Asbestose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. November 2017
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Asbestose kann Menschen treffen, die in ihrem Berufsleben mit Asbest zu tun hatten. Diese Faser wurde seit dem 19. Jahrhundert wegen ihrer hervorragenden Hitzebeständigkeit und Dämmfähigkeit vor allem in der Bauindustrie und für Arbeitskleidung vielfach verwendet. Wegen der gesundheitsschädigenden Wirkung ist der Einsatz von Asbest in Deutschland seit 1993 verboten, seit 2005 in der gesamten EU.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Asbestose?

Asbestose ist eine der so genannten Staublungenkrankheiten. Sie entsteht durch das Einatmen von kleinsten Asbestpartikeln, dem Faserstaub. Asbestose kann auch noch auftreten, wenn der Patient dem schädigenden Stoff seit vielen Jahren nicht mehr ausgesetzt war.

Bis es zu einem Ausbruch der Krankheit kommt, können zwischen fünfzehn und dreißig Jahren vergehen. Die tatsächliche Zeitdauer richtet sich u. a. danach, wie intensiv der Patient dem schädigenden Asbestmaterial ausgesetzt war und über welche Zeitdauer dies geschah.

Ursachen

Wird Asbeststaub eingeatmet, können die dafür zuständigen Zellen in der Lunge die Fasern weder vollständig zersetzen noch abtransportieren, wie es eigentlich ihre Aufgabe wäre. Die Folge ist eine Ansammlung von Schadstoffen, die zu einer so genannten Fibrose führt.

Der Begriff bezeichnet eine Vermehrung des Bindegewebes in der Lunge zwischen den Lungenbläschen, die für die Atmung beweglich bleiben müssen, und den Blutgefäßen. Teile der Lungenflügel vernarben dabei und verhärten sich. Betroffen hiervon sind vor allem die unteren Lungenabschnitte. Sie sind damit nicht mehr so dehnbar wie zuvor, das Atmen wird zunehmend erschwert.

Als Konsequenz davon tritt zumeist Atemnot auf. Dazu kommt ein starker Reizhusten, oft zusammen mit einem zähflüssigen Auswurf. Beim Atmen entstehen Schmerzen im Brustraum. Die körperliche Leistungsfähigkeit des Patienten ist eingeschränkt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Abhängig von ihrer Ausprägung, kann eine Asbestose verschiedene Symptome hervorrufen. Oft vergehen Jahre zwischen der Exposition und dem Auftreten der ersten Beschwerden. Schließlich kommt es jedoch zu Entzündungen im Lungen- und Pleuragewebe, die sich durch verschiedene Atemwegsprobleme bemerkbar machen.

Die meisten Betroffenen leiden unter Atemnot, Reizhusten und Auswurf, oft verbunden mit starken Schmerzen und einem zunehmenden Unwohlsein. Außerdem kann es aufgrund der Asbestlunge oder durch etwaige Folgeerkrankungen wie Lungen- oder Kehlkopfkrebs zu Heiserkeit kommen. Die Stimmfarbe verändert sich deutlich und die Stimme klingt im Verlauf der Erkrankung zunehmend brüchig.

Zunächst treten die Atembeschwerden vor allem bei körperlicher Anstrengung auf. Später kommt es auch in Ruhephasen zu Problemen, und schließlich nimmt die Asbestose einen chronischen Verlauf. Äußerliche Anzeichen einer Asbestlunge sind die verdickten Fingerenden, die der Form von Trommelschlegeln ähneln.

Außerdem verfärbt sich die Haut bläulich, insbesondere an den Fingern, den Lippen und im Mundraum. In späteren Stadien kann eine Asbestose zur Entstehung von Tumoren führen. Eine solche Entartung der Zellen äußert sich durch Atemnot, Druckschmerzen im Bereich der Lunge und andere Symptome, die von der Lage und Größe des Tumors abhängen.

Diagnose & Verlauf

Da zwischen dem Kontakt mit Asbest und dem Auftreten der ersten Symptome oft eine sehr lange Zeit vergehen kann, ist der Zusammenhang zwischen Beschwerden und Krankheit nicht immer sofort erkennbar. Für die Diagnose durch den Facharzt muss daher in einem Gespräch geklärt werden, ob der Patient zu einer der für Lungenerkrankungen besonders gefährdeten Berufsgruppen gehört.

Die Symptomatik ist meist eindeutiger, wenn zu den allgemeinen Symptomen wie Atembeschwerden ein verschlechterter Allgemeinzustand kommt. Dabei verliert der Betroffene an Gewicht, wird kraftlos, kann seine täglichen Aufgaben oft nicht mehr wahrnehmen. Im Zuge der körperlichen Untersuchung hört der Arzt die Lunge mit dem Stethoskop ab. Eine Fibrose verursacht bei der Atmung typische Geräusche, die als Knistern beschrieben werden.

Die Lungenfunktionsprüfung zeigt, inwieweit hier die Werte eingeschränkt sind und ob noch genügend Luft beim Atmen bewegt wird. Blut- und Urinproben können die Diagnose vervollständigen. Eine Röntgenuntersuchung und die Computertomographie zeigen schließlich, an welchen Stellen der Lunge es Faserablagerungen gibt. Bei einer Bronchoskopie können Gewebeproben bestätigen, ob es sich bei den Ablagerungen um Asbest handelt, also eine Asbestose vorliegt.

Im fortgeschrittenen Stadium führt die Krankheit in der Regel zur Invalidität des Patienten. Sie kann die Entstehung von Lungenkrebs stark begünstigen.

Komplikationen

Komplikationen, die sich im Gefolge einer Asbestose einstellen, sind nahezu unabhängig von einer Behandlung oder Therapie, weil es momentan (noch) keine Möglichkeit, gibt, die feinen Kristallnadeln aus Asbest aus den Lungenbläschen zu entfernen. Schwere und Art der sich einstellenden Komplikationen bei einer Asbestose hängen fast ausschließlich von der kumulierten eingeatmeten Menge der Asbestnadeln ab.

Ein wenig fatal wirkt sich aus, dass die Komplikationen häufig erst Jahre nach der Einatmung des Asbeststaubs auftreten. Leider ist es so, dass das Immunsystem, das versucht, die winzigen mineralischen Nadeln durch die Aktivierung von Makrophagen aus dem Lungengewebe herauszubekommen. Allerdings funktioniert das nicht, so dass die Makrophagen anschließend ein Problem verursachen und vom Immunsystem weggeräumt werden müssen.

Durch die chronischen Entzündungsprozesse, die das Immunsystem einleitet und aufrecht erhält, wird das funktionale Lungengewebe durch kollagenes, fibröses Bindegewebe ersetzt, so dass es an Elastizität und Funktionalität verliert. Reaktionen des Immunsystems verursachen letztlich eine fortschreitende Lungenfibrose.

Die Lungenfunktion wird zunehmend eingeschränkt, so dass sich dadurch weitere Komplikationen wie Atemnot, Reizhusten mit Auswurf, sichtbare Zyanosen (Blauverfärbungen) an Fingern und Lippen ergeben. Die schwerwiegendsten Komplikationen, die sich häufig aus der Asbestose entwickeln, sind Lungen- oder Kehlkopfkrebs. Beide Krankheiten sind mit einer schlechten Prognose verbunden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die Asbestose ist eine tödlich verlaufende Erkrankung. Diese wird durch inhalierte Asbestpartikel ausgelöst. Asbestose kann nur durch wiederholte Arztbesuche als Berufserkrankung anerkannt werden. Problematisch ist, dass die Erkrankung erst Jahrzehnte nach dem Asbestkontakt auftritt und dann meist weit fortgeschritten ist. Die Symptome einer Asbestose ähneln anfangs denen einer chronischen Bronchitis. Daher gehen die Betroffenen meist viel zu spät zum Arzt.

Die Symptome einer beginnenden Lungenfibrose, einer asbestbedingten Krebserkrankung oder eines Mesothelioms bieten durch die lange Latenzzeit nur ungenügende Behandlungsmöglichkeiten. Menschen, die wissentlich im Beruf mit Asbest in Kontakt kommen, sollten sich entsprechend gut schützen. Die Asbeststaublunge ist die Spätfolge einer Einatmung von asbesthaltigen Partikeln.

Als zweithäufigste Berufserkrankung in der Bundesrepublik kommt es dank mangelnder Behandlungsoptionen immer wieder zu asbestbedingten Todesfällen. Die hinzugezogenen Ärzte können das Leiden ihrer Patienten nur lindern, nicht aber heilen. Bis 2020 wird mit einem weiteren Ansteigen der Fallzahlen gerechnet. Erst danach greift das Verbot von Asbest, das 1993 erlassen wurde.

Wichtig ist die Erkenntnis, dass Menschen mit weiteren Risikofaktoren - insbesondere Raucher - deutlich eher an Asbestose erkranken. Insbesondere Lungentumoren sind hier die Folge. Lungenfachärzte sind die Ärzte, die meist bei den ersten auftretenden Beschwerden hinzugezogen werden. Viel für den Patienten tun, können sie meist nicht.

Behandlung & Therapie

Asbestose ist nicht heilbar. Die einmal entwickelte Vernarbung des Lungengewebes kann zur Zeit noch nicht rückgängig gemacht werden. Eine Therapie zielt daher darauf ab, das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern oder wenigstens zu verlangsamen und die Symptome zu lindern. Dafür werden verschiedene Methoden eingesetzt.

Zur Verminderung von entzündlichen und allergischen Reaktionen der Organe sind Kortisonpräparate die geeigneten Mittel. Wenn der Sauerstoffgehalt des Blutes unter einen bestimmten Grenzwert sinkt, ist eine Langzeittherapie mit Sauerstoff geboten. Dabei erhält der Patient über etwa 16 Stunden täglich Sauerstoff zugeführt. Ziel dabei ist, den Gehalt im Blut zu erhöhen, den Patienten zu kräftigen und in die Lage zu versetzen, den Alltag besser zu bewältigen.

Auch Medikamente, die Abwehrreaktionen des eigenen Immunsystems herabsetzen, so genannte Immunsuppressiva, können den Krankheitsverlauf verlangsamen. Eine besonders wichtige Rolle bei der Behandlung nimmt die Physiotherapie ein. Atemgymnastik, Entspannungstechniken und ein angepasstes, maßvolles Sportprogramm können die Beschwerden lindern und die Lebensqualität erhöhen.

Auch eine Ernährungsberatung kann den Allgemeinzustand entscheidend verbessern. Da Rauchen die Krankheit stark verschlimmert, ist ein Entwöhnungsprogramm für Raucher unerlässlich. In schweren Fällen kann eine Lungentransplantation sinnvoll sein.

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Aussicht & Prognose

Die Asbestose gehört zu den gefährlichsten Staublungenkrankheiten, die die Atemwege betreffen. Eingeatmete Asbestfasern nisten sich dauerhaft in der Lunge ein. Zunächst entsteht eine Lungenfibrose, später meist ein Mesotheliom. Lungenkrebs und Kehlkopfkrebs sind weitere Folgen. In der Summe lässt das keine positive Verlaufsprognose zu.

Bewertet werden die Asbest-Belastungen anhand von eingeatmeten Fasern über eine Zahl von mindestens 25-30 "Faserjahren". Problematisch ist dabei, dass die Erkrankung oft erst 30 Jahre nach einer berufsbedingten oder anders erworbenen Asbest-Exposition auftritt. Die Belastung mit Asbestfasern geschieht berufsbedingt und oft nicht nur einmalig. Außerdem können Menschen auch ohne ihr Wissen Asbestfasern einatmen.

Für die Prognose kommt es darauf an, wie hoch die Asbestbelastungen insgesamt waren. Bei einmaliger oder geringfügiger Asbestbelastung kann der Betroffene symptomlos bleiben. Bei wiederholten und ausgeprägten Asbestbelastungen ohne ausreichenden Schutz besteht nach 30 Faserjahren selbst bei der besten Behandlung keine Hoffnung auf eine Heilung. Kommen weitere Risikofaktoren hinzu - vor allem langjähriger Nikotingenuss - ist die Hoffnung auf längerfristige Überlebenschancen noch geringer.

Die Behandlung der Asbestose kann derzeit nur die Symptome lindern, nicht aber die Ursachen beheben. Mit Beginn der Lungenfibrose schreitet die Asbestose unweigerlich fort. Atemhilfen können bei Lungenfibrose eingesetzt werden. Bei Tumoren kann operiert werden, wenn diese frühzeitig genug entdeckt werden.

Vorbeugung

Die Asbestose ist eine anerkannte Berufskrankheit. Besonders gefährdete Berufe sind jene, die mit der Herstellung und Verarbeitung von Asbest zu tun hatten. Die Krankheit kann noch lange Zeit nach Beendigung des Umgangs mit dem schädigenden Stoff auftreten. Da Asbestose bisher nicht heilbar ist, kommt der Vorsorge eine große Bedeutung zu.

Jeder Angehörige einer Risikogruppe hat daher Anspruch auf regelmäßige Untersuchungen, um eine Asbestose rechtzeitig zu erkennen. Die Untersuchungen werden im Auftrag der Berufsgenossenschaft angeboten und sind für Betroffene kostenlos.

Das können Sie selbst tun

Eine Asbestose muss zunächst von einem Arzt diagnostiziert werden. Ergänzend zur schulmedizinischen Behandlung lassen sich die Beschwerden durch einige Selbsthilfe-Maßnahmen lindern.

Zunächst sollten die Lebensgewohnheiten an die Erkrankung angepasst werden. Dazu gehören diätetische Maßnahmen und körperliche Bewegung, aber auch eine Rauchentwöhnung und der Aufbau neuer Gewohnheiten. So können die Beschwerden beispielsweise durch Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation gelindert werden. In Großstädten finden Betroffenen Lungensportgruppen. Dort kann unter ärztlicher Aufsicht Sport getrieben und mit anderen Betroffenen gesprochen werden. Der Austausch mit anderen Asbestose-Patienten hilft Betroffenen und ihren Angehörigen dabei, die Erkrankung zu verstehen. Dadurch kann langfristig eine gewisse Akzeptanz aufgebaut werden. Durch umfassende Therapiemaßnahmen kann in manchen Fällen wieder die frühere Lebensqualität erreicht werden.

Betroffene sollten in Rücksprache mit dem Hausarzt bleiben, um bei Komplikationen schnell reagieren zu können. Weitere Ansprechpartner sind Internisten und Fachärzte für Lungen-Erkrankungen. Eine erste Anlaufstelle für Betroffene ist die Webseite des Bundesverbands der Asbestose Selbsthilfegruppen e.V. Dort werden nicht nur weiterführende Therapie- und Beratungsangebote zur Verfügung gestellt. Auch Informationen zur Entschädigung, die jedem Asbestose-Patienten zusteht, finden sich dort.

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Quellen

  • Aktories, K., Förstermann, U., Hofmann, F.B., Starke, K.: Repetitorium Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer, München 2009
  • Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Thieme Verlag, Stuttgart 2008
  • Reichl, F.-X.: Taschenatlas der Toxikologie. Thieme, Stuttgart 2009

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