Aspirationspneumonie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. Oktober 2017
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Bei der Aspirationspneumonie handelt es sich um eine spezielle Form der Lungenentzündung. Sie entsteht in den meisten Fällen dadurch, dass Fremdmaterial eingeatmet wird und das Abwehrsystem der Atemwege unzureichend ist. In der Regel treten Aspirationspneumonien in den basalen Abschnitten der Lunge auf.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Aspirationspneumonien?

Aspirationspneumonien sind dadurch gekennzeichnet, dass sie durch Aspiration von Fremdkörpern und Flüssigkeiten entstehen. Eine Sonderform unter den Aspirationspneumonien stellt das Mendelson-Syndrom dar, bei dem die Pneumonie nach dem Eindringen von Magensaft in die Atemwege auftritt. Dies kann etwa beim Vorgang des Erbrechens von Nahrung erfolgen.

Gelangen beim Essen oder Erbrechen Fremdkörper über die Atemwege in die Lunge, werden Erreger in das Atmungsorgan transportiert. Diese lösen mitunter eine Entzündung in der Lunge aus, sodass Aspirationspneumonien entstehen können. Aus diesem Grund stellen Aspirationspneumonien sogenannte 'eingeatmete' Lungenentzündungen dar.

Ursachen

Aspirationspneumonien entstehen in Folge des Einatmens von Fremdkörpern in die Lunge. Normalerweise sind die Atemwege durch bestimmte Reflexmechanismen davor geschützt, dass bei der Nahrungsaufnahme oder beim Erbrechen weder Essensteilchen noch Magensaft in die Atemwege und von dort aus weiter zur Lunge gelangen können.

Kommt es dennoch zu einem solchen Fall, tritt in Folge des Verschluckens ein Hustenreflex auf, der das Fremdmaterial aus den Atemwegen entfernt, bevor es in die Lunge transportiert werden kann. Jedoch existieren Situationen, in denen das Reflexsystem nicht ausreichend funktioniert. Insbesondere bei älteren Menschen oder solchen, die an bestimmten Krankheiten leiden, versagen die Schutzreflexe teilweise.

Auch im Rahmen von Bewusstlosigkeit, etwa bei Alkohol- oder Medikamentenvergiftungen, können die Hustenreflexe beeinträchtigt sein. Verschluckt oder erbricht sich die betroffene Person, ohne dass die Hustenreflexe aktiviert werden, können Essenbestandteile oder Magensaft in die Lunge gelangen.

Dadurch werden Erreger in die Lunge transportiert, die entzündliche Prozesse hervorrufen können. Beim Verschlucken von Magensaft liegt ein besonderer Fall der Aspirationspneumonie vor, wobei die Säure das sensible Lungengewebe durch Verätzungen reizt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Aspirationspneumonien stehen mit diversen charakteristischen Symptomen und Beschwerden in Verbindung. Üblicherweise kommt es in Folge einer Aspiration zu starkem Husten und einer erhöhten Schleimproduktion der Bronchialschleimhaut. Derartige Anzeichen stehen häufig am Beginn der Erkrankung.

Später entwickelt sich oft eine Lungenentzündung, die von einer schnellen Atmung (medizinische Bezeichnung Tachypnoe) begleitet wird. Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl stellen sich ein. Abhängig von der Ausprägung der Aspirationspneumonie kann Atemnot als weiteres Symptom hinzukommen. Die typischen Symptome einer Aspirationspneumonie setzten in den meisten Fällen mit einer Verzögerung von einigen Stunden bis wenigen Tagen ein.

Die betroffenen Patienten zeigen bronchiale Reaktionen mit einem sogenannten Bronchospasmus sowie vermehrter Sekretion. Atemnot wird oftmals von Husten mit Auswurf begleitet. Darüber hinaus ist die Körpertemperatur messbar erhöht. Eine eventuell auftretende Atemnot (medizinische Bezeichnung Dyspnoe) kann im weiteren Verlauf zu einer bläulichen oder violetten Verfärbung von Haut und Schleimhäuten (medizinische Bezeichnung Zyanose) führen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Im Rahmen der Diagnose von Aspirationspneumonien stehen diverse Methoden der Untersuchung zur Verfügung. Im ersten Schritt erörtert der behandelnde Arzt im Gespräch mit dem Patienten das kürzlich zurückliegende Ereignis des Verschluckens oder Erbrechens. Als erste Untersuchung hört der Arzt üblicherweise die Lungen mit einem Stethoskop ab. Hörbare Veränderungen können die Vermutung erhärten.

Die Diagnose von Aspirationspneumonien kann mittels Röntgenuntersuchungen der Lunge gesichert werden. Im Röntgenbild sind für die Erkrankung typische Veränderungen sichtbar. Gleichzeitig kann dadurch das Ausmaß der Entzündung festgestellt werden. Darüber hinaus können Blutuntersuchungen Aufschluss über den Sauerstoffgehalt des Blutes geben, womit eine Feststellung der Sauerstoffaufnahme über die Lunge möglich ist.

Weitere diagnostische Methoden stellen Lungenspiegelungen beziehungsweise Bronchoskopien dar, die einen direkten Einblick in die Lunge ermöglichen. Im Rahmen der Lungenspiegelung oder einer Lavage der Bronchien kann das aspirierte Material aufgefunden werden. Auch die Durchführung einer Computertomographie kommt zwecks der Diagnose von Aspirationspneumonien in Betracht.

Komplikationen

Eine Aspirationspneumonie ist eine gefürchtete Komplikation infolge des Einatmens eines Fremdkörpers. Bei kleinen Kindern vor allem kann der Gegenstand die Luftröhre so stark einengen, dass das Kind keine Luft mehr bekommt und so erstickt. Auch bei Erwachsenen führt das Einatmen zu starker Atemnot und einem Hustenreiz.

Die gefürchtetste Komplikation einer Aspirationspneumonie ist das Versagen der Lunge (Respiratorische Insuffizienz). Der Patient kann nicht mehr genug Sauerstoff aufnehmen beziehungsweise Kohlendioxid abgeben, er leidet unter einem starkem Sauerstoffmangel, was lebensgefährlich sein kann. Ebenfalls lebensgefährlich ist, wenn sich die Entzündung über den gesamten Körper ausbreitet und so eine Sepsis verursacht.

Dies kann in einen septischen Schock enden, der daraufhin zu einem Multiorganversagen führen kann. Daneben sammelt sich in der Pleura aufgrund der Entzündung eine Menge Flüssigkeit an (Pleuraerguss), der das Atmen ebenso stark beeinträchtigt. In der Pleurahöhle kann sich ebenfalls Eiter ansammeln (Pleuraempyem), so dass es zu Verklebungen des Lungen- mit dem Rippenfells kommt.

Bleibt die Entzündung lange bestehen, kann es zu einer Vernarbung des Lungengewebes (Lungenfibrose) kommen, der die Ausweitung der Lunge und damit auch das Atmen beeinträchtigt. Auch eine Weitung der Bronchien ist denkbar (Bronchiektase), die weitere Entzündungen begünstigen und zu häufigen Blutungen in der Lunge führt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da sich die Aspirationspneumonie sehr negativ auf die Lunge und die Atmung des Betroffenen auswirkt, muss dabei auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Sollte es nicht zu einer Behandlung kommen, so kann die Aspirationspneumonie im schlimmsten Falle zum Tode des Betroffenen führen. Der Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn der Betroffene ohne einen bestimmten Grund stark hustet oder eine erhöhte Menge an Schleim produziert. Ebenso kann es dabei zu Fieber und zu einer allgemeinen Müdigkeit und Abgeschlagenheit des Patienten kommen. Auch Atemnot stellt ein Symptom der Aspirationspneumonie dar und muss von einem Arzt untersucht werden.

In einem akuten Notfall kann sich der Betroffene auch an ein Krankenhaus oder an einen Notarzt wenden. Weiterhin kommt es zu einem Husten mit Auswurf und in einigen Fällen auch zu einer Blaufärbung der Haut. Sollte sich die Haut schon blau färben, so muss unbedingt ein Notarzt gerufen werden, da es dabei auch zu Schäden an den inneren Organen kommen kann, falls diese mit zu wenig Sauerstoff versorgt werden. In der Regel erfolgt der erste Besuch bei einem Allgemeinarzt. In Notfällen muss allerdings immer direkte das Krankenhaus aufgesucht oder der Notarzt gerufen werden, um weitere Komplikationen zu vermeiden.

Behandlung & Therapie

Zur Behandlung von Aspirationspneumonien stehen diverse Maßnahmen zur Verfügung, die abhängig vom individuellen Krankheitsbild und dem Schweregrad sowie der Lokalisation der Erkrankung zum Einsatz kommen. Zunächst sollte versucht werden, das Fremdmaterial mittels Absaugen aus der Lunge zu entfernen. Die Gabe von atemwegserweiternden Medikamenten kann das Abhusten des Fremdkörpers erleichtern.

Die der Lungenentzündung zugrunde liegenden Bakterien werden in der Regel mittels Antibiotika behandelt. Die aeroben Hauptkeime stellen hier in erster Linie Staphylokokken, Streptokokken, Pseudomonas und Hämophilus dar. Um die Beschwerden der Atemnot zu lindern, kann die Atemluft über eine Nasensonde mit Sauerstoff angereichert werden.

In besonders schweren Fällen von Atemnot ist eine künstliche Beatmung der Patienten notwendig. In jedem Fall muss die Ursache der Aspiration mit in die Wahl des Therapiekonzepts einbezogen werden.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose einer Aspirationspneumonie hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zu ihnen gehören die Schwere und Intensität der Lungenentzündung, die Art der Bakterien, die zur Auslösung der Erkrankung führte sowie die Größe der betroffenen Region. Darüber hinaus sind das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten bei den Heilungsaussichten zu berücksichtigen.

Im Normalfall bestehen bei einem erwachsenen Menschen mit einem guten Immunsystem bei einer schnellen und unverzüglichen Behandlung gute Aussichten auf eine vollständige Heilung. Diese tritt gewöhnlich innerhalb weniger Wochen ein. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass Menschen, die an einer Aspirationspneumonie erkranken häufig unter zusätzlichen Krankheiten leiden. Diese schwächen die Atemwege und lassen eine unzureichende Tätigkeit des Würgereflexes sowie Schluckens erst zu. Die Funktionseinschränkung führt letztlich zu einer Ausbildung der Aspirationspneumonie und lässt die Aussicht auf eine vollständige Heilung schwinden.

Wird keine ärztliche Behandlung in Anspruch genommen, ist die Prognose ungünstig. Es können sich Lungenabszesse bilden, Entzündungen entstehen und die Atemwege können in ihrer Funktionstätigkeit eingeschränkt sein. Bei einem akuten Versagen der Atemwegsfunktion ist ein tödlicher Krankheitsverlauf gegeben. Die Größe des Fremdkörpers in der Lunge ist verantwortlich für den Umfang der Gewebeschädigung. Nach der Entfernung des Fremdkörpers müssen einige Patienten dauerhaft künstlich beatmet werden.

Vorbeugung

Um der Entstehung von Aspirationspneumonien vorzubeugen, sollten potenzielle Ursachen berücksichtigt und möglichst vermieden werden. Demzufolge sollte bei der Nahrungsaufnahme besondere Aufmerksamkeit auf den Schluckvorgang gelegt werden, um das Eindringen von Fremdkörpern in die Atemwege zu vermeiden.

Auch beim Erbrechen sollte darauf geachtet werden, dass die saure Magenflüssigkeit nicht in die Luftröhre gelangt. Wenn möglich, sollte im Fall der Aspiration von Nahrung oder Magensaft eine andere Person einbezogen und bei Komplikationen ein Notarzt kontaktiert werden.

Das können Sie selbst tun

Eine Aspirationspneumonie kann lebensgefährlich werden, wenn sie nicht zeitnah professionell behandelt wird. Erkrankte Personen müssen deshalb unbedingt einen Arzt konsultieren.

Einer der wichtigsten Beiträge zur Selbsthilfe besteht darin, dem Arzt die Diagnose zu erleichtern. Wer Symptome einer vermeintlichen Grippe bemerkt, nachdem Fremdkörper oder Magensäure in die Lunge gelangt sind, sollte den behandelnden Arzt unbedingt über diese Vorfälle informieren. Gleiches gilt, wenn beim Schwimmen oder durch einen Unfall versehentlich Wasser in die Lunge geraten ist. Der Arzt kann den Patienten dann gezielt untersuchen und eine mögliche Lungenentzündung rechtzeitig erkennen und behandeln, Langzeitschäden an den Atmungsorganen sind dann in der Regel nicht zu befürchten .

Betroffene, die dazu neigen, sich häufig zu Verschlucken sollten lernen, langsam und konzentriert zu essen, da das Risiko an einer Aspirationspneumonie zu erkranken mit jedem dieser Vorfälle steigt. Auch wer beständig an saurem Aufstoßen leidet, sollte dieses Problem zeitnah behandeln lassen, um einer Schädigung der Lunge vorzubeugen.

Sofern es zu einer Aspirationspneumonie gekommen ist, können die Betroffenen einige der Symptome auch mit milden Hausmitteln bekämpfen. Dies sollte jedoch nur ergänzend zur ärztlich verordneten Therapie erfolgen. Gegen das häufig auftretende hohe Fieber helfen kalte Wadenwickel. Gegen die erhöhte Schleimproduktion und den starken Husten werden in der Naturheilkunde Salbei und Spitzwegerich eingesetzt.

Bücher über Aspirationspneumonie & Lungenentzündung

Quellen

  • Bob, A., Bob, K.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2009
  • Renz-Polster, H., Krautzig, S. (Hrsg.): Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2012
  • Wolff, H.-P., Weihrauch, T.R. (Hrsg.): Internistische Therapie. Urban & Fischer, München 2012

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