Atlantookzipitalgelenk

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Mai 2017
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Als Atlantookzipitalgelenk wird das obere Kopfgelenk bezeichnet. Gemeinsam mit dem unteren Kopfgelenk ermöglicht es eine Beweglichkeit, die der eines Kugelgelenk gleicht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Atlantookzipitalgelenk?

Das Atlantookzipitalgelenk ist auch als oberes Kopfgelenk oder Articulatio atlantooccipitalis bekannt. Gemeint ist damit das Gelenk, das sich zwischen dem Hinterhauptbein (Os occipitale) und dem ersten Halswirbel (Atlas) befindet.

Zusammen mit dem Atlantoaxialgelenk (unteres Kopfgelenk) sowie den muskulären Befestigungen stellt es eine Verbindung zwischen Schädelbasis und Halswirbelsäule her. Darüber hinaus bildet es eine bedeutende Integrationsregion innerhalb des menschlichen Körpers. Die Beweglichkeit des Atlantookzipitalgelenks ähnelt einem Kugelgelenk.

Anatomie & Aufbau

Beim Atlantookzipitalgelenk handelt es sich um ein Eigelenk (Ellipsoidgelenk). Es befindet sich zwischen den beiden Hinterhauptskondylen sowie der Fovea articularis des 1. Halswirbels.

Die Gelenkkapsel des oberen Kopfgelenks wird auf der Bauchseite und der Rückseite verstärkt. Im Abschnitt der Membranrückseite ist zwischen den Halswirbeln ein größeres Loch angesiedelt, das nur durch diese Membran verschlossen wird. Von diesem Bereich aus lässt sich durch den Einsatz einer Kanüle der Subarachnoidalraum oder die Cisterna cerebellomedularis, bei der es sich um dessen Erweiterung handelt, erreichen. Auf diese Weise erfolgt eine Punktion von Gehirnwasser (Liquor cerebrospinalis). An dieser Stelle kann aber auch durch einen spitzen Stich das Rückenmark zerstört werden.

Innerhalb des Wirbelkanals befindet sich die Membrana tectoria, ein Band, das über die beiden Kopfgelenke verläuft. Darunter angesiedelt ist das kreuzförmige Band des 1. Halswirbels (Ligamentum cruciforme atlantis).

Von Bedeutung für das Atlantookzipitalgelenk ist auch das Atlantoaxialgelenk. Dieses besteht aus der Articulatio atlantoaxialis mediana sowie der Articulatio atlantoaxialis lateralis. 1. und 2. Halswirbel (Axis) weisen über die oberen Gelenkabschnitte der Gelenkfortsätze eine Verbindung untereinander auf. Umhüllt werden die beiden Gelenkbereiche von einer gemeinsamen Gelenkkapsel. Für die Fixierung sorgen mehrere Bänder. Für drehende Bewegungen des Kopfes wie Kopfschütteln ist der Dens axis, ein zapfenförmiger Knochenfortsatz, zuständig. Das Zapfengelenk ermöglicht eine Rotation von 20 bis 30 Grad zu beiden Seiten hin. So ist das untere Kopfgelenk für rund 70 Prozent der Kopfdrehungen verantwortlich.

Die Faserzüge der Gelenkkapsel, die das Atlantookzipitalgelenk stabilisiert, verstärken sich bandartig dorsal und ventral. Sie tragen die Bezeichnungen Ligamentum atlantooccipitale anterius und Ligamentum atlantooccipitale posterius. Eine weitere Stabilisierung findet durch das Ligamentum cruciforme atlantis statt.

Funktion & Aufgaben

Das Zusammenwirken von Atlantookzipitalgelenk und Atlantoaxialgelenk sorgen für das feine Abstufen der Kopfbewegungen. Durch das obere Kopfgelenk ist eine Vorwärtsneigung des Hauptes um 20 Grad sowie eine Rückwärtsneigung um 30 Grad durchführbar. Darüber hinaus kann es den Kopf um 15 Grad zur Seite neigen. Auf diese Weise ermöglicht das Atlantookzipitalgelenk das Beugen und Strecken des Kopfes. Kombinationen aus nickenden Bewegungen des oberen Kopfgelenks sowie drehenden Bewegungen des unteren Kopfgelenks gewährleisten Bewegungen zu sämtlichen drei Raumebenen.

Ferner sorgt das Atlantookzipitalgelenk zusammen mit dem Atlantoaxialgelenk sowie den muskulären Befestigungen für eine Verbindung zwischen der Schädelbasis und der Halswirbelsäule.

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Krankheiten

Durch verschiedene Verletzungen kann das Atlantookzipitalgelenk in Mitleidenschaft gezogen werden. So besteht die Gefahr, dass das Rückenmark und das verlängerte Mark (Medulla oblongata) aufgrund eines Genickbruchs abgequetscht oder sogar durchtrennt werden.

Dabei kommt es zu einer Fraktur des Zahns des 2. Halswirbels. Ebenso ist eine Ruptur der Bänder des Dens axis möglich. Dies hat wiederum eine schwere Schädigung von Atem- und Kreislaufzentrum zur Folge, was sofort zum Tod der betroffenen Person führt. Liegt bei einem Verletzten ohne spontane Atmung der Verdacht vor, dass der Dens axis gebrochen ist, gilt es, eine lebensnotwendige Intubation durchzuführen, damit eventuellen Schädigungen des Rückenmarks oder des verlängerten Marks entgegengewirkt wird. Dabei muss eine neutrale Stellung der Halswirbelsäule erfolgen.

Durch Bänderverletzungen, bei denen kein Bruch des Dens axis vorliegt, kann es zu einer Instabilität beider Kopfgelenke kommen. Dazu gehören u. a. Symptome wie Atemstörungen oder eine zentrale Schlafapnoe. Ist der Dens axis nur unvollständig oder sogar überhaupt nicht ausgebildet, gilt dies als Ursache für eine atlanto-axiale Subluxation. Dabei ist das Kopfgelenk zwischen 1. und 2. Halswirbel unvollständig ausgerenkt. Es besteht deswegen das Risiko von Rückenmarksschädigungen.

Eine weitere mögliche Verletzung des oberen Kopfgelenks ist ein Riss des Haltebands, das sich zwischen 1. Halswirbel und Dens axis befindet. Häufig sind auch die Gelenkkapselanteile zwischen 1. und 2. Halswirbel geschädigt. Der Atlas droht deswegen auf den Axis abzudriften. Ärzte sprechen dann von einer atlantoaxialen Instabilitätsverletzung.

Eine ausgeprägte Instabilität der beiden Kopfgelenke ist außerdem bei Rissen der Gelenkkapsel zwischen Flügelbändern oder Atlas und Hinterhauptsbein möglich. Nicht selten übersehen die Mediziner bei ihrer Diagnose die Instabilitätsbeeinträchtigungen, weil der Patient im Rahmen der Untersuchung mehr zu einer Verkrampfung der Muskeln als zu einer Instabilität neigt. Grund dafür ist die gesteigerte Spannung der Muskeln, bei der es sich um eine Schutzvorrichtung gegen das Wirbelauseinanderdriften handelt. Eine Darstellung des Stabilisierungsverlusts des Kopfgelenks ist aber nach Darreichung von Muskelrelaxantien durch eine Fluoroskopie möglich.

Die Beschwerden bei einer Instabilitätsverletzung entstehen vor allem aufgrund von Durchblutungsstörungen in der Region der inneren Halsschlagader, der Jugularvenen sowie der Wirbelarterien. Wiederholt kann es deswegen zu einem Mangel an Sauerstoff kommen. Außerdem leiden die betroffenen Personen häufig unter Sehstörungen wie fliegenden Mücken, Schwindelgefühlen und Benommenheit. Eine Infarzierung tritt jedoch nicht ein. Stattdessen erfolgt ein leicht ausgeprägter Zelluntergang des Hirnparenchyms.

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