Apikale Parodontitis

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 28. Februar 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

Sie sind hier: Startseite Krankheiten Apikale Parodontitis

Als apikale Parodontitis wird eine Zahnwurzelspitzenentzündung bezeichnet. Sie zählt zu den odontogenen Infektionen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine apikale Parodontitis?

Diagnostizieren lässt sich eine apikale Parodontitis mithilfe einer Röntgenuntersuchung. Allerdings können die typischen Aufhellungen, die ein sicheres Zeichen für eine entzündete Wurzelspitze sind, erst nach einigen Wochen erkannt werden.
© Henrie - stock.adobe.com

Bei einer apikalen Parodontitis handelt es sich um eine bakterielle Entzündung, die an der Zahnwurzelspitze auftritt. Sie trägt auch die Bezeichnungen Wurzelspitzenentzündung, apikale Ostitis oder apikale Periodontitis. Sie wird zu den odontogenen Infektionen gerechnet.

Von einer apikalen Parodontitis ist die Rede, wenn schädliche Bakterien über einen entzündeten Wurzelkanal in Richtung Wurzelspitze gelangen. Ebenso können die Keime über Zahnfleischtaschen, die tief liegen, in den Zahn vordringen und ihn in Mitleidenschaft ziehen. Nicht selten ist die Pulpa des betroffenen Zahns bereits abgestorben. Zahnmediziner sprechen dann von einem toten oder devitalen Zahn. Die apikale Parodontitis kommt sowohl akut als auch chronisch vor.

Ursachen

Verursacht wird eine apikale Parodontitis in der Regel durch Karies. Die dadurch entstehenden Zahnläsionen bieten den Bakterien Zugang in den Zahn. Oftmals geht der apikalen Parodontitis eine Entzündung des Zahnmarks (Pulpitis) voraus. Nicht immer verspürt die betroffene Person dabei Schmerzen.

Weitere Gründe für das Auftreten einer Wurzelspitzenentzündung können Traumen durch Zahnbehandlungen oder Frakturen des Zahns sein. So hat in manchen Fällen das Beschleifen des Zahns eine schmerzhafte Pulpitis zur Folge. Allerdings kann die Entzündung auch einen fast schmerzfreien Verlauf nehmen. Im weiteren Verlauf kommt es allmählich zum Absterben des Zahnmarks. Dabei verbreiten sich die schädlichen Keime immer weiter innerhalb des Wurzelkanalsystems.

Schließlich können sie in den benachbarten Kieferknochen vordringen. Das Immunsystem reagiert daraufhin mit dem Abbau des schlecht durchbluteten Knochens und ersetzt ihn durch Granulationsgewebe, dessen Durchblutung besser verläuft. In seltenen Fällen ist die Ursache der apikalen Parodontitis nicht bakterieller Natur, sondern wird durch chemische Reizungen hervorgerufen. Deren Urheber sind zumeist medikamentöse Wurzeleinlagen oder Wurzelfüllungen.


Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome einer apikalen Parodontitis fallen unterschiedlich aus. So zeigen sich bei der akuten Wurzelspitzenentzündung oftmals Beschwerden wie Schmerzen beim Aufbeißen oder beim Klopfen auf den Zahn. Ebenso ist eine begleitende Entzündung des Zahnmarks möglich, bei der der Patient fälschlicherweise das Gefühl verspürt, der betroffene Zahn würde sich verlängern.

Nimmt die Wurzelspitzenentzündung einen chronischen Verlauf, ist von einer primär chronischen apikalen Parodontitis die Rede. Zu Schmerzen kommt es dabei in den meisten Fällen nicht. Es besteht jedoch die Gefahr, dass die Entzündung in die chronische Form umschlägt und dann Schmerzen hervorruft. Ohne eine entsprechende Behandlung der apikalen Parodontitis droht diese den Kieferknochen zu befallen.

Zahnmediziner bezeichnen dies als apikales Granulom oder apikalen Abszess. In manchen Fällen bildet sich auch eine Fistel. Ferner ist eine apikale Druckdolenz denkbar, die mit einer Schwellung und Rötungen einhergeht. Nicht selten kann der Zahn bereits auf Berührungen mit der Zunge empfindlich reagieren.

Liegt ein pulpatoter Zahn vor, besteht das Risiko, dass dieser weitere Erkrankungen hervorruft. Dabei kann es sich um Neuralgien, wiederholte Entzündungen von Organen, Rheuma-Erkrankungen oder Allergien handeln.

Diagnose & Verlauf

Diagnostizieren lässt sich eine apikale Parodontitis mithilfe einer Röntgenuntersuchung. Allerdings können die typischen Aufhellungen, die ein sicheres Zeichen für eine entzündete Wurzelspitze sind, erst nach einigen Wochen erkannt werden. Als erstes Indiz gilt ein erweiterter Peridontalspalt.

Ob Veränderungen an der Knochendichte vorhanden sind, lässt sich auf den Röntgenaufnahmen erst dann sagen, wenn der Knochen bereits 30 Prozent seines Mineralgehaltes eingebüßt hat, was jedoch einen Zeitraum von mehreren Tagen oder Wochen beansprucht. Sind die Beschwerden nur gering ausgeprägt und gibt das Röntgenbild keine ausreichenden Aussagen wieder, muss nach drei Monaten eine weitere Aufnahme stattfinden.

Um einen toten Zahn zu diagnostizieren, wird eine Vitalitätsprobe vorgenommen. Bei einer Reaktion des Zahnes auf Kälte, gilt dies als Hinweis, dass der Nerv noch nicht abgestorben ist. Außerdem kann ein toter Zahn überaus empfindlich auf einen Klopftest reagieren. Liegt noch keine umfangreiche Lockerung des Zahns vor, nimmt die apikale Parodontitis nach einer entsprechenden zahnmedizinischen Behandlung meist einen positiven Verlauf.

Ist die Lockerung jedoch sehr stark ausgeprägt, kommt es zur Einbuße des Zahns. Durch eine Wurzelspitzenresektion lässt sich der betroffene Zahn jedoch in den meisten Fällen erhalten.

Komplikationen

Da die apikale Parodontitis meist chronisch verläuft, sich über viele Jahre hinweg entwickelt und auch nur in seltenen Fällen schmerzhaft ist, bleibt sie oft eine lange Zeit unentdeckt. Irgendwann beginnen die Zähne allerdings zu wackeln und fallen aus. Daher ist eine gute Prognose abhängig von einem frühzeitigen Therapiebeginn.

Auch wenn die entsprechenden Erhaltungsmaßnahmen rechtzeitig einsetzen, kommt es bei einem Zehntel der Patienten zu starken Gewebeverlusten und einer Zerstörung des Knochens. Hier handelt es sich um eine refraktäre Form, bei der meist die Backenzähne betroffen sind. Außer dem folgenden Zahnverlust können sich auch andere allgemeinmedizinische Erkrankungen entwickeln.

Abszesse entstehen und lassen den Leidensdruck weiter ansteigen. Das Risiko für einen Herzinfarkt oder einer Schädigung innerer Organe erhöht sich. Für eine apikale Parodontitis prädestiniert sind Menschen mit ernsten Vorerkrankungen. Eine negative Wechselwirkung kann man bei der Diabetes mellitus und der apikalen Parodontose erkennen.

Diabetes mellitus kann der Entwicklung einer Parodontose Vorschub leisten. Die Parodontose wiederum reduziert die sonst guten Aussichten für einen milden Verlauf der chronischen Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Risikoreich kann die apikale Parodontitis auch für schwangere Frauen werden, da sich die Wahrscheinlichkeit für einen Abbruch oder einer Fehlgeburt erhöht.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei heftigen Zahnschmerzen, besonders beim Aufbeißen oder beim Klopfen auf den Zahn, sollte ein Zahnarzt aufgesucht werden. Die Symptome deuten auf eine ernste Erkrankung der Zähne hin, die umgehend behandelt werden muss. Ob es sich dabei um eine apikale Parodontitis oder um eine andere Erkrankung des Mund- oder Zahnraumes handelt, kann der Mediziner anhand einer Röntgenuntersuchung und einer Anamnese feststellen.

Zudem kann er Schwellungen, Rötungen und Fisteln erkennen und dadurch auf eine apikale Parodontitis schließen. Weitere Warnzeichen, die eine ärztliche Abklärung erfordern, sind berührungsempfindliche Zähne und das Gefühl, der betroffene Zahn wäre gewachsen. Oftmals kommen außerdem Mundgeruch und Abszesse hinzu, die für sich alleine bereits abzuklären sind.

In weniger schweren Fällen verläuft die apikale Parodontitis langsam und ohne größere Komplikationen. Sollten sich noch keine Beschwerden entwickelt haben, müssen die Zähne alle drei Monate untersucht werden. Der Arzt kann zum geeigneten Zeitpunkt eine Behandlung vorschlagen und weitere Komplikationen der apikalen Parodontitis zuverlässig verhindern.

Behandlung & Therapie

Um eine apikale Parodontitis wirksam zu behandeln, muss eine Wurzelkanalbehandlung durchgeführt werden. Weil die Schmerzen auch auf die benachbarten Zähne ausstrahlen, ist es nicht immer leicht, die Lage des ursächlichen Zahns festzustellen. Für den Fall, dass neben der apikalen Parodontitis auch eine Pulpitis besteht, wird diese gleichzeitig therapiert.

Als Alternative zu einer Wurzelkanalbehandlung kann auch das Ziehen des Zahns in Betracht kommen. Dies gilt besonders bei einem umfangreichen marginalen Abbau des Knochens oder wenn die Zahnkrone durch Karies stark zerstört wurde. Mitunter zeigt sich eine apikale Parodontitis auch bei Zähnen, die vor längerer Zeit einer Wurzelbehandlung unterzogen wurden.

Dann bedarf es einer erneuten Wurzelfüllung oder einer Wurzelspitzenresektion (WSR). Dabei entfernt der Zahnarzt die Zahnwurzelspitze. In dieser befinden sich oftmals Nebenkanäle, die wegen ihrer geringen Größe nicht behandelbar sind. Ungefähr ein Jahr nach der Wurzelbehandlung überprüft der Zahnarzt per Röntgenuntersuchung das Abheilen der Wurzelspitzenentzündung. Ohne einen erfolgreichen Heilungsverlauf muss eine Wurzelspitzenresektion vorgenommen werden.

Aussicht & Prognose

Die apikale Parodontitis hat ohne die Inanspruchnahme einer medizinischen Versorgung und zahnärztlichen Behandlung einen progressiven Krankheitsverlauf. Dieser endet letztlich im Verlust des Zahnes. Das allgemeine Wohlbefinden wird geschwächt und die Bakterien können weitere Zähne im Mund befallen. Nimmt der Betroffene auch dann keine ärztliche Behandlung in Anspruch, kommt es zu weiteren Zahnverlusten und entzündlichen Prozessen im Mund.

Der Krankheitsverlauf ist schleichend und findet über viele Jahre statt. Er ist mit natürlichen Möglichkeiten und Selbstheilungskräften jedoch nicht zu stoppen. Mit einer medizinischen Versorgung hat der Patient eine gute Prognose. Durch die derzeitigen medizinischen Möglichkeiten kommt es je nach Schwere der Erkrankung zu einer zahnärztlichen Behandlung mit oder ohne einen anschließenden Zahnersatz.

Bei einigen Patienten wird die betroffene Region mit Arzneien versorgt und es findet eine Entfernung der erkrankten Zahnpartie statt. Sind diese in einem erheblichen Umfang, folgt anschließend der Aufbau des entfernten Zahns mit Ersatzpräparaten. Zusätzlich wird der Ausbreitung der Keime medikamentös gestoppt. Der Patient kann innerhalb kurzer Zeit als geheilt aus einer Behandlung entlassen werden.

In regelmäßigen Kontrolluntersuchungen findet anschließend eine Vorsorge vor einem erneuten Bakterienbefall statt. Hält der Patient diese ein und trägt durch eine umfassende tägliche Zahnhygiene selbst etwas zur Erhaltung seiner Zahngesundheit bei, bleibt er dauerhaft beschwerdefrei.


Vorbeugung

Verursacher von Zahnerkrankungen wie Karies und einer daraus hervorgehenden apikalen Parodontitis sind Zahnbeläge. Damit es also gar nicht erst zu Beschwerden kommt, ist das regelmäßige Entfernen der Beläge überaus wichtig. Darüber hinaus sollten die Zähne mehrmals täglich gründlich gereinigt werden.

Nachsorge

Die apikale Parodontitis ist eine Erkrankung, deren Behandlung in die Hände des Zahnarztes gehört. Im Anschluss an die Therapie ist nicht nur der Zahnmediziner für die Nachsorge zuständig, die über regelmäßige Kontrolltermine realisiert wird. Auch der Patient ist durch aktive Mitarbeit im Alltag in die Nachsorge eingebunden. Mund- und Zahnhygiene sind in diesem Zusammenhang sehr wichtig.

Da die apikale Parodontitis eine bakteriell ausgelöste Erkrankung ist, ist es entscheidend, den Bakterien im Mund keine Angriffsfläche zu bieten. So ist Zahnstein ebenso vermeiden wie weiche Plaque, die Parodontitisprozesse wieder entstehen lässt. Putzen ist konsequent nötig und richtige Putztechniken können beim Zahnarzt erlernt werden. Die Professionelle Zahnreinigung (PZR) beim Zahnarzt entfernt harte und weiche Beläge und kann auch für das Erlernen der korrekten Putztechnik der richtige Zeitpunkt sein.

Ein wurzelbehandelter Zahn ist häufig sehr sensibel und kann einige Tage von Kaubelastungen geschont werden. Wesentlich ist bei der Parodontits-Nachsorge jedoch vor allem der Verzicht auf Rauchen. Nikotin und Parodontitis stehen in einem engen Zusammenhang zueinander, der eindeutig bewiesen will. Nikotin hat sogar die Eigenschaft eine bestehende Parodontitis in ihren Symptomen manchmal zu verschleiern, was die Früherkennung der Krankheit behindert und so die zeitnahe Behandlung verzögert.

Das können Sie selbst tun

Die apikale Parodontitis bedarf in jedem Fall einer medizinischen Behandlung. Die schulmedizinischen Methoden können aber durch einige Maßnahmen und Selbsthilfe-Tipps für den Alltag optimiert werden.

Zunächst empfiehlt sich eine Umstellung der Ernährung. Da die Zähne und der Mundraum während der Erkrankung äußerst empfindlich sein können, sollten besonders scharfe, heiße oder reizende Lebensmittel vom Speiseplan gestrichen werden. Ebenso saure und stark gezuckerte Speisen sowie diverse Genussmittel und Medikamente, die Kiefer und Zähne schädigen könnten. Zahnschädigende Produkte werden am besten durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung ersetzt. Während der Akutphase bieten sich vor allem leichte Suppen, weichgekochtes Obst und Gemüse sowie Babynahrung an.

Zum Schutz der Zähne ist daneben auch eine regelmäßige und ausgiebige Zahnpflege wichtig. Betroffene mit apikaler Parodontitis sollten die Zähne mehrmals täglich mit Zahnbürste und Zahnseide reinigen. Um die entzündeten Stellen nicht noch weiter zu reizen, sollten schonende Pflegeprodukte verwendet werden. Generell werden die genannten Maßnahmen am besten gemeinsam mit dem Arzt ausgearbeitet. So können die alltäglichen Maßnahmen die schulmedizinische Behandlung optimal ergänzen, ohne dass es zu Komplikationen kommt.

Quellen

  • Gängler, P., Hoffmann, T., Willershausen, B., Schwenzer, N., Ehrenfeld, M. (Hrsg.): Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Ott, R., Vollmer, H.P., Krug, W.: Klinik- und Praxisführer Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2003
  • Schumacher, G.-H., Gente, M.: Odontographie – Anatomie der Zähne und des Gebisses. Hüthig, Heidelberg 1995

Das könnte Sie auch interessieren