Ankylose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Ankylose

Der Begriff Ankylose bezeichnet eine Gelenkversteifung. Diese ist nicht muskulär bedingt - das wäre dann eine Kontraktur - sondern durch Krankheitsprozesse im Gelenk selbst. Meist sind es Entzündungsvorgänge, die zur bindegewebigen Vernarbung und damit zur Unbeweglichkeit der Gelenkkörper führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Ankylose?

Für die Beweglichkeit des Körpers sind die Gelenke von grundlegender Bedeutung - man kann sich also leicht vorstellen, dass eine Einsteifung des Gelenkes wie bei der Ankylose ein echtes Problem für die Betroffenen darstellt.

Die genauen Ursachen sind recht vielfältig, lassen sich jedoch meist auf entzündliche Vorgänge und genetische Grundlagen zurückführen. Der "berühmteste" Vertreter unter den Ankylosen ist wohl der Morbus Bechterew, der deswegen auch "Ankylosierende Spondylitis" heißt. Im Folgenden ein Überblick zum Thema "Ankylose" allgemein.

Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen für die Gelenkversteifung (Ankylose). Grundsätzlich sind bei der fibrinösen Ankylose bindegewebige Brücken zwischen den Knorpelflächen und Gelenkinnenhäuten entstanden, welche miteinander verwachsen und das Gelenk dadurch unbeweglich machen.

Hierbei liegen meist jahrelange Entzündungsvorgänge vor wie bei der Gicht, der rheumatoiden Arthritis oder der psoriatischen Arthritis. In schwereren Fällen kann es gar zu einer regelrechten knöchernen Verwachsung kommen (knöcherne Ankylose). Bei Morbus Bechterew ist davon insbesondere das Iliosakralgelenk zwischen Kreuzbein und Darmbeinschaufen betroffen, was zu tiefsitzenden Rückenschmerzen und fortschreitender Bewegungsunfähigkeit in der Wirbelsäule führt. Genetische Bedingungen sind bekannt, die zu einer erhöhten Anfälligkeit für den Bechterew wie auch für andere ankylosierende Erkrankungen führen, vor allem eine bestimmte Ausprägung des Gens HLA-B27. Vom Morbus Bechterew sind oft Männer zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr betroffen - Ankylose ist also mitnichten nur ein Problem der älteren Menschen.

Auch beim Morbus Scheuermann kommt es in der Pubertät zur Einsteifung von Brustwirbelkörpern, welche zum typischen Krankheitsbild des Rundrückens führen. Fehlhaltungen und muskuläre Überlastung werden hierfür verantwortlich gemacht.

Es gibt sogar Fälle angeborener Ankylose - wenn die Gelenke durch Wachstums- und Entwicklungsstörungen im Mutterleib gar nicht erst beweglich zur Welt kommen (kongenitale Ankylose).

Ansonsten kann auch eine chronische Arthrose oder jede andere Gelenkentzündung auf Dauer eine Einsteifung von Gelenken verursachen. Wird ein Gelenk absichtlich aus medizinischer Indikation versteift (z.B. um andere Strukturen zu schonen oder bewegungsabhängige Schmerzen zu behandeln), so spricht man von einer "Arthrodese".

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine Ankylose führt in erster Linie zu Bewegungseinschränkung und -unfähigkeit. Damit verbunden sind oft Schmerzen im Gelenk durch die chronische Entzündung - welche jedoch mit zunehmender Einsteifung zur Ruhe kommen können. Vor allem ältere erkrankte Menschen bekommen durch die Ankylosierung von Gelenken große Schwierigkeiten in alltäglichen Bewegungsabläufen wie dem Setzen, Stehen oder Greifen - dies kann zu mehr oder minder großer Behinderung im Alltag führen.

Der Morbus Bechterew führt in erster Linie zu nächtlichem Entzündungsschmerz und dann zur fortschreitenden Einsteifung der Wirbelsäule mit massivem Rundrücken und Bewegungseinschränkung. Ist die Brustwirbelsäule betroffen, kann dies über die Rippen sogar zur Beeinträchtigung der Atmung führen.

Diagnose & Verlauf

Die Diagnostik einer Ankylose beginnt bei der gezielten Anamnese, bei welcher die genauen Umstände der Erkrankung erfragt werden. Hierzu zählen vor allem auch Vorschädigungen des Gelenks und allgemeine Vorerkrankungen sowie rheumatische Krankheiten in der Familie.

Die Untersuchung betrifft zunächst einmal das betroffene Gelenk selbst, hier werden die Bewegungsgrade untersucht und schriftlich dokumentiert, um ein chronisches Fortschreiten der Einsteifung früh objektivieren zu können. Auch weitere Gelenke und andere häufig von rheumatischen Erkrankungen betroffene Organe (Auge, Schleimhäute) müssen bei Verdacht untersucht werden.

Die Blutuntersuchung umfasst allgemeine Entzündungsparameter und spezielle Marker wie den Rheumafaktor oder die Ausprägung des HLA-B27-Gens, welches bei Verdacht bestimmt werden kann, jedoch keinerlei Beweiskraft für eine Krankheit besitzt (man kann mit HLA-B27 auch lebenslang gesund bleiben). Darüber hinaus kann mittels Ultraschall, Röntgen oder anderer bildgebender Maßnahmen ein Prozess im Gelenkspalt sichtbar gemacht werden.

Ab wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei dem Verdacht auf eine Ankylose sollte man nach Möglichkeit sofort zum Arzt gehen. Eine medizinische Abklärung empfiehlt sich bereits dann, wenn erste Bewegungseinschränkungen der Gelenke auftreten. Kommen dann noch Rücken- oder Gelenkschmerzen hinzu, liegt wahrscheinlich eine Ankylose oder ein anderes Leiden vor, das umgehend abgeklärt werden muss. Patienten, die bereits an Arthrose oder Arthritis leiden, sollten ungewöhnliche Symptome mit dem zuständigen Arzt besprechen.

Selbiges gilt, wenn in der Familie bereits Fälle einer Ankylose bestehen oder eine genetische Veranlagung für Rheuma oder Arthrose vorliegt. Ältere Menschen mit Gelenk-, Muskel- oder Knochenerkrankungen sollten mit Gelenksteifheit, Schmerzen und anderweitigen Beschwerden generell einen Arzt aufsuchen. Medizinischer Rat ist insbesondere dann gefragt, wenn die Beschwerden zu Fehlstellungen oder einer Abnahme des Wohlbefindens führen. Dann sollte ein Arzt die Ankylose diagnostizieren und direkt eine Behandlung einleiten. Weitere Ansprechpartner sind Rheumatologen und Orthopäden. Bei einer Ankylose der Zähne sollte ein Zahnarzt oder Kieferorthopäde zurate gezogen werden.

Behandlung & Therapie

Die Therapie der Ankylose richtet sich nach der Erkrankung. Chronische Entzündungen werden mit nicht-steroidalen Antirheumatika wie Ibuprofen behandelt, darüber hinaus gibt es viele spezielle immunmodulierende Wirkstoffe, welche den Prozess der Einsteifung aufhalten können.

Ein sehr wichtiger Bestandteil der Ankylose-Therapie ist immer die Physiotherapie. Unter fachkundiger Aufsicht hilft regelmäßige Bewegung, die Einsteifung zu verhindern oder zumindestens aufzuhalten und Schmerzen zu lindern. Auch andere physikalische Maßnahmen wie Wärme, Kälte oder Ultraschalltherapie können hilfreich sein.

Ein einmal versteiftes Gelenk wird jedoch selten wieder vollständige Beweglichkeit erreichen. Das schafft in fortgeschrittenen Krankheitfällen wohl nur ein operativer Gelenkersatz, eine Endoprothese, welche mittlerweile auch für viele kleinere Gelenke zur Verfügung steht.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Aussicht & Prognose

Ohne eine ärztliche Behandlung und einen medizinischen Eingriff bestehen bei einer Ankylose keine Aussichten auf eine Heilung oder Linderung der Symptome. In der Zusammenarbeit mit einem Physiotherapeuten können Tipps und Hinweise für eine vorübergehende verbesserte Belastung und Bewegungsmöglichkeiten gegeben werden. Dadurch werden die Schmerzen oder weitere Beschwerden minimiert.

Eine Heilung der Ankylose ist bei dieser Unterstützung jedoch nicht möglich. Es kommt dennoch aufgrund des progressiven Krankheitsverlaufs zu einer stetigen Zunahme der Beschwerden. Letztlich stellt sich eine Versteifung des Gelenks ein, die ohne einen chirurgischen Eingriff nicht mehr korrigiert werden kann.

Wird eine ärztliche Versorgung in Anspruch genommen, bestehen gute Aussichten einer verbesserten Lebensqualität. Ein Austausch des betroffenen Gelenks kann bereits nach wenigen Wochen oder Monaten zu einer positiven Entwicklung des Gesundheitszustandes führen. Werden Rehabilitationsmaßnahmen und gezielte Trainings in Anspruch genommen, kann zusätzlich ein optimiertes und nachhaltigeres Ergebnis erzielt werden. Jedoch sind die Möglichkeiten der Bewegungsabläufe nicht vollständig mit denen eines gesunden natürlichen Gelenks vergleichbar.

Darüber hinaus können Komplikationen oder Abwehrreaktionen des Organismus auftreten, die weitere Beeinträchtigungen und Verminderungen des Wohlbefindens zur Folge haben. Bei Entzündungserkrankungen wird eine medikamentöse Behandlungsmethode gewählt. Auch diese ist erfolgversprechend, so dass innerhalb weniger Wochen eine Heilung eintritt.

Vorbeugung

Eine Vorbeugung von rheumatischen Krankheiten wie dem Morbus Bechterew ist nicht möglich oder zumindest derzeit nicht bekannt. Wer einmal erkrankt ist, kann jedoch mit Krankengymnastik und anderen Therapiemaßnahmen viel dafür tun, die Einsteifung der Gelenke zu bremsen.

Das können Sie selbst tun

Beim Verdacht auf eine Gelenkversteifung sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Beschwerden gemeinsam mit Rücken- und Gelenkschmerzen auftreten.

Da ein vollständig versteiftes Gelenk seine volle Funktionstüchtigkeit in aller Regel nie wieder erlangt, sind Maßnahmen, die ein Fortschreiten der Krankheit verhindern, besonders wichtig. Hier liegt auch der beste Ansatz zur Selbsthilfe. Physiotherapeutische Maßnahmen können dabei helfen, die Beweglichkeit der beeinträchtigten Gelenke aufrecht zu erhalten. Die Betroffenen sollten einen qualifizierten Physiotherapeuten aufsuchen und ein individuelles Trainingsprogramm entwickeln lassen. Dabei sind Konsequenz und Ausdauer von entscheidender Bedeutung. Die Übungen müssen regelmäßig in der verordneten Art und Weise durchgeführt werden und dies fast immer über einen langen Zeitraum hinweg. Manche Patienten müssen sich auch mit der lebenslangen Erfordernis physiotherapeutischer Maßnahmen abfinden.

Ist die Ankylose auf chronische Entzündungsvorgänge in Zusammenhang mit Gicht oder rheumatoider oder psoriatischer Arthritis zurückzuführen, können neben allopathischen auch naturheilkundliche Medikamente zum Einsatz kommen. Als Alternative zu nichtsterodoidalen Antirheumatika werden insbesondere Teufelskralle, Curcumin, ein Wirkstoff aus der Gelbwurzel, sowie Arnika und Weihrauch eingesetzt. Der positive Einfluss von Weihrauch auf die Beweglichkeit der Gelenke bei Arthritis konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden. Auch die Wirkung von Teufelskralle wird durch einschlägige Studien gestützt.

Bücher über Rheuma

Quellen

  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Rössler, H., Rüther, W.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München, 2005

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: