Arzneimittelallergie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 6. Dezember 2017
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Wenn Arzneimittel oder Medikamente zu unerwünschten Nebenwirkungen führen, kann dahinter eine Arzneimittelallergie, Medikamentenallergie oder Arzneimittelexanthem stecken. Dabei reagiert der Körper sehr empfindlich auf bestimmte Arzneimittelinhaltsstoffe, was sich durch einen allergischen Hautausschlag zeigt.

Inhaltsverzeichnis

Definition Arzneimittelallergie

Grundsätzlich kann jedes Medikament eine Arzneimittelallergie auslösen. Dabei sind einige Arzneimittel wesentlich häufiger für allergische Reaktionen verantwortlich. So tritt zum Beispiel bei zehn Prozent aller Penicillin-Behandlungen eine Allergie auf, während bei dem Herzmedikament Digoxin Allergien nur sehr selten sind.

Der Begriff Arzneimittelallergie oder Medikamentenallergie beschreibt per Definition die gesteigerte Reaktion des Immunsystems auf Inhaltsstoffe von Arzneimitteln. Der entzündliche Hautauschlag, auch Arzneimittelexanthem genannt, geht vom Bindegewebe der Gefäße aus und geht in der Regel wieder zurück. Dabei kann das Arzneimittelexanthem an einzelnen Körperstellen sowie auch verteilt über den ganzen Körper auftreten.

Zudem ist bei der Arzneimittelallergie neben der Hautreaktion auch jede andere Form von allergischen Reaktionen möglich, da Arzneimittel neben dem Inhaltsstoff bzw. Wirkstoff auch Hilfsstoffe, wie zum Beispiel Geschmacks- und Farbstoffe, Stabilisatoren oder Füllmittel enthalten. Aus diesem Grund kann eine Arzneimittelallergie auch auf die enthaltenden Hilfsstoffe zurückzuführen sein.

Ursachen

Als Ursache für die Arzneimittelallergie liegt eine Fehlregulation sowie eine überschießende Abwehrreaktion des Immunsystems auf bestimmte Arzneiinhalts- oder Hilfsstoffe zugrunde.

Wirkstoffe in beispielsweise Psychopharmaka, Schmerzmittel, Antibiotika oder Schilddrüsenmedikamente sind bei der innerlichen Anwendung oftmals die Ursache für eine Arzneimittelallergie.

Aber auch bei einer örtlichen Anwendung, zum Beispiel durch eine Lokalanästhesie, können ursächlich für eine Arzneimittelallergie sein.

Als Ursache können auch Konservierungsstoffe in einem Medikament, wie zum Beispiel Thiomersal oder Benzalkoniumchlorid infrage kommen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Arzneimittelallergie kann grundsätzlich bei jedem Medikament auftreten, bei einer längeren Einnahmedauer ist das häufiger der Fall. Dabei kann es zu verschiedenen Symptomen kommen. In schwereren Fällen kann der Körper schon kurze Zeit nach der Einnahme sehr heftig reagieren mit Atemnot und Herz-Kreislauf-Problemen bis hin zu einem anaphylaktischen Schock, der für die Betroffenen lebensgefährlich ist.

Die häufigste Form einer Arzneimittelallergie ist ein rötlicher Hautausschlag mit kleinen Pusteln oder Ekzemen (Arzneimittelexanthem), der stark jucken kann, es können sich auch stark juckende Quaddeln auf der Haut bilden (Nesselsucht). Bei manchen Menschen können die Schleimhäute anschwellen und sie reagieren mit Niesen und Fließschnupfen.

Es kann auch zu Schwellungen und Ausschlägen im Mundbereich kommen. Bei Augentropfen können die Augen mit Rötungen und vermehrtem Tränenfluss reagieren. Auch Magen-Darm-Probleme und Übelkeit sind möglich ebenso wie Kopfschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl.

Bei entsprechenden Symptomen sollte grundsätzlich immer ein Arzt aufgesucht werden, weil es möglich ist, dass ein Medikament lange Zeit problemlos vertragen wird, aber der Körper irgendwann mit einer Allergie reagiert. In den Beipackzetteln finden sich Hinweise auf mögliche Allergien.

Krankheitsverlauf

Der Schweregrad der Symptome bei Medikamentenallergie kann unterschiedlich verlaufen. Infolge einer Arzneimitteltherapie können allergische Symptome in Form von Nesselsucht, entzündlicher Hautauschlag, wasser- oder blutgefüllte Blasen, fleckige Hautrötungen oder Kontaktdermatitis auftreten.

Die Symptome können noch mit Fieber und einem schlechten Allgemeinbefinden begleitet werden. Zur Behandlung der Arzneimittelallergie können unterschiedliche Medikamente, wie zum Beispiel Antihistaminika oder Glukokortikoide zum Einsatz kommen, um die Symptome zu lindern. In der Regel sind die allergischen Reaktionen auf ein Medikament recht schwach.

Allerdings können die Beschwerden bei wiederholtem Kontakt zunehmen. Alsdann können sich neben den Hautreaktionen zusätzliche Symptome, wie zum Beispiel Schwindel, Schweißausbrüche, Benommenheit, Nesselfieber, Übelkeit, Atemnot, Schleimhautschwellung äußern. In diesem Fall ist auch ein Kreislaufzusammenbruch nicht auszuschließen.

Komplikationen

Bei einer Arzneimittelallergie ist nur eine sehr eingeschränkte Behandlung möglich. Da der Patient eine Unverträglichkeit gegenüber einem bestimmten Stoff besitzt, kann diese Unverträglichkeit in den meisten Fällen nicht direkt beseitigt werden. Viele Menschen entwickeln eine Arzneimittelallergie indem sie zu oft oder über einen zu langen Zeitraum ein bestimmtes Arzneimitteln eingenommen haben.

Hier kann der Körper mit allergischen Reaktionen auf den Inhaltsstoff reagieren. In den meisten kann eine Arzneimittelallergie allerdings umgangen werden. Hierbei wird der Betroffene auf ein anderes Medikament umgestellt. Dieses Medikament sollte natürlich die selbe Wirkung besitzen, allerdings über einen anderen Inhaltsstoff verfügen, damit die Arzneimittelallergie nicht erneut ausgelöst oder gar verstärkt wird.

Wird das selbe Arzneimittel weiterhin eingenommen, so wird die Arzneimittelallergie nicht von alleine verschwinden und sich in den meisten Fällen verstärken. Die Folgen einer Arzneimittelallergie sind in der Regel Ausschlag, Kopfschmerzen oder Übelkeit. Die Symptome sind sehr unterschiedlich und individuell bei jedem Patienten und jedem Arzneimittel. In jedem Fall sollte bei einer Arzneimittelallergie ein Arzt oder ein Apotheker konsultiert werden, da diese Personen beim Umstieg auf ein anderes Arzneimittel Hilfe leisten können.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Mit einer Arzneimittelallergie muss nicht unbedingt zum Arzt gegangen werden. Allerdings sollten körperliche Beschwerden, die eindeutig im Zusammenhang mit der Medikation stehen, mit einem Arzt besprochen werden. Meist genügt ein Wechsel auf ein anderes Medikament, um weitere allergischen Reaktionen zu unterbinden. Medizinischer Rat ist spätestens dann gefragt, wenn die allergischen Reaktionen das Allgemeinbefinden beeinflussen und beispielsweise schwere körperliche oder psychische Reaktionen hervorrufen.

Wer sich unsicher ist, sollte einen Arzt konsultieren – spätestens bei Panikattacken oder Ängsten ist dies ratsam. Wenn starke Beschwerden wie Schwellungen, Ödeme oder Fieber auftreten, empfiehlt sich ein Besuch im Krankenhaus. Um eine rasche Behandlung zu ermöglichen, sollte dabei stets das verantwortliche Arzneimittel mitgeführt werden. Bei schweren Symptomen muss der Notarzt gerufen werden. Kommt es beispielsweise zu Kreislaufbeschwerden oder starkem Fieber, handelt es sich womöglich um eine ausgeprägte allergische Reaktion, die in jedem Fall medizinisch behandelt werden muss. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes müssen unter Umständen Erste-Hilfe-Maßnahmen durchgeführt werden.

Diagnose & Behandlung

In der Regel wird zur Diagnosestellung bei einer Arzneimittelallergie das vermutlich verantwortliche Medikament abgesetzt. Verbessern sich die Symptome nach dem Absetzen, gilt dies als Hinweis auf eine Arzneimittelallergie. Jedoch wird die Diagnose erschwert, wenn der Betroffene mehrere Medikamente einnehmen muss.

Hier ist es selten möglich, den Ursprung der Arzneimittelallergie zu finden. Wenn im Rahmen einer Medikamenteneinnahme Hautausschläge auftreten, sollte in jedem Fall ein Arzt zur Abklärung konsultiert werden. Zur Diagnosestellung ist ein klassischer Allergietest nur bedingt geeignet, da mit diesem Test nur eine Allergie durch Antiphlogistika oder Antibiotika nachweisen kann.

Eine Diagnosestellung kann auch dadurch erschwert werden, wenn die Arzneimittelallergie andere Krankheiten nachahmt. Somit es ist schwierig, die durch die Allergie ausgelösten Reaktionen richtig zuzuordnen. Zudem kann es in diesem Fall auch vorkommen, dass eine Allergie hier als Ursache unerkannt bleibt.

Werden die Medikamente nach Absprache des Arztes abgesetzt, nimmt die Arzneimittelallergie in der Regel einen günstigen Verlauf. Meist heilt der Hautauschlag innerhalb von wenigen Tagen wieder ab. Etwas ungünstiger ist die Prognose, wenn die allergische Reaktion des Körpers sehr stark ist. Eine endgültige Abheilung kann hier bis zu sechs Wochen dauern.

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Aussicht & Prognose

Arzneimittelallergien haben in der Regel eine gute Prognose, weil sie meistens durch bestimmte Wirkstoffe in einem Medikament ausgelöst werden, die z. B. einen Hautausschlag (Arzneimittelexanthem) hervorrufen können. Ein Hautausschlag im Zusammenhang mit der Einnahme eines Medikaments kann ein erster Hinweis auf eine allergische Reaktion sein. Er verschwindet meistens schnell wieder, wenn das allergieauslösende Medikament abgesetzt wird oder eine Umstellung auf eine andere Wirkstoffkombination erfolgt. Etwas schwieriger wird es, wenn die allergische Reaktion stärker ausfällt und sich dadurch das Allgemeinbefinden verschlechtert, vielleicht noch in Kombination mit Fieber, Ödemen oder Schwellungen. Dann ist eine Untersuchung im Krankenhaus sinnvoll. Hohes Fieber und Kreislaufprobleme als Reaktion auf ein Medikament sind immer ein Fall für den Notarzt.

Etwas ungünstiger sind die Aussichten auch, wenn verschiedene Arzneimittel eingenommen werden und dadurch die Diagnose erschwert wird. Manchmal ähneln die Symptome einer Arzeneimittelallergie denen anderer Krankheiten und machen es schwierig, die genaue Ursache zu finden.

Leichtere allergische Reaktionen wie ein Hautausschlag bessern sich in der Regel unmittelbar ein paar Tage nach dem Absetzen des allergieauslösenden Medikaments, bei stärkeren allergischen Reaktionen kann es mehrere Wochen dauern, bis die Beschwerden wieder abklingen. Um die Prognose zu verbessern, sollten Patienten bei Unverträglichkeitsreaktionen frühzeitig ihren Arzt informieren.

Vorbeugung

Einer Arzneimittelallergie kann nicht vorgebeugt werden, da der Körper gegen jede Substanz bzw. Inhaltsstoff eine Allergie entwickeln kann. Sollten bereits früher allergische Reaktionen durch Arzneimittel aufgetreten sein, ist es empfehlenswert, den Arzt darüber zu informieren.

Bei einer Selbstmedikation von nichtverschreibungspflichtigen Medikamenten sollte auch der Apotheker informiert werden. Zudem ist es wichtig, dass bei einer Arzneimittelallergie ein Allergiepass mit sich geführt wird. Hierin sollten die unverträglichen Arzneimittel aufgeführt werden und kann in Notfallsituationen unter Umständen sogar lebensrettend sein.

Das können Sie selbst tun

Arzneimittelallergien können nicht in jedem Fall bzw. nur bedingt vorgebeugt werden. Grundsätzlich kann der Körper gegen jeden Inhaltsstoff bzw. jede Substanz in einem Medikament eine Allergie entwickeln. Diese Unverträglichkeit tritt oftmals jedoch erst dann auf, wenn bestimmte Arzneien über einen zu langen Zeitraum oder mit einer zu hohen Intensität konsumiert wurden. Um derartige Allergien zu vermeiden, sollten Medikamente vom Betroffenen nur dann konsumiert werden, wenn dies absolut unumgänglich ist. Dies gilt vor allem für den übertriebenen Konsum von Schmerzmitteln. Sollte sich dennoch eine allergische Reaktion auf ein Produkt einstellen, kann ein Wechsel, zu einem Medikament mit anderen Inhaltsstoffen, Abhilfe schaffen.

Sind dem Patienten frühere allergische Reaktionen bereits bekannt, sollte der behandelnde Arzt über diese informiert werden. Bei Selbstmedikation mit nichtverschreibungspflichtigen Mitteln sollte ebenfalls der Apotheker informiert werden. Außerdem ist es wichtig, dass Betroffene einen Allergiepass mit sich führen. Auf diesen sollten die unverträglichen Arzneien bzw. Substanzen aufgelistet sein. Das Mitführen eines solchen Passes kann im Notfall dazu beitragen, dass der behandelnde Arzt schneller geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen kann und somit lebensrettend sein.

Bücher über Allergien

Quellen

  • Aktories, K., Förstermann, U., Hofmann, F.B., Starke, K.: Repetitorium Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Urban & Fischer, München 2009
  • Altmeyer, P.: Therapielexikon Dermatologie und Allergologie. Springer Medizin Verlag, Berlin Heidelberg 2005
  • Trautmann, A., Kleine-Trebbe, J.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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