Arteria femoralis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Mai 2017
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Die Arteria femoralis stellt die Verlängerung der äußeren Beckenarterie dar und dient der Versorgung der unteren Extremität. Von der Arterie zweigen vier englumige Gefäße und die Arteria profunda femoris, die tiefe Oberschenkelarterie, ab mit einem ähnlich großen Querschnitt wie die Arteria femoralis. Weil die Arterie dicht an der Hautoberfläche verläuft, wird sie häufig als Zugangsarterie für einen Linksherzkatheter genutzt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Arteria femoralis?

Die Arteria femoralis, auch Oberschenkelarterie genannt, verläuft dicht unter dem Leistenband (Ligamentum inguinale) in direkter Verlängerung der äußeren Beckenarterie (Arteria iliaca externa) und zieht relativ dicht unter der Oberfläche zur Kniekehle, die sie durch eine Lücke in der breiten Sehne des großen Oberschenkeladduktors erreicht und in die Arteria poplitea, die Kniekehlarterie, übergeht.

Die Oberschenkelarterie kann als direkte Verlängerung der Hauptkörperschlagader, der Aorta, gesehen werden, die sich auf Höhe des vierten Lendenwirbels in die beiden äußeren Beckenarterien aufzweigt. Weil die Oberschenkelarterie letztlich eine direkte Verlängerung der Aorta darstellt und sie unterhalb des Beckens oberflächlich verläuft, kann an ihr auch der Puls ertastet werden. Von der Oberschenkelarterie zweigt als Hauptabzweig die Arteria profunda femoris ab, die tiefe Oberschenkelarterie, die einen ähnlich großen Querschnitt aufweist wie die Oberschenkelarterie.

Anatomie & Aufbau

Die Arteria femoralis wird zu den großen Blutgefäßen gezählt und gehört damit zum Typus der elastischen Arterien. Ihre mittlere Wand, die Media, besteht zum großen Teil aus elastischen und kollagenen Fasern. Glatte Muskelfasern, die in der Media der kleineren Arterien muskulären Typs zu finden sind, fehlen in der Oberschenkelarterie nahezu gänzlich.

Die Arteria femoralis beginnt als Verlängerung der äußeren Beckenarterie und zieht gemeinsam mit der Vena femoralis unter dem Leistenband durch. Unmittelbar nach Passieren des Leistenbands zweigt die tiefe Oberschenkelarterie, die Arteria femoralis externa, ab. Sie hat einen vergleichbar großen Querschnitt wie die Arteria femoralis. Vier weitere Arterienäste mit kleinem Querschnitt entspringen der Oberschenkelarterie. Die vier abzweigenden Arterien mit kleinem Querschnitt können der Klasse des gemischten Typs zugeordnet werden, weil ihre Mittelwände Merkmale des muskulären und des elastischen Typs aufweisen. Die Mediae enthalten glatte Muskelfasern, elastische Fasern und zur Stabilisierung auch kollagene Fasern.

Funktion & Aufgaben

Die primäre Aufgabe der Oberschenkelarterie besteht in der Versorgung des Beins und Teile des unteren Körpers einschließlich des Genitalbereichs mit sauerstoffreichem arteriellem Blut, in dem auch benötigte Nährstoffe in gelöster Form enthalten sind. In zweiter Linie unterstützt die Arteria femoralis mit ihren elastischen Wänden die Windkesselfunktion der Aorta.

Die Windkesselfunktion bewirkt eine Glättung der systolischen Blutdruckspitzen und sorgt für die Aufrechterhaltung des diastolischen Restdrucks in den Arterien, damit die sehr engen Gefäße, die Arteriolen und Kapillaren nicht zusammenfallen und durch Adhäsionskräfte „verkleben“, so dass sie irreversibel ihre Funktion verlieren. Im Einzelnen versorgt die Oberschenkelarterie über ihre abzweigenden kleinen Arterien nicht nur das jeweilige Bein, sondern weitere Regionen in Bauch und Oberbauch sowie weite Teile der Leistenregion einschließlich der Genitalien.

Über die abzweigende Arteria descendens genus, auch als absteigende Kniearterie bezeichnet, wird das komplexe Netzwerk des Knies und der Oberschenkel versorgt. Äste der abzweigenden großen Arteria profunda femoris versorgen die Muskulatur auf der Beugeseite der Oberschenkel und den Hüftkopf. Einige der kleineren Arterien bilden mit anderen kleinen Arterien sogenannte Anastomosen. Sie nehmen Verbindung miteinander auf und vernetzen sich. Im Falle einer Stenose oder einer völligen Blockade können sie jeweils einen Teil der Blutversorgung für das defekte Gefäß übernehmen, so dass es nicht zwangsweise unmittelbar nach einer Gefäßblockade zum Absterben des Gewebes kommt.

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Krankheiten

Die häufigsten Krankheiten oder Beschwerden im Zusammenhang mit der Arteria femoralis und ihrer abzweigenden Äste besteht in Ablagerungen in der Mittelwand der Arterie.

Dadurch kann es zu einer Verengung des Querschnitts, einer Stenose, oder zu einer völligen Blockade der Schlagader kommen mit der Konsequenz, dass das zu versorgende Gewebe unterversorgt wird. Gründe für die Bildung von Ablagerungen in den Arterienwänden sind sehr vielfältig. Häufig spielt ein gestörter Cholesterinhaushalt eine Rolle. Dabei geht es weniger um die absolute Höhe des Gesamtcholesterins als vielmehr um das Verhältnis LDL (low density lipoprotein cholesterin) zu HDL (high density lipoprotein cholesterin). Der Quotient sollte idealerweise nicht über 3,5 bis 4,0 liegen.

Es handelt sich jeweils um sogenannte Transportproteine. LDL transportiert Cholesterin zu den Membranen der Gefäße und HDL transportiert nicht benötigtes Cholesterin von den Gefäßen zurück zur Leber. Veränderungen in den Gefäßwänden können beispielsweise auch durch Infektionen, durch starkes Rauchen oder durch chronischen Alkoholkonsum erworben werden. In weniger häufigen Fällen führen autosomal rezessiv oder dominant vererbte Gendefekte zu Veränderungen der Gefäßwände. Die in ihrem physikalischen Verhalten veränderten Gefäßwände können beispielsweise die Ausbildung eines Aneurysmas, einer Aussackung der Arterie, begünstigen.

Sehr selten kann sich in der Oberschenkelarterie ein Aneurysma dissecans entwickeln, das durch eine Einblutung in die Media entsteht, so dass sich ein „falsches“ Lumen zwischen der inneren und der äußeren Wandschicht ausbildet. Auch hierdurch kann es zu einer Blockade der Arterie kommen. Unfälle, die mit Beinverletzungen einhergehen, kann die Arteria femoralis durch äußere mechanische Einwirkungen verletzt werden, so dass es zu starken Blutungen kommt. Falls die Blutung nicht nach außen abfließen kann, bilden sich unter Umständen sehr große Hämatome.

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