Apomorphin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. November 2016
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Die Ähnlichkeit des Apomorphin mit dem körpereigenen Botenstoff Dopamin macht es zu einem der wirksamsten Dopamin-Nachahmer, die Medizin und Pharmazie heute zur Verfügung stehen. Früher vorrangig als Brechmittel eingesetzt, bedient Apomorphin heute einen erweiterten Wirkungskreis in unterschiedlichen Indikationsumfeldern.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Apomorphin?

Apomorphin gehört (namensgebend) zu den Aporphin-Aklaloiden. Das Morphinderivat wird durch Erhitzen von Morphin mit konzentrierter Salzsäure gewonnen. Seine Struktur ist der des menschlichen Dopamins stark verwandt. Die eher wasserresistenten Kristalle des Salzes Apomorphinhydrochlorid können in unterschiedlichen Farben auftreten, weiß, leicht gelblich-bräunlich oder grau-grün.

Unter Lichteinfluss verfärbt es sich grün. Obwohl es zu den Dopamin-Agonisten zu zählen ist, wirkt das Morphinderivat selbst nicht opioid. Der auslösende Effekt gleicht eher dem des körpereigenen Botenstoffes Dopamin. Das brechreizauslösende Apomorphin wurde früher vor allem bei Vergiftungen eingesetzt. Ab 2001 wirkte es in der Darreichungsform als Lutschtablette, die unter der Zunge auf die Mundschleimhaut einwirkte, bei der Behandlung der männlichen erektilen Dysfunktion mit.

Apomorphin wurde gelegentlich als begleitende Maßnahme im Drogenentzug verwendet. Seinen häufigsten und wichtigsten Einsatz erhält der Wirkstoff bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit in der Spätphase, als Dauerinfusion oder subkutane Injektion. Auch in der Homöopathie findet Apomorphin Verwendung.

Pharmakologische Wirkung

Die proerektile Wirkung von Apomorphin ist im Gegensatz zu Libido-stärkenden Präparaten eher zentral mechanisch. Über die Dopamin-Anbindung im Hypothalamus erzielt der Wirkstoff über mehrere neuronale Stufen eine Entspannung der Muskulatur im Penis-Schwellkörper. Die verbesserte Blutzufuhr fördert die Erektionsfähigkeit.

Da der Wirkstoff sehr gut von den Zellen aufgenommen wird, ist die Gabe als Tablette unter der Zunge am erfolgreichsten. Hier zeigt sie durch die rasche Absorption in der Schleimhaut innerhalb 20 Minuten den gewünschten Erfolg. Apomorphin erzeugt keine zwanghafte Verhaltensstörung, lässt den Sexualtrieb unverändert und nimmt keinen negativen Einfluss auf die Psyche.

Apomorphin ist besonders geeignet zur Behandlung von Parkinson-Kranken in der Spätphase. Die Symptome dieser Krankheit sind auf einen Dopaminmangel zurückzuführen. Ursächlich dafür ist Verlust bzw. die Zerstörung von Dopamin erzeugenden Nervenzellen im zentralen Nervensystem. Der normale Bewegungsablauf wird empfindlich gestört, Tremor (Zittern), Akinese (Bewegungsstörung) und Rigor (starke Muskelanspannung, Muskelstarre) sind die Folgen.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Seinen häufigsten und wichtigsten Einsatz erhält der Wirkstoff bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit in der Spätphase, als Dauerinfusion oder subkutane Injektion.

Apomorphin ist durch seine Eigenschaft als Dopaminrezeptor-Agonist gut dazu geeignet, begleitend zu der Gabe von Levodopa die motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit zu reduzieren. Seine Wirkung liegt im Gehirn, wo es die Wirkweise des körpereigenen Botenstoffes nachahmt. Aufgrund der starken Nebenwirkungen wird es allerdings nicht als vorrangiges Mittel betrachtet.

Auch die brechreizauslösende Wirkung setzt genau hier ein, wenn bestimmte Dopamin-Rezeptoren im zentralen Nervensystem stimuliert werden. Um den Magen der Patienten zu entleeren, wird zwei Tage vor Behandlungsbeginn der Wirkstoff Domperidon gegeben.

Als Brechmittel wurde Apomorphin mittlerweile durch weit verträglichere Mittel ersetzt, da vor allem bei Kindern die Gefahr einer Herz-Kreislaufstörung oder Atemlähmung gegeben ist. Negativ aufgefallen war Apomorphin bei der Einnahme illegaler Drogen in der Drogenszene.

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Risiken & Nebenwirkungen

Die auftretenden Nebenwirkungen können von der Darreichungsform (Spritze, Tablette, Infusion, Salbe) und der Häufigkeit der Einnahme abhängen. Die gängige Kombination von Apomorphin mit Levodopa macht die Verursacher der tatsächlich aufgetretenen Arzneimittel-Nebenwirkungen schwer identifizierbar.

Häufig traten neben der gesteigerten Neigung zu Brechreiz und Übelkeit auch Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen aus liegender Position), unkontrollierbare, willkürliche Bewegungen, Verwirrung oder Schläfrigkeit, Halluzinationen, Verdauungs- und Atemstörungen auf. Infektionen, Mundgeschwüre, Störungen der Geschmacksfähigkeit kommen vor, ebenso Entzündungen der Nasen- oder Rachenschleimhaut.

Seltener die vermehrte Bildung von weißen Blutkörperchen und Psychosen. Zwanghafte Verhaltensauffälligkeiten können eine Behandlungsänderung nötig machen. Wechselwirkungen bestehen zu Clozapin (Mittel bei der Behandlung von seelisch-nervlichen Symptomen) und zu gleichzeitig eingenommenen Neuroleptika. Apomorphin kann die Wirkung von Blutdrucksenkern und Alkohol erhöhen.

Ganz abgeraten wird Schwangeren und stillenden Frauen von der Einnahme, ebenso Kindern und Jugendlichen, Menschen mit einer Schwäche der Leber- und Nierenfunktion, mit einer bereits bestehenden Neigung zu Übelkeit, mit Hypotonie, Herz-Kreislauf- oder Lungenerkankungen. Älteren und geschwächten Menschen sollte Apomorphin nur nach sorgfältiger Nutzen-/Risikobewertung verordnet werden.

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