Aortenklappenstenose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. Oktober 2017
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Die Aortenklappe gehört zu den vier Herzklappen, deren Aufgabe es ist, dafür zu sorgen, dass der Blutstrom nicht in die falsche Richtung fließen kann. Sie besteht aus drei halbmondförmigen Semilunarklappen und sitzt am Beginn der Aorta. Tritt eine Aortenklappenstenose (Verengung) auf, wird die normale Funktion der Aortenklappe beeinträchtigt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Aortenklappenstenose?

Eine Aortenklappenstenose ist durch eine Einengung der Aortenklappenöffnungsoberfläche gekennzeichnet. Häufig sind hierbei die Herzklappen deformiert. Die dadurch auftretende erhöhte Druckbelastung am linken Ventrikel, die zur Aufrechterhaltung des systolisch-arteriellen Blutdrucks nötig ist, führt zur Linksherzhypertrophie und Koronarinsuffizienz. Typisch für eine Aortenklappenstenose ist eine niedrige Blutdruckamplitude die mit verzögertem Duckanstieg und niedrigamplitudigem Puls, welcher zudem eine niedrige Anstiegssteilheit aufweist, einher geht.

Bei der Aortenklappenstenose wird zwischen der angeborenen und der erworbenen Form unterschieden. Zu den angeborenen Defekten zählen beispielsweise die Verengung des Klappenrings, eine Verwachsung oder Verdickung der Klappentaschen sowie eine statt mit drei nur mit zwei Taschen angelegte Herzklappe. In letzterem Fall hat das von den Taschen gebildete Ventil nur eine spaltförmige Öffnung.

Bei den meisten Patienten fällt diese bikuspidale Klappe erst im Erwachsenenalter auf. Eine derartig fehlgebildete Klappe neigt zur Verkalkung und bietet Keimen eine bessere Ansiedlungsmöglichkeit als gesunde Klappen, was bei einigen Betroffenen zu einer sogenannten Endokarditis führen kann. Meist treten solche angeborene Aortenklappenstenosen bei Patienten in Erscheinung, die jünger als 60 Jahre sind.

Ursachen

Erworbene Aortenklappenstenosen werden zumeist durch Entzündungen (Endokarditis) oder durch den Verschleißprozess bei zunehmendem Alter verursacht. Die durch natürlichen Verschleiß oder Kalkeinlagerungen verursachte Stenose tritt zumeist bei Patienten unter 60 Jahren auf.

Dieser Verschleißprozess, der durch einen bindegewebigen Umbau und die Verkalkung der Herzklappe gekennzeichnet ist und somit in etwa der Verkalkung der Herzkranz- und anderer Gefäße (Arteriosklerose) entspricht, wird durch verschiedene Faktoren begünstigt. Zu diesen gehören Diabetes, Bluthochdruck, Rauchen, eine übermäßige Kalziumkonzentration im Blut sowie genetische Faktoren.

Der Prozess der Öffnungsverengung dauert häufig über viele Jahre an, sodass die Betroffenen zumeist erst im Alter Auswirkungen der Aortenklappenstenose verspüren.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Bakterielle Endokarditis

Patienten, die unter einer leichten Form der Aortenklappenstenose leiden, haben häufig keine Symptome. Sind die Verengungen höhergradig, so treten zumeist deutliche Krankheitszeichen auf. Eine der ersten Beschwerden ist Atemnot, die zunächst bei starker, später auch bei leichter Belastung wahrgenommen wird.

Es kommt zu einer Verringerung der allgemeinen Leistungsfähigkeit. Oftmals ist die Luftnot mit einem Enge- und Beklemmungsgefühl in der Brust verbunden, das sich bis hin zum für die Aortenklappenstenose typischen Herzschmerz steigern kann. Durch den zu niedrigen Blutdruck unter Belastung kann es zur kurzzeitigen Minderversorgung des Gehirns und infolge dieser zu Schwindel und kurzzeitigem Verlust des Bewusstseins kommen.

Aufgrund der allgemeinen Schädigung des Herzens leiden viele Betroffene in fortgeschrittenen Stadien der Aortenklappenstenose unter Schwellungen (Ödeme) an Knöcheln und Unterschenkeln.

Die Echokardiographie ist bei Verdacht auf eine Aortenklappenstenose die aussagekräftigste und schnellste Untersuchungsmethode. Durch diese Ultraschalluntersuchung des Herzens können Erkrankungen der Herzklappen und gegebenenfalls daraus resultierende Veränderung am Herzen festgestellt und klassifiziert werden. Ein EKG (Elektrokardiogramm) und das Röntgen der Brust können die kardiologische Diagnostik vervollständigen.

Stellt sich die Notwendigkeit einer Herzklappenoperation zur Behandlung der Aortenklappenstenose heraus, dient eine Herzkatheteruntersuchung der genaueren Feststellung von Schweregrad sowie möglicher Schädigung des Herzens und zur Ermittlung möglicher paralleler Verengungen in den Herzkranzgefäßen.

Komplikationen

Das Auftreten von Komplikationen, die durch eine Aortenklappenstenose verursacht werden können, hängt von den Ursachen der Klappenstenose und vom weiteren Verlauf der Erkrankung ab. Eine der häufigsten Komplikationen stellt sich ein, wenn an der verengten Stelle der Aortenklappe eine permanente Verwirbelung des Blutstroms entsteht. Die Verwirbelung kann die Ausbildung eines Thrombus (Blutgerinnsel) begünstigen.

Dies hat zur Folge, dass dieser sich mit dem arteriellen Blutstrom ins Gehirn verschleppt und dort zu einem Verschluss einer dünnen Arterie führen kann. Dies kann zur Mangelversorgung von der entsprechenden Arterie abhängigen Gehirnzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen führen. Der Sauerstoffmangel löst innerhalb sehr kurzer Zeit die irreversible Zerstörung der betroffenen Hirnzellen aus.

Es handelt sich um den klassischen Fall eines Schlaganfalls. Je nach Schweregrad der Aortenklappenstenose stellt sich ein mäßiger bis starker Leistungsverlust ein, der neben Kurzatmigkeit und Beklemmungsgefühlen im Brustraum auch der Auslöser eines typischen Linksherzschmerzes sein kann. Bei Belastung kann es zu vorübergehenden Schwindelanfällen kommen oder sogar zur Bewusstlosigkeit, die je nach Tätigkeit zu gefährlichen Situationen für sich selbst und für andere führen kann.

Falls die Aortenklappenstenose unbehandelt bleibt, können schwerwiegende Schäden an der linken Kammermuskulatur auftreten mit ungünstiger Prognose. In der Regel sind Aortenklappenstenosen behandelbar, so dass die drohenden Komplikationen der unbehandelten Stenose der Aortenklappe vermieden werden können.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Das persönliche Verhalten bei einer festgestellten Aortenklappenstenose sollte vom Schweregrad der Verengung der Herzklappe in der linken Herzkammer abhängig gemacht werden. Ebenso kann für die Entscheidung die Verursachung des Klappenfehlers eine Rolle spielen, falls dadurch eine bessere Prognose über den weiteren Verlauf der Krankheit gestellt werden kann. Bei einem festgestellten Schweregrad „leicht“ sind definitionsgemäß keine subjektiven Symptome erkennbar und deshalb treten auch keinerlei Leistungseinbußen auf. Ein weiterer Arztbesuch erübrigt sich zunächst, zumal es auch keinerlei Beschränkungen hinsichtlich der betriebenen Sportarten gibt.

Bei einem mittleren Schweregrad sind Belastungseinbußen spürbar, wenn körperliche Spitzenleistungen abverlangt werden. Dennoch sollte auf Sport oder sonstige körperliche Leistungen nicht gänzlich verzichtet werden. Geeignet sind Ausdauersportarten, bei denen keine unkontrollierbaren kurzzeitigen Höchstbelastungen auftreten wie es bei vielen Ballspielarten der Fall ist. Es empfiehlt sich, vorher ein Belastungs-EKG anfertigen zu lassen, um den Maximalpuls zu ermitteln, der während der sportlichen Aktivitäten nicht überschritten werden darf.

Das Belastungs-EKG kann ein Allgemeinarzt mit entsprechender Ausrüstung oder ein Kardiologe schreiben. Erst bei hochgradiger Klappenstenose werden die Symptome so stark, dass jegliche sportliche Betätigung kontraproduktiv und unmittelbar lebensbedrohend sein kann. Es sollte mit einem erfahrenen Kardiologen das Thema Ersatz der Aortenklappe durch eine biologische oder künstliche Klappe durchgesprochen und evtl. in Erwägung gezogen werden.

Behandlung & Therapie

Eine hochgradige Aortenklappenstenose wird durch einen operativen Eingriff, bei dem die defekte Klappe ersetzt wird, therapiert. Bei den Herzklappenprothesen werden zwei Arten unterschieden: biologische und künstliche Herzklappen.

Nach dem Einsatz von künstlichen (mechanischen) Herzklappen, die aus zwei metallischen Flügeln bestehen, ist eine lebenslange Blutverdünnung notwendig, die mit Medikamenten wie Falithrom® oder Marcumar® durchgeführt wird. Vorteil dieser Prothesen ist ihre nahezu unbegrenzte Haltbarkeit.

Biologische Klappen, die aus Geweben gefertigt werden, welche aus dem Herzbeutel von Schweinen oder Rindern stammt, besitzen etwa die gleiche Struktur wie natürliche Herzklappen. Eine lebenslange Blutverdünnung ist bei diesen nicht nötig, jedoch ergibt sich aus der kürzeren Haltbarkeit, die ca. zwischen 10 und 15 Jahren liegt, ein gewisser Nachteil.

Welcher Klappentyp bei einer Aortenklappenstenose letztendlich zum Einsatz kommt, wird zwischen Herzchirurg und Patient in Abhängigkeit von Faktoren wie dem Alter des Betroffenen, etwaiger Begleiterkrankungen, der Art der Herzklappenerkrankung und bestehendem Kinderwunsch abgestimmt. In seltenen Fällen werden bei einer Aortenklappenstenose auch gerüstlose Klappen, sogenannte Stentless-Klappen, eingesetzt.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose einer Aortenklappenstenose richtet sich nach dem Fortschritt der Erkrankung, dem frühstmöglichen Behandlungsbeginn sowie dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.

Bei einer Inanspruchnahme einer medizinischen Versorgung wird in einem operativen Eingriff die Aortenklappe ausgetauscht. Damit wird die vollständige Funktionsfähigkeit der Aortenklappe wiederhergestellt. Der Eingriff erfolgt routiniert und meist ohne weitere Komplikationen. Dennoch birgt er die normalen Risiken einer Operation unter Vollnarkose. Ein Erwachsener, der über eine gute Gesundheit verfügt und keinerlei weiterer Vorerkrankungen hat, kann im Normalfall innerhalb weniger Wochen oder Monate als geheilt entlassen werden. Es benötigt keine weiteren Eingriffe. Eine Umstellung der Lebensführung ist notwendig, um keine Überlastung oder Überanstrengung auszulösen. Zur Stärkung werden Medikamente gegeben, die eine Verbesserung der Gesundheit unterstützen sollen. Nachdem die Operationswunde verheilt ist, kann der Patient ein weitestgehend normales Leben ohne weitere Beeinträchtigungen führen. Ratsam sind dennoch regelmäßige Kontrolluntersuchungen.

Menschen mit Vorerkrankungen haben eine ungünstigere Prognose. Je nach Erkrankung kann der Heilungsweg verzögert sein. Darüber hinaus ist eine Funktionsstörung des Herzens möglich. Ohne eine ärztliche Versorgung steigt das Risiko einer schwerwiegenden Erkrankung mit Todesfolge. Die Durchblutung kann nicht gewährleistet werden und es kommt zu Störungen verschiedener Systeme sowie einem multiplen Organversagen. Ein Schlaganfall wäre die Folge.

Vorbeugung

Einer Aortenklappenstenose und der damit verbundenen Veränderungen der Aortenklappen im Alter kann kaum vorgebeugt werden. Zur Vermeidung von Komplikationen bei einer bakteriellen Endokarditis und bei rheumatischem Fieber ist eine rechtzeitige Erkennung und Therapie dieser Erkrankungen nötig. Rückfällen ist durch eine konsequente Gabe von Antibiotika vorzubeugen.

Das können Sie selbst tun

Empfehlenswerte Verhaltensweisen im Alltag und welche Selbsthilfemaßnahmen in Betracht kommen, hängt sehr stark vom Schweregrad (leicht, mittel, schwer) der Aortenklappenstenose ab und von der Ätiologie. Es ist keineswegs so, dass sich die totale Vermeidung von Kreislaufbelastungen und damit eine totale Abstinenz von sportlichen Aktivitäten günstig auf den Verlauf der Erkrankung auswirken.

Die Vermeidung jeglicher Belastung des Herz-Kreislaufs ist ausschließlich bei einer schwergradigen Aortenklappenstenose angezeigt. Bei Vorliegen einer leichtgradigen Klappenstenose, normalerweise symptomlos und nur durch geeignete Diagnosemöglichkeiten wie Ultraschall und EKG erkannt wird, besteht keinerlei Einschränkungen hinsichtlich sportlicher Aktivitäten.

Falls die Klappenstenose mittelgradig ist, sind Sportarten angesagt, die zwar mit ausdauernder Belastung verbunden sind, aber keine punktuellen Spitzenbelastungen abfordern. Sportarten wie Wandern in nicht-bergigem Gelände, Golfen in flachem Gelände, dosiertes Nordic Walking und leichte Gymnastik sind geeignet. Ballsportarten wie Fußball, Tennis oder Squash und viele Kampfsportarten sind weniger gut geeignet, weil sie mit unkontrollierbar auftretenden Spitzenbelastungen verknüpft sind.

Die zulässige individuelle Belastung lässt sich durch Kontrolle der Pulsfrequenz mittels Pulsfrequenzuhr steuern. Die maximal zulässige Pulsfrequenz sollte vorher in einem Belastungs-EKG festgestellt werden. Über die Einhaltung des Maximalpulses hinaus, müssen auch Warnsignale wie Atemnot, Schmerzen im Brustbereich, auftretende Übelkeit und andere Symptome beachtet werden, die während der Ausübung des Sports auftreten können.

Bücher über Herzerkrankungen

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Greten, H., Rinninger, F., Greten, T. (Hrsg.): Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2010
  • Schiebler T., Schmidt W., Zilles, K.: Anatomie. Steinkopff-Verlag, Heidelberg 2007

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