Anterograde Amnesie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 11. Oktober 2016
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Eine anterograde Amnesie ist dadurch gekennzeichnet, dass die Speicherfähigkeit beziehungsweise Merkfähigkeit für neue Ereignisse ab dem Zeitpunkt der Erkrankung oder der Hirnverletzung vollkommen aussetzt oder zumindest sehr stark vermindert ist. Eine anterograde Amnesie wird entweder durch Läsionen an bestimmten Hirnregionen verursacht oder durch degenerative Prozesse der Neuronen in bestimmten Hirnregionen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist anterograde Amnesie?

Bei der anterograden Amnesie handelt es sich im engeren Wortsinn um eine Gedächtnisstörung für neue speicherwürdige Ereignisse ab dem Zeitpunkt der verursachenden Erkrankung oder Verletzung. Das bedeutet, dass Ereignisse, die zeitlich nach dem Eintritt der anterograden Amnesie auch nicht mehr retrograd, also in der Vergangenheit liegend, memoriert werden können.

Die bekanntesten Krankheiten, die allmählich oder progressiv zur anterograden Amnesie führen, sind alle Formen von Demenzerkrankungen wie beispielsweise Morbus Alzheimer. In der Regel können neue speicherwürdige Ereignisse nur noch für wenige Sekunden bis wenige Minuten abrufbar gespeichert werden.

Die Amnesie betrifft in erster Linie das episodische Gedächtnis, in dem alle verfügbaren Sinneseindrücke eines Ereignisses zusammen abgespeichert werden. Das motorische Gedächtnis, in dem die Fähigkeiten zu komplexen Bewegungen wie aufrechtes Gehen gespeichert und unbewusst abgerufen werden können, sind häufig von der Amnesie zunächst nicht betroffen.

Ursachen

Drei verschiedene Ursachenkomplexe können eine anterograde oder retrograde Amnesie auslösen. Der erste Ursachenkomplex betrifft neurodegenerative Krankheitsprozesse, in deren Verlauf es durch Abbauprozesse zu Schädigungen bestimmter Nervenareale im Gehirn kommt, die immer mit Funktionseinschränkungen oder sogar totalem Funktionsverlust verbunden sind.

Die Funktionseinschränkungen äußern sich nicht nur durch eine anterograde Amnesie, sondern auch immer durch Demenzerscheinungen. Eine der bekanntesten neurodegenerativen Krankheiten ist Morbus Alzheimer. Auch Hirnhautentzündungen (Meningitis) und Entzündungen der Nervenzellen im Gehirn (Enzephalitis) können die Ursache für eine Amnesie sein.

Der zweite Ursachenkomplex betrifft Läsionen, die bei Kopfverletzungen oder Schlaganfällen bestimmte Hirnregionen betreffen und zu einem irreversiblen Totalausfall des episodischen Gedächtnisses führen können. Eine anterograde Amnesie ist meist mit einer Läsion der beiden Hippocampi verbunden. Es handelt sich um Hirnstrukturen, die sich in den beiden Schläfenlappen befinden. Allerdings sind auch einige Kerne im Zwischenhirn (Diencephalon) für das Speichern und Abrufen von Erinnerungen wichtig.

Wenn sie beispielsweise durch einen Schlaganfall funktionsbeeinträchtigt sind, kann sich eine anterograde Amnesie einstellen obwohl der Speicherort für Gedächtnisinhalte nicht betroffen ist. Ein dritter Ursachenkomplex für Amnesien sind starke psychische Erlebnisse, die zu einer zeitweisen oder anhaltenden Amnesie führen können.

Eine Sonderrolle nehmen Nervengifte (Neurotoxine) ein, die je nach Art und Dosis ein weites Spektrum von reversiblen oder irreversiblen Schäden der Hirnnerven verursachen können. Teilweise werden Nervengifte sogar medizinisch genutzt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ein Verdacht auf Vorliegen einer anterograden Amnesie äußert sich meist dadurch, dass neu eingetretene Ereignisse oder bestimmte, häufig genutzte Wörter und Begriffe nicht mehr erinnert werden. Wichtig für eine erste Beurteilung ist ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt (Anamnese), an dem bei Bedarf auch ein Angehöriger teilnehmen sollte. Es stehen einfache standardisierte Gedächtnistests zur Quantifizierung der eventuell vorliegenden anterograden Amnesie zur Verfügung.

Im positiven Fall sollte während der Anamnese nach Möglichkeit abgeklärt werden, ob sich der anterograde Gedächtnisverlust plötzlich nach einem bestimmten Ereignis eingestellt hat oder ob es sich um einen allmählichen Verlauf handelt. Eine fundierte Anamnese führt zu ersten Verdachtsmomenten auf eine mögliche Verursachung der Amnesie. Es können sich dann Blutuntersuchungen anschließen, die auf mögliche Erreger einer Enzephalitis oder Meningitis hindeuten oder auf mögliche Intoxikationen.

Zur Abklärung der Durchblutungssituation im Gehirn kann die Single-Photon-Emissions-Computertomografie (SPECT) Erkenntnisse liefern. Zusammen mit der Messung der Hirnströme (EEG) können sich Hinweise auf Epilepsie oder Morbus Alzheimer ergeben. Weitere bildgebende Verfahren wie die Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (MRT) erlauben Rückschlüsse auf das Vorliegen von Einblutungen, Tumoren oder anderen Verletzungen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer anterograden Amnesie zielt in erster Linie auf die Heilung oder Besserung der verursachenden Grunderkrankung ab. Beispielsweise müssen im Falle einer Meningitis oder Enzephalitis die Erreger, meist Viren, bekämpft werden. Im positiven Fall kann sich dann eine anterograde Amnesie wieder verbessern oder der progressive Verlauf zumindest gestoppt werden.

Bei Vorliegen von Gehirneinblutungen oder bei erkennbaren Tumoren besteht das erste Therapieziel in der Verringerung des mechanischen Drucks auf das umliegende Nervengewebe durch Beseitigung der Einblutung und durch Beseitigung des Tumors. Durch physische Entlastung des Nervengewebes kann auch hier eine anterograde Amnesie in ihrem progressiven Verlauf gestoppt und möglicherweise sogar wieder verbessert werden.

Im Falle neurodegenerativer Erkrankungen wie Morbus Alzheimer kommen meist medikamentöse Therapien zum Einsatz, die den progressiven Verlauf der Krankheit verlangsamen. Bei Vorliegen von Läsionen im Gehirn durch Unfall oder bei Ausfall bestimmter Nervenareale wegen eines Schlaganfalls, ist eine Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit in der Regel nicht gegeben. Da es sich in diesen Fällen um singuläre Ereignisse handelt, zeigt die eingetretene Funktionsminderung meist einen statischen Verlauf.

Etwaige Therapien zielen darauf ab, die Funktionsminderung möglichst durch Aktivierung und Training anderer Hirnareale zu kompensieren, so dass insgesamt eine Besserung erfolgt. In vielen Fällen wirken sich auch Entspannungstraining, Stressreduzierung, autogenes Training und Übungen zur Muskelentspannung positiv auf anterograde Amnesien aus.

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Vorbeugung

Die wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen zur Vermeidung einer anterograden Amnesie bestehen in einer gesunden Lebensführung, in der sich Stressphasen mit Entspannungsphasen abwechseln können, so dass ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Aktivierungsgrad des sympathischen und des parasympathischen Nervensystems besteht.

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