Argyll-Robertson-Zeichen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. November 2016
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Das Argyll-Robertson-Zeichen ist eine reflektorische Pupillenstarre bei intakter Nahakkomodation der Augen. Eine Mittelhirnläsion hebt dabei die Lichtreaktionsfähigkeit eines oder beider Augen auf. Dieses Phänomen spielt für Erkrankungen wie Neurolues eine Rolle.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Argyll-Robertson-Zeichen?

Als Mittelhirn wird der Hirnstammanteil zwischen der Brücke (Pons) und dem Zwischenhirn (Diencephalon) bezeichnet. In diesem Gehirnbereich werden vor allem die Augenmuskeln gesteuert.

Das Mittelhirn gehört zum sogenannten extrapyramidalen System, das nicht immer klar vom pyramidalen System der Bewegungskontrolle zu trennen ist. Das extrapyramidale System ist ein neurophysiologisches Konzept für alle Bewegungsteuerungsvorgänge außerhalb der Pyramidenbahnen im Rückenmark. Die Erregungen der sensiblen Mittelhirnnerven werden vom Zwischenhirn ans Großhirn (Telencephalon) übertragen, wo sie auf motorische Nerven umgeschaltet werden. Die Gliederung des Mittelhirns ist dreischichtig. Zwischen dem Mittelhirndach (Tectum mesencephali) und dem Tegmentum liegt der sogenannte Hirnwasserkanal, der mit Liquor gefüllt ist.

Das Argyll-Robertson-Zeichen ist ein Hinweis auf eine zerebrale Störung im Mittelhirn, das sich in einer reflektorischen Pupillenstarre äußert. Benannt wurde das pathologische Phänomen nach dem schottischen Augenarzt D. Argyll Robertson, der es im 19. Jahrhundert erstmals beschrieb.

Funktion & Aufgabe

Die Augen sind zur Anpassung an Lichtbedingungen im Gesichtsfeld in der Lage. Diese Anpassung wird auch Adaption genannt. Die bedeutendsten Bewegungen sind in diesem Zusammenhang die Pupillenlichtreflexe. Die Iris begrenzt die Pupille. Die Pupillenlichtreflexe ergeben sich auf Basis einer Tonusänderung in den glatten Irismuskeln. Diese Veränderung des Iristonus verändert die Pupillenweite und passt die Pupillen so an die relativ einfallende Lichtmenge an. Diese Prozesse sind mit der Blendenweitenregulierung am Fotoapparat vergleichbar.

Die beteiligten Irismuskeln sind der Musculus dilatator pupillae und der Musculus sphincter pupillae. Der Musculus dilatator pupillae wird auch Pupillenerweiterer genannt. Er wird durch sympathische Nervenfasern ans Nervensystem angebungen, die dem Centrum ciliospinale und damit den Rückenmarkssegmenten C8 bis Th3 entspringen. Wenn die Pupillen durch diesen Muskel unnatürlich stark oder unabhängig von Lichtreizen erweitert werden, ist von einer Mydriasis die Rede.

Das Argyll-Robertson-Zeichen ist ein Hinweis auf eine zerebrale Störung im Mittelhirn, das sich in einer reflektorischen Pupillenstarre äußert.

Der Musculus sphincter pupillae heißt auch Pupillenverenger. Er wird nicht von sympathischen, sondern parasympathischen Nervenfasern aus dem dritten Hirnnerv (Nervus oculomotorius) innerviert. Die Fasern stammen aus dem Nucleus Edinger-Westphal und laufen über das Ganglion ciliare. Die Aktivierung dieser Regionen erfolgt bei besonders starkem Lichteinfall und verengt die Pupillen. Eine pathologische Verengung wird Miosis genannt. Der Lichteinfall wird an der Pupille durch diese Muskeln und Nerven reflektorisch geregelt. Ein äußerer Reiz bewirkt also eine Muskelkontraktion und passt das Auge so an einen plötzlichen Helligkeitswechsel an.

Die Reflexkette unterliegt einer bestens abgestimmten Verschaltung. Die zuleitenden Nervenbahnen des zentralen Nervensystems werden auch Afferenzen genannt. Sie sind die erste Stelle der Augenreflexe. Erhöhter Lichteinfall wird durch die lichtempfindlichen Sinneszellen der Netzhaut registriert. Diese Photorezeptoren leiten die Informationen über den sensiblen Sehnerv (Nervus opticus) und den Tractus opticus bis in den Epithalamus hinein, wo sie die Nuclei praetectales erreichen. Von diesen Nuclei gehen Efferenzen aus, die Informationen wieder aus dem zentralen Nervensystem heraus leiten.

Auf diese Weise werden die Information über die Helligkeit über efferente Bahnen in die Edinger-Westphal-Kerne geleitet. In den Kernen werden die Informationen auf den parasympathischen Teil des Nervus oculomotorius umgeschaltet. Sie wandern über das Ziliarganglion und regen den Musculus sphincter pupillae so zur Kontraktion an. Die Pupille wird dadurch verengt.

Von jedem Auge besteht eine Verbindung zu beiden prätektalen Kernen. Daher wird ein Pupillenreflex immer beidseitig ausgeführt, sogar, wenn nur eine Seite beleuchtet wird.

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Krankheiten & Beschwerden

Das Argyll-Robertson-Zeichen spielt vor allem für den NeurologenIn eine Rolle. Es handelt sich dabei um den Verlust der beschriebenen direkten und indirekten Pupillenlichtreaktion. Der Arzt prüft die reflektorische Pupillenadaption mithilfe einer Leuchte im Rahmen der neurologischen Untersuchung.

Das Argyll-Robertson-Zeichen ist eine beidseitige Störung und äußert sich nach Lichteinstrahlung in seitengleich engen, entrundeten Pupillen, die nicht mehr oder nur noch schlecht reagieren. Da die Konvergenzreaktion des Auges intakt ist, verengen sich die Pupillen nichtsdestotrotz bei der Nahakkomodation. Wenn also lediglich die Lichtpupilleneflexe, nicht aber die Nahakkomodationsprozesse aufgehoben sind, liegt das Argyll-Robertson-Zeichen vor. Die Konvergenzreaktion des Auges ist dabei erhalten, das heißt, dass das Auge noch zur Adaption bei der Fixation von Objekten in der Lage ist.

Diese Konvergenzreaktion wird über den Nervus oculomotorius vermittelt. Damit ist eine Hirnnervenschädigung als Ursache für das Argyll-Robertson-Phänomen ausgeschlossen und der Verdacht des Arztes fällt auf Mittelhirnläsionen. Vermutlich ist die Verbindung zwischen dem Edinger-Westphal-Kern und dem Nucleus praetectalis olivaris von Schädigungen betroffen.

Oft handelt es sich bei den ursächlichen Zusammenhängen um Läsionen einer Neurolues. Dabei handelt es sich um eine Verlaufsform der Syphilis. Die Infektionskrankheit greift dabei auf das zentrale Nervensystem über und kann neben Lähmungen Ausfälle der Hirnnerven und spinale Degeneration hervorrufen. Das Argyll-Robertson-Zeichen wird in aller Regel mit einem späten Stadium der Neurolues in Zusammenhang gebracht und als einer der wichtigsten Indikatoren für diese Erkrankung bewertet.

Allerdings müssen Mittelhirnläsionen und das Phänomen der Pupillenstarre nicht zwingend mit einer Syphilis assoziiert sein. Auch Multiple Sklerose und andere neurologische Erkrankungen können beispielsweise Hirnläsionen im Mittelhirn verursachen. Das weitere klinische Bild kann abhängig von der insgesamt betroffenen Hirnregion äußerst vielfältig sein.

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