Asphyxia neonatorum

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 3. Januar 2017
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Eine Asphyxia neonatorum („Pulslosigkeit des Neugeborenen“) ist ein Sauerstoffmangel des Neugeborenen. Als Synonyme werden peripartale Asphyxie, Neugeborenenasphyxie oder Asphyxie unter der Geburt verwendet. Durch den Sauerstoffmangel kommt es zu einer Atemstörung und damit zu einem Kreislaufzusammenbruch.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Asphyxia neonatorum?

Auf eine schlechte Sauerstoffversorgung reagiert das Neugeborene mit einer Atemdepression. Das Blut führt zu viel Kohlenstoffdioxid mit sich, das nicht abgeatmet werden kann und sich im Blut und in den Organen anreichert. Unter Sauerstoffmangel schaltet der Stoffwechsel auf schädliche anaerobe Verbrennung um. Der pH-Wert des Nabelschnurblutes ist sauer (Azidose ab pH-Wert kleiner als 7,1 oder 7,0). #

Weitere Folgen hieraus können mehr oder weniger schwere Schäden an unterschiedlichen Organen sein; aber auch Fehlsteuerungen des zentralen und peripheren Nervensystems. Ungefähr 20 Prozent aller Todesfälle von Neugeborenen gehen auf die Asphyxia neonatorum zurück. Frühgeborene haben ein zwanzigfach erhöhtes Risiko, eine Asphyxie zu erleiden.

Das Risiko steigt umso mehr, je mehr Faktoren vereinigt werden können und je gravierender ein einzelner Faktor ist. Hierzu gehören: Geburt vor der 32. Schwangerschaftswoche, zu klein und zu leicht für die Schwangerschaftswoche. Bei Zwillings- oder Mehrlingsschwangersschaften ist die Gefahr einer Asphyxie für den zweitgeborenen Zwilling erhöht – dementsprechend für die nachgeborenen Kinder - wenn sich die Geburt verzögert.

Ursachen

Der Sauerstoffmangel kann während der Schwangerschaft, unter der Geburt und kurz nach der Geburt entstehen. Infolge eingeschränkter Funktion des Mutterkuchens oder einer Umschlingung mit der Nabelschnur kommt es zu einer Unterversorgung der Nabelvene des Ungeborenen mit Sauerstoff und damit zu einer unzureichenden Versorgung seines gesamten Organismus mit Sauerstoff.

Hieraus können Folgeschäden entstehen. Das Ungeborene hat eine geringere Gewichts- und Größenzunahme und startet mit ungünstigen Bedingungen in die Geburt. Vorgeburtlich können Mutter und Kind eine Infektion durchmachen (Beispiel: Toxoplasmose).

Auch Medikamenten-, Drogen-, Alkohol- und Nikotinkonsum erhöht das Risiko einer Asphyxie. Während der Embryogenese können Fehlentwicklungen im genetisch angelegten Bauplan aufgetreten sein: Das Baby startet mit schlechten Voraussetzungen in die Geburt. Auch eine Zuckererkrankung der Mutter stellt ein Risiko für Neugeborenenasphyxie dar.

Eine sehr schwere Geburt kann zur Folge haben, dass für das Baby massiver Stress entsteht, so dass es blau angelaufen und mit Schnappatmung zur Welt kommt. Frühgeburten haben durch ihre allgemeine Unreife, auch der Lungen, ein erhöhtes Risiko für postnatale Asphyxie. Infolge einer durch die Asphyxie aufgetretenen Hirnblutung kann es zu einer weiteren Asphyxie und einer Anpassungsstörung von Atmung und Organen kommen.

Nach der Geburt liegt das Risiko für eine Asphyxie an einer unreifen Lunge, an Infekten der Lunge, im Blut vorhandenen Krankheitserregern oder angeborenen Herzfehlern. Geburtsverletzungen können zu einer Asphyxie führen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Der Apgar-Wert wird eine, fünf, zehn und sechzig Minuten nach der Geburt bestimmt um die Anpassung des Neugeborenen vom Leben im Mutterleib an das Leben außerhalb mit eigener Atmung und Stoffwechsel zu beschreiben. Kommt das Neugeborene blau angelaufen und mit Schnappatmung zur Welt (Asphyxia livida), sind die Apgarwerte eine Minute nach der Geburt (4-7) entsprechend niedrig.

Eine noch ungünstigere Prognose hat das Neugeborene, wenn es als „weißer Scheintod“ geboren wird (Asphyxia pallida). Die Apgarwerte liegen eine Minute nach der Geburt nahezu bei Null (0-3). Bei der Kreislaufschwäche kommt es zu einer schwachen oberflächlichen Atmung. Es wird eine unzureichende Mange an Atemgasen (Kohlenstoffdioxid und Sauerstoff) ausgetauscht.

Die Blutkörperchen in den Arterien transportieren zu wenig Sauerstoff in den Arterien, um die Gewebe zu versorgen: Der Sauerstoffpartialdruck nimmt ab - nicht nur in den Arterien, sondern im gesamten Gewebe, welches blau anläuft (Zyanose der Haut und der Schleimhäute). Das nicht abgeatmete Kohlenstoffdioxid führt zu einer Bewusstseinstrübung, die bis zum Koma reichen kann.

Die Herzfrequenz sinkt unter 100, respektive unter 80 Schläge pro Minute ab. Der Muskeltonus wird schlaff. An die Stelle des erwarteten kräftigen Schreiens tritt Grimassieren oder kein Schreien ein.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Asphyxia neonatorum stellt einen medizinischen Notfall dar, dem mit umfangreichem Engagement begegnet wird, um die Anpassung von Atmung, Stoffwechsel und Organfunktion an das Leben außerhalb des Mutterleibs zu gewährleisten. Diese Phase kann einige Tage oder mehrere Wochen andauern.

Ob, an welcher Stelle und in welchem Umfang Schäden des zentralen und peripheren Nervensystems, des vegetativen Nervensystems und der Organfunktionen davon getragen werden, ist nicht komplett vorhersagbar und von Fall zu Fall unterschiedlich. Die Schädigungen sind der Infantilen Cerebralparese (ICP) zuzuordnen.

Behandlung & Therapie

Im Verlauf der frühkindlich genetisch angelegten Entwicklung zeigt sich, ob Entwicklungsstörungen oder Entwicklungsverzögerungen vorliegen. Der Saug- und Schluckreflex ist von zentraler Bedeutung für die Verdauung: Verwertung der Nährstoffe, Wachstum und Gewichtszunahme.

Die angeborenen Reflexe werden nach und nach durch willkürliche Bewegungen ersetzt. Der Säugling sollte innerhalb der Zeitfenster die Meilensteine durchlaufen. Die Wahrnehmung des Babys und Kleinkindes kann beobachtet werden und wird immer differenzierter, ebenso seine Sprache und Motorik.

Der Kinderarzt ist geschult, innerhalb der U-Untersuchungen Entwicklungsverzögerungen festzustellen und dem Bedarf entsprechend Physiotherapie, Ergotherapie oder Frühfördermaßnahmen einzuleiten. Defizite zeigen sich in Form von Schreien, Gedeihstörungen, Untergewicht. Schon in den ersten Monaten führt der kleine Säugling bestimmte genetisch angelegte Bewegungsmuster nicht in der vorgesehenen Art aus.

Hat er einen steifen gestreckten Rumpf mit überstrecktem Kopf und Beinen, so lässt das auf eine Bewegungsstörung schließen, die nachfolgend motorische Defizite zwingend mit sich bringt. Motorische Defizite sind besonders augenfällig. Sie reichen über Spastiken, Diparese der Beine bis hin zur Tetraparese mit im Schweregrad zunehmendem Pflegebedarf. Die orthopädischen Hilfsmittel reichen von einer Einlagenversorgung über Orthesen und Rollatoren bis zu Rollstühlen.

Schwere Spastiken werden durch krampflösende Mittel versucht zu beherrschen. Kommt es zu Fehlstellungen von Sehnen, Bändern und Gelenken oder Kontrakturen, sind je nach Ausprägung Operationen angesagt. Diese können an Hüfte, Knien, Sprunggelenken, Füßen, Zehen, Schultern, Ellenbogen und Handgelenken auftauchen. Je schwerer der Verlauf, desto mehr Neugeborenenreflexe bleiben bestehen und desto weniger willkürliche Bewegungen sind möglich.

Ist der Gesichtsbereich von der Ansteuerung betroffen, kommt es zu vermehrtem Speichelfluss, einer undeutlichen Sprache, einer Zahnfehlstellung und Verformung des Gaumens und Problemen mit Kauen und Schlucken. Weiterhin kommt es zu Problemen mit der Belüftung von Nase, Ohren, Bronchien, so dass erhöhte Infekte die Folge sind.

Wegen einer mangelnden Aufrichtung gegen die Schwerkraft und unzureichendem Muskelaufbau durch Nährstoffunterversorgung (im Rumpf wie im gesamten Körper) kommt es vermehrt zu Bronchitiden und Asthma, zusätzlich unterstützt durch fehlerhafte Ansteuerung des vegetativen Nervensystems. Sensibilitätsstörungen der Fingerkuppen können bestehen. Es kann zu einer Hörminderung kommen.

Infolge der falschen Ansteuerung ist eine höhergradige Fehlsichtigkeit häufig, meist eine Myopie. Die Kurzsichtigkeit bringt ein erhöhtes Risiko für eine Netzhautablösung, eine Netzhautdegeneration als Dämmerungssehschwäche und als myope Makuladegeneration mit sich. Für Frühgeborene kommt zusätzlich das Risiko einer Frühgeborenenretinopathie hinzu. Im mittleren Augenabschnitt liegt die Gefahr eines vorzeitigen Katarakts und eines Glaukoms.

In der Literatur sind wenige Beispiele belegt, wonach sich die Netzhaut bei ICP wie bei einer Retinitis pigmentosa verhalten kann. Zusätzlich kann es zu einer Optikusatrophie kommen. Die Netzhautablösung und die Frühgeborenen-Retinopathie werden je nach Schweregrad mit Laser, Kryokoagulation, Plombe, Cerclage oder Pars-Plana-Vitrektomie versorgt. Der Katarakt wird entfernt, das Auge mit einer Kunstlinse versorgt.

Für die trockene Makuladegeneration gibt es keine Therapie, für die feuchte Makuladegeneration stehen verschiedene Methoden zur Auswahl - "Spritze ins Auge". Die Optikusatrophie kann sich von den Ganglienzellen ausgehend aufsteigend bis in die Sehrinde fortsetzen. Retinitis pigmentosa und Optikusatrophie haben derzeit keine Therapieoption. Am Ende steht hier die Erblindung.




Vorbeugung

Schwangere sollten sich und ihre Schwangerschaft aufmerksam beobachten, sich gesund ernähren und auf alle Risiken für sich und das Ungeborene verzichten. Dazu gehören Medikamente, Rauchen, Alkohol, Drogen. Sie sollte die Vorsorgetermine bei ihrem Frauenarzt wahrnehmen. Sollte sie spüren, „dass etwas nicht stimmt“, sollte sie diesem Gefühl nachgehen und die Ursache abklären lassen.

Manche Baufehler in der Embryogenese lösen Frühgeburten aus. Manchmal sind es auch Infektionen wie die der Toxoplasmose oder des Candida-Pilzes. Gehört die Frau in die Gruppe der Risikoschwangeren, sollte sie in eine gut ausgestattete Klinik gehen. Im Kreissaal selbst ist darauf zu hoffen, dass die Betreuung durch Hebammen, Krankenschwestern und Ärzte gut ist, so dass bei sich abzeichnenden Komplikationen unter der Geburt je nach Geburtsstand ein Kaiserschnitt oder eine Zangengeburt gemacht werden kann.

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