Apozytose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. November 2016
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Bei der Apozytose wird die Membran einer Drüsenzelle zusammen mit dem Sekret in Container abgeschnürt. Es handelt sich dabei um einen Sekretionsmodus apokriner Drüsen, der eine Sonderform der Exozytose darstellt und vor allem die Brustdrüse betrifft. Störungen des Hormonhaushalts können das Apozytose-Verhalten verändern.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Apozytose?

Drüsenzellen geben ihr Sekret im menschlichen Körper auf unterschiedliche Weise ab. Neben der merokrinen und holokrinen Sekretion gehört auch die apokrine Sekretion zu den menschlichen Sekretionsarten.

Bei apokriner Sekretion findet Exozytose statt, bei der Vesikel im Inneren einer Zelle mit der Zellmembran verschmelzen und so ihr Sekret abgeben. Mit der Apozytose ist eine Sonderform dieser exozytotischen Prozesse in apokrinen Drüsenzellen gemeint.

Das Sekret wird dabei zusammen mit einem Teil der Drüsenzellmembran in Container abgeschnürt. Durch Regeneration kann dieser Vorgang trotz Membranverlusten mehrmals pro Zelle stattfinden.

Sowohl Exozytose, als auch Apozytose sind demnach Sekretionsmodi von Drüsen und Drüsenzellen. Exozytose kommt speziell im menschlichen Organismus selten vor. Das charakteristischste Beispiel ist die apozytotische Fetttropfen-Sekretion der Brustdrüse. Von der Brustdrüse abgesehen wird der Sekretionsmodus beim Menschen ausschließlich den Duftdrüsen und den Ciliardrüsen zugeschrieben.

Die Medizin unterscheidet die spezifische von einer unspezifischen Apozytose. Die unspezifische Form liegt bei der Abgabe von Matrixvesikeln mit Zytosol vor.

Funktion & Aufgabe

Die Exozytose ist ein wichtiger Sekretionsmodus endokriner und exokriner Drüsenzellen. Sie lässt Sekretvesikel mit einem durchschnittlichen Durchmesser von 50 nm entstehen, die je von einer doppelten Membran umschlossen sind. Die Drüsenzelle gibt den Zellinhalt der Bläschen in das Lumen ihres Ausführungsgangs ab.

Die Sekretvesikel werden in der Regel im Golgi-Apparat der Zellen gebildet. Sie können sich aber auch vom endoplasmatischen Retikulum abschnüren oder aus endozytotischen Bläschen hervorgehen. In jedem Fall transportiert die Drüsenzelle die Vesikel zu ihrer Zellmembran, mit der die Vesikelmembran schließlich verschmilzt.

Bei der Verschmelzung weicht die Zellmembran der Vesikel auseinander und der Inhalt der Bläschen wird freigesetzt. Dieser Prozess entspricht der Exozytose, wie sie in zahlreichen endo- und exokrinen Drüsenzellen vorliegt und somit für den Hormonhaushalt bis hin zur Thermoregulation durch Schwitzen eine Rolle spielt.

Es handelt sich bei Apozytose um einen Sekretionsmodus apokriner Drüsen und vor allem die Brustdrüse betrifft.

Die Apozytose ist eine Sonderform der beschriebenen Prozesse, die weitaus seltener vorkommt und vor allem Aufgaben bei der Ernährung des Nachwuchses erfüllt. Damit ist speziell die spezifische Apozytose der Brustdrüse gemeint. Die Sekretvesikel der Brustdrüsenzellen entsprechen Fetttropfen. Ihre Produktion wird durch die Geschlechtshormone und das Milchbildungshormon Prolaktin angeregt. Die Hormone binden sich an die Rezeptoren der Brustdrüsenzellen und leiten so die Apozytose ein. An die Außenseiten der Fetttropfen lagern sich Proteine an, die sich an die integralen Proteine der apikalen Zellmembran binden. Der Fetttropfen wandert auf diese Weise zum Lumen und seine angelagerte Zellmembran wölbt sich nach außen.

Auf dem Weg zum Lumen passt sich die Membran an die Form des Bläschens an, rundet sich ab und verschmilzt darunter. Auf diese Weise schnürt sich die Zellmembran zusammen mit Cytoplasma und den Fetttropfen ab. Das Sekret wird erst durch die Ruptur der umliegenden Membran und Blase aus Cytoplasma abgegeben.

Die Zelle verliert bei der Sekretion so an Volumen, da sie mit dem Sekret eigenes Cytoplasma und Membranbestandteile abgibt. Dank ihrer Regenerationsfähigkeit sind Brustdrüsenzellen dann wiederum dazu in der Lage, die Apozytose trotz der Volumenverluste mehrmals durchzuführen.

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Krankheiten & Beschwerden

Duftdrüsen und die Brustdrüse geben bei der Apozytose ein fettiges Sekret ab. Störungen im lokalen Säureschutzmantel können die Bereiche dieser Drüsenzellen für bakterielle Infektionen angreifbar machen und zu Abszessbildungen führen. Die Abszesse der Duftdrüsen gehen häufig mit Fistelbildung oder entzündlichen Reaktionen einher. Die Erscheinung wird als Akne inversa bezeichnet und betrifft vor allem Jugendliche in der Pubertät. Im Bindegewebe des betroffenen Bereichs bilden sich unter der Haut teils flächige Phlegmone, die durch eine bläuliche Verfärbung in Erscheinung treten und je nach Ausdehnung eine Sepsis hervorrufen können.

Eine häufige Erkrankung der Brustdrüse ist der krankhafte Milchausfluss. Diese Erscheinung kann auf einer oder beiden Seiten auftreten. Unabhängig von einer Schwangerschaft betreiben die Drüsen dabei Apozytose und geben über die Milchgänge ein milchiges Sekret ab. Die sezerniernde Drüsenerkrankung wird auch als Galaktorrhoe bezeichnet. In der Regel ist ein abnormer Hormonhaushalt für die Milchbildung verantwortlich, der die Drüsen zur Apozytose anregt. Meist wird speziell Prolaktion produziert. Diese sogenannte Hyperprolaktinämie kann zum Beispiel durch Medikamenteneinnahme oder Stress bedingt werden. Seltener sind gutartige Gehirntumore für die Produktion verantwortlich, die selbst Hormone abgeben.

Von Tumorerkrankungen kann auch die Brustdrüse selbst betroffen sein. Auch dieses Phänomen äußert sich unter Umständen in verändertem Apozytose-Verhalten, so speziell in ausbleibender Apozytose nach einer Schwangerschaft. Diese Erscheinung ist jedoch nicht mit ausbleibendem Milchfluss nach einer Schwangerschaft zu verwechseln. Wenn eine oder beide Brustdrüsen keine Milch geben, kann im Drüsengewebe trotzdem noch Apozytose stattfinden. Meist ist die Ursache des ausbleibenden Flusses lediglich ein sogenannter Milchstau. Dabei wuchert Haut über die Öffnung der Milchkanäle und die sezernierten Tropfen stauen sich in den Ausführungsgängen auf. Für die Milchgabe spielt neben dem Hormonhaushalt auch die Ernährung und die Psyche eine Rolle. Daher ist verminderter Milchfluss nach einer Schwangerschaft nicht automatisch als bedenkliches Szenario zu interpretieren.

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