Atemlähmung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. Oktober 2017
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Eine Atemlähmung ist ein Stillstand der Atmung. Dieser Zustand kommt immer ohne äußere Einwirkung oder Beeinträchtigung zustande.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Atemlähmung?

Bei der Atemlähmung steht die Atemtätigkeit still. Als Atemtätigkeit wird im allgemeinen Sprachgebrauch die Tätigkeit der Lungen bezeichnet. In den Lungenflügeln findet der Gasaustausch statt. Bei der Einatmung wird Sauerstoff eingeatmet, in der Ausatmung wird Kohlendioxid abgeatmet. Wenn die Atmung gelähmt ist, funktioniert dieser Prozess nicht mehr.

Bei der Atemlähmung bleibt das Gasvolumen, das sich in den Lungen befindet, zunächst unbeeinträchtigt. Auch der Gasaustausch innerhalb der Lungen bleibt erst mal unbeeinträchtigt. Innerhalb kurzer Zeit entwickelt sich jedoch im Blut ein lebensgefährlicher Sauerstoffmangel. Dieser hat eine Hypoxämie zur Folge, die zu einem Ausfall von verschiedenen Vitalfunktionen führen kann. Eine Atemlähmung führt auch zu einer Sauerstoffunterversorgung des Gehirns.

Die Atemlähmung wird nicht durch äußere Einwirkungen wie Strangulation oder eingeatmete Fremdkörper verursacht. Sie entsteht durch innerliche Faktoren. Bei der Atemlähmung wird zwischen zentraler und peripherer Atemlähmung unterschieden. Während bei der zentralen Atemlähmung eine Schädigung des Atemzentrums vorliegt, entsteht die periphere Atemlähmung durch eine Störung der Atemmuskulatur.

Ursachen

Das Atemzentrum liegt im Nachhirn in der Medulla oblongata. Es handelt sich dabei um ein Hirngebiet, das unbewusst und nicht beeinflussbar die Ein- und Ausatmung regelt. Atemlähmungen können dementsprechend durch eine Schädigung des Atemzentrums in der Medulla oblongata hervorgerufen werden. Eine mögliche Ursache für eine solche zentrale Atemlähmung ist eine Thrombose der Arteria-basilaris.

Bei der Basilaristhrombose bildet sich in der Arteria basilaris, also in einer der Schlagadern, die das Gehirn mit sauerstoffreichem Blut versorgt, ein Blutgerinnsel. Dadurch wird das Gefäß verschlossen und es kommt im Bereich des Hirnstamms zu einer Minderdurchblutung (Ischämie). Von dieser Minderdurchblutung kann auch das Atemzentrum betroffen sein. Auch Einblutungen in den Hirnstamm können eine zentrale Atemlähmung hervorrufen.

Sehr selten kommt es bei einem Schub der multiplen Sklerose zu einer zentralen Atemlähmung. Nur bei ein bis zwei Prozent aller Betroffenen zeigen sich entzündliche demyelinisierende Herde im Atemzentrum. Bei der peripheren Atemlähmung liegt die Ursache der Lähmung in einem Ausfall der Atemmuskulatur. So kann es nach der Verabreichung von Muskelrelaxantien zu einer Atemlähmung kommen. Am häufigsten entstehen solche Vorfälle im Rahmen einer Narkose.

Eine weitere Ursache der peripheren Atemlähmung ist die Myasthenia gravis pseudoparalytica. Es handelt sich dabei um eine neurologische Erkrankung, bei der es zu einer gestörten Signalübertragung zwischen dem Muskel und den Nerven kommt. Auch die Poliomyelitis, eine Infektionskrankheit, die als Kinderlähmung bekannt ist, kann in Einzelfällen eine periphere Atemlähmung hervorrufen. Polyneuropathien sind Erkrankungen, die das periphere Nervensystem betreffen.

Häufige Ursachen für Polyneuropathien sind der Diabetes mellitus, das Guillan-Barré-Syndrom oder Infektionskrankheiten wie die Lyme-Borreliose oder die Diphtherie. Von den Polyneuropathien können auch die Nerven betroffen sein, die die Atemmuskulatur versorgen, sodass es hier ebenfalls zu einer Lähmung kommen kann. Zudem können Atemlähmungen durch Querschnittslähmungen oberhalb des Rückensegments C4 entstehen.

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Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine Atemlähmung kann sich plötzlich oder langsam entwickeln. Sie geht mit Symptomen wie Kurzatmigkeit, blauen Lippen, blauen Fingern, Schlaflosigkeit, Angst oder Müdigkeit einher. Häufig kündigt sich die Atemlähmung auch durch Atemnot an. Eine Folge der Atemlähmung ist die sogenannte Asphyxie. Unter dem Begriff Asphyxie wird der drohende Erstickungszustand durch Absinken des Sauerstoffgehalts im arteriellen Blutsystem bei gleichzeitigem Anstieg des Kohlendioxidgehalts verstanden.

Der Anstieg des Kohlendioxidgehalts wird auch als Hyperkapnie bezeichnet. Im Hirnstamm wird diese Hyperkapnie registriert. In der Folge leiden die Betroffenen unter einer erheblichen Angst zu ersticken. Die Asphyxie äußert sich durch eine zentrale Zyanose. Eine Zyanose ist eine bläuliche Verfärbung der Haut und der Schleimhäute. Wenn die Asphyxie andauert und die Ursache der Atemlähmung nicht behoben werden kann, kommt es zu einer Trübung des Bewusstseins oder sogar zum Koma.

Für eine ausführliche Diagnose fehlt bei der plötzlichen Atemlähmung häufig die Zeit. Es handelt sich bei der Atemlähmung um einen Notfall, der unverzüglich behandelt werden muss. Ansonsten droht bei einer kompletten Atemlähmung eine Minderversorgung des Gehirns mit Sauerstoff. Dadurch kann innerhalb weniger Minuten der Tod eintreten.

Komplikationen

Bei der Atemlähmung kommt es ohne äußere Einwirkung zum Stillstand der Atmung. Die Lähmung, die bereits im Namen zu sehen ist, kommt entweder im Bereich der Atemmuskulatur oder im Bereich des Atemzentrums im Gehirn vor. Komplikationen im Rahmen der Atemlähmung zu nennen fällt zunächst schwer. Dies liegt darin begründet, dass die Atemlähmung ein akuter Zustand ist, der nur für sehr kurze Zeit besteht. Wird die Atemlähmung nicht sofort intensivmedizinisch behandelt, führt sie innerhalb weniger Minuten zum Tod durch Ersticken.

Dieser Tod durch Ersticken ist jedoch im engsten Sinne keine "Komplikation" der Atemlähmung, sondern die logische Folge. Eine unbehandelte Atemlähmung führt stets zum Tod durch Ersticken. Dem Tod voraus geht eine Minderversorgung des Gehirns und der Organe mit Sauerstoff. Da bei Vorliegen einer Atemlähmung keine Atmung auftritt, wird auch kein Sauerstoff mehr aufgenommen, der im Körper verteilt werden könnte. Die Organe, so auch das Gehirn, können also nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Um diese zwingenden Folgen der Atemlähmung zu verhindern, ist ein sofortiges medizinisches Eingreifen notwendig.

Der Tod durch Ersticken ist nur zu vermeiden, wenn als erste Maßnahme sofort eine Beatmung oder eine Atemspende durchgeführt wird. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass durch die Atemlähmung kein Sauerstoff mehr aufgenommen werden kann und somit eine Minderversorgung des Gehirns und der anderen Organe mit Sauerstoff stattfindet. Binnen weniger Minuten erfolgt dann der Tod durch Ersticken, sofern nicht medizinisch entgegengewirkt wird.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Atemlähmung ist zu unterscheiden zwischen einer akuten und einer schleichenden Atemlähmung. Ist durch den Stillstand der Atmung eine Notfallversorgung notwendig, findet eine Inanspruchnahme von Techniken der Ersten Hilfe statt. Liegt ein plötzlicher Verlauf vor, ist sofort ein Rettungsdienst zu kontaktieren. Gleichzeitig empfiehlt es sich, für den Betroffenen eine Atemspende einzuleiten.

Da der Tod durch Ersticken droht, sollte unverzüglich die Mund-zu-Mund-Beatmung eingeleitet werden, bis der Notfallmediziner eintrifft. Bei einem schleichenden Verlauf sollte ein Arzt aufgesucht werden, sobald die Kurzatmigkeit über mehrere Stunden anhält. Sind bei dem Betroffenen bereits blaue Lippen und blaue Finger feststellbar, so ist bereits Eile geboten. Bei Anzeichen wie eine anhaltende Schlaflosigkeit oder permanente Müdigkeit ist ebenfalls ein Arzt zu konsultieren.

Meist werden diese Symptome für Unerfahrene nicht mit einer Atemlähmung in Verbindung gebracht. Dennoch handelt es sich um erste Anzeichen der Atemlähmung bei einem schleichenden Verlauf. Viele Erkrankte berichten von einem Gefühl der permanenten Angst vor dem Ersticken. Auch sie sollten sich von einem Mediziner intensiv untersuchen lassen. Symptome wie eine Verfärbung der Haut oder eine Bewusstseinstrübung sind weitere Hinweise, die einen Arztbesuch notwendig werden lassen. Da sich aus einer schleichenden Atemlähmung jederzeit ein akuter Atmungstillstand entwickeln kann, droht durch die mangelnde Sauerstoffversorgung ein lebensbedrohlicher Zustand.

Behandlung & Therapie

Als sofortige Therapiemaßnahme eignet sich eine Atemspende im Rahmen der Ersten Hilfe. Die Atemspende gehört zu den lebensrettenden Sofortmaßnahmen. Bei der Atemspende wird einer Person mit Atemlähmung durch die Beatmung des Helfers der fehlende Sauerstoff zugeführt. Nach den Richtlinien des European Resuscitation Council ist die Mund-zu-Mund-Beatmung der Standard bei der Atemspende. Die Atemspende erfolgt bei überstrecktem Kopf des Patienten.

Die Nase wird verschlossen und über den Mund wird Luft zugeführt. Alternativ kann die Beatmung auch durch die Nase erfolgen. Diese Variante wird als Mund-zu-Nase-Beatmung bezeichnet. Die Atemspende wird so lange durchgeführt, bis der Patient wieder selbstständig atmet, bis ein Helfer vom Rettungsdienst eintrifft, bis der Helfer erschöpft ist oder bis ein anderer Helfer ablösen kann.

Im Rahmen der Notfallmedizin wird dann eine Beatmung durchgeführt. Dabei können Über- und Unterdruck-Beatmung, Beutelbeatmung oder Beatmungsgeräte eingesetzt werden. Ziel ist es, den Körper des Patienten mit Sauerstoff zu versorgen, um bleibende Schäden zu verhindern. Wenn die Patienten stabil sind, muss die Ursache für die Atemlähmung gefunden und wenn möglich behoben werden.

Aussicht & Prognose

Falls eine Atemlähmung nicht direkt von einem Notarzt behandelt wird, kommt es in der Regel zum Tode. Daher muss bei einer Atemlähmung auf jeden Fall sofort ein Arzt gerufen oder das Krankenhaus aufgesucht werden. Der Patient muss notbeatmet werden. Dies geschieht durch eine Mund-zu-Mund-Beatmung, bei welcher die Nase zugehalten wird, damit die Luft aus der Lunge nicht entweichen kann.

Je länger die Atemlähmung anhält, desto stärker werden die Organe durch die verminderte Sauerstoffzufuhr beschädigt. Das Gehirn kann hier auch Schäden nehmen, wobei es später zu Behinderungen oder Einschränkungen des Denkens oder der Koordination kommen kann. Nach ungefähr 15 Minuten tritt nach der Atemlähmung der Tod aufgrund von Ersticken ein.

Der Arzt muss den Patienten ebenso notbeatmet. Ob der Patient wiederbelebt werden kann oder nicht, hängt stark von der Ursache der Atemlähmung ab und kann nicht universell vorausgesagt werden. In einigen Fällen ist auch eine Reanimation notwendig, damit der Patient wieder aufwacht. Vor allem nach einem Unfall muss der Notarzt sehr schnell eintreffen, damit es nicht zum Tode des Patienten kommt.

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Vorbeugung

Bei der Atemlähmung handelt es sich in den meisten Fällen um ein unvorhersehbares Ereignis, für das keine Präventionsmaßnahmen existieren.

Das können Sie selbst tun

Bei einer Atemlähmung ist keine Selbsthilfe möglich. Es muss unverzüglich ein Arzt oder ein Notarzt aufgesucht werden, der die Atemlähmung behandelt. Falls die Atemlähmung länger andauert, führt diese zum Tode. Eine Atemlähmung kommt immer dann zustande, wenn der Atemstillstand auch ohne äußere Einwirkung auf den Brustkorb stattfindet. In diesem Falle handelt es sich um ein schwerwiegendes gesundheitliches Problem, welches nur in einem Krankenhaus richtig behandelt werden kann.

Bei einer Atemlähmung muss in jedem Fall sofort Erste Hilfe geleistet werden. Hier ist eine Mund-zu-Mund Beatmung erforderlich, um die betroffene Person mit Sauerstoff zu versorgen. Diese Beatmung sollte so lange stattfinden, bis der Notarzt eintrifft. In der Regel kann der Notarzt bei einer Atemlähmung eine Reanimation durchführen und damit den Patienten wiederbeleben. Dies ist allerdings nur in den Fällen möglich, in welchen kein tödlicher oder schwerer Unfall stattgefunden hat. Falls eine Atemlähmung kurzzeitig und temporär auftritt, sollte trotzdem ein Arzt aufgesucht werden.

Zu den weiteren Erste-Hilfe-Maßnahmen gehört, dass der Betroffene auf den Rücken gelegt wird. Das Kinn wird angehoben, um Atemwege frei zu machen. Bei der Mund-zu-Mund Beatmung muss die Nase des Patienten stets verschlossen bleiben, damit die Luft nicht wieder entweicht. Diese Beatmung sollte so lange durchgeführt werden, bis der Patient wieder atmet oder der Notarzt eingetroffen ist.

Bücher über Atembeschwerden

Quellen

  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Baenkler, H.-W., et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme Verlag, Stuttgart 2010
  • Kühn, D., Luxem, J., Runggaldier, K. (Hrsg.): Rettungsdienst heute. Urban & Fischer, München 2010

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