Arthrographie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. September 2017
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Die Arthrographie ist ein invasives Bildgebungsverfahren der Radiologie, das die Weichteilsstrukturen von Gelenken mittels Doppelkotrastmittelgabe abbildet. Der diagnostischen und differentialdiagnostischen Methode kommt daher vor allem im Hinblick auf entzündliche und degenerative Gelenkserkrankungen Relevanz zu. Mittlerweile haben MRT und CT die Arthrographie weitestgehend abgelöst, zur Untersuchung des Schultergelenks findet die Arthrographie bis heute aber ungeachtet dieser beiden neueren und noch präziseren Bildgebungsverfahren Anwendung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Arthrographie?

Die Arthrographie ist ein bildgebendes Untersuchungsverfahren der Radiologie. Ihm kommt so vor allem diagnostische und differentialdiagnostische Bedeutung zu. Der Radiologe untersucht in dem invasiven Verfahren die Gelenke und stellt deren knochige Strukturen inklusive aller Weichteilstrukturen mittels Röngtenbildgebung dar.

Zu den Weichteilstrukturen zählen vor allem die knorpeligen Gelenküberzüge auf den Gelenkflächen, die Gelenkzwischenscheiben und die Gelenkflüssigkeit. Auch die Gelenkkammern, die Sehnenscheiden und die Schleimbeutel werden auf den Bildern abgebildet. Die Darstellung dieser Strukturen erfolgt mittels intravenöser Kontrastmittelgabe, die alle Feinstrukturen in der Bildgebung hervortreten lässt. Auf einem konventionellen Röntgenbild wären die so dargestellten Weichteilstrukturen nicht zu sehen, wohl aber auf MRT- oder CT-Bildern. Aus diesem Grund hat die Arthrographie mit der steigenden Beliebtheit von MRT und CT mittlerweile annähernd überlebt.

Funktion, Wirkung & Ziele

Bei der Arthrographie werden verschiedene Gelenkinnenräume mit ihren einzelnen Strukturen dargestellt. Das macht das Verfahren vor allem im Bezug auf entzündliche Gelenkerkrankungen wie Arthritis oder degenerative Gelenkerkrankungen wie Arthrose relevant. Darstellen lassen sich in dem Verfahren allerdings auch Fehlbildungen wie die sogenannte Hüftgelenksdysplasie. Sogar traumatische und tumoröse Gelenkerkrankungen sind über die Arthrographie abbildbar. Letztlich lassen sich alle Gelenke des Körpers mittels des Verfahrens darstellen.

Am häufigsten findet diese Art der Bildgebung gegenwärtig aber im Schultergelenk statt. Die Bildgebung kann in diesem Zusammenhang zum Beispiel eine ausgerenkte Schulter darstellen. Indiziert ist das Verfahren auch beim Impingement-Syndrom, das heißt bei einer Überbelastung der Schulter durch sportliche Aktivität. Beim Impingment-Syndrom zeigt die Arthrographie zum Beispiel eine verdickte und eingeklemmte Supraspinatus-Sehne, die funktionsbeeinträchtigend auf das Schultergelenk wirkt. Auch zur Diagnostik einer Ruptur der Schultergelenksmuskulatur kann eine Arthrographie dienen. Neben dem Schultergelenk lassen sich letztlich auch Gelenke wie das Ellenbogengelenk, das Handgelenk und das Hüftgelenk sowie das Kniegelenk, das Sprunggelenk oder die Fingergelenke abbilden. Meist ist die Untersuchung bei diesen Gelenkverbindungen aber nicht notwendig, da MRT oder CT dem selben Zweck dienen können.

Die Arthrographie ist ein invasives Bildgebungsverfahren der Radiologie, das die Weichteilsstrukturen von Gelenken mittels Doppelkotrastmittelgabe abbildet.

Um eine Arthrographie vornehmen zu lassen, wendet sich der Patient an eine entsprechend ausgestattete Radiologie. Das Personal der Radiologie achtet bei der Untersuchung streng auf sterile Bedingungen. Die Haut des Patienten wird vorab zum Beispiel sorgsam desinfiziert. Der behandelnde Arzt punktiert danach den Gelenkspalt. Meist unter Durchleuchtung injiziert er darin das Kontrastmittel. Neben positivem Röntgenkontrastmittel kommt bei einer Arthrographie in der Regel auch negative Luft als Kontrastmittel zum Einsatz, wie es zum Beispiel in der Pneumarthrographie üblich ist. Dieses Doppelkontrastverfahren stellt das Gelenk am präzisesten dar. Im Anschluss an die Kontrastmittelgabe werden Aufnahmen in zwei Ebenen erstellt und medizinisch beurteilt.

Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Bevor es MRT, CT und sonographische Bildgebungsverfahren gab, war die Arthographie die einzige Möglichkeit zur weichteilstrukturellen Bildgebung. Das hat sich mittlerweile geändert und die Arthrographie verliert daher als Methode an Berechtigung. Heute verwendet man zum gleichen Zweck eher das MRT oder die Bildgebung der Sonographie. Gerade das MRT stellt Weichteile in Gelenken sogar noch präziser dar.

Andererseits ist die Arthographie für Beschwerden in Handwurzel- und Schultergelenk noch immer ein Standardverfahren, das konventionell mit einer Kernspintomographie oder einem CT kombiniert wird. Außerdem sind sowohl Röngten- als auch MRT- und CT-Verfahren in gewisser Weise Arthographien, die heutzutage über Kontrastmittelgabe umgesetzt werden. Beim Röngtenbild dient Luft als Kontrastmittel zur Darstellung der Weichteile. Beim MRT arbeitet man mit einem wasserlöslichen Kontrastmittel und beim CT finden Luft und wasserlösliches Kontrastmittel in Kombination miteinander Verwendung.

Die mittlerweile seltene Anwendung einer tatsächlichen Arthrographie hängt nicht zuletzt mit den Risiken des inversiven Verfahrens zusammen. Im Regelfall verträgt der Patient das Verfahren zwar gut, nichtsdestotrotz kann es unter Umständen zu Nebenwirkungen kommen. Ein fachmännisches Personal ist oberste Voraussetzung für eine Arthrographie, da unter nicht-sterilen Bedingungen zum Beispiel schwere Entzündungen und Infektionen auftreten können. Weil man während des Verfahrens unter Kontrastmittelgabe das Gelenk punktiert, kann dieser Teilschritt außerdem Schmerzen bereiten. Mit fachmännischem, erfahrenem Personal verringert sich dieses Schmerzrisiko. Früher war auch die Kontrastmittelgabe selbst mit erheblichen Risiken verbunden, da teilweise krebserregende Mittel Verwendung fanden.

Heute sind wasserlösliche Kontrastmittel in der Regel entweder jod- oder gadoliniumbasiert, was die gesundheitsschädliche Wirkung einschränkt. Trotzdem können als Kontraindikation in seltenen Fällen allergische Reaktionen auf Jod oder Gadolinium auftreten. Abgesehen davon kann die Kontrastmittelgabe Übelkeit oder Kopfschmerzen bereiten. Sportliche Aktivitäten sollten am selben Tag nicht unternommen werden. Vor der Untersuchung nimmt der Patient an einem umfangreichen Aufklärungsgespräch teil, das ihn über alle Risiken und Nebenwirkungen in Kenntnis setzt. Er unterschreibt am Ende des Gesprächs eine Einwilligungserklärung. Bei akuten Entzündungen, Kontrastmittelallergien und Infektionen rät man in der Regel generell von dem Verfahren ab.

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Quellen

  • Bücheler, E., et al.: Einführung in die Radiologie: Diagnostik und Interventionen. Thieme, Stuttgart 2006
  • Möller, T.B., Reif, E.: Taschenatlas der Röntgenanatomie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Wetzke, M. et. al.: Bildgebende Verfahren. Urban & Fischer, München 2012

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