Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 30. März 2017
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Bei einer Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis handelt es sich um eine Entzündung des Gehirns. Der medizinische Fachterminus für Gehirnentzündung lautet Enzephalitis. Da bei dieser speziellen Form der Entzündung Antikörper gegen den NMDA-Rezeptor vorhanden sind, spricht man von einer Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis?

Die Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis ist erst vor wenigen Jahren als Krankheit klassifiziert worden. Gemeinsam mit diversen anderen infektiösen Krankheiten des Gehirns, die bisher weitgehend unerkannt waren, wird die Erkrankung seit 2000 vermehrt erforscht. Jedoch liegen aktuell noch kaum gesicherte Daten in Bezug auf die Häufigkeit der Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis vor.

Mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit lässt sich jedoch feststellen, dass circa 80 Prozent aller Patienten weiblichen Geschlechts sind. Dabei liegt das durchschnittliche Alter, in dem die Erkrankung auftritt, bei 23 Jahren. Das Altersspektrum der Patienten erstreckt sich dabei von 22 Monaten bis 79 Jahren.

Bemerkenswert ist zudem, dass nicht nur Menschen an der Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis erkranken können, sondern auch andere Säugetiere. Eisbär Knut aus dem Berliner Zoo starb ebenfalls an einer Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis.

Ursachen

Die für die Entstehung einer Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis verantwortlichen Ursachen sind bisher noch nicht in ausreichendem Maß erforscht. Anhand der derzeitigen Kenntnisse ist jedoch zu vermuten, dass spezielle genetische Faktoren Einfluss auf die Erkrankung nehmen. Denn bei Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit.

Die medizinische Forschung zeigt, dass Autoimmunerkrankungen in den meisten Fällen eine genetische Komponente aufweisen. Für dieses Argument spricht auch der enorme Unterschied in der Häufigkeit der Erkrankung bei Frauen und Männern. Auch muss in Betracht gezogen werden, dass bestimmte Entzündungen Entstehung und Ausbruch der Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis fördern.

Denn ein großer Teil der Betroffenen leidet zu Beginn der Krankheit an Infekten. Jedoch handelt es sich bei der Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis nicht um eine Infektionskrankheit. Vor allem ist die Krankheit nicht auf andere Personen übertragbar, wie etwa bei viralen Infektionen. Da die Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis eine Autoimmunerkrankung ist, bildet der Organismus Antikörper gegen den sogenannten NMDA-Rezeptor im Gehirn.

Dabei handelt es sich um ein Eiweiß, das bedeutsam für die Übertragung von Signalen im Gehirn ist. Zudem leiden etwa 60 Prozent der erwachsenen Betroffenen an einem Eierstocktumor, der in Zusammenhang mit der Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis steht. Bei anderen Erkrankten wiederum zeigen sich keine Grunderkrankungen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis kündigt sich in einer Vielzahl der Fälle mit grippeartigen Symptomen an. Auch klagen die Patienten über Schlaf- und Appetitlosigkeit sowie Verwirrtheitszustände. Hinzu kommen häufig psychische Symptome in Form von Angst und bizarren Verhaltensweisen bis hin zu Wahnzuständen und Halluzinationen.

Aus diesem Grund begibt sich ein Großteil der Erkrankten zuerst in psychiatrische Therapie. Im Verlauf einiger Wochen treten oftmals epileptische Anfälle und Bewusstseinsstörungen auf. Weitere potenzielle Symptome einer Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis sind Schluckstörungen und unfreiwillige Bewegungen bis hin zu Bewegungsunfähigkeit.

Auch Herzrhythmusstörungen, Beeinträchtigungen der Atmung sowie Schwankungen von Blutdruck und Körpertemperatur sind möglich. Beobachtungen deuten darauf hin, dass die Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis bei älteren Kindern zu autismusähnlichen Symptomen führen kann.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur sicheren Diagnose der Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis steht eine Reihe von untersuchungstechnischen Methoden zur Auswahl. Der behandelnde Facharzt entscheidet je nach Einzelfall über das diagnostische Vorgehen. Bisher wurden bei sämtlichen Patienten Immunglobuline aus der Klasse G gefunden. Bei 30 Prozent der Erkrankten ließen sich zudem Immunglobuline aus der Klasse A nachweisen.

Aktuell erfolgt die Durchführung dieser Tests weltweit noch nicht einheitlich. Aufgrund verschiedener Labormethoden ist es möglich, dass eine Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis übersehen wird, selbst wenn die Betroffenen entsprechende Symptome zeigen. Der Verdacht auf das Vorliegen einer Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis stützt sich meist auf das klinische Syndrom.

Auch eine erhöhte Anzahl an Zellen in der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit weist auf die Erkrankung hin. Der Nachweis von körpereigenen Abwehrstoffen gegen die NMDA-Rezeptoren sowohl im Serum als auch im Liquor erhärtet die Diagnose. Außerdem zeigen zahlreiche Patienten Veränderungen beim EEG. Circa die Hälfte der Personen weist zudem Veränderungen im Gehirn auf, die mittels Magnetresonanztomographie sichtbar sind.

Behandlung & Therapie

Im Verlauf einer Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis ist meist der Einsatz von Psychopharmaka notwendig. Ziel dieser medikamentösen Behandlung ist die Beruhigung der Patienten und die Reduzierung von Angst und psychotischen Symptomen. Darüber hinaus wird versucht, mit Hilfe von immunsuppressiven Arnzeimitteln die fehlerhaften Abwehrreaktionen des Organismus zu unterbinden.

Dabei kommen in den meisten Fällen intravenöse Immunglobuline sowie Glucocorticoide zur Anwendung. Leidet ein Patient an einem Tumor, ist dessen Entfernung nötig. Die Prognose einer Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis ist überwiegend positiv. Circa 75 Prozent der Erkrankten können geheilt werden oder tragen lediglich leichte neurologische Schäden von der Krankheit. Ungefähr 21 Prozent tragen schwere neurologische Beeinträchtigungen von der Krankheit.

Etwa vier Prozent der Betroffenen sterben an der Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis. Grundsätzlich ist die Prognose besser bei Personen, die an einem Tumor leiden, der schließlich entfernt wird. Wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt und therapiert wird, stehen die Chancen für eine vollständige Heilung sehr gut.

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Vorbeugung

Da die Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis noch nicht ausreichend erforscht ist, sind bisher auch keine gesicherten Aussagen über Maßnahmen zur Prävention der Erkrankung möglich. Da es sich um eine Autoimmunkrankheit mit genetischer Komponente handelt, ist davon auszugehen, dass präventive Maßnahmen mit Ausnahme von Vorsorgeuntersuchungen womöglich gar nicht bestehen.

Bücher über Gehirnentzündung (Enzephalitis)

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Greten, H., Rinninger, F., Greten, T. (Hrsg.): Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2010
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013

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