bestimmt werden. Erfahrene Ärzte erreichen bereits durch Schätzungen einen bis auf 2 mmHg genauen Wert. Dabei erfolgt ein leichter Druck auf das geschlossene Auge. Allerdings schwankt der intraokulare Druck  über den Tag hinweg, weshalb bei Beschwerden eine regelmäßige Messung sinnvoll ist.

Anatomie & Entstehung

Der Ziliarkörper liegt zwischen der Iris und der Linse. Die Epithel des Ziliarkörpers sind für die Bildung des regulierenden Kammerwassers zuständig. Als Epithel bezeichnet der Mediziner die Gewebe- und Zellschichten. Hierüber gelangt das Kammerwasser zwischen Iris und Linse in die vordere Augenkammer. Über Kammern und Kanäle fließt es zum Großteil in das episklerale Venensystem.

Die Menge des Kammerwassers bedingt den Druck im Auge und ist somit auch für die Ausrichtung der Fotorezeptoren im Auge verantwortlich. Eine dauerhafte Fehlregulation des intraokularen Drucks kann zu Schädigungen am Auge führen. So ist ein stetiger Augeninnendruck von über 21 mmHg schädlich für den Sehnerv, der hinter dem Glaskörper liegt und für die Weiterleitung von Informationen ans Gehirn verantwortlich ist.

Funktion & Aufgaben

Der Innendruck des Auges spielt für das klare Sehen eine entscheidende Rolle. Er hat eine wichtige Funktion innerhalb der komplexen Verarbeitung von Bildern. Der Druck ist für den gleich bleibenden Abstand von Linse, Netz- und Hornhaut verantwortlich und wölbt die Oberfläche der Hornhaut. Damit gibt er ihr die charakteristische Form und hält sie dauerhaft aufrecht.

Liegt der Druck im Normalbereich, kann der Sehnerv so die aufgenommenen Bilder ans Gehirn weiterleiten, wo sie weiter verarbeitet werden. Erkrankungen des Kammerwinkels führen dazu, dass die Zuleitung von Kammerwasser gestört ist. Der Augeninnendruck steigt und löst so Schäden aus. Somit stehen die Mechanismen im und ums Auge herum in Wechselwirkung zueinander und sind voneinander abhängig, um eine klare Sicht zu ermöglichen.

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Krankheiten

Neben Erkrankungen des Kammerwinkels kann auch ein erhöhter Abfluss des Kammerwassers zu einem Ungleichgewicht führen. Wird mehr Kammerwasser abtransportiert, als das Auge bilden kann, erhöht sich der Druck innerhalb des Auges. Jeder Mensch hat eine persönliche Tensionstoleranz, womit eine leichte Erhöhung des Augeninnendrucks verkraftet werden kann. Diese Grenzen sind individuell bedingt. Hält die Erhöhung des Drucks über einen längeren Zeitraum an und steigt weiter an, ist mit starken Schädigungen des Sehnervs zu rechnen.

Auf der anderen Seite kann bereits ein Normalwert zu Grünem Star führen. Dies hängt mit einer verringerten persönlichen Toleranzgrenze zusammen und muss individuell mit einem Mediziner bestimmt werden. Um alle Glaukome einzuschätzen, ist es daher wichtig, nicht nur auf den Augeninnendruck zu achten, sondern auch auf etwaige Beschwerden des Patienten einzugehen. Ab dem 40. Lebensjahr werden regelmäßige Untersuchungen empfohlen, da es eine Reihe von Risikofaktoren gibt, die die Erhöhung des Augeninnendrucks und damit die Entstehung von Glaukomen begünstigen.

Je höher der Druck ist, umso höher ist auch das Risiko, den Sehnerv dauerhaft zu beschädigen und an Grünem Star zu erkranken. Weisen Patienten zwar einen erhöhten Augeninnendruck auf, aber keine Veränderungen des Sehnervs, spricht der Fachmann von okulärer Hypertension. Im Übrigen besteht kein Zusammenhang zwischen Blutdruck und Augeninnendruck. Der Tagesschwankungsbereich und die Behandlung hingegen ist ähnlich. Morgens ist der intraokulare Druck meistens am höchsten. Diese Richtwerte werden jedoch bei Glaukompatienten ausgehebelt. Eine Behandlung kann auf verschiedene Arten erfolgen.

Einerseits kann die Produktion von Kammerwasser erhöht werden, andererseits ist es auch möglich, den Abfluss zu regulieren. Meistens erfolgt eine solche Normalisierung beziehungsweise Regulation der Ab- und Zufuhr von Kammerwasser über Medikamentengabe. Die hierfür genutzten Augentropfen werden als Antiglaukomatosa bezeichnet. Zudem wirken auch Betablocker erfolgreich gegen erhöhten Augeninnendruck. Zudem kommen verschiedene weitere Medikamente, wie Alpha-Agonisten, infrage, um den Druck zu senken.

Neben diesen Methoden sind außerdem chirurgische Eingriffe möglich. Sie erfolgen dann, wenn die Gabe der Präparate kein oder ein unbefriedigendes Ergebnis erzielt. In einigen Fällen wird beides parallel genutzt. Eine Möglichkeit der operativen Behandlung ist die Trabekulotomie. Hierbei dauert die Operationszeit im Normalfall nur eine halbe Stunde. Bei dem Eingriff wird der Chirurg den Abfluss des Kammerwassers wieder normalisieren, indem er den betroffenen Ringkanal sondiert. Eine andere Option sind verschiedene Laserbehandlungen, die das gleiche Ergebnis erzielen sollen.

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