Antibiotikaassoziierte Kolitis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. Oktober 2017
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Eine antibiotikaassoziierte Kolitis ist eine durch das Bakterium Clostridium difficile hervorgerufene schwere Kolitis, die im Anschluss an eine Antibiotikabehandlung auftritt. Ursache dafür ist die Schädigung der Darmflora. Unter Umständen können fulminante Verläufe der Erkrankung mit tödlichem Ausgang auftreten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine antibiotikaassoziierte Kolitis?

Nach einer Antibiotikabehandlung kann es zu einer schweren antibiotikaassoziierten Kolitis kommen, wenn die Darmflora dabei stark geschädigt wird. In der Folge vermehrt sich das überall vorkommende Bakterium Clostridium difficile im Darm, weil die konkurrierenden und lebensnotwendigen Bakterienstämme der gesunden Darmflora reduziert wurden. Die antibiotikaassoziierte Kolitis wird auch als pseudomembranöse Kolitis bezeichnet.

Noch vier Wochen nach Absetzen einer Antibiotikabehandlung kann die Erkrankung ausbrechen. Allerdings werden nicht alle Durchfälle nach dieser Behandlung durch Clostridium difficile ausgelöst. Oft kommt es während oder im Anschluss an eine Behandlung mit Antibiotika zu einer Diarrhö, welche aber meist sehr mild verläuft. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl der Fälle um eine funktionelle sich selbst limitierende Diarrhö, die durch eine leichte Störung der Darmflora ausgelöst wird.

In 10 bis 20 Prozent der Fälle tritt jedoch eine pseudomembranöse Kolitis durch Clostridium difficile auf und in sehr seltenen Fällen entwickelt sich eine sehr schwer verlaufende antibiotikaassoziierte hämorrhagische Kolitis. Die antibiotikaassoziierte hämorrhagische Kolitis wird wiederum durch einen anderen Bakterienstamm, der Klebsiella oxytoca, ausgelöst. Wenn jedoch von antibiotikaassoziierter Kolitis gesprochen wird, ist in der Regel die pseudomembranöse Kolitis durch Clostridium difficile gemeint.

Ursachen

Ursache für die Entwicklung einer antibiotikaassoziierten Kolitis ist, wie bereits erwähnt, die Infektion des Darms mit dem Bakterium Clostridium difficile nach einer Antibiotikabehandlung. Wenn dabei die gesunde Darmflora zerstört wird, können sich ideale Wachstumsbedingungen für dieses Bakterium ergeben. Clostridium difficile ist kein notwendiger Bestandteil der physiologischen Darmflora, tritt aber bei Erwachsenen in drei bis sieben Prozent und bei Neugeborenen in bis zu 50 Prozent der Fälle auf.

In Kombination mit der normalen Darmflora kommt es jedoch nicht zu Erkrankungen. Wird die gesunde Flora des Darms zerstört, verursacht Clostridium difficile bei einigen Patienten schwere Darmentzündungen. Der Grund für den schweren Verlauf der Erkrankung ist in der Tatsache zu suchen, dass Clostridium difficile starke Toxine entwickelt, welche zu schweren Entzündungsprozessen in der Darmschleimhaut führen.

Das Bakterium sondert die zwei Gifte Toxin A und Toxin B ab. Unter der Wirkung dieser Giftstoffe kommt es im Darm zu explosiven Fibrinausschwitzungen, die bei der Darmspiegelung wie Katzenköpfe erscheinen. Die Toxine der Bakterien werden bei dessen Zerstörung während der Immunreaktion freigesetzt. Gegen die Gifte kommt es nun wiederholt zu Immunreaktionen. Dadurch sind die schweren Verläufe der Erkrankung erklärbar.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Hauptsymptome der antibiotikaassoziierten Kolitis sind schwere Durchfälle und Bauchkrämpfe. Es kann zu lebensbedrohenden Komplikationen kommen, die unter Umständen zu einem toxischen Megakolon und Organversagen führen. Die Ausprägung der Erkrankung ist jedoch auch davon abhängig, wie toxisch das ausgeschiedene Gift des Bakteriums ist. Durch ständige genetische Veränderungen können sich sowohl sehr virulente als auch weniger gefährliche Stämme entwickeln.

Sollte es zur Infektion mit stark toxischen Stämmen kommen, treten häufig sehr fulminante Krankheitsverläufe auf, die innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen können. Neben dem septischen Verlauf durch SIRS (Systemic Inflammatory Response Syndrome) mit Megakolon und allgemeinem Organversagen kann auch der drastische Flüssigkeitsverlust durch die schweren Durchfälle den tödlichen Ausgang der Kolitis verursachen. In anderen Fällen sind die Verläufe mild bis sogar asymptomatisch.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die antibiotikaassoziierte Kolitis kann eindeutig durch den Nachweis des Erregers und seiner Toxine im Stuhl diagnostiziert werden. Hinweise auf die Erkrankung ergeben sich während der Anamnese aus dem zeitlichen Zusammenhang von Antibiotikabehandlung und schwerer Kolitis. Ein deutlicher Hinweis liegt vor, wenn die Diarrhöen innerhalb von vier Wochen nach der Therapie auftreten. Die Leukozytenzahl kann sehr hohe Werte erreichen.

In den bildgebenden Verfahren wie Ultraschall oder Computertomografie wird eine lang gestreckte Darmverdickung des Dickdarms sichtbar. Bei Darmspiegelungen werden grünliche Fibrinbeläge entdeckt, die fleckig bis flächenhaft erscheinen.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es bei dieser Krankheit zu starken Beschwerden der Magengegend. Der Betroffene leidet dabei an sehr starken und häufigen Durchfällen und an Schmerzen im Buch und Magen. Die Lebensqualität wird dadurch verringert und gewöhnliche Aktivitäten sind für den Patienten kaum mehr möglich.

Im schlimmsten Falle kann es dabei zu einem Organversagen kommen, welches allerdings relativ selten auftritt. Weiterhin hängen die Komplikationen stark vom Gift des Bakteriums ab, weswegen keine allgemeine Voraussage möglich ist. Durch den Durchfall kann es zu einem starken Flüssigkeitsverlust kommen.

Die Behandlung erfolgt in erster Linie durch den Ersatz des Antibiotikums. Dabei treten keine weiteren Komplikationen auf und der Krankheitsverlauf verbessert sich. Ebenso erhält der Patient Infusionen und viel Flüssigkeit, um der Dehydrierung entgegenzuwirken. Meistens kann die Krankheit gut behandelt werden, sodass der Betroffene danach wieder vollständig gesund ist.

In schwerwiegenden Fällen oder bei einem späten Eintritt der Behandlung kann es aufgrund der Organschädigungen zum Tode kommen. Die Lebenserwartung wird bei einer frühzeitigen Behandlung nicht beeinflusst. Weitere Komplikationen oder Einschränkungen treten nicht mehr auf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Im schlimmsten Fall kann es bei dieser Erkrankung zum Tod des Betroffenen kommen. Daher sollte immer ein Arzt aufgesucht werden, wenn die Symptome und Beschwerden dieser Krankheit auftreten. In der Regel leiden die Betroffenen dabei an sehr schweren und schmerzhaften Krämpfen im Bauch und ebenso an Durchfall. Sollten diese Beschwerden ohne einen besonderen Grund auftreten, so muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Leider sind die Beschwerden nicht besonders charakteristisch, sodass die Krankheit nicht selten mit einer gewöhnlichen Magen-Darm-Grippe verwechselt wird.

Ein Arzt muss auf jeden Fall dann kontaktiert werden, wenn die Schmerzen sehr stark sind und die Betroffenen möglicherweise auch das Bewusstsein verlieren. Ebenso kann es zu inneren Schmerzen an den Organen kommen. In akuten Notfällen sollte immer ein Krankenhaus aufgesucht oder der Notarzt gerufen werden, damit es nicht zu weiteren Komplikationen kommt. Eine erste Untersuchung bei leichten Beschwerden kann allerdings auch durch den Allgemeinarzt erfolgen. In der Regel kann diese Erkrankung mit Hilfe von Antibiotika relativ gut behandelt werden, sodass es nicht zu besonderen Komplikationen kommt. Dafür ist allerdings eine frühzeitige Diagnose notwendig.

Therapie & Behandlung

Zur Behandlung der antibiotikaassoziierten Kolitis wird als erste Maßnahme die Behandlung mit dem auslösenden Antibiotikum ausgesetzt. Die häufigsten auslösenden Antibiotika für die pseudomembranöse Kolitis sind Clindamycin, Aminopenicilline, Cephalosporine und Gyrasehemmer der 3. und 4. Generation. Diese Antibiotika werden durch Metronidazol oder bei sehr schweren Fällen durch Vancomyzin ersetzt.

Parallel dazu wird natürlich durch orale Gabe oder Infusionen der Wasser- und Elektrolythaushalt ausgeglichen. Nach der Behandlung kommt es in rund 20 Prozent der Fälle zu Rezidiven. Diese sind entweder durch Neuinfektionen mit oder die unzureichende Bekämpfung von Clostridium difficile zurückzuführen. Nach dem ersten Rückfall wird nochmals mit Metronidazol oder Vancomyzin behandelt. Sollte es jedoch zu einem weiteren Rezidiv kommen, werden die Medikamente über eine längere Zeit (sieben Wochen) in ausschleichender Dosierung verabreicht.

Neuerdings ist auch Fidaxomicin als Medikament gegen Clostridium difficile zugelassen. Eine weitere Maßnahme zur Verhinderung von Rezidiven stellt die Wiederherstellung der physiologischen Darmflora durch eine Stuhltransplantation dar. Dabei wird der Stuhl einer gesunden Spenderperson in physiologischer Kochsalzlösung verrührt und mithilfe eines Einlaufes in den Darm des Patienten übertragen.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose einer antibiotikaassoziierten Kolitis ist abhängig von der Stärke des Immunsystems und den ergriffenen Maßnahmen zum Aufbau der vorhandenen Abwehrkräfte.

In schweren Fällen kann die Erkrankung einen tödlichen Verlauf nehmen, da es zu einem inneren Zusammenbruch kommt. Die Aussichten auf eine Linderung der Beschwerden sinken bei Menschen in einem hohen Alter, kleinen Kindern und bei bestehenden verschiedenen Vorerkrankungen. Diese haben den Organismus bereits geschwächt und natürliche Ressourcen der Gegenwehr in Anspruch genommen, die nun nicht mehr zur Verfügung stehen.

Erwachsene mit einem intakten und stabilen Immunsystem haben gute Heilungschancen. Bei einer optimalen Lebensführung, gesunden Ernährung, ausreichender Bewegung und der Nutzung von Aufbaupräparaten zur Stärkung des körpereigenen Abwehrsystems, ist eine Genesung innerhalb weniger Tage oder Wochen möglich. Ist die Darmflora vor der Einnahme der Antibiotika grundsätzlich intakt, kommt es selten zu weiteren Komplikationen oder Verzögerungen der Heilung.

Bestehen bereits Vorerkrankungen, ist die Darmtätigkeit beeinträchtigt oder das Immunsystem geschwächt. Verzögerungen der Heilung sind möglich und sehr wahrscheinlich. Wird der Organismus schädigenden Substanzen oder Keimen ausgesetzt, kann ein sofortiger Befall von Krankheitserregern stattfinden, der weitreichende Folgen hat. Die Prognoseaussichten sind in diesen Fällen als ungünstig einzustufen. Organversagen droht und die Risiken für dauerhaften Leiden oder einer Lebensbedrohung steigen immens an.

Vorbeugung

Da die meisten Fälle von antibiotikaassoziierter Kolitis in Krankenhäusern auftreten, sind zu ihrer Prophylaxe krankenhaushygienische Maßnahmen notwendig. Dazu gehören häufiges Händewaschen und Desinfizieren sowie Quarantänemaßnahmen für betroffene Patienten.

Das können Sie selbst tun

Eine antibiotikaassoziierte Kolitis lässt sich vom Betroffenen nicht nennenswert positiv beeinflussen. Lediglich der Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt kann von Erkrankten, bei denen die Krankheit einen vergleichsweise milden Verlauf annimmt, ausgeglichen werden. Ausreichende Ruhe und das Abführen von Ausscheidungen bei Bedarf müssen forciert werden.

Eine nennenswerte alternative Therapiemaßnahme ist die Stuhltransplantation. In schwerwiegenden und wiederkehrenden Fällen der antibiotikaassoziierten Kolitis kann eine Stuhlspende häufig Linderung verschaffen. Der Ansatz ist dieser, dass davon ausgegangen wird, dass eine Besiedelung eines Darms mit einer gesunden Darmflora auch hier wieder zur Bildung einer wünschenswerten Darmflora führt. Diese Therapie ist unkompliziert und äußerst erfolgreich. Sie besteht im wesentlichen darin, dass der Spenderstuhl mit Kochsalzlösung versetzt und püriert wird. Er kann über einen Einlauf, eine Magensonde oder über Kapseln in den Körper gelangen.

Etwaige andere Maßnahmen, die die Darmflora vermeintlich sanieren sollen, sind nicht oder nur sehr begrenzt wirksam. So ist das Einnahmen von Probiotika und anderen Mitteln zumeist sinnlos. Darmreinigungen und ähnliche Prozeduren - insbesondere solche, bei welche eine Substanz in den Darm gebracht wird - sollten auf keinen Fall angewendet werden, um das angegriffene Dickdarmgewebe nicht weiter zu gefährden.

Eine gute Körperhygiene kann der Wiederinfektion durch Verschleppen der Clostridium difficile nach Ausheilung vorbeugen.

Bücher über Durchfall

Dr. Nonnenmacher zum Thema Durchfall

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Hof, H., Dörries, R.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012

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