Astrozytom (Glioblastom)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. Oktober 2017
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Hirntumore sind sehr selten, nur etwa 2 Prozent aller Neuerkrankungen an Krebs betreffen das Gehirn. Wenn jedoch ein Hirntumor diagnostiziert wird, so ist es in etwa einem Viertel aller Fälle ein sogenanntes Astrozytom. Damit zählen Astrozytome zu den häufigsten Krebsarten des Gehirns. Ihre Schweregrade sowie die daraus resultierenden Heilungschancen differieren sehr stark.

Inhaltsverzeichnis

Definition Astrozytom

Ein Astrozytom entsteht aus entarteten Gehirnzellen. Genauer gesagt, aus entarteten Astrozyten, auch Sternzellen genannt, die zum Stützgewebe des menschlichen Gehirns gehören und in ihrer Gesamtheit Gliazellen genannt werden.

Es gibt verschiedene Arten von Astrozytomen, die sich hinsichtlich ihres Schweregrades sowie in ihrer Prognose stark voneinander unterscheiden. Astrozytome können sowohl gutartige als auch extrem bösartige Tumore sein. Mediziner stellen den Schweregrad der Erkrankung fest, indem sie die Ähnlichkeit des Tumorgewebes mit dem umliegenden gesunden Gewebe vergleichen.

Je ähnlicher das entartete Gewebe dem gesunden ist, desto ungefährlicher ist der Tumor. Astrozytome werden in WHO-Grade eingeteilt. Das Astrozytom mit dem geringsten WHO-Grad I, das pilozytische Astrozytom, kommt fast nur bei Kindern und jungen Erwachsenen vor, ist gutartig und weist eine positive Prognose auf. Tumore des WHO-Typs II, das differenzierte Astrozytom, sind noch gutartig, können aber in die Bösartigkeit entarten. Das anaplastische Astrozytom oder WHO-Typ III schließlich ist bösartig.

Das Astrozytom mit der schlechtesten Prognose ist schließlich das Glioblastom. Dieses weist ein sehr schnelles und vor allem diffuses Wachstum auf, d.h. es ist nicht fest umrissen und kann daher in der Regel nicht operativ entfernt werden. Je jünger ein Mensch ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit eines gutartigen Astrozytoms. Die bösartigen Varianten befallen meist Männer im mittleren Alter.

Ursachen

Über die Ursachen von Astrozytomen ist kaum etwas bekannt. Als gesichert gilt, dass Gehirntumore dieser Art besonders häufig nach einer Strahlenbehandlung auftreten. Aus diesem Grund sollten Strahlenbehandlungen und bildgebende Verfahren in der Medizin möglichst selten und nur bei einer ausreichenden Indikation angewendet werden.

Auch wer an der Erbkrankheit Neurofibromatose leidet, hat ein erhöhtes Risiko für Astrozytome des WHO-Typs I. Weitere Ursachen sind nicht bekannt bzw. noch ungeklärt. In verschiedenen Studien konnte jedoch festgestellt werden, dass Handystrahlen keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Hirntumoren haben.

Typische Symptome & Anzeichen

Schematische Darstellung zur Lage eines Gehirntumores im Gehirn. Klicken, um zu vergrößern.

Diagnose & Verlauf

Astrozytome können an ganz verschiedenen Teilen des Gehirns entstehen. Je nach Lokalisation unterscheiden sich die Symptome. Typische Anzeichen für ein solches Gliom sind jedoch epileptische Anfälle, Wesensänderungen sowie ein erhöhter Hirndruck. Letzterer äußert sich zunächst durch Schwindel, Übelkeit und Erbrechen.

Sitzt das Astrozytom im Rückenmark, kann es auch zu Lähmungserscheinungen bis hin zur Querschnittslähmung kommen. Auch Sehstörungen stellen kein ungewöhnliches Symptom dar. Astrozytome können mit Sicherheit jedoch nur über ein bildgebendes Verfahren - etwa Computertomografie oder MRT - festgestellt werden.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: C71 Bösartige Neubildung des Gehirns) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

Aufgrund des begrenzten Platzes innerhalb des Schädels wirken sich raumfordernde Prozesse wesentlich dramatischer aus als in anderen Körperregionen. Komplikationen entstehen bei Astrozytomen vor allem dann, wenn der Tumor rasch wächst oder die umgebenden Hirnstrukturen infiltriert. Je schneller das Wachstum stattfindet, umso größer ist der Druckanstieg im Inneren des Schädels.

Als Folge des Hirndrucks kommt es zu einer lokalen Kompression von Nervenbahnen und Hirnzentren, die ohne ärztliche Behandlung zum Tode führen kann. Bei höher malignen Astrozytomen tritt zusätzlich ein ausgedehntes Ödem auf, das die raumfordernde Wirkung weiter erhöht. Als Folge des Tumors kann es zu vorübergehenden oder bleibenden Hirnschäden kommen.

Zu den Komplikationen bei Astrozytomen zählen unter anderem neurologische Ausfälle (Hemiparese, Wesensveränderungen, Gesichtsfeldausfälle), Hydrozephalus sowie Hirnblutungen. Das wichtigste Ziel der Astrozytombehandlung besteht in der Verringerung der Tumormasse. Die eingesetzten Therapien können selbst starke Nebenwirkungen aufweisen und Komplikationen nach sich ziehen.

Um die Ausgangssituation für weitere Behandlungen zu verbessern, versuchen Neurochirurgen, den Tumor so weit wie möglich zu verkleinern, ohne dabei gesundes Gewebe zu verletzen. Intrakranielle Drucksteigerungen und postoperative Einblutungen stellen mögliche Komplikationen nach chirurgischen Eingriffen dar. Die stereotaktische Strahlentherapie bei Astrozytomen dient der gezielten Abtötung von Tumorzellen. Als Komplikation körpereigener Entzündungsprozesse können anschließend massive Hirnödeme sowie eine dekompensierte Raumforderung auftreten.

Ab wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei dem Verdacht auf ein Astrozytom muss umgehend ein Arzt konsultiert werden. Typische Anzeichen wie epileptische Anfälle, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel oder Sehstörungen sind umgehend abzuklären. Weitere Warnzeichen sind Lähmungserscheinungen und Krampfanfälle sowie allgemeine körperliche oder geistige Ausfallerscheinungen. Wenn eines oder mehrere dieser Symptome auftreten, sollte zur weiteren Abklärung ein Arzt hinzugezogen werden.

Dies gilt vor allem dann, wenn die Beschwerden ganz plötzlich bemerkt werden, nach einer Strahlenbehandlung oder in Verbindung mit der Erbkrankheit Neurofibromatose auftreten. Dann liegt der Verdacht nahe, ,dass es sich um einen Gehirntumor handelt. Eine umgehende Behandlung ist bei Astrozytomen – ob gutartig oder bösartig – in jedem Fall erforderlich. Sollte es nach der Behandlung eines Astrozytoms erneut zu Beschwerden kommen, muss mit dem behandelnden Arzt gesprochen werden. Je schneller die Diagnose und Therapie erfolgt, desto besser sind auch bei Neuerkrankungen die Heilungsaussichten. Dies gilt nicht nur für Astrozytome, sondern für alle Arten von Tumoren. Deshalb sollten ungewöhnliche Beschwerden, die auf keine bestimmte Ursache zurückzuführen sind, umgehend abgeklärt werden.

Behandlung & Therapie

Nach Möglichkeit werden die Tumore weitestgehend operativ entfernt. Anschließend erfolgt eine Gewebeprüfung, um den WHO-Grad des Glioms festzustellen. Nicht alle Astrozytome sind jedoch operabel, diese Möglichkeit hängt vom Sitz des Tumors im Gehirn sowie seiner Diffusität ab. Je klarer ein Tumor sich vom gesunden Gewebe abgrenzt, desto eher kann operiert werden.

Doch selbst wenn nicht der komplette Hirntumor heraus geschnitten werden kann, versuchen die behandelnden Ärzte zumindest, Teile des Astrozytoms zu entfernen. Je nach Schweregrad des Tumors erfolgt im Anschluss an die Operation eine Strahlenbehandlung und eventuell eine Chemotherapie. Verbleibende Tumorreste sind riskant, da diese Zellen weiterwachsen können. Zumindest bedeutet eine nur teilweise Entfernung jedoch zunächst einmal eine Verkleinerung des Tumors und somit eine Verbesserung der Symptome sowie ein verringertes Wachstum - ergo mehr gewonnene Lebenszeit.

Meist schwillt das um das Astrozytom befindliche Hirngewebe stark an, weshalb die Gabe von Kortisonpräparaten vor einer Operation notwendig wird. Diese bringen das Gewebe zum Abschwellen. Auch die Gabe von Antiepileptika kann als notwendig erachtet werden. Als Faustregel gilt, je geringer der WHO-Grad des Astrozytoms, desto wahrscheinlicher ist seine vollständige Entfernung.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose eines Astrozytoms ist individuell aufgrund mehrerer Faktoren einzustufen. Je nach Lage und Größe des Hirntumors richtet sich die Heilungsaussicht. Hinzu kommt das Alter des Patienten, mögliche Vorerkrankungen und die Stabilität seines Immunsystems. Bei einem kleinen Tumor in einer gut zugänglichen Hirnregion bestehen gute Aussichten auf eine Heilung. Ist der Patient zudem in einem mittleren Erwachsenenalter und leidet unter keinen weiteren Beeinträchtigungen, hat er gute Chancen, um innerhalb weniger Monate als geheilt entlassen zu werden.

Je älter der Patient ist und je mehr Vorerkrankungen vorhanden sind, desto schlechter werden die Aussichten auf eine Genesung. Bei einem Hirntumor, der sich in einem schwer zugänglichen Bereich es Gehirns befindet, schwinden die Heilungschancen zusätzlich. Oftmals können nur Teile des erkrankten Gewebes erfolgreich entfernt werden oder es gibt gar keine Möglichkeit, um den Patient von dem Tumor zu befreien. Die anschließende Krebstherapie schwächt den Organismus zusätzlich.

Patienten, die erfolgreich den Eingriff und die Therapie überstanden haben, leben dennoch unter dem Risiko der Wiederkehr der Erkrankung. In vielen Fällen hat der Tumor gestreut und es bilden sich an anderen Stellen des Körpers neue Metastasen. Daher ist eine rechtzeitig Diagnose eines Hirntumors wesentlich für eine eine Prognose des Astrozytoms.

Vorbeugung

Da die Ursachen von Astrozytomen nicht bekannt sind, können konkrete Vorbeugungsmaßnahmen nicht ergriffen werden. Empfohlen wird jedoch, sich möglichst wenig Strahlung auszusetzen sowie den Kontakt mit krebserregenden Stoffen zu meiden. Auch eine möglichst gesunde und aktive Lebensweise trägt zur Vorbeugung vor Krebs bei.

Bücher über Gehirntumore

Quellen

  • Bob, A., Bob, K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2009
  • Diener, H.-C., et al.: Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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