Atosiban

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. November 2016
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Atosiban zählt zur Gruppe der Tokolytika. Als Oxytocin-Antagonist hemmt es die Wehentätigkeit und wird zum Abwenden von Frühgeburten verordnet. Das verschreibungspflichtige Mittel wird als Injektion und als intravenöse Infusion gegeben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Atosiban?

Der Wehenhemmer Atosiban wird in der geburtshilflichen Medizin eingesetzt und soll eine während der Schwangerschaft drohende Frühgeburt abwenden helfen. Es handelt sich hierbei um einen Ocytoxin-Antagonisten aus der Gruppe der Tokolytika, der die Wirkung der beiden Hormone Oxytocin und Vasopressin hemmt.

Die farblose, klare Flüssigkeit wird als Injektionslösung und intravenöse Infusion verabreicht. Eine Durchstechflasche Atosiban enthält 5 ml Lösung.

Für die Gabe von Atosiban müssen klar bestimmte Voraussetzungen vorliegen. Das verschreibungspflichtige Medikament darf nur unter der Aufsicht von medizinischem Fachpersonal verwendet werden.

Pharmakologische Wirkung

Atosiban zählt zur Gruppe der Tokolytika. Als Oxytocin-Antagonist hemmt es die Wehentätigkeit und wird zum Abwenden von Frühgeburten verordnet.

Bei Atosiban handelt es sich um ein synthetisches Strukturanalogon des im Organismus vorhandenen Neuropeptids Oxytocin. Als kompetitiver Oxytocin-Antagonist wirkt das Arzneimittel an den Oxytocin-Rezeptoren im Myometrium.

Außerdem bindet es sich an den Vasopressin-V1a-Rezeptor und hemmt so die Wirkung von Vasopressin. Hierbei findet eine Inhibition der Ca2+-Ionen-Freisetzung aus intrazellulären Speichern im sarkoplasmatischen Retikulum statt.

Das Blockieren des Einströmens der Ca2+-Ionen in die Myometriumzelle hemmt den zur Uteruskontraktion benötigten intrazellulären Anstieg des Ca2+. Die Stärke der Hemmung der Uteruskontraktionen hängt von der verabreichten Atosiban-Dosis ab.

Nach den wie beschrieben erfolgten Bindungen des Atosiban und dessen wehenhemmender Wirkung erniedrigen sich folglich die Kontraktionsfrequenz sowie der Tonus der Uterusmuskulatur, der Uterus wird ruhiggestellt. Durch die empfohlene Dosis von Atosiban lässt sich eine Ruhigstellung des Uterus von bis zu zwölf Stunden erreichen.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Rund zwei Drittel aller Frühgeburten werden durch vorzeitige Wehen, verfrühten Blasensprung oder eine Zervixinsuffizienz verursacht. Atosiban wird bei vorzeitiger Wehentätigkeit eingesetzt.

Für die Gabe von Atosiban müssen bestimmte Kriterien vorliegen, und zwar: regelmäßige Kontraktionen des Uterus von mindestens 30 Sekunden Dauer und mit einer Häufigkeit von mehr als vier Wehen innerhalb von 30 Minuten; geöffneter Muttermund auf eine Weite von ein bis drei Zentimetern (null bis drei Zentimeter bei Erstgebärenden); Zervixverstreichung von mehr als 50 % innerhalb der 24. bis 33. abgeschlossener Schwangerschaftswoche; Schwangere über 18 Jahre; Fötus mit regulärer Herzfrequenz.

Atosiban ist verschreibungspflichtig und wird im Krankenhaus von einem Arzt, einer Hebamme oder weiterem medizinischen Fachpersonal verabreicht. Die Dosis legt der Arzt fest.

Das Medikament wird in drei aufeinanderfolgenden Schritten intravenös zugeführt: Die erste Injektion erfolgt langsam über einen Zeitraum von über einer Minute in die Vene. Die empfohlene Dosis beträgt 6,75 mg in 0,9 ml. Anschließend läuft das Mittel als Dauerinfusion über einen Tropf für über drei Stunden. Als stündliche Dosis werden 18 mg empfohlen. Eine verringerte Dosis Atosiban von empfohlenen 6 mg stündlich folgt für maximal 45 Stunden bzw. bis zum Nachlassen der Uteruskontraktionen. Pro Schwangerschaft sollte es zu nicht mehr als drei Behandlungswiederholungen kommen.

Atosiban ist bei bestimmten Erkrankungen beziehungsweise Zuständen kontraindiziert, wie in dieser Übersicht zu sehen: Allergie auf Medikamentenbestandteile; außerhalb der 24. bis 33. Schwangerschaftswoche; Fruchtblasensprung; irregulärer Herzfrequenz des Fötus; Vaginalblutungen; Eklampsie oder schwerer Präeklampsie; Uterusinfektion; gelöste oder den Geburtskanal verdeckende Plazenta; verstorbener Fötus; riskantes Fortbestehen der Schwangerschaft.

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Risiken & Nebenwirkungen

Bei der Anwendung von Atosiban können verschiedene Nebenwirkungen auftreten. Beobachtet wurden vereinzelt Befindlichkeitsstörungen wie Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Hitzewallungen. Außerdem konnten eine erhöhte Herzschlagfrequenz, erniedrigter Blutdruck, erhöhte Blutzuckerwerte und Reaktionen an der Einstichstelle auftreten. Gelegentlich kam es zu Hautausschlag, Juckreiz, Fieber oder Schlaflosigkeit. Atosiban sollte nur nach einem ausführlichen ärztlichen Beratungsgespräch angewendet werden.

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