Anpassungsstörung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. September 2017
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Bei der Anpassungsstörung handelt es sich um eine psychische Erkrankung, bei welcher der Betroffene nach einer entscheidenden Lebensveränderung, beispielsweise einem Arbeitsplatzwechsel, Umzug, einer Rente etc. oder nach belastenden Lebensereignissen wie einem Trauerfall, Unfall, Scheidung oder ähnlichem mit verschiedenen psychischen Symptomen reagiert.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Anpassungsstörung?

Eine Anpassungsstörung bedeutet, dass der Betroffene auf ein belastendes Lebensereignis reagiert. Dies kann sich in einer negativen Veränderung seines Gemütszustandes oder in einem gestörten, zwischenmenschlichen Verhalten ausdrücken. Die Störung tritt auf, wenn er sich über einen längeren Zeitraum an die neu eingetretene schwierige Situation nicht anpassen kann, da er nicht in der Lage ist, es psychisch oder physisch zu akzeptieren.

Charakteristisch ist, dass er sich subjektiv bedrängt und emotional beeinträchtigt fühlt. Die sozialen Beziehungen sowie die Leistungsfähigkeit sind bei einer Anpassungsstörung eingeschränkt. Dies kann für den Betroffenen zu einem hohen Leidensdruck führen.

Ursachen

Menschen können sich normalerweise an veränderte Situationen oder Ereignisse anpassen. Anders bei einer Anpassungsstörung, von der alle Altersgruppen betroffen sein können, denn hier ist der Betroffene dazu nicht in der Lage. Es treten psychische Symptome auf, für die es vielfältige Gründe als Ursache gibt, beispielsweise wenn die aufgetretenen Veränderungen zu stark belastend sind oder gleichzeitig mehrere Veränderungen auftreten, die zu einer psychischen Überforderung führen.

Manchmal verfügt der Betroffene auch nicht über ausreichende Strategien zur Bewältigung. Auslösende Stressfaktoren können zum Beispiel länger anhaltende Konflikte im privaten oder beruflichen Umfeld, Erkrankungen, Todesfälle, finanzielle Probleme, ein Umzug, die Geburt eines Kindes und vieles mehr sein. Es kann sich um nahezu jedes mögliche belastende Ereignis, das im Leben auftreten kann, handeln. Dazu gehören negative, aber auch positive Situationen.

Dabei spielt es keine Rolle, wie hart das eingetretene Ereignis ist, sondern wie die Belastung subjektiv empfunden wird, wie viele schwierige Ereignisse es vielleicht bereits im Vorfeld gab, wie belastbar der Betroffene ist und es ihm gelingt, die Situation zu bewältigen. Davon hängt ab, ob es zu einer Anpassungsstörung kommt und welcher Schweregrad daraus resultiert. Das Risiko, dass eine Anpassungsstörung entsteht, kann auch höher sein, wenn der Betroffene in der frühen Kindheit Stress erlebt hat. Die Anpassungsstörung hält meist maximal sechs Monate lang an.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome können bei der Anpassungsstörung vielfältig sein und sich beispielsweise in der Art einer depressiven Verstimmung äußern. Auch Ängste, Sorgen, Ärger, Verbitterung, eine Unruhe, Traurigkeit, Verzweiflung, emotionale Verwirrtheit, ein Stimmungseinbruch und Schlafprobleme sind typische Beschwerden.

Der Betroffene hat häufig das Gefühl, dass er mit den Gegebenheiten des Alltags nicht mehr zurechtkommt und diese nicht fortsetzen kann, da er glaubt, dass er den alltäglichen Aufgaben nicht mehr gewachsen ist. Auch Gefühle einer Isolation und Bedrängnis können sich bei einer Anpassungsstörung einstellen. Ein Desinteresse, Probleme mit der Konzentration sowie der zunehmende Verlust der Lebensfreude können dazu führen, dass das Sozialverhalten und die Leistungsfähigkeit des Betroffenen erheblich eingeschränkt sind.

Die Folgen sind häufig ein sozialer Rückzug bis hin zur Aggressivität. Neben den psychischen Problemen sind bei einer Anpassungsstörung auch somatische Beschwerden möglich, zum Beispiel Störungen in der Verdauung und Verspannungen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei einem Verdacht auf eine Anpassungsstörung erfragt der Psychiater und Psychotherapeut zunächst einmal, welche Beschwerden vorhanden sind, wie häufig und in welcher Schwere sie auftreten. Anschließend ermittelt er, ob der Betroffene in der Lage ist, seinen Alltag zu bewältigen oder die Störung bereits so große Ausmaße angenommen hat, dass er beispielsweise derzeitig nicht mehr seinem Beruf nachgehen oder die Kinder versorgen kann.

Das Ergebnis des Gesprächs dient dem Mediziner als Grundlage, um prüfen zu können, ob es sich um eine normale Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine behandlungsbedürftige Anpassungsstörung handelt. Danach liegen auch Ergebnisse vor, welche Ressourcen zum Bewältigen der Belastung, das heißt, der Anpassungsstörung, beim Betroffenen vorhanden sind.

Komplikationen

Eine Anpassungsstörung wird in der Regel durch einen Psychologen oder einen Psychiater behandelt und stellt keine physische Krankheit dar. Bei einer Anpassungsstörung fühlt sich der Betroffene oft alleine und unsicher, was nicht selten zu einem Gefühl von Bedrängnis führt. Dieses Gefühl lässt der Betroffene oft auch an seinen Freunden und Verwandten aus.

Dies resultiert in einem geänderten sozialen Verhalten und einem sozialen Rückzug. Menschen mit Anpassungsstörungen plagt oft ein Gefühl der Leere oder eine gesteigerte Sorge über ein bestimmtes Thema aus der Vergangenheit oder der Zukunft. Freudlosigkeit, Trauer und auch Angst gehören ebenfalls zu den gewöhnlichen Komplikationen bei einer Anpassungsstörung. Die Anzeichen sind sehr unterschiedlich und resultieren alle meist in einer depressiven Stimmung, Angst und Sorge.

Die Behandlung erfolgt entweder durch Gespräche in der Therapie oder durch ein Medikament. Die Therapie schlägt in der Regel nicht sofort ein, es dauert eine Zeit, bis die Anpassungsstörung behandelt werden kann. Der Betroffene klagt über Angstgefühle und kann seinen Alltag nicht mehr alleine bewältigen. Vor allem bei Jugendlichen wird dadurch das Sozialverhalten beeinträchtigt.

In wenigen Fällen verlieren die Betroffenen auch ihre Arbeitsstelle, verfallen in starke Depressionen und fangen auch an, Selbstmordgedanken zu führen. Freund und Verwandte sollten bei einer Anpassungsstörung auf jeden Fall zur Seite stehen und auch einen Arzt darüber informieren.

Ab wann sollte man zum Arzt gehen?

Viele Menschen leiden im Laufe ihres Lebens unter Anpassungsstörungen - ausgelöst durch belastende Lebensumstände und gravierende Veränderungen im Leben. Wenn die Symptome der Anpassungsstörung so schwer wiegen, dass ein normaler Lebensalltag nicht mehr möglich ist, sollten die Betroffenen umgehend einen Arzt aufsuchen. Wenn man sich in seinem aktuellen Leben nicht mehr zurechtfindet und Symptome wie Unruhe, Nervosität, sozialer Rückzug, Niedergeschlagenheit und Schlafstörungen die Lebensqualität erheblich einschränken, ist der Gang zum Hausarzt empfehlenswert.

Der Hausarzt als Arzt des Vertrauens kann sich ein erstes Bild von den individuellen Beschwerden machen und daraufhin eine Überweisung zu Fachärzten schreiben. Der Facharzt für Psychiatrie kann die belastende Symptomatik mittels Medikamenten behandeln oder auch eine Empfehlung für eine Psychotherapie geben. In den meisten Fällen kann eine Anpassungsstörung mit einer Psychotherapie gut behandelt werden.

Durch Besprechung von aktuellen Problemen und Gedanken kann eine emotionale Entlastung erzielt werden. Die Psychotherapie soll dabei helfen, dass man sich mit den neuen Lebensumständen besser zurechtfindet und individuelle Lösungen für seine Probleme findet. Die stützenden Gespräche können sich positiv auf das Gemüt des Patienten auswirken und entlastend wirken. Auch neue Wege, um mit belastenden Lebensumständen zukünftig besser umgehen zu können, können mittels Psychotherapie gefunden und geübt werden.

Behandlung & Therapie

Die wichtigste Möglichkeit für die Behandlung einer Anpassungsstörung ist die Psychotherapie, die gleichzeitig auch als Beratung fungiert. Die Therapie kann eine emotionale Unterstützung sein und dabei helfen, den Betroffenen wieder zurück zur normalen Routine zu führen. Außerdem bietet diese Behandlung eine gute Chance, zu erkennen, warum die Anpassungsstörung aufgetreten ist.

Wer die Ursachen versteht, kann lernen, gesunde Strategien zur Bewältigung zu entwickeln, um mit anderen belastenden Ereignissen, die vielleicht später im Leben eintreten könnten, besser umgehen zu können. Wichtig ist es immer, dass dies rechtzeitig erkannt und dagegen gesteuert wird.

In einigen Fällen, wenn Gespräche nicht reichen, werden auch Medikamente eingesetzt, die bei Symptomen wie einer Depression, Ängsten oder sogar Suizidgedanken zu helfen. Antidepressiva sowie Anti-Angst-Medikamente haben sich bei einer Anpassungsstörung gut bewährt.

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Aussicht & Prognose

Eine Anpassungsstörung kann sowohl wenige Wochen als auch viele Jahre andauern. Einige Ärzte und Psychologen betrachten die Anpassungsstörung tendenziell als „gutartig“, da sie sich in vielen Fällen vollständig zurückbildet oder erfolgreich behandeln lässt. Die meisten Anpassungsstörungen bessern sich innerhalb eines halben Jahres oder verschwinden vollständig. Allerdings sprechen Psychologen und Ärzte nicht mehr von einer Anpassungsstörung, wenn die Symptome länger als ein halbes Jahr anhalten. Bei einer reaktiven Depression ist diese Zeitgrenze auf zwei Jahre erweitert. Diese Diagnoserichtlinie verzerrt möglicherweise die tatsächliche Prognose der Anpassungsstörungen.

Bislang existieren nur wenige Studien, die sich speziell mit der Anpassungsstörung beschäftigen. Auch deshalb ist die Prognose oft unklar. Hinzu kommt, dass Anpassungsstörungen sehr vielfältig sind. Da Anpassungsstörungen ein weites Spektrum abdecken und viele unterschiedliche Auslöser besitzen können, hängt die Prognose stark vom Einzelfall mit seinen jeweiligen Bedingungen ab. Je mehr Ressourcen ein Betroffener hat und nutzt, desto eher bessert sich der Zustand.

Die psychischen Beschwerden, die die Anpassungsstörung ausmachen, können chronifizieren und dadurch über mehrere Jahre hinweg bestehen bleiben. Ein Beispiel für einen solchen Verlauf ist die chronische Trauer. Anpassungsstörungen, die durch Migration und den dazugehörigen „Kulturschock“ verursacht werden, bessern sich häufig, wenn die Person sich in ihre neue Umgebung eingelebt hat und gut integriert ist.

Vorbeugung

Es gibt keine Möglichkeit, eine Anpassungsstörung auf jeden Fall zu verhindern, doch es besteht die Chance, gesunde Bewältigungsstrategien zu entwickeln, um beispielsweise in Zeiten von hohem Stress damit umgehen zu können. Hilfreich ist zudem eine gesunde Lebensweise mit genügend Erholungsphasen, um einen gesunden Ausgleich zu schaffen.

Auch Bewegung, Yoga und Meditation sind sehr gut, um ausgeglichen zu sein, in schwierigen Situationen angemessen reagieren und somit einer Anpassungsstörung vorbeugen zu können. Viele Faktoren spielen eine wichtige Rolle.

Das können Sie selbst tun

Immer mehr Menschen haben im alltäglichen Leben mit schwerwiegenden Belastungen zu kämpfen, die gravierende Auswirkungen auf Körper und Geist des Menschen haben können. Da sich eine Anpassungsstörung oftmals in negativen Gemütszuständen und zwischenmenschlichen Störungen des Sozialverhaltens zeigt, lässt sich diese im gesellschaftlichen Leben nur schwer verstecken.

Da die Anpassungsstörung oftmals das Ergebnis von belastenden Zeiten ist, lässt sich diese am besten mit ausreichend Ruhe zur Regeneration abmildern. Im Alltag sollten die Betroffenen ausreichend Zeit für sich selbst einplanen. Da die Anpassungsstörung meist zeitlich begrenzt ist, können Freunde und Familie während dieser schweren Zeit unterstützend wirken und dem Betroffenen unter die Arme greifen. Eine weitere Selbsthilfemethode bei Anpassungsstörungen stellen sogenannte Entspannungsübungen und Mediationen dar, in denen sich der Betroffene gut spüren kann und die Belastungen des Lebens loslassen kann.

Manche Menschen wiederum benötigen eine intensive körperliche Betätigung, um Stress abzubauen und wieder in ein angenehmes Wohlgefühl zu kommen. Da jeder Mensch individuell ist, sollte jeder für sich selbst erforschen, was ihm gut tut. Mit Sporteinheiten, Entspannungsübungen, Ruhe-Zeiten usw. können die Symptome einer Anpassungsstörung abgemildert werden, damit der Betroffene wieder in seine Kraft gelangt und aktiv am Leben teilnehmen kann.

Bücher über Anpassungsstörungen & Traumata

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Davison, G.C., Neale, J.M., Hautzinger, M.: Klinische Psychologie. Beltz PVU, München 2007
  • Schneider, F.: Facharztwissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Berlin 2012

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