Ankyloglosson

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. Oktober 2017
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Unter einem Ankyloglosson wird eine Entwicklungsstörung der Zunge verstanden, die bereits angeboren ist. Dabei kommt es zu einem angewachsenen Zungenbändchen, das die Bewegungen der Zunge beeinträchtigt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Ankyloglosson?

Das Ankyloglosson ist in der Medizin auch unter den Bezeichnungen Ankyloglossum oder Ankyloglossie bekannt. Dabei handelt es sich um eine angeborene Zungenentwicklungsstörung, bei der eine Fixierung des Zungenbändchens (Frenulum linguae) am Mundboden vorliegt. Weil diese Störung die Beweglichkeit der Zunge beschränkt, haben die betroffenen Babys Probleme beim Stillen.

Im weiteren Verlauf drohen zudem Störungen beim Sprechen sowie beim Bilden von Lauten. Studien zufolge ist ein Ankyloglosson bei etwa 16 Prozent aller Babys mit Stillproblemen für deren Schwierigkeiten verantwortlich. Offizielle Schätzungen gehen von vier bis zehn Prozent aller Säuglinge aus.

Grundsätzlich soll die Anzahl der betroffenen Babys jedoch höher ausfallen als in der Fachliteratur angegeben wird, weil es in früheren Zeiten üblich war, Babys mit der Flasche zu stillen. Dabei wird das Baby in der Regel durch ein Ankyloglosson nicht behindert. Weil mittlerweile mehr Babys mit der Brust gestillt werden, ließ sich das verkürzte Zungenbändchen häufiger feststellen.

Ursachen

Beim Zungenbändchen handelt es sich um eine muskuläre Falte, die von Schleimhaut überzogen wird. Es stellt eine Verbindung zwischen der unteren Fläche der Zunge sowie dem Mundboden her. Bei manchen Babys gerät das Zungenbändchen zu kurz, was sich wiederum negativ auf die Zungenbeweglichkeit auswirkt.

Ein Ankyloglosson ist bereits angeboren. Wodurch es zu dieser Entwicklungsstörung der Zunge kommt, ist unklar. Für Babys spielt das Frenulum linguae eine wichtige Rolle, damit sie die Milch aus der Brust ihrer Mutter aufnehmen können. Dazu ist es nötig, die Zunge über die Unterkieferleiste vorzustrecken.

Das Baby nimmt dann massierende Bewegungen mit seiner Zunge vor, mit denen es die Milch aus der Brust drückt. Ist die Zunge jedoch im Mundboden stark verankert, kann der Säugling sie nicht über die Unterlippe anheben. Dadurch fehlt der Puffer zwischen der Leiste des Kiefers und das Baby nimmt nur die Brustwarze in den Mund.

Die Mutter hat wiederum das Gefühl, dass ihr Kind zubeißen würde. Nicht selten kommt es bei ihr deswegen zu wunden und schmerzenden Brustwarzen. Weil das Baby nicht in der Lage ist, die nötigen wellenförmigen Bewegungen durchzuführen und kein Unterdruck entsteht, kann die Milch nur schlecht fließen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bemerkbar macht sich ein Ankyloglosson durch ein zu kurzes und zu dickes Zungenbändchen. Beim Herausstrecken der Zunge zeichnet sich eine herzförmige Kontur ab. Außerdem leidet die Beweglichkeit der Zunge unter der Ankyloglossie. So ist es nicht möglich, die Zunge über die unteren Zähne oder die Unterlippe zu schieben.

Darüber hinaus bestehen Einschränkungen der Bewegungen in die obere oder seitliche Richtung. Die betroffenen Babys haben deswegen Probleme beim Stillvorgang. So können sie ihre Zunge nicht anlegen und rutschen beim Stillen immer wieder ab. Aus diesem Grund wollen sie ständig gefüttert werden.

Außerdem nehmen die Säuglinge nur langsam an Gewicht zu und leiden nicht selten unter kolikartigen Schmerzen. Ein Ankyloglosson kann aber auch dann bestehen, wenn nicht alle der beschriebenen Symptome auftreten. Mitunter zeigen sich diese Anzeichen jedoch auch dann, wenn kein verkürztes Zungenbändchen vorliegt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose eines Ankyloglossons kann im Rahmen der U1-Untersuchung erfolgen, die unmittelbar nach der Geburt stattfindet. Arzt oder Hebamme stecken zu diesem Zweck einen Finger in den Mund des Säuglings und untersuchen dadurch Zunge und Gaumen. Allerdings lässt sich eine Ankyloglossie nicht bei jedem Baby sofort entdecken.

Nicht selten ist die Fehlbildung erst dann ersichtlich, wenn Probleme beim Stillen auftreten. Mitunter fällt ein Ankyloglosson sogar erst dann auf, wenn das Kind zwei oder drei Jahre alt ist und unter Sprachschwierigkeiten leidet. Um festzustellen, ob eine Verkürzung des Zungenbändchens vorliegt, schiebt der Kinderarzt die Zungenbasis mithilfe eines Spatels von einer Seite zur anderen.

Lässt sich diese Bewegung nicht durchführen, liegt ein Ankyloglosson vor. Eine Ankyloglossie nimmt in der Regel einen positiven Verlauf. So gilt die Behandlung, in deren Rahmen das Zungenbändchen durchtrennt wird, als einfach. Komplikationen sind in der Regel nicht zu befürchten.

Komplikationen

Mit dem Ankyloglosson ist das von Geburt an verkürzte Zungenbändchen gemeint. Etwa fünf Prozent aller Säuglinge sind davon betroffen. Wird bei einem Neugeborenen diese Diagnose festgestellt, ist es ratsam, das Ankyloglosson rasch zu behandeln. Unnötige Komplikationen werden vermieden, die sich sonst erheblich auf den Spracherwerb und die gesunde Entwicklung des Kindes auswirken.

Das verkürzte Ankyloglosson beeinträchtigt die Beweglichkeit der Zunge. Zudem erweist sich ein Stillen des Babys als nicht durchführbar. Es kann weder vernünftig saugen noch schlucken. Dem Säugling drohen kolikartige Schmerzen und ein rapider Gewichtsverlust. Wird das Ankyloglosson nicht korrigiert, verändert sich komplett der Sitz der Zunge und es besteht zusätzlich die Gefahr der Zahnfehlstellung.

Ebenso kann das Kleinkind im späteren Verlauf seiner Sprachfähigkeit viele Laute nicht äußern. Die Zunge wirkt wie starr. Oftmals tritt als Folge eine Mundatmung auf, wodurch sich die Infektanfälligkeit erhöht. Ist die Fehlentwicklung weniger stark ausgeprägt, sollte dennoch ein Eingriff vor Schulbeginn erfolgen.

Mit dem Heranwachsen können spätestens bei einer Zahnspange, einem Zungenpiercing oder dem Küssen unangenehme Probleme aufkommen. Hat der Betroffene einen Unfall oder frühzeitigen Zahnverlust, kann das Anpassen einer Zahn-Prothese nur schwer vorgenommen werden. Der operative Eingriff um die Fehlstellung des Zungenbandes zu korrigieren ist dagegen risikofrei.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Ankyloglosson muss nicht unbedingt von einem Arzt behandelt werden. Sollte das verkürzte Zungenbändchen allerdings Schmerzen oder andere Beschwerden verursachen, ist medizinische Hilfe nötig. Eltern sollten einen Arzt aufsuchen, wenn das Kind Probleme beim Stillen hat und Anzeichen kolikartiger Schmerzen zeigt. Sollte der betroffene Säuglinge aufgrund der Beschwerden zu wenig Nahrung zu sich nehmen, muss der Kinderarzt informiert werden. Der Mediziner kann das Ankyloglosson durch eine Untersuchung von Zunge und Gaumen meist zweifelsfrei diagnostizieren und eine Operation vorschlagen.

Manchmal wird das verkürzte Zungenbändchen jedoch erst im zweiten oder dritten Lebensjahr bemerkt. Eine ärztliche Abklärung ist nötig, wenn das Kind Probleme beim Sprechen hat oder Anzeichen von Schmerzen zeigt. Spätestens, wenn Zahnfehlstellungen festgestellt werden, sollte mit dem Kind zum Arzt gegangen werden. In weniger schweren Fällen kann das betroffene Kind das Ankyloglosson im späteren Leben abklären lassen. Nötig ist dies etwa dann, wenn das Küssen, ein Zungenpiercing oder eine Zahnspange Probleme bereitet. Die Korrektur des Zungenbändchens kann mit jedem Alter durchgeführt werden und verläuft in der Regel risiko- und schmerzfrei.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung eines Ankyloglossons besteht in einer operativen Durchtrennung des angewachsenen Zungenbändchens. Das Verfahren gilt als sinnvoll, wenn das Baby unter Problemen beim Stillen leidet und Sprachstörungen drohen. In anderen Fällen wird der Eingriff jedoch erst dann durchgeführt, wenn tatsächlich Sprachprobleme beim betroffenen Kind auftreten.

Nicht immer bedarf ein Ankyloglosson einer Therapie. So kann diese unterbleiben, wenn durch das Zungenbändchen keine Probleme entstehen. Letztlich entscheidet das Ausmaß der Beschwerden über eine Behandlung. Diese sollte nach Meinung von Experten jedoch frühzeitig erfolgen, wenn sich die Zunge nur eingeschränkt bewegen lässt.

Ein operativer Eingriff am Zungenbändchen nimmt circa 20 bis 25 Minuten in Anspruch. Falls nötig, erhält das Kind eine kurze Vollnarkose. Führt diese zu Risiken, muss die Operation verschoben werden. Im Rahmen des Eingriffs zieht der Arzt die Zunge zunächst nach oben. Nächster Schritt ist das Durchtrennen des Zungenbändchens mit einem kurzen Schnitt. Anschließend findet das Vernähen der Wunde mit Fäden statt, die sich selbst auflösen.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose bei einem Ankyloglosson ist als sehr gut einzustufen. In einem kurzen, nur wenigen Minuten dauerndem operativen Eingriff wird das angewachsene Zungenbändchen unter Vollnarkose durchtrennt. Anschließend wird die Wunde im Mund ausreichend versorgt, damit sie innerhalb weniger Tage vollständig abheilen kann. Der Patient gilt im Normalfall anschließend als beschwerdefrei und dauerhaft geheilt.

Treten im Vorfeld Komplikationen auf, kann der Heilungsverlauf Verzögerungen erleben. Bei einem drastischen Gewichtsverlust muss dieser zunächst in den kommenden Monaten nach der Operation schrittweise wieder aufgebaut werden. Dies kann je nach Persönlichkeit und Verhalten des Kindes einige Zeit, viel Geduld und Ausdauer in Anspruch nehmen. Hat das Kind Ängste entwickelt, müssen diese abgebaut und neues Vertrauen in die Essensaufnahme aufgebaut werden.

In seltenen Fällen kommt es durch die Vollnarkose zu Folgebeschwerden. Diese verlängern den Heilungsverlauf ebenfalls. Es kann zu Reaktionen der Unverträglichkeit aufgrund der gegebenen Medikamente kommen oder Schlafstörungen setzen ein. Die Beschwerden sind bei den meisten Patienten von vorübergehender Natur. Meist sind sie dennoch nach Ablauf weniger Wochen vollständig geheilt. Mit Stillschwierigkeiten ist auch nach dem Korrektureingriff zu rechnen. Die Prognose für ein mögliches Stillen nach dem operativen Eingriff sind weniger optimistisch. Der Säugling wird daher sehr früh auf die Zufuhr auf Ersatzprodukten umgestellt.

Vorbeugung

Einem Ankyloglosson vorzubeugen ist nicht möglich. So handelt es sich dabei um eine angeborene Entwicklungsstörung.

Bücher über Sprachstörung

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Kruse Gujer, A., Jacobsen, C., Grätz, K.W.: Facharztwissen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Springer, Heidelberg 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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