Audiometrie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. September 2017
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Die Audiometrie dient der Untersuchung und Messung von Funktionsparametern des Hörorgans und der Abgrenzung von Schallleitungs- und Schallempfindungsstörungen. Die Vielzahl der angewandten Verfahren deckt ein weites Spektrum von einfachen Stimmgabeltests bis zu komplexen subjektiven und objektiven ton- und sprachaudiometrischen Verfahren ab. Zu den objektiven Verfahren wird auch die elektrische Hirnstammaudiometrie zur objektiven Messung der Schallempfindungen gerechnet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Audiometrie?

Die Audiometrie dient in erster Linie der Feststellung und Messung von Hörstörungen. Da Hörstörungen vielfache Ursachen haben können, ist nicht nur die Feststellung und Messung der Hörschwäche in einfachen Hörparametern wie Frequenzgang und Schalldruck ausreichend, sondern es müssen im Sinne einer zielführenden Therapie möglichst die Ursachen herausgefunden werden.

So können Hörschwächen entweder auf Problemen mit äußerem Gehörgang oder Trommelfell beruhen oder es handelt sich um Schallleitungsprobleme im Mittelohr oder es treten Schallempfindungsstörungen auf, die auf Schwächen in der Umwandlung der mechanischen Schallwellen in elektrische Impulse in der Hörschnecke (Cochlea) beruhen.

Die gleichen Symptome einer Schallempfindungsstörung können auch durch Läsionen oder Erkrankungen des Hörnervs (Nervus vestibulocochlearis) oder durch Probleme der Weiterverarbeitung der Nervenimpulse im Zentralnervensystem (ZNS) verursacht werden. Deshalb gibt es eine Reihe von Verfahren und technischen Hilfsmitteln, mit denen die Eingrenzung der Hörprobleme auf Schallleitungs- oder Hörempfindungsprobleme erfolgen kann.

Bei einer diagnostizierten Schallempfindungsschwerhörigkeit kann anhand sogenannter Recruit-Messungen festgestellt werden ob die Probleme im Innenohr, am Hörnerv oder in den Weiterverarbeitungszentren im ZNS liegen. In der Recruitment-Audiometrie werden die Reaktionen der Sinneszellen in der Hörschnecke auf laute und leise Töne gemessen. Leise Töne werden normalerweise durch Eigenemissionen verstärkt und laute Töne zum Schutz des Gehörs gedämpft.

Funktion, Wirkung & Ziele

Audiometrische Verfahren kommen vorwiegend zum Einsatz bei Verdacht auf Vorliegen eines gestörten Hörvermögens. In besonderen Fällen dient ein Audiogramm auch dem Nachweis für ein Mindesthörvermögen wie z. B. bei Piloten bei ihrer medizinischen Tauglichkeitsprüfung. Relativ einfache Verfahren sind Stimmgabeltests, die jeweils nach ihrem Erfinder benannt sind wie der Weber-, Rinne- oder Bing-Test. Die meisten Stimmgabeltests basieren auf dem subjektiven Vergleich zwischen Luft- und Knochenleitung des Schalls.

Die Stimmgabel wird in den Versuchen entweder mit der Basis auf den Schädel oder auf den Knochenfortsatz hinter der Ohrmuschel gesetzt oder abwechselnd die vibrierende Gabelspitze vor die Ohrmuschel gehalten. Je nach subjektivem Hörempfinden lassen sich so Unterschiede im Hörvermögen zwischen linkem und rechtem Ohr erkennen und ob ein Schallleitungsproblem mit eingeschränkter Funktion der Gehörknöchelchen im Mittelohr vorliegt. Das ist prinzipiell der Fall, wenn die Stimmgabel über den Knochenschall besser wahrgenommen wird als über den Luftschall.

Eine weitere subjektive Form der Audiometrie, die häufig Verwendung findet, ist die Tonaudiometrie, bei der der Schalldruck der individuellen Hörschwelle in Abhängigkeit von der Frequenz in einem Diagramm für das linke und das rechte Ohr aufgezeichnet wird. Es werden dabei die Hörschwellen bei Luftschall und bei Knochenschall gemessen. Falls die Kurven für den Knochenschall niedrigere Werte (Schalldrücke) zeigen, also ein besseres Hörvermögen, liegt ein Schallleitungsproblem im Mittelohr vor.

Neben Hörweitentests (Flüstersprache) und Untersuchungen der Unbehaglichkeitsschwelle bietet die Geräuschaudiometrie nach Langenbeck Möglichkeiten zur Lokalisierung von Problemen bei einer Schallempfindungsstörung. Das Verfahren ist vergleichbar mit der Tonaudiometrie, allerdings werden die Reintöne zur Bestimmung der Hörschwelle von unterschiedlich intensivem Rauschen unterlegt. Ein relativ einfaches objektives Messverfahren ist die Tympanometrie, mit der die Elastizität und Reaktivität des Trommelfells gemessen wird.

Die Audiometrie dient in erster Linie der Feststellung und Messung von Hörstörungen.

Im äußeren Gehörgang werden kleine Druckschwankungen erzeugt und die Reaktion des Trommelfells gemessen und Rückschlüsse auf den akustischen Widerstand gezogen. Die Messmethode setzt ein intaktes Trommelfell voraus. Meist wird auch die Untersuchung des Stapediusreflex mit einbezogen. Der Stapediusreflex wird bei einem lauten Knallgeräusch zum Schutz des Hörvermögens ausgelöst. Bei Aktivierung des Reflexes durch einen lauten Knall kontrahiert ein winziger Muskel am Steigbügel und verkantet die Steigbügelplatte, so dass das Geräusch nur in verminderter Amplitude (gedämpft) weiter prozessiert wird.

Speziell für Sprachentwicklungsstörungen und für Patienten nach Schlaganfällen, die das Hörvermögen tangiert haben, kommen Messungen der otoakustischen Emissionen und die Hirnstammaudiometrie in Betracht. Otoakustische Emissionen entstehen in den Sinneszellen der Cochlea als Reaktion auf leise Töne, die praktisch verstärkt werden und auf sehr laute Töne, die bei der Übersetzung in elektrische Nervensignale gedämpft werden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Audiometrische Untersuchungen erfolgen mit einer Ausnahme immer nicht-invasiv. Ebenso wenig sind Medikamente oder andere chemische Substanzen involviert. Insofern können audiometrische Untersuchungen als frei von Nebenwirkungen und als gefahrlos eingestuft werden. Theoretisch besteht ein zu vernachlässigendes Verletzungsrisiko, wenn beim Stimmgabeltest mit der Stimmgabel unsachgemäß hantiert wird.

Ein ebenso zu vernachlässigendes technisches Risiko besteht bei den Audiometern, wenn die Beschallung über Kopfhörer plötzlich eine das Gehör schädigende Stärke erreichen würde. Die größte Gefahr bei der Provokation und Messung otoakustischer Emissionen und bei der Messung von Stammhirnaktivitäten besteht in möglichen Fehldiagnosen, die vor allem beim Screening von Neugeborenen auftreten kann. Eine Fehldiagnose – wenn sie nicht durch weitere Abklärungen als solche entlarvt wird – kann die betroffenen Eltern unnötigerweise in Stress versetzen und möglicherweise bei dem Säugling oder Kleinkind eine nicht notwendige Therapie in Gang setzen.

Das Verfahren, das als einziges als invasiv bezeichnet werden kann, ist die Elektrocochleographie, bei der die Ströme gemessen werden, die durch die Sinneszellen in der Cochlea nur wenige Millisekunden nach Empfang eines Tons als Verstärkung erzeugt werden. Das Verfahren ist besonders genau, wenn die Elektroden nicht von außen angebracht werden, sondern in Form von Elektrodennadeln durch das Trommelfell hindurch direkt im Innenohr platziert, also in diesem Fall invasiv.

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Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Reia, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2009

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