Atemdepression

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Dezember 2017
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Im Folgenden wird beschrieben, wobei genau es sich bei einer Atemdepression beziehungsweise Hypoventilation handelt, wodurch sie hervorgerufen werden kann und durch welche Symptome man eventuell auf eine solche schließen kann. Weiterhin werden Informationen zur ärztlichen Diagnose, dem Verlauf sowie zur Behandlung und Vorbeugung einer Atemdepression gegeben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Atemdepression?

Die normale Anzahl von Atemzügen bei einem durchschnittlichen Erwachsenen liegt bei etwa 16 bis 20 Atemzügen pro Minute.

Von einer Atemdepression spricht man dann, wenn die Frequenz der Atemzüge vermindert ist, also bei verlangsamter Atmung mit minütlich weniger als zehn getätigten Atemzügen. Diese enthalten jedoch nicht zwangsläufig auch weniger Volumen, als das bei einer Atmung in normaler Geschwindigkeit der Fall ist, weshalb eine Atemdepression normalerweise nicht zu einer Atemnot des Betroffenen führt.

Problematisch ist jedoch, dass der Gasaustausch des Körpers hierdurch nicht optimal ablaufen kann, was zu Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung der Organfunktionen des Menschen führen kann.

Ursachen

Zu einer Atemdepression kommt es dann, wenn das Atemzentrum nicht optimal auf den Atemantrieb reagiert, der den Kohlenstoffdioxid (CO2)- sowie den Sauerstoff (O2)- Gehalt des Blutes reguliert.

Ist beispielsweise der CO2- Gehalt des Blutes eines Menschen zu hoch, so kann bei erhöhtem Atemantrieb die Anzahl der minütlichen Atemzüge gesteigert werden, um eine Verminderung von CO2 im Blut durch dessen Abatmung zu bewirken. Leidet ein Mensch unter einer Atemdepression, so kann dieser Gasaustausch nicht mehr einwandfrei stattfinden, da die Atmung zu oberflächlich oder zu langsam ist. Dies führt zu einem erhöhten CO2- Partialdruck des Blutes und es besteht die Gefahr des Erstickens des Betroffenen.

Bei den Ursachen muss zwischen peripherer und zentraler Atemdepression unterschieden werden.

So liegt bei der peripheren Atemdepression die Ursache nicht bei der zentralen Steuerung im Zentralen Nervensystem, welche hierbei noch erhalten ist, sondern in der Peripherie. Sie kann durch eine Überdosierung von Muskelrelaxantien, verschiedene neurologische Krankheiten oder eine Verlegung der Atemwege verursacht werden.

Bei der zentralen Atemdepression hingegen ist das Atemzentrum im Gehirn nicht mehr voll funktionsfähig. Hierzu kommt es zum Beispiel aufgrund von bestimmten Medikamenten, eines Schädel- Hirn- Traumas, des Schlafapnoe- Syndroms, erhöhtem Hirndrucks, einer Vergiftung des Körpers beispielsweise mit Alkohol oder Morphin oder aufgrund eines Hirninfarkts.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Atemdepression äußert sich in erster Linie durch eine verlangsamte Atmung. Diese führt im weiteren Verlauf zu Kurzatmigkeit und Luftnot. Schließlich kommt es zu akuten Erstickungssymptomen und daraus resultierend zu einer Panikattacke, die sich durch Schweißausbrüche und einen erhöhten Puls äußert. Eine Atemdepression äußert sich außerdem durch Schlafprobleme, Müdigkeit und Ängste.

Auch geistige Ausfallerscheinungen sowie Verwirrtheit und Konzentrationsschwäche können auftreten. Viele Betroffene leiden an Muskelzuckungen oder Zyanose, einer Blaufärbung der Haut, die insbesondere an den Fingern und den Schleimhäuten im Mundraum festzustellen ist. Weiterhin kann eine Atemdepression psychische Probleme hervorrufen.

So stehen Depressionen und Angststörungen manchmal im Zusammenhang mit einer chronischen Sauerstoffunterversorgung des Gehirns. Im weiteren Verlauf der Erkrankung nehmen die genannten Symptome an Intensität zu und führen meist zu weiteren Beschwerden. Äußerlich ist eine Atemdepression vor allem an erwähnter Zyanose und dem charakteristischen Muskelzucken zu erkennen.

Es kann aber auch zu Blässe und Veränderungen der Pupillengröße kommen. Zuletzt äußert sich eine Atemdepression durch einen Atemstillstand, der unbehandelt zum Tod führt. Eine Atemdepression infolge einer Morphinvergiftung kann sich zum Beispiel durch Übelkeit und Erbrechen, Abgeschlagenheit und einer Reihe weiterer Symptome bemerkbar machen.

Diagnose & Verlauf

Mögliche Symptome, die durch eine Atemdepression hervorgerufen werden können, sind unter anderem Atemnot, Schlafprobleme, Schwächlichkeit, Angst, Verwirrtheit, Delirium, Müdigkeit, Krampfanfälle, Muskelzuckungen oder Zyanose der erkrankten Person. Diese möglichen Symptome lassen jedoch keinesfalls eine eindeutige Diagnose einer Atemdepression zu, welche nur durch eine ärztlich vorgenommene Blutgasanalyse diagnostiziert werden kann.

Hierbei kann auch der genaue Grad der Atemdepression festgestellt werden, inwiefern sie für den Patienten gesundheitsgefährdend ist und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Der Verlauf unterscheidet sich je nach Grad der Atemdepression. Bei einer ausgeprägten Atemdepression kann es nach dem stetigen Steigen des CO2- Gehaltes im Blut und schwerwiegenden Atemproblemen schließlich zum Atemstillstand kommen, falls keine ausreichenden Maßnahmen gegen diese Reaktionen getroffen werden.

Komplikationen

Eine Atemdepression kann eine Reihe von Komplikationen hervorrufen. Zunächst kommt es in Folge der reduzierten Atemfrequenz zu Müdigkeit, Muskelzuckungen oder Verwirrtheit; Symptome, die im weiteren Verlauf zu Krampfanfällen, Delirium und Angststörungen führen können. Bei Nichtbehandlung führt eine Atemdepression außerdem zu Atemnot, die sich im Verlauf weiter verstärkt und schließlich zum Atemstillstand führen kann.

Erfolgt spätestens dann keine akute Behandlung, kommt es zum Kreislaufkollaps und in der Folge zum Koma und Tod des Betroffenen. Eine Atemdepression in Folge einer Morphinvergiftung geht mit weiteren Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen sowie Abgeschlagenheit einher. Bei der Behandlung einer Atemdepression kann es zu Komplikationen kommen, wenn eine künstliche Beatmung notwendig wird; dann besteht die Gefahr von Halsentzündungen, Husten, chronischen Infektionskrankheiten oder einer Lungenentzündung.

Selten kann es auch zu einer Hämoptyse, blutigem Auswurf in Folge einer schweren Infektion, kommen. Bestimmte Medikamente können die Atemdepression zudem verstärken und in der Folge eine Schlafapnoe, erhöhten Hirndruck oder gar einen Hirninfarkt hervorrufen. Eine frühzeitige Behandlung der Erkrankung ist das wirksamste Mittel gegen einen schweren Verlauf und etwaige Komplikationen einer Atemdepression.

Ab wann sollte man zum Arzt gehen?

Idealerweise wird eine Atemdepression durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und eine umfassende medizinische Behandlung verhindert. Risikopatienten (Patienten mit Nervenverletzungen, Traumata oder neurologischen Erkrankungen) sollten mögliche Folgen und Risiken der Grunderkrankung abklären. Selbiges gilt für Menschen, die regelmäßig Opioide, Barbiturate oder Sedativa einnehmen. Durch eine Abklärung der Gefahren kann im Falle einer Atemdepression schnell und umfassend reagiert werden.

Sollte eine akute Atemdepression auftreten, muss umgehend der Notarzt alarmiert werden. Ob es sich um eine Hyperventilation handelt, lässt sich anhand verschiedener Warnzeichen feststellen. Meistens ist das Symptom mit einer verminderten Atembewegung, blauen Lippen oder Fingern und Erschöpfung verbunden. Im weiteren Verlauf kommt es zu Kreislaufschwäche und schließlich zum Atemstillstand. Kann eines oder mehrere dieser Anzeichen beobachtet werden, muss der Betroffene umgehend medizinisch behandelt werden. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sind Erste-Hilfe-Maßnahmen und unter Umständen auch Wiederbelebungsmaßnahmen durchzuführen. Außerdem sollte nach Möglichkeit die Ursache für die Atemdepression ermittelt werden, um eine rasche Behandlung zu ermöglichen.

Behandlung & Therapie

Bei der Behandlung einer Atemdepression wird in erster Linie bei deren Auslöser angesetzt, da nur so der Atemdepression vollständig entgegengewirkt werden kann.

Wird bei einem Patienten also eine Atemdepression aufgrund einer Vergiftung mit Morphin festgestellt, so wird neben der Therapie der Morphinvergiftung mit dem Morphinantagonisten Naloxon und einer Magenspülung auch den Symptomen der Atemdepression entgegengewirkt, beispielsweise durch Intubation und maschinelle Beatmung oder Herzmassage des Betroffenen.

Die Art der Behandlung ist weiterhin von dem Grad der Atemdepression abhängig. Leidet der Erkrankte unter schwerwiegenden Atemproblemen und werden Herz und Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, so muss dieser gegebenenfalls beatmet werden, bevor an den eigentlichen Ursachen angesetzt werden kann, die zu diesen Beschwerden führen.

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Aussicht & Prognose

Eine Atemdepression kann ohne eine medizinische Behandlung zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen. Die dauerhafte Unterversorgung des Organismus mit Sauerstoff löst eine Kurzatmigkeit, Schlafstörungen und permanenten Bluthochdruck aus. Ohne eine ärztliche Behandlung steigt das Risiko einer plötzlichen Funktionsstörung oder eines Systemsausfalls. Es droht ein akuter Zustand, der zu lebenslangen Beeinträchtigungen oder Folgeerkrankungen führen kann.

In schweren Fällen setzt ein multiples Organversagen ein, der einen tödlichen Verlauf zur Folge hat. Mit der dauerhaften Überlastung des Herzmuskels bei einem Bluthochdruck steigt das Risiko eines Herzversagens. Es drohen dem Patienten für den Rest seines Lebens erhebliche gesundheitliche Störungen oder ebenfalls ein tödlicher Krankheitsverlauf.

Mit einer medizinischen Versorgung des Patienten steigen die Heilungsaussichten immens an. Bei einer leichten Atemdepression bestehen gute Chancen auf eine Beschwerdefreiheit. Das Erlernen von Atemtechniken oder den Umgang einer gesunden Atmung in verschiedenen Situationen kann eine dauerhafte Linderung bewirken. Je ausgeprägter die Erkrankung ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine anhaltende medizinische Versorgung notwendig ist, um keine Verschlechterung der Gesundheit zu erleben.

Bei einer ausgeprägten Atemdepression sinken die Heilungschancen deutlich. Gibt es keine Möglichkeit, dass der CO² Gehalt im Blut dauerhaft ansteigt, treten erhebliche Unregelmäßigkeiten auf. Diese können zu einem unverhofften Atemstillstand und damit zum Tod des Patienten führen.

Vorbeugung

Um einer Atemdepression vorzubeugen, gilt selbiges: Da die Atemdepression kein eigenes Krankheitsbild darstellt, sondern durch andere Fehlfunktionen des Körpers ausgelöst wird, gilt es als einzige mögliche Vorbeugungsmaßnahme, diese wenn möglich zu vermeiden.

Das können Sie selbst tun

Eine Atemdepression ist typischerweise an einer verminderten Atemfrequenz von weniger als zehn Atemzüge pro Minute erkennbar. Es kommt dann zu einer generellen Minderversorgung des Körpers mit Sauerstoff. Es können dadurch Symptome wie Verwirrtheit, Krampfanfälle, Muskelzuckungen und die äußerlich sichtbare Blauverfärbung der Haut (Zyanose) auftreten. Die Atemdepression kann viele verschiedene Ursachen haben, so dass sich Anpassungen im Alltag und eventuelle Selbsthilfemaßnahmen daran ausrichten müssen.

Falls eine Person eine akute Atemdepression erleidet, ist schnelles Handeln erforderlich, so dass sich die Alarmierung eines Notarztes empfiehlt, weil auch lebensbedrohlicher Atemstillstand eintreten kann. In den Fällen, in denen es durch anhaltenden Drogenmissbrauch oder durch eine Vergiftung zur Beeinträchtigung der Atmung kommt, kann eine erste Selbsthilfemaßnahme beispielsweise in willentlich herbeigeführtem Erbrechen bestehen.

Der häufigste Grund für Atemaussetzer sind nächtliche Schlafapnoe Attacken, die durch eine Verlegung der Luftröhre durch das Zäpfchen am Gaumensegel verursacht werden. Die wichtigste Selbsthilfe besteht dann darin, durch geeignete Maßnahmen wie das Tragen einer mit leichtem Überdruck arbeitenden CPAC-Maske die Verlegung der Luftröhre zu verhindern. Atemdepressionen können entweder zentral über das Atemzentrum gesteuert sein oder auf lokale organische Probleme zurückgehen. Anpassung an den Alltag und Selbsthilfe ist in derartigen Fällen häufig nicht möglich. Es kann sogar als Notfallmaßnahme eine künstliche Beatmung – vorübergehend oder dauerhaft – notwendig sein.

Bücher über Atemnot & Luftmangel

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Bungeroth, U.: BASICS Pneumologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Gerok, W., Huber, C., Meinertz, T., Zeidler, H. (Hrsg.): Die innere Medizin – Referenzwerk für den Facharzt. Schattauer, Stuttgart 2007

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