Appendektomie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. September 2017
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Bei einer Appendektomie handelt es sich um die chirurgische Entfernung des Blinddarmwurmfortsatzes. Der Eingriff kommt bei einer Entzündung des Appendix vermiformis zur Anwendung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Appendektomie?

Von einer Appendektomie ist die Rede, wenn der Wurmfortsatz des Blinddarms (Appendix vermiformis) operativ entfernt wird. Dies geschieht bei einer Entzündung des Wurmfortsatzes. Diese Erkrankung bezeichnen die meisten Menschen als Blinddarmentzündung.

Die operative Herausnahme des Wurmfortsatzes wird Blinddarmentfernung genannt. Beides ist jedoch nicht korrekt, weil dabei lediglich der Appendix vermiformis herausoperiert wird und nicht der gesamte Blinddarm (Caecum).

Beim Appendix vermiformis handelt es sich um den Fortsatz des Blinddarms, der eine Länge von ca. 10 Zentimetern erreicht. Durch die Position des Blinddarms, der gewissermaßen eine Sackgasse bildet, kann es dort leicht zu einer Entzündung kommen, die dann einer operativen Behandlung bedarf. So verfügt dieser Bereich zwar über einen Eingang, nicht jedoch über einen Ausgang. Die erste erfolgreiche Appendektomie fand im Jahr 1735 im Londoner George´s Hospital statt. Dabei entfernte der französische Chirurg Claudius Amyand (1680-1740) den Appendix vermiformis eines elfjährigen Jungen eher durch Zufall.

Funktion, Wirkung & Ziele

Eine Appendektomie wird durchgeführt, wenn sich der Wurmfortsatz des Blinddarms entzündet hat. Ursache für die Entzündung ist in der Regel das Ansammeln von Verdauungsrückständen. Dazu gehören in erster Linie Kotsteine (verhärteter Stuhl). Mitunter wird die Appendizitis auch durch Fremdkörper oder eine Schwellung der Schleimhaut hervorgerufen. Diese Ursachen können zu einer Verlegung des Wurmfortsatzinneren führen, was wiederum eine bakterielle Entzündung nach sich zieht. Besonders häufig wird eine Appendektomie bei Kindern und jungen Erwachsenen durchgeführt, die zwischen 4 und 25 Jahre alt sind.

Eine Appendektomie ist oft erforderlich, weil bei einer Appendizitis die Gefahr von lebensgefährlichen Komplikationen besteht. So kann die entzündete Darmwand einreißen, was Mediziner als Perforation oder Blinddarmdurchbruch bezeichnen. Bei bis zu 30 Prozent aller Patienten tritt eine Perforation des Appendix vermiformis ein. Zu diesem Vorfall kommt es in den meisten Fällen 24 bis 36 Stunden nach dem Eintreten der Appendizitis.

In sehr seltenen Fällen findet der Eingriff auch aufgrund von Tumoren innerhalb des Wurmfortsatzes statt, die sowohl gutartig als auch bösartig sein können. Die Entdeckung dieser Tumore erfolgt eher zufällig im Rahmen einer Bauchspiegelung, da sie über einen längeren Zeitraum keine Beschwerden verursachen.

Von einer Appendektomie ist die Rede, wenn der Wurmfortsatz des Blinddarms (Appendix vermiformis) operativ entfernt wird.

Durchführen lässt sich eine Appendektomie, die unter Vollnarkose stattfindet, entweder als Laparotomie oder als Laparoskopie. Bei einer Laparotomie nimmt der Chirurg einen Schnitt am rechten Unterbauch von 6 Zentimetern Länge vor. Dann sucht er den unteren Blinddarmpol auf. Dort geht der Appendix vermiformis in der Regel ab. Nach Abklemmung der zuführenden Blutgefäße wird der Wurmfortsatz vom Chirurgen schließlich abgetrennt. Mit einer speziellen Naht, die die Bezeichnung Tabaksbeutelnaht trägt, erfolgt das Vernähen des verbliebenen Stumpfes. Zur Sicherheit vernäht der Arzt die Wunde doppelt. Zum Ende der Appendektomie verschließt er die Bauchdecke wieder. Das Verschließen der Hautwunde erfolgt durch Klammern oder Nähen.

Der Appendix vermiformis lässt sich aber auch per Laparoskopie entfernen. Dabei handelt es sich um eine Bauchspiegelung, die als laparoskopische Appendektomie bezeichnet wird. Erster Schritt des Eingriffs ist ein kleiner Schnitt in der Bauchnabelregion. Danach erfolgt das Einführen eines optischen Gerätes samt Kamera in die Bauchhöhle des Patienten.

Um eine bessere Übersicht zu erhalten, wird zuvor per Nadel etwas Gas in den Bauch geleitet. Dieses Vorgehen ermöglicht dem Chirurgen eine bessere Übersicht der Bauchorgane am angeschlossenen Bildschirm. Nächster Schritt ist das Einbringen der medizinischen Arbeitsinstrumente. Dann werden die Blutgefäße des Appendix vermiformis entweder mit einem Faden unterbunden oder elektrisch verkocht. Danach zieht der Chirurg eine Schlinge um den Wurmfortsatz und zieht diese zusammen. Im Anschluss daran erfolgt die Herausnahme des Appendix vermiformis. Nach dem Entfernen der Instrumente finden das Ablassen des Gases sowie das Vernähen der Hautschnitte statt.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Zu Komplikationen bei einer Appendektomie kommt es nur sehr selten. Denkbar sind sie, wenn bereits Verwachsungen oder Vernarbungen im Bereich des Wurmfortsatzes bestehen. Diese können sich aber auch nach der Operation bilden, was zum Risiko eines Darmverschlusses führt.

Ein unerwünschter Nebeneffekt bei einer Appendektomie können mechanische Beeinträchtigungen der Bauchorgane sein, was wiederum Blutungen zur Folge hat. Als besonders gefährliche Komplikation gilt das Auftreten von Abszessen in der Bauchhöhle oder einer lebensgefährlichen Bauchfellentzündung (Peritonitis). Denkbar sind zudem Wundheilungsstörungen sowie die überschießende Bildung von Narben. Gelegentlich treten auch Narbenbrüche in der Bauchregion auf. Weiterhin sind vorübergehende Sensibilitätsstörungen denkbar, die durch eine Nervenverletzung hervorgerufen werden. Manche Patienten leiden nach der Appendektomie dauerhaft unter Schmerzen. Ebenfalls im Bereich des Möglichen sind unterschiedliche allergische Reaktionen.

Eine Operation des Appendix vermiformis ist nur dann nicht durchzuführen, wenn der Patient unter einem sehr schlechten Allgemeinzustand leidet oder keine Narkosefähigkeit vorliegt. Dies geschieht jedoch nur äußerst selten.

Nach der Operation bleibt der Patient zunächst noch unter Beobachtung. Ab dem zweiten Tag kann im Normfall bereits wieder Schonkost verzehrt werden. Der Aufenthalt im Krankenhaus dauert in der Regel drei bis fünf Tage, was vom individuellen Befund abhängt. Im Anschluss an eine Laparotomie muss sich der Patient noch rund vier bis sechs Wochen schonen. Nach einer Laparoskopie dauert die Schonung nur ca. 14 Tage.

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Quellen

  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Nürnberger, H.-R., Hasse, F.-M., Pommer, A. (Hrsg.): Klinikleitfaden Chirurgie. Urban & Fischer, München 2010

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