Applied Behavior Analysis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. September 2017
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Applied Behavior Analysis ist die englische Bezeichnung für Angewandte Verhaltensanalyse. Darunter wird ein Psychotherapieverfahren verstanden, das zur Behandlung von autistischen Störungen dient.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Applied Behavior Analysis?

Applied Behavior Analysis (ABA) steht für Angewandte Verhaltensanalyse. Gemeint ist damit eine Therapiemethode zur Behandlung von Autismus-Spektrum-Störungen. Dabei kommen wissenschaftliche Verhaltensgrundregeln zur Anwendung, um die Charaktereigenschaften des Patienten zu stärken und dessen Probleme, die durch den Autismus entstehen, zu verringern.

Die Grundlagen für die Applied Behavior Analysis legte u. a. der amerikanische Psychologe B. F. Skinner (1904-1990). Die erste Anwendung bei Kindern, die unter Autismus litten, erfolgte jedoch durch Ivar Lovaas zu Beginn der 60er Jahre. Bei Forschungen an der Universität von Los Angeles fand der Mediziner heraus, dass eine intensive Verhaltenstherapie autistischen Kindern zugute kam. Lovaas versuchte mit seiner Therapie, den Autisten ein Umfeld zu ermöglichen, welches das Lernen förderte. In den 80er Jahren brachte er ein Buch über die Wirksamkeit der Behandlung heraus.

Ebenfalls in den 80er Jahren wurde von mehreren Psychologen ein Konzept entwickelt, das sich mit dem Unterrichten von autistischen Kindern auf der Grundlage von B. F. Skinner befasste und das auf der Theorie des Verbal Behavior (sprachliches Verhalten) basierte. Im Laufe der Zeit steigerten sie die Effizienz der angewandten Verhaltensanalyse. Das Verfahren trägt in der heutigen Zeit die Bezeichnung ABA mit Verbal Behavior (ABA/VB). Auf diese Weise wurde auch der Begriff Lovaas-Therapie durch Applied Behavior Analysis ersetzt.

Funktion, Wirkung & Ziele

Bei der Applied Behavior Analysis handelt es sich um eine Psychotherapie, die auf einer operanten Konditionierung basiert. Durch dieses Vorgehen soll das autistische Verhalten der Patienten verringert werden. Ziel ist es, zu erreichen, dass der Autist sich besser erziehen lässt und leichter lernt. Die Familie des autistischen Kindes lässt sich mit diesem Verfahren entlasten. Die ABA ermöglicht dem Autisten positives soziales Verhalten sowie das Aufnehmen von Beziehungen zu anderen Menschen.

Die Applied Behavior Analysis stuft den Menschen quasi als unbeschriebenes Blatt Papier ein, das sich mit Inhalten füllen lässt. Das problematische Verhalten von Autisten kann mithilfe des Verfahrens begrenzt und sogar gelöscht werden, sodass der Patient neue Inhalte erhält, die gewünscht sind. Von den Befürwortern der ABA-Therapie wird dieses Verfahren als „löschen“ oder „formatieren“ bezeichnet.

Die ABA-Therapie beginnt mit dem schrittweisen Unterrichten von messbaren Verhaltensweisen. Das bedeutet, dass Verhaltensweisen, die von autistischen Kindern nur schwer zu erlernen sind, in zahlreiche kleine Abschnitte zerlegt werden. Auf diese Weise werden sie ihnen Schritt für Schritt vermittelt, sodass sie schließlich kommunikative und soziale Fähigkeiten erlernen.

In der Anfangsphase der Applied Behavior Analysis wird der Unterricht in 1:1-Situationen abgehalten. Dadurch können die Kinder aus alltäglichen Situationen lernen. Dabei werden zunächst Hilfestellungen gewährt, um die Aufgaben erfolgreich zu bewältigen. Später bleiben die Hilfestellungen dann aus. Um die neu erlernten Fähigkeiten und Verhaltensweisen zu festigen, gelangen verschiedene verstärkende Konsequenzen zum Einsatz. Welche dies sind, hängt individuell vom jeweiligen Kind ab. Dabei kann es sich zum Beispiel um primäre Verstärker wie Snacks, Aktivitäten wie Ballspielen, Radfahren, Schwimmen, Trampolinspringen oder Schaukeln sowie Dinge wie Videos, Computer, Musik oder Bücher handeln. Daher ist es von Bedeutung, herauszufinden, auf welche Verstärker das Kind anspricht. Wichtig ist zudem, dass das Kind Spaß am Lernen hat und schließlich dazu motiviert wird, aus eigenem Antrieb Neues zu lernen.

Außerdem soll das Kind in unterschiedlichen Situationen lernen. So können Lernsituationen in den eigenen vier Wänden wie im Kinderzimmer, im Bad oder in der Küche entstehen, aber auch im Garten, auf dem Spielplatz oder im Supermarkt. Die Fähigkeiten werden generalisiert, damit sie für das Kind von funktioneller Bedeutung sind. Erst wenn das Kind in der Lage ist, die Fähigkeiten mit verschiedenen Materialien und Menschen wiederholt anzuwenden, profitiert es wirklich von dem Erlernten.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Applied Behavior Analysis sind Verhaltensanalysen. Dabei analysiert der Therapeut Variablen, die unangemessenes Verhalten des Kindes fördern, wie Wutanfälle, Schreien, Aggressionen und Weglaufen. Ziel ist eine Veränderung der aufrechterhaltenen Faktoren sowie das Aufzeigen von angemessenen Alternativen. Dabei lernt das Kind, wie es seine Wünsche angemessen, also durch Sprache oder Gestiken, ausdrückt.

In Deutschland fand die Applied Behavior Analysis längere Zeit nur wenig Beachtung. Erst in den letzten Jahren wurde dem Therapieverfahren mehr Aufmerksamkeit zuteil. So wird auch hierzulande ABA mittlerweile als theoretische Grundlage zur Behandlung von Autismus anerkannt.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Risiken und Komplikationen sind mit Applied Behavior Analysis nicht verbunden. Allerdings kam es in letzter Zeit häufiger zu Kritik an der Therapiemethode, die auch von Menschen geäußert wird, die selbst von Autismus betroffen sind.

Die Kritiker der ABA-Therapie geben zu bedenken, dass es sich um eine klassische Konditionierung handelt, sodass der Erfolg fragwürdig sei. So müssten die Autisten zum Beispiel unerwünschte Berührungen aushalten. Damit setzt sich die Applied Behavior Analysis jedoch über die Autonomie eines behinderten Menschen hinweg. Auch Blickkontakt ist für autistische Menschen sehr anstrengend und mitunter sogar mit Schmerzen verbunden. Der Druck, der auf die Kinder durch die ABA-Therapie entsteht, hätte oft zur Folge, dass sie anfälliger auf Missbrauchssituationen reagieren und ihnen nicht selten hilflos ausgeliefert sind. So lernt der Autist im Rahmen der Therapie, dass sein Nein nicht von Bedeutung ist.

Bücher über Autismus

Quellen

  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015
  • Möller, H.-J.: Therapie psychischer Erkrankungen. Thieme, Stuttgart 2006
  • Möller, H.-J., Laux, G., Deister, A.: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2015

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