Apgar-Score

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. September 2017
Startseite » Behandlungen » Apgar-Score

Der Apgar-Score gibt Auskunft über den gesundheitlichen Zustand des Babys kurz nach der Geburt. Er wird nach einer standardisierten Methode auf der Grundlage eines Punkte-Schemas durchgeführt. Die Testergebnisse sind nur für die aktuelle Situation relevant und geben keine Prognose für die künftige Entwicklung des Neugeborenen ab.

Inhaltsverzeichnis

Was ist der Apgar-Score?

Die Bestimmung des Apgar-Scores basiert auf einer standardisierten Testmethode, die den Gesundheitszustand des Babys kurz nach der Geburt beurteilen soll. Der Test wurde im Jahre 1952 von der amerikanischen Anästhesistin Virginia Apgar entwickelt.

Bei dieser Methode werden eine Minute und dann noch fünf und zehn Minuten nach der Geburt wichtige Körperfunktionen des Neugeborenen untersucht. Nach der Einführung des Apgar-Scores sank die durch Komplikationen bei der Geburt hervorgerufene Säuglingssterblichkeit deutlich. Gefahren werden gleich erkannt und können gegebenenfalls durch Reanimationsmaßnahmen abgewendet werden.

Der Test basiert auf einem Punktesystem, bei dem maximal 10 Punkte erreicht werden können. Grenzen für die Anwendung des Testes gibt es bei Frühgeburten. Aufgrund der körperlichen Unreife eines Frühgeborenen sind hier viele Körperfunktionen natürlicherweise eingeschränkt, sodass der Apgar-Score als standardisierte Testmethode in diesem Fall ungeeignet ist.

Funktion, Wirkung & Ziele

Mit dem Apgar-Score sollen eventuell auftretende Komplikationen während oder nach der Geburt des Babys sofort erkannt werden, um schnell handeln zu können. So führten früher nicht diagnostizierte pränatale Schäden, wie etwa Hirnblutungen oder Sauerstoffmangel, oft zu chronischen gesundheitlichen Einschränkungen, Behinderungen oder gar zum Tod. Virginia Apgar legte in ihrem Buch dar, dass die Geburt der gefährlichste Abschnitt des Lebens ist. Hier lauern viele Gefahren, die aber mit einer einfachen Testmethode schnell erkannt werden können.

In dem von ihr entwickelten Apgar-Score legte sie fünf Kriterien fest, die zwingend untersucht werden müssen. Zu diesen Kriterien zählen die Atemanstrengung, die Herzfrequenz, der Muskeltonus, die Hautfarbe und die Reflexauslösbarkeit. Für jedes Merkmal können bis zu zwei Punkte vergeben werden. So sind bei zwei Punkten die Merkmale voll ausgeprägt. Ein Punkt bedeutet eine eingeschränkte Ausbildung des entsprechenden Merkmals, während es bei null Punkten ganz fehlt. Bei der Atemanstrengung werden zwei Punkte für eine regelmäßige, ein Punkt für unregelmäßige und null Punkte für keine Atmung vergeben.

Die Bestimmung des Apgar-Scores basiert auf einer standardisierten Testmethode, die den Gesundheitszustand des Babys kurz nach der Geburt beurteilen soll.

Eine Herzfrequenz über 100/min bedeutet zwei Punkte, wobei unter 100/min nur einen Punkt ergibt. Fehlt der Herzschlag, kann natürlich kein Punkt vergeben werden. Die volle Ausprägung der Reflexe äußert sich in kräftigem Schreien. Wenn sie unvollkommen ausgeprägt sind, sind nur Grimassen festzustellen. Reagiert der Säugling gar nicht, ist keine Punktvergabe möglich. Der Muskeltonus ist bei aktiver Bewegung der Extremitäten am größten, bei ihrer leichten Beugung etwas kleiner und bei schlaffer Muskulatur gar nicht vorhanden. Ist die Hautfarbe am ganzen Körper rosig, bedeutet das die Vergabe von zwei Punkten.

Wenn die Extremitäten jedoch blau sind, kann nur ein Punkt vergeben werden. Liegt eine blasse oder blaue Hautfarbe vor, weist das auf schwere Atemstörungen hin. Eine Punktvergabe ist dann ausgeschlossen. Als sehr gutes Ergebnis wird das Erreichen von acht bis zehn Punkten gewertet. Das Baby ist dann in einer guten bis exzellenten Verfassung. In den meisten Fällen wird dieses Ergebnis erreicht. Der Abzug von einem oder zwei Punkten kann den Anstrengungen beim Geburtsvorgang geschuldet sein. Generell ist das aber kein Problem, weil sich der Säugling in der Regel schnell erholt.

Bei einer Punktzahl zwischen fünf und sieben gilt das Baby jedoch als gefährdet. Gegebenenfalls muss das Neugeborene dann beatmet und der Luftweg abgesaugt werden. Das ist jedoch nicht immer nötig. Auch hier erholt sich das Baby mit etwas Unterstützung meist schnell. Eine akute Lebensgefahr besteht bei einem Punktestand unter fünf. In diesem Fall benötigt der Säugling Wärme, Licht und Sauerstoff. Er wird zur Versorgung in einen Inkubator gelegt. Bei einer niedrigen Punktzahl wird der Apgar-Score so lange wiederholt, bis sich die Werte normalisiert haben.

Hier finden Sie Ihre Babypflegeprodukte:

Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Allerdings gibt es auch Einschränkungen für die Anwendung des Apgar-Scores. So müssen auch begleitende Umstände bei der Geburt in die Bewertung einbezogen werden. Medikamente, Infektionen, angeborene Anomalien, Geburtstraumen oder Blutverlust beeinflussen den Score. Bei Frühgeborenen ist die Anwendung des Punkteschemas nicht geeignet, weil hier der Körper noch nicht ausgereift ist.

Der Säugling wird einige Zeit im Inkubator verbringen müssen, bevor alle Funktionen voll ausgebildet sind. Neurologische Komplikationen können mithilfe des Apgar-Scores nicht vorausgesagt werden. Liegt die Punktezahl unter fünf, kann es aufgrund von Sauerstoffmangel zu einer Zerebralparese kommen. Das hängt aber davon ab, wie lange die Komplikation dauerte. In vielen Fällen treten keine bleibenden Schäden auf. Die Ursache der Hypoxie sollte jedoch ermittelt werden. Auch für die Diagnose einer akuten Asphyxie (Erstickungszustand) reicht der Apgar-Score nicht aus.

Nach überwundenen Komplikationen kann die aktuelle Punktezahl auch keine Aussage über den Zustand des Babys machen. So unterscheiden sich die Werte nach einer Reanimation deutlich von einem spontan atmenden Säugling. Die Ergebnisse von Reanimationsmaßnahmen werden daher in einem sogenannten erweiterten Apgar-Score berücksichtigt. Dabei wird das Kind 20 Minuten lang überwacht. Hier wurde die Skalierung verändert, wobei pro Merkmal bis zu zehn Punkte erreicht werden können. So gilt beim erweiterten Apgar-Score ein Wert zwischen sieben und zehn nach fünf bis zehn Minuten als sehr gut.

Bücher über Geburt & Schwangerschaft

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Uhl, B.: Gynäkologie und Geburtshilfe compact. Thieme, Stuttgart 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: