Asterixis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 25. Oktober 2017
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Die Asterixis ist das Symptom einer metabolischen Hirnschädigung. Nach Leber- oder Nierenschädigungen kann zum Beispiel auch das Gehirn Schaden nehmen. Die Patienten der Asterixis leiden aufgrund einer solchen Schädigung an einem grobschlägigen Tremor der Hände.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Asterixis?

Unwillkürliches Zittern wird von der Medizin auch als Tremor bezeichnet. Die Zitterbewegungen sind eine Folge aus rhythmisch wiederholten Kontraktionen von antagonistischen Muskelgruppen. Jeder Mensch besitzt einen physiologisch bedingten Tremor, der kaum sichtbar ist. Sobald deutliche Sichtbarkeit besteht, handelt es sich beim Tremor um eine pathologische Erscheinung, die mit verschiedenen Erkrankungen assoziiert sein kann. Der Tremor kennzeichnet die Asterixis.

Diese Erkrankung wird unter die Koordinationsstörungen gefasst und ist durch grobschlägige Zitterbewegungen der Hände gekennzeichnet. Meist entsteht die Asterixis als Folge von toxischen oder metabolischen Hirnschädigungen. Im Zusammenhang mit einer Leberschädigung ist auch von Flattertremor die Rede.

Eigentlich ist die Asterixis im engeren Sinn kein Tremor, da ihr nicht die Kontraktion antagonistischer Muskeln, sondern ein kurzzeitiger Tonus-Verlust der Muskeln zugrunde liegt. Dieser Tonus-Verlust löst eine reflektorische Korrektur aus, die sich als Zittern äußert. Die Erstbeschreibung der Asterixis erfolgte 1949. Als Erstbeschreiber gelten Adams und Foley. Eine Asterixis der Beine stört das Stehen und Gehen. Oft treten infolge dessen Stürze auf.

Ursachen

Bei der Asterixis handelt es sich um eine symptomatische Bewegungsstörung, die meist von Hirnschädigungen ausgeht. Die Schädigung hat eine vorübergehend kurze Hemmung der Extensor-Muskeln an der Unterarmmuskulatur zur Folge, die eine Beugung der Hände auslöst. Sobald sich die Hand herabbewegt hat, gleicht ein Reflex diese Haltung durch eine Streckbewegung aus und will die Hand so in Ausgangsstellung zurückbewegen.

Die Rede ist oft von einem ursächlich negativen Myoklonus, der von einer reflektorischen Korrekturbewegung gefolgt ist. Die häufigste Ursache für einen Flattertremor scheinen den bisherigen Fallberichten zufolge metabolische Enzephalopathien zu sein. Als solche werden stoffwechselbedingte Hirnschädigungen bezeichnet. So kann die Asterixis beispielsweise hepatische Enzephalopathien begleiten.

Auch bei akutem Leberversagen oder im Rahmen eines Morbus Wilson ist sie ein charakteristisches Symptom. Deutlich seltener entspricht die primäre Ursache einem Nierenversagen oder der Einnahme von Medikamenten. Die metabolische Hirnschädigung tritt aufgrund der Stoffe ein, die bei metabolischen Erkrankungen entstehen oder im Körper zurückbleiben. In diesem Zusammenhang kann auch von toxisch wirkenden Substanzen die Rede sein.

Patienten der Asterixis zeigen Symptome, sobald sie ihre Hände ausstrecken und mit gestreckten Fingern gerade halten sollen. Das Zittern wirkt grobschlägig. Eine plötzliche Beugung im Handgelenk ist erkennbar, die rhythmisch oder arrhythmisch erfolgt und etwa eine Frequenz von vier Herz aufweist. Nach der Beugung erfolgt eine reflektorische Bewegung zur Korrektur.

Wenn die Patienten die Arme seitlich halten, wirken die Bewegungen wie ein Flügelschlag. In den meisten Fällen liegt das Zittern auf beiden Körperseiten vor. Im Einzelfall ist allerdings auch eine einseitige Ausprägung denkbar. Bei beidseitigem Zittern besteht oft Symmetrie. Im Grunde ist die Asterixis selbst nur das System einer anderen Erkrankung. Welche Symptome begleitend zu den Zitterbewegungen vorliegen, hängt von der primären Ursache ab.

Im Zusammenhang mit einer Niereninsuffizienz sind so zum Beispiel Begleitsymptome wie Rückenschmerzen, Proteinurie und eine Verfärbung des Urins denkbar. Die Hirnschädigung kann bei allen Organschädigungen je nach Lokalisation außerdem mit Begleitsymptomen vergesellschaftet sein, die die Wahrnehmung, die Motorik oder andere Körperprozesse betreffen.

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Diagnose & Krankheitsverlauf

Der Neurologe erkennt eine Asterixis in der Regel per Blickdiagnose. Zur näheren Einschätzung und Beobachtung wird er den Patienten bitten, sich mit den ausgestreckten Händen nebeneinander im Raum zu positionieren. Wenn sich das grobschlägige Zittern einstellt, liegt vermutlich eine Hirnschädigung vor. Eine Bildgebung des Gehirns kann diese Schädigung bestätigen.

Um die primäre Ursache des Symptoms zu diagnostizieren, kann dem Arzt die Anamnese dienen. Wenn im Zuge des Patientengesprächs zum Beispiel eine Nieren- oder Lebererkrankung zur Sprache kommt, kann die Diagnose der Asterixis als gesichert gelten. Falls bis dato keine metabolischen Erkrankungen diagnostiziert worden sind, finden umfangreiche Allgemeinuntersuchungen der metabolischen Organe statt. Die Prognose der Asterixis richtet sich nach der primären Ursache.

Komplikationen

Asterixis, vorwiegend als Folge metabolisch oder toxisch bedingter Hirnschädigungen oder bei Nierenversagen auftretend, kann bei ihrem Auftreten und im weiterem Verlauf der jeweiligen Grunderkrankung zu verschiedenen Komplikationen führen. So geht das Symptom in erster Linie mit einem starken Unwohlsein und einer eingeschränkten Motorik für den Patienten einher.

Außerdem kann es zu starken Schmerzen in den Armen und speziell in den Handgelenken kommen, bedingt durch die andauernde Anspannung und ruckartige Beugung der Hände und Finger. Außerdem führt die Asterixis zu Taubheitsgefühlen in den betroffenen Gliedern und kann die Betroffenen dadurch auch im Alltag sehr stark einschränken. Eine frühzeitige Behandlung durch einen Arzt ist deshalb anzuraten, wobei die Therapiemöglichkeiten von Ursache zu Ursache sehr stark variieren.

Meist führt die Asterixis selbst nicht zu Problemen, sondern die zugrunde liegende Erkrankung. Dabei kann es sich um vielfältige Muskelstörungen wie Tremor bis hin zu Nierenversagen handeln. In letztem Fall ist das Zittern, welches typischerweise bei Asterixis auftritt, nur eines von vielen Symptomen. Tritt die Asterixis in Folge eines primären Schreibtremors auf, zählen häufig Entzündungen in den betroffenen Gliedern zu den weiteren Komplikationen. Eine Behandlung mit Propranolol und Primidon verspricht hier oft Besserung. Wird die Ursache der Asterixis nicht behandelt, kann es zu bleibenden Nervenschäden kommen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Das Syndrom der Asterixis zeichnet sich durch ein Zittern der Hände aus. Es ist auch unter der Bezeichnung „Tremor" beziehungsweise „Flapping tremor" oder "Flattertremor" bekannt. Typisch für diese Art des Händezitterns sind grobschlägige Zitterbewegungen der Hände. Sie sind leicht hervorzurufen, indem Betroffene beim Versuch, ihre Hände einschließlich Fingern geradeaus zu strecken, dies nicht ohne deutlich sichtbares Zittern schaffen. Bei einem seitlichen Ausstrecken der Arme ähnelt das Zittern einem Flügelschlag. Die Asterixis tritt meistens beidseitig, selten auch einseitig auf.

Die Asterixis ist Ausdruck einer aufgrund von Leber- oder Nierenschädigungen eingetretenen metabolischen Beeinträchtigung des Gehirns. Das geschädigte Gehirn kann die den Unterarm regierenden Muskeln nicht mehr angemessen steuern. Für den Hausarzt deutet die Asterixis primär auf einen Leberschaden hin. Außerdem muss er eine mögliche Nierenbeeinträchtigung sowie die genetisch bedingte Kupferspeichererkrankung Morbus Wilson oder eine Medikamentennebenwirkung als Ursache für die Asterixis in Betracht ziehen. Bei einer Asterixis wird der Hausarzt zur weiteren Diagnose seinen Patienten an Fachkollegen überweisen, zum Beispiel an einen Internisten, Gastroenterologen oder Nephrologen.

In der Therapie der einer Asterixis zugrunde liegenden Erkrankung ist auch ein denkbarer Alkoholmissbrauch zu erörtern. Bei Vorliegen eines Alkoholabusus ist zusätzlich zur Behandlung der Grunderkrankung mit dem Patienten eine Entziehungskur anzustreben.

Behandlung & Therapie

Die Behandlungsschritte hängen nach der Diagnose einer Asterixis vor allem von der primären Erkrankung ab, im Rahmen derer die ursächliche Hirnschädigung eingetreten ist. Bei einer Niereninsuffizienz kann neben der Dialyse zum Beispiel eine Transplantation zur Diskussion stehen. Das Symptom der Asterixis lässt sich im engeren Sinn nicht kausal behandeln. Die Hirnschädigung ist bereits eingetreten. Vollständig regenerieren kann sich Hirngewebe in aller Regel nicht.

Damit lässt sich die eigentliche Ursache der Asterixis nicht beheben. Allerdings kann die Erscheinung durch supportive Behandlungswege verbessert werden, damit sie das Leben des Betroffenen nicht mehr beeinträchtigt. Mit diesem Ziel nehmen die Patienten an physiotherapeutischen Trainingseinheiten teil. Nach Hirnschädigungen durch Schlaganfälle konnte Physiotherapie in Einzelfällen zum Beispiel die Funktion der geschädigten Gehirnbereiche auf intakte Gehirnbereiche verlagern.

Die Patienten waren danach weitestgehend asymptomatisch. Die Asterixis kann theoretisch also trotz irreversibler Schädigung des Gehirns zur Auflösung gebracht werden. Falls sich das Zittern durch Physiotherapie nicht verbessert, lernen die Patienten in ergo- oder physiotherapeutischer Begleitung zumindest Umgangsstrategien.

Aussicht & Prognose

Anhand der zugrunde liegenden Erkrankung fällt die Prognose bei einer Asterixis sehr unterschiedlich aus. Grundsätzlich kann aber nicht von einer spontanen Heilung der Erkrankung ausgegangen werden. Und auch, wenn die Ursache erfolgreich behoben werden kann, können die Symptome noch weiterhin bestehen.

Liegt die Ursache in einer Hirnschädigung, so ist sie nach aktuellem medizinischem Kenntnisstand nicht heilbar. Da das geschädigte Hirngewebe sich nicht mehr regenerieren kann, lässt sich der so genannte Flattertremor in diesem Fall nicht durch ärztliche Behandlung rückgängig machen.

Ist ein akutes Leberversagen oder eine Niereninsuffizienz ursächlich, kann eine sofortige Behandlung unter Umständen zu einer Verbesserung der Symptome führen. Sowohl akutes Leber- als auch Nierenversagen sind lebensgefährlich. Wird beispielsweise eine Dialyse durchgeführt, kann es bereits zu einer Verbesserung kommen. Bei massiver Niereninsuffizienz kann eine Nierentransplantation, die erfolgreich verläuft, dazu beitragen, dass die Asterixis geheilt wird.

Begleitende therapeutische Maßnahmen tragen ebenso dazu bei, dass der Patient mit den typischen Symptomen im Alltag besser umgehen kann. Hier spielt neben Ergo- und Physiotherapie zum Erlernen veränderter Bewegungsabläufe auch eine Verhaltenstherapie eine Rolle, in der erlernt wird, wie neue Strategien zur Bewältigung bestimmter Aufgaben in den Alltag integriert werden. In der Regel ist es Betroffenen dann auch möglich, wieder einer geregelten Berufstätigkeit nachgehen zu können.

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Vorbeugung

Der Asterixis lässt sich nur insoweit vorbeugen, wie sich metabolischen Hirnschädigungen oder Erkrankungen wie Leberzirrhose vorbeugen lässt. So lässt sich zum Beispiel der gewissenhafte Umgang mit toxischen Substanzen weitestgehend als Vorbeugemaßnahme bezeichnen.

Das können Sie selbst tun

Eine Asterixis oder Flattertremor wird immer durch eine metabolische Schädigung bestimmter Hirnareale oder durch einen Schlaganfall verursacht. Im Fall der metabolischen Schädigung der Hirnzellen ist vor allem die Behandlung der erkrankten metabolischen Organe wie Leber oder Nieren vorrangig, um den Verlauf der Krankheit möglichst zu stoppen.

Die Alltags- und Selbsthilfe zielt immer darauf ab, die Symptome der Asterixis abzumildern. Da bei Auftreten der Symptome bereits bestimmte Hirnareale irreversibel geschädigt sind, können im Erfolgsfall durch ein gezieltes Bewegungstraining andere Hirnareale zur Übernahme der Aufgaben und Funktionen gebracht werden. Empfehlenswert ist es, zusammen mit einem erfahrenen Physiotherapeuten ein Übungsprogramm zu entwerfen, das auch zu Hause als Selbsthilfe durchgeführt werden kann. Die Vorgehensweise ist mit physiotherapeutischen Programmen vergleichbar, die üblicherweise nach einem Schlaganfall entwickelt werden, um andere Hirnareale zur Übernahme bestimmter Funktionen zu trainieren.

Auch durch Anwendung aktiver Entspannungsübungen wie Autogenes Training, Yoga und Meditation können die Symptome vorübergehend gelindert werden. Beide Therapieformen, physiotherapeutisches Training und aktive Entspannung, können als Selbsthilfe durchgeführt werden. Das oberste Ziel besteht darin, dass die Betroffenen ein weitestgehend normales und selbstbestimmtes Leben führen können unter der Voraussetzung, dass auch die Grunderkrankung, die die Symptome des Asterixis ausgelöst hat, behandelbar ist und auch behandelt wird.

Bücher über Zittern

Quellen

  • Benninghoff / Drenckhahn: Anatomie – Band 2. Urban & Fischer bei Elsevier, München 2004
  • Putz, R., Pabst, R.: Sobotta, Atlas der Anatomie des Menschen. Urban & Fischer, München 2006
  • Schiebler, T.H., Korf, H.W.: Anatomie. Steinkopff, Heidelberg 2007

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