Antifibrinolytika

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Juni 2017
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Unter dem Begriff Antifibrinolytika werden in der Pharmakologie und Humanmedizin verschiedene Wirkstoffe zusammengefasst, die zu einer Auflösung von Fibrin führen. Hierdurch hindern Antifibrinolytika die Entstehung von Blutungen, weswegen sie auch als Blutungs- oder Plasminhemmer bezeichnet werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Antifibrinolytika?

Die Wirkstoffklasse der Antifibrinolytika setzt sich aus den Wirkstoffen Tranexamsäure und Aprotinin zusammen. Während letzteres einen Plasminhemmer darstellt, gilt ersteres als Aminosäure. Beiden gemein ist, dass sie zu einer Hemmung von Blutungen führen. Antifibrinolytika gelten deshalb auch als Plasminhemmer oder Blutungsstopper. Sie bewirken eine Inhibition von Fibrin, sodass es zu einer verstärkten Blutgerinnung kommt. Zu den bekanntesten Antifibrinolytika zählen die Präparate Cyklokapron® und Trasylol®.

Antifibrinolytika werden typischerweise oral eingenommen. Eine intravenöse Vergabe ist auch möglich. Sie unterliegen der Apotheken- und Verschreibungspflicht, sind also nur aufgrund vorheriger ärztlicher Verordnung in einer lizensierten Apotheke erhältlich.

Pharmakologische Wirkung auf Körper & Organe

Der Wirkmechanismus sämtlicher Antifibrinolytika beruht auf einer Beeinflussung des körpereigenen Fibrin. Hierbei handelt es sich um das aktivierte, vernetzte Protein, das für die plasmatische Gerinnung des menschlichen Blutes verantwortlich ist.

Antifibrinolytika verursachen nach der Einnahme eine Hemmung von Plasmin. Hierbei handelt es sich um den für die Auflösung von Fibrin verantwortlichen Stoff. Durch die geringere Auflösung von Fibrin steigt der Gehalt des Proteins im Blut. Hierdurch wird ein Blutverlust vermindert. Antifibrinolytika gelingt es damit, eine Fibrinolyse auf pharmakologischem Wege zu unterdrücken.

Medizinische Anwendung & Verwendung zur Behandlung & Vorbeugung

Antifibrinolytika können sowohl zu therapeutischen Zwecken als auch im Rahmen einer Prophylaxe präventiv verwendet werden. Sinn und Zweck der Vergabe ist dabei stets, Blutungen, die sich als Folge einer Hyperfibrinolyse ereignen, zu behandeln. Eine Hyperfibrinolyse liegt vor, wenn die enzymatische Spaltung des körpereigenen Proteins Fibrin (Fibrinolyse) pathogen erhöht ist.

Einige Antifibrinolytika wie z. B. Tranexamsäure sind auch zum Einsatz als Antidot geeignet. Als Antidot gelten solche Stoffe, die die Wirkungen einer toxischen Substanz inaktivieren oder deren Wirkungen zumindest herabsetzen bzw. mildern. Das Einsatzgebiet als Antidot bleibt jedoch auf das Behandeln von Blutungen, die während einer fibrinolytischen Therapie auftreten, beschränkt.

Antifibrinolytika kommen aber auch im Rahmen der Geburtshilfe zum Einsatz. Hier sollen sie die Gerinnung bei postpartalen Blutungen verbessern. Darüber hinaus besteht auch eine Indikation bei zahnmedizinischen Eingriffen und chirurgischen Maßnahmen mit gesteigertem Blutungsrisiko (z. B. bei Operationen der Prostata oder des Gastrointestinaltrakts). In diesen Fällen werden Antifibrinolytika als Prophylaxemittel verabreicht.

Weitere Anwendungsfelder der Antifibrinolytika stellen anhaltendes Nasenbluten, hereditäre angioneurotische Ödeme, Fibrinogen-Gaben sowie besonders ausgeprägte Menstruationsblutungen (Hypermenorrhö) dar.

Antifibrinolytika können sowohl intravenös als auch oral (als Brause- oder Filmtabletten) verabreicht bzw. eingenommen werden. Sämtliche Vertreter dieser Wirkstoffklasse unterliegen der Apotheken- und Verschreibungspflicht.

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Risiken & Nebenwirkungen

Antifibrinolytika können – wie andere medizinisch aktive Stoffe auch – nach der Einnahme zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Zunächst ist zu prüfen, ob eine Allergie gegen Antifibrinolytika bekannt ist. Ist dies der Fall, so hat die Einnahme zwingend zu unterbleiben, da eine Kontraindikation besteht. Hiermit wird beschrieben, dass eine medizinische Gegenanzeige vorliegt, welche die Behandlung aus ärztlicher Sicht untersagt.

Eine Kontraindikation besteht zudem während der Stillzeit, da Antifibrinolytika in die Muttermilch gelangen können. Auch Patienten, die an einer Thrombose leiden oder einem erhöhten Thromboserisiko unterliegen, dürfen keine Antifibrinolytika einnehmen. Während einer Schwangerschaft ist eine umfassende Risikoabwägung durch den Arzt durchzuführen.

Zu den üblichen Nebenwirkungen gehören Reaktionen der Haut (Juckreize, Ausschläge, Rötungen), Vorhofflimmern und Sehstörungen. Für Patienten, die an einem Thromboserisiko leiden, besteht zudem die Gefahr eines Schlaganfalls, eines Herzinfarkts oder einer Lungenembolie.

Wenn Antifibrinolytika zur Behandlung von Harnblutungen eingesetzt werden, können sich zudem Koagel bilden, die zu weiteren Gefahren führen können. Im Voraus der Einnahme ist deshalb eine umfassende Chancen-Risiko-Abwägung durchzuführen, da eine Gegenanzeige bestehen kann.

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