Arteria sublingualis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. Mai 2017
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Eines der zahlreichen Blutgefäße im Kopf des Menschen ist die Arteria sublingualis, die ihren Ursprung in der Zungenschlagader (Arteria lingualis) hat. Sie stellt die Blutversorgung des Mundbodens sowie der Speicheldrüsen sicher. Isolierte Verletzungen an der Arteria sublingualis können unter anderem beim Stechen eines Zungenpiercings entstehen, wobei das Ausmaß dieser Komplikation vom konkreten Schaden abhängt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Arteria sublingualis?

Die Arteria sublingualis ist eine Arterie, die sich durch im Kopf des Menschen durch den Bereich des Unterkiefers zieht. Sie zweigt aus der Arteria lingualis ab, die auch als Zungenschlagader bekannt ist und auf die sich der lateinische Name der Arteria sublingualis bezieht: Sie befindet sich unterhalb („sub-“) der größeren Arterie und unterhalb der Zunge („Lingua“).

Neben der Arteria sublingualis besitzt die Arteria lingualis drei weitere Äste, bei denen es sich um die Arteria profunda linguae, die Rami dorsales linguae sowie den Ramus suprahyoideus handelt. Die Arteria sublingualis entspringt ihrerseits der äußeren Halsschlagader (Arteria carotis externa), die zu den wichtigsten Blutbahnen des Kopfes und Halses zählt.

Anatomie & Aufbau

Die Arteria sublingualis tritt als Ast der Arteria lingualis auf. Am Musculus hyoglossus, einem Zungenmuskel, zweigt die Arteria sublingualis vom größeren Blutgefäß ab. Von dort aus zieht sie am Musculus mylohyoideus vorbei zur Speicheldrüse (Glandula sublingualis), die im Bereich des Unterkiefers unter der Zunge liegt. Anschließend laufen die Arteria sublingualis der rechten und linken Seite zusammen.

Die Wand der Arteria sublingualis besteht wie bei allen Arterien aus drei Schichten. Die Tunica externa oder Tunica adventitia verkörpert die äußerste Schicht und enthält bei größeren Arterien außerdem die Vasa vasorum, die für die Versorgung der Gefäßwände verantwortlich sind. Unter der Tunica externa befindet sich die Tunica media, die neben Kollagen und elastischen Fasern die Muskulatur der Arterie beinhaltet. Diese ringförmigen Muskeln dienen dazu, den Blutfluss zu steuern und sind in der Lage, das Gefäß zu verengen oder zu erweitern. Schließlich bildet die Tunica intima die innerste Schicht der Arterie.

Zum Innenraum hin ist sie mit einer Schicht aus Endothelzellen ausgekleidet. Sie können auf Gerinnungsprozesse einwirken und dienen als Blut-Gewebe-Schranke, wobei sie in geringem Maße einen Austausch zwischen den Substanzen zulassen. Darüber hinaus beteiligen sich die Endothelzellen an der Blutdruck- und Gefäßtonusregulation.

Funktion & Aufgaben

Die Aufgabe der Arteria sublingualis besteht in der Blutversorgung der Speicheldrüsen im Unterkiefer, des Zahnfleisches und des Mundbodens. Im Mundboden sind die Muskeln auf Energie, Sauerstoff und andere Nährstoffe aus der Arteria sublingualis angewiesen.

Die Mundbodenmuskulatur ist auch als obere Zungenbeinmuskulatur oder suprahyoidale Muskulatur bekannt und gehört zur quergestreiften Skelettmuskulatur. Sie besteht aus dem Musculus digastricus, Musculus geniohyoideus, Musculus mylohyoideus und Musculus stylohyoideus. Diese Muskeln sind einerseits am Schlucken und andererseits am Öffnen des Kiefers beteiligt, wobei die einzelnen Muskeln koordiniert zusammenwirken.

Darüber hinaus versorgt die Arteria sublingualis auch die Mundschleimhaut, die ebenfalls zum Mundboden gehört. Die verschiedenen Zellen des Epithels nehmen unterschiedliche Aufgaben wahr und variieren hinsichtlich ihres Aufbaus: Die Mundschleimhaut am Mundboden gehört zur auskleidenden Mundschleimhaut und ist unverhornt. Ihre strukturellen Eigenschaften verleihen dieser Schicht eine hohe Elastizität, welche die Mundschleimhaut des Mundbodens aufgrund der Kaubewegungen und der damit verbundenen mechanischen Beanspruchung benötigt.

Rezeptoren zur sensiblen Wahrnehmung befindet sich ebenfalls in der Mundschleimhaut, um Schmerzreize, Temperatur und Druckempfindungen aufzunehmen und über das periphere Nervensystem weiterzuleiten. Verhornte Platten kommen nicht in der auskleidenden Mundschleimhaut vor, sondern in der mastikatorischen Mundschleimhaut, während sich Zellen der spezialisierten Mundschleimhaut an der Gustatorik beteiligen.

Sauerstoffreiches Blut aus der Arteria sublingualis ist für die Zellen lebenswichtig: Bei längerer Unterbrechung der Blutversorgung können die Zellen deshalb absterben. Sie benötigen den Sauerstoff unter anderem zur Herstellung chemisch gebundener Energie in Form von Adenosintriphosphat (ATP). Bei der aeroben Atmung oxidiert der Körper Glukose mithilfe von Sauerstoff, um das ATP zu gewinnen. Der Energieträger steht der Zelle anschließend für zahlreiche Stoffwechselvorgänge zur Verfügung.

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Krankheiten

Da es sich bei der Arteria sublingualis um ein kleines Blutgefäß handelt, sind isolierte Verletzungen ohne Beteiligung anderer Strukturen des Kopfes eher selten.

Eine Läsion, welche nur die Arteria sublingualis betrifft, ist jedoch beim Stechen eines Zungenpiercings möglich. Oft schwillt die Zunge unmittelbar nach dem Stechen an. Andere Komplikationen beim Stechen eines Zungenpiercings betreffen Schäden an weiteren Blutgefäßen sowie Nervenbahnen, Zahnfleisch und Zähnen. Probleme durch Verschlucken, Beißen, Entzündungen, Infektionen durch unzureichende Sterilisation und Allergien sind ebenfalls denkbar. Schwere Komplikationen gelten im Allgemeinen als selten; in Einzelfällen kann eine Verletzung der Zungen-Blutgefäße jedoch zu starken Blutungen mit erheblichem Blutverlust führen.

Blutungen an der Arteria sublingualis haben eventuell Auswirkungen auf die Muskeln, die auf die Versorgung durch das Blutgefäß angewiesen sind. Bei diesen Muskeln handelt es sich um die suprahyoidale Muskulatur, die beim Schlucken und Öffnen des Kiefers aktiv ist.

Zungenkarzinome im Umfeld der Arteria sublingualis können unter Umständen auf das Blutgefäß einwirken. Bei einem Zungenkarzinom handelt es sich um eine Neubildung, die meist bösartig ist und eine Form von Krebs darstellt. Verschiedene Faktoren beeinflussen die Entstehung eines Zungenkarzinoms; es tritt gehäuft bei Alkohol-, Nikotin- und oralem Drogenkonsum auf und kann sich an verschiedenen Orten der Zunge entwickeln.

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