Asherman-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. Oktober 2017
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Eine seltene gynäkologische Erkrankung ist das Asherman-Syndrom. Im schlimmsten Fall kann es zur Sterilität führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Asherman-Syndrom?

Als Asherman-Syndrom, auch Fritsch-Asherman-Syndrom oder Fritsch-Syndrom genannt, wird eine gynäkologische Erkrankung bezeichnet, bei die Gebärmutter durch Verwachsungen geschlossen ist, meistens als Folge von operativen Eingriffen. 1894 beschrieb der deutsche Gynäkologe Dr. Heinrich Fritsch erstmals intrauterine Verwachsungen und warnte vor den Folgen zu intensivem Kratzens bei Ausschabungen nach Fehlgeburten und im Wochenbett.

1948 beschrieb der tschechisch-israelische Gynäkologe Joseph G. Asherman diese Verwachsungen als „posttraumatische intrauterine Adhäsionen“. Das Krankheitsbild wurde nach ihm benannt. Je nach Ausmaß der Verwachsungen werden vier Stadien unterschieden.

Ursachen

Wenn man die Anamnese betroffener Frauen betrachtet, finden sich fast immer Ausschabungen in der Vorgeschichte. Ein besonderes Risiko tragen Frauen, bei denen während der Schwangerschaft oder in der nach der Geburt noch nicht wieder zurückgebildeten Gebärmutter Ausschabungen vorgenommen werden. Schenker und Margalioth legten 1982 eine Sammelstatistik vor, in der sie dokumentierten, dass 66,7 % der Fälle von intrauterinen Verwachsungen auf Kürettagen (Ausschabungen) nach Fehlgeburten zurückzuführen sind, 21,5 % auf Kürettagen nach einer Geburt und 2 % nach einem Kaiserschnitt.

1990 erkannten Chapman und Chapman, die in verschiedenen Ländern Frauen mit einem Asherman-Syndrom behandelten, einen Zusammenhang zwischen Verwachsungen und der Verwendung einer scharfen statt stumpfen Kürette. Das Risiko steigt mit der Anzahl weiterer Ausschabungen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eines häufiges Symptome ist ein Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe) oder eine nur kurz anhaltende Monatsblutung (Hypomenorrhoe). Es kann auch nach einem normalen Zyklus eine sekundäre Amenorrhoe auftreten.

Wenn Verwachsungen in der Gebärmutter und in den Eileitern vorhanden sind, kann eine Frau Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden. In vielen Fällen von Unfruchtbarkeit liegen Verwachsungen vor, die eine Schwangerschaft verhindern.

Manchmal kommt es trotz Verwachsungen zu einer Schwangerschaft und die Verwachsungen können dazu führen, dass sich das befruchtete Ei nicht richtig einnistet, oder es kommt zu Fehlgeburten, Frühgeburten oder Problemen in der Nachgeburtsphase. Dass eine Frau trotz Verwachsungen schwanger wird, kann daran liegen, dass Gebärmutter und/oder Eileiter nicht völlig von Verwachsungen behindert werden und ausreichend intakte Gebärmutterschleimhaut vorhanden ist.

Häufig verursachen die Verwachsungen Schmerzen, besonders bei einer Amenorrhoe, wenn die im Zyklus aufgebaute Gebärmutterschleimhaut wegen eines Gebärmutterverschlusses nicht durch die Regelblutung wieder abgestoßen werden kann.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose eines Asherman-Syndroms ist schwierig, besonders weil diese Erkrankung sehr selten ist. Andererseits weiß man nicht, wie hoch die Dunkelziffer angesichts von Fehldiagnosen wirklich ist. Wichtig ist eine sorgfältige Anamnese. Bei einem typischen Asherman-Syndrom gab es Ausschabungen in der Vergangenheit und/oder operative Eingriffe an der Gebärmutter, zum Beispiel durch einen Kaiserschnitt. Wenn eine Frau nicht schwanger wird und unter sekundärer Amenorrhoe oder Hypomenorrhoe leidet, sollte auf Asherman-Syndrom untersucht werden.

Nach der sorgfältigen Anamnese kann eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden, aber Verwachsungen sind im Ultraschall schwer zu erkennen. Bei Patientinnen mit einem Risiko von Verwachsungen kann eine Saline Hysterosonographie (Ultraschalluntersuchung mit einer Salzlösung) erfolgen, um sehen zu können, ob Engstellen oder Verschlüsse vorliegen. Um die Gebärmutter genauer untersuchen zu können, wird eine Hysteroskophie (Spiegelung der Gebärmutter) durchgeführt.

Durch die technischen Fortschritte können solche Eingriffe heute schon in 98 % der Fälle ambulant in Lokalanästhesie durchgeführt werden. Eine Videohysteroskopie, über die ein weiterer Untersucher den Fall einschätzen kann, reduziert das Risiko von Fehlinterpretationen. Die Hysteroskopie ist besonders geeignet, weil im Falle von Verwachsungen der Eingriff jederzeit auf das Lösen der Verwachsungen erweitert werden kann. Im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung wird häufig eine Hysterolsalpinographie (Röntgenuntersuchung der Gebärmutter und der Eileiter), durchgeführt, bei der die Gebärmutter und Eileiter mit Hilfe eines Kontrastmittels dargestellt werden.

Komplikationen

Beim Asherman-Syndrom kommt es zu unterschiedlichen Komplikationen, wobei im schlimmsten Falle eine vollständige Sterilität des Patienten auftreten kann. In den meisten Fällen führt das Asherman-Syndrom dazu, dass die Monatsblutung bei Frauen komplett ausbleibt oder es nur zu einer sehr schwachen Blutung kommt. In der Regel ist dies für viele Frauen ein Zeichen einer Schwangerschaft.

Allerdings sind Frauen, die vom Asherman-Syndrom betroffen sind, in vielen Fällen unfruchtbar und der Körper kann keine Schwangerschaft durchhalten. Hierbei kommt es zu starken psychischen Beschwerden und Depressionen. Auch das Selbstwertgefühl ist dabei stark verringert. Neben dem Patienten selbst kann auch der Partner von den psychischen Beschwerden betroffen sein.

Durch das Asherman-Syndrom kommt es in vielen Fällen zu Schmerzen. Sollte die Frau trotz der Verwachsungen schwanger werden, so endet die Schwangerschaft meist in einer Fehlgeburt. Die Fehlgeburt kann zu starken psychischen Komplikationen führen, die von einem Psychologen behandelt werden müssen.

Die Behandlung erfolgt ausschließlich durch einen operativen Eingriff. Der Eingriff ist für Ärzte sehr kompliziert und führt nicht in jedem Falle zum Erfolg. Bei einem misslungenen Eingriff können sich weiterhin Verwachsungen ausbilden. Im Falle eines Erfolges kann die Frau gegebenenfalls schwanger werden. Die Schwangerschaften sind allerdings mit Risiken behaftet.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Das Asherman-Syndrom muss nicht unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden. Eine medizinische Diagnose empfiehlt sich, wenn es zu anhaltenden Beschwerden während der Regelblutung (Ausbleiben oder Verzögerung der Periode, u.a.) kommt. Wenn die genannten Symptome nach einer Ausschabung oder einer Erkrankung der Gebärmutter auftreten, handelt es sich wahrscheinlich um das Asherman-Syndrom. Ein Besuch beim Frauenarzt ist allerdings nicht immer erforderlich. Frauen mit Kinderwunsch sollten entsprechende Auffälligkeiten jedoch abklären lassen, da ein unbehandeltes Asherman-Syndrom zu Unfruchtbarkeit, Fehl- und Frühgeburten und Problemen in der Nachgeburtsphase führen kann.

Je nach Ausprägung der Beschwerden muss ein Asherman-Syndrom also nicht unbedingt ärztlich behandelt werden. Sollten die Verwachsungen psychische oder körperliche Beschwerden hervorrufen oder einen konkreten Kinderwunsch gefährden, ist eine Abklärung der Erkrankung erforderlich. Bei entsprechender Diagnose können die Verwachsungen gelöst und und entfernt werden. Der richtige Ansprechpartner ist immer der Frauenarzt. Handelt es sich um das Asherman-Syndrom, wird der Gynäkologe die Behandlung an einen Spezialisten übergeben.

Behandlung & Therapie

Da das Asherman-Syndrom selbst unter Gynäkologen wenig bekannt ist, gibt es nur wenig Spezialisten für die Behandlung. Für eine erfolgreiche Therapie müssen die Verwachsungen gelöst und entfernt werden. Für Operateur ist sehr viel Erfahrung notwendig, um die Gebärmutterhöhle angemessen rekonstruieren zu können. Wenn der Eingriff nicht korrekt vorgenommen wird, verschlechtert sich der Zustand.

Das Entfernen der Verwachsungen erfolgt endoskopisch im Rahmen einer Hysteroskopie. Wenn die Patientin Glück hat, enthält die Gebärmutter noch ausreichend gesunde Schleimhaut, die sich nach dem Eingriff ausbreiten und neuen Verwachsungen vorbeugen kann. In diesem Fall könnte sie sogar schwanger werden. Allerdings gelten alle weiteren Schwangerschaften als Risikoschwangerschaften.

Wenn die Gebärmutterwand durch eine Ausschabung so stark verletzt wurde, dass keine intakten Reste verblieben sind, bilden sich wieder neue Verwachsungen. Die Frau ist dann unfruchtbar. Auch bei erfolgreichem Eingriff ist eine sorgfältige Nachbehandlung notwendig.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose des Asherman-Syndroms ist ungünstig. Die Verwachsungen können nur unter großem Aufwand und mit viel gynäkologischer Erfahrung gelöst werden. Auch Spezialisten ist es in vielen Fällen nicht möglich, eine vollständige Heilung des Syndroms zu gewährleisten. Ohne eine ärztliche Versorgung ist keine Veränderung der Gegebenheiten vorhanden. Das Gewebe kann sich ohne einen äußerlichen Einfluss nicht mehr in seine natürliche Form zurückentwickeln.

In schweren Fällen droht geschlechtsreifen Frauen die Diagnose der Sterilität. Mit einer Behandlung ist die Prognose etwas besser, dennoch nicht optimal. Auch hier sind bei schweren Verwachsungen keine Heilungschancen gegeben und der Frau droht ebenfalls die Unfruchtbarkeit. Dies führt häufig zu psychischen Folgeerkrankungen und emotionalen Belastungen.

Der derzeit einzige Therapieweg zur Heilung des Asherman-Syndroms ist ein operativer Eingriff. Er kann je nach der Schwere der Verwachsungen mehrere Stunden Zeit in Anspruch nehmen. In einigen Fällen ist nur eine schrittweise Trennung der miteinander verwachsenden Gewebebereiche möglich. Verfügt die Gebärmutter über eine ausreichende Schleimhaut, kann sich diese nach dem Eingriff ausbreiten und zu einer positiven Prognose führen. Eine Schwangerschaft wäre dann möglich, ist jedoch mit Risiken verbunden. Bei starken Beschädigungen des Gewebes kommt es trotz einer Operation im Anschluss zu einem Rückfall und einer Wiederkehr der Verwachsungen.

Vorbeugung

Um dem Asherman-Syndrom vorzubeugen, ist es wichtig, dass Gynäkologen mit ihren Patientinnen die Risiken einer Ausschabung abwägen und mit ihnen mögliche Alternativen erörtern. Sollte sie dennoch notwendig sein, ist eine vorsichtige Durchführung wichtig. Wenn nach einer Ausschabung die Regelblutung nicht wieder einsetzt, sollte auf Asherman-Syndrom untersucht werden. Nach einer Schwangerschaft im Wochenbett sollte möglichst keine Ausschabung stattfinden, weil die Gebärmutterschleimhaut noch empfindlich ist.

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Quellen

  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013
  • Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe, duale Reihe. Thieme, Stuttgart 2013

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