Anhidrose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. Dezember 2017
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Anhidrose bezeichnet eine verringerte Produktivität der Schweißdrüsen. Diese kann sowohl durch Krankheit, Medikamente oder Hautverletzungen verursacht werden. Menschen mit Anhidrose neigen zu gefährlichen Überhitzungen. Das Gegenteil einer Anhidrose ist die Hyperhidrose.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Anhidrose?

Menschen mit Anhidrose sind nicht dazu in der Lage normal zu schwitzen. Transpiration jedoch ist notwendig, damit der Körper sich selbst kühlen kann.

Andernfalls kann es zur Überhitzung kommen, welche in den schlimmsten Ausnahmen bis zum Herzanfall führen kann. Die Anhidrose jedoch ist schwierig zu diagnostizieren. Eine milde Anhidrose bleibt meist unentdeckt und kann durch viele Ursachen hervorgerufen werden; bspw. durch Hautverletzungen, bestimmte Krankheiten oder Medikamente.

Es ist möglich mit Anhidrose zur Welt zu kommen, man kann die Störung aber auch später entwickeln. Die Behandlung einer Anhidrose liegt in der Heilung der verursachenden Faktoren, falls solche gefunden werden können.

Ursachen

Eine Anhidrose tritt ein, wenn die Schweißdrüsen nicht mehr arbeiten, und das kann eine Vielzahl von Ursachen haben.

Nervenschäden: Das Nervensystem des Körpers ist komplex und erledigt eine Menge wichtiger Aufgaben. Wenn die Nerven aber bspw. eine Überhitzung nicht mehr registrieren, haben sie evtl. einen Schaden erlitten durch (u.a.): Diabetes, Alkoholmissbrauch, Parkinson, Multisystematrophie, Amyloidose, Sjögren-Syndrom, Lungenkrebs und Horner-Syndrom.

Hautkrankheiten: Bestimmte Hauterkrankungen, die zu einer Verstopfung der Poren führen, sind die häufigste Ursache für Anhidrose. Doch auch großflächige Verletzungen (durch Verkehrsunfälle oder Verbrennungen) können Anhidrose zur Folge haben.

Arzneimittel: Eine große Anzahl an Medikamenten kann Anhidrose auslösen. Dazu zählen bspw. Herz- und Blutmedikamente, aber auch Psychopharmaka.

Genetische Störungen: Einige angeborene Krankheiten führen zu einer schlechteren Funktion der Schweißdrüsen.

Dehydration: Wenn der Körper zu wenig Flüssigkeit aufgenommen hat, um seine normalen Funktionen auszuführen, kann dies, in Kombination mit Anhidrose, tödliche Folgen haben.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Anhidrose äußert sich sich durch eine Reihe von Symptomen. Infolge einer Überhitzung kann es zu Kreislaufbeschwerden und in der Folge zum Hitzschlag und einem lebensbedrohlichen Kreislaufzusammenbruch kommen. In schweren Fällen tritt infolge einer Überhitzung ein multiples Organversagen auf, woran der Patient schließlich verstirbt. Eine lokale Anhidrose verläuft weniger schwerwiegend.

Typischerweise beschränkt sich die Erkrankung auf bestimmte Körperbereiche und ruft beispielsweise Gerinnungsstörungen, Entzündungen oder Nervenschäden hervor. Die ausgetrocknete Haut ist zudem anfälliger für Ausschläge, Infektionen und anderweitige Hautveränderungen. Langfristig kann eine Anhidrose eine vorzeitige Hautalterung hervorrufen. Im Bereich der Muskeln kann es infolge der Überhitzung zu Lähmungserscheinungen, Krämpfen und Sensibilitätsstörungen kommen.

Auch Zuckungen sind nicht auszuschließen. Eine akute Anhidrose äußert sich durch Schwindel, Übelkeit und Juckreiz. Meist treten außerdem Hautrötungen oder sogar Schwellungen auf, die empfindlich auf Druck reagieren. Der Patient ist insgesamt empfindlicher gegenüber hohen und niedrigen Temperaturen.

Dadurch kommt es vermehrt zu starkem Unwohlsein und plötzlichen Erschöpfungszuständen. Äußerlich zeigt sich eine Anhidrose manchmal an einer Rotfärbung der Haut. Zudem ist die Haut in dem betroffenen Bereich sehr warm und schmerzt bei Berührung. Da eine Störung der Schweißdrüsen sich durch vielgestaltige Symptome äußern kann, ist immer eine ärztliche Abklärung vonnöten.

Diagnose & Verlauf

Ein Arzt kann Anhidrose durch eine physische Untersuchung und Befragung zu den Symptomen und zur Krankengeschichte diagnostizieren. Doch es sind evtl. weitere Tests nötig, um sicherzugehen.

Axon Reflex-Test: Bei diesem Test werden auf Arme oder Beine kleine Elektroden installiert. Durch eine Stimulation der Schweißdrüsen werden diese zur Produktion angeregt. Gleichzeitig wird die Menge an austretender Flüssigkeit gemessen.

Silastic-Schweißabdruck: Ähnlich wie der vorige Test. Doch die Menge an Flüssigkeit wird durch den Abdruck in einer speziellen Gummischicht (Silastic) gemessen.

Thermoregulatorischer Schweißtest: Bei diesem Test wird der Patient mit einem speziellen Puder benetzt, dass eine farbliche Reaktion aufweist, wenn es mit Flüssigkeit in Berührung kommt. Anschließend kommt der Patient in einen erwärmten Raum, in dem seine Transpiration durch Fotos festgehalten wird.

Biopsie: Auch die Gewebeentnahme ist möglich. Hier können betroffene Schweißdrüsen direkt analysiert werden.

Komplikationen

Eine Anhidrose kann vielgestaltige Komplikationen hervorrufen. Zunächst besteht das Risiko, dass der Körper durch die fehlende Schweißbildung überhitzt. Dadurch kann es zu Kreislaufbeschwerden und in der Folge zum Hitzschlag und einem potentiell lebensbedrohlichen Kreislaufkollaps kommen. In Extremfällen ruft die Überhitzung in der Folge multiples Organversagen hervor und führt schließlich zum Tod des Patienten.

Eine lokale Anhidrose beschränkt sich auf bestimmte Körperbereiche und kann verschiedene Probleme wie Gerinnungsstörungen, Nervenschäden und Entzündungen hervorrufen. Die ausgetrocknete Haut weist zudem ein höheres Risiko für Ausschläge, Infektionen und schwere Hautveränderungen bis hin zur vorzeitigen Hautalterung auf. Die mangelnde Kühlung der Muskeln kann zu Muskelkrämpfen und Lähmungserscheinungen führen. Akut ruft die Anhidrose Schwindel und Übelkeit sowie Juckreiz und Hautveränderungen hervor.

Außerdem besteht eine gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber hohen und niedrigen Temperaturen, die oft mit starkem Unwohlsein und Erschöpfungszuständen verbunden ist. Im Rahmen der Anhidrose-Therapie können verordnete Pflegeprodukte zu Allergien und somit zu einer Intensivierung der Beschwerden führen. Weitere Komplikationen hängen von der zugrunde liegenden Erkrankung ab und reichen von chronischen Nervenschäden (bei Nervenerkrankungen) bis hin zu Rückenmarksschädigungen (bei der Syringomyelie).

Ab wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn beim Kind eine fehlende oder sehr geringe Schweißbildung beobachtet wird, sollte mit dem Kinderarzt gesprochen werden. Der Mediziner kann eine Anhidrose durch eine Befragung und eine körperliche Untersuchung feststellen und eine geeignete Behandlung vorschlagen. Manchmal genügen einfache Vorsichtsmaßnahmen, um Probleme durch eine Anhidrose ausreichend zu lindern. In schweren Fällen muss die Erkrankung jedoch streng von einem Arzt überwacht werden. Vor allem mit Kindern und Jugendlichen, die unter Anhidrose leiden, sollte regelmäßig zum Arzt gegangen werden.

Zwar sind schwere Komplikationen unwahrscheinlich, eine medizinische Aufklärung über Vermeidungsstrategien und die Gefahren der Erkrankung ist jedoch immer anzuraten. Wenn Krämpfe, Hitzewallungen und ähnliche Beschwerden nach einigen Minuten nicht zurückgehen, ist ärztliche Hilfe gefragt. Bei schweren Symptomen wie Überhitzung oder starken Kreislaufproblemen muss ein Notarzt gerufen werden. Begleitend dazu sind mitunter auch Erste-Hilfe-Maßnahmen wie Kühlung und das Entfernen beengender Kleidung durchzuführen. Betroffene sollten im Anschluss mit dem Arzt sprechen und weitere Therapiemaßnahmen in Betracht ziehen.

Behandlung & Therapie

Eine Behandlung von Anhidrose ist nicht immer notwendig. Falls diese nur kleine Bereiche des Körpers betrifft, wird sie kaum ernsthafte Auswirkungen auf den Organismus haben.

Doch eine Anhidrose, die zu einer stark verminderten Transpiration führt, kann lebensgefährlich sein. Abhängig von der Störung, die die Anhidrose auslöst, existieren mehrere Therapien. Besonders Symptome, die durch Hitze ausgelöst werden, benötigen eine umgehende Behandlung. Bei akuter Überhitzung sollte sich der Betroffene hinlegen und abkühlen. Kalter Fruchtsaft oder Sportgetränke mit erhöhtem Elektrolyte-Anteil helfen dem Körper sich zu regenerieren.

Wenn Krämpfe und Symptome nach einer Stunde nicht zurückgehen, sollte medizinische Hilfe aufgesucht werden. Als Vorsichtsmaßnahme ist es ratsam einige Stunden zu ruhen, bevor wieder anstrengende Betätigungen aufgenommen werden. In einigen Fällen kann eine Überhitzung zum Herzanfall führen. Tritt dieser ein, benötigt der Betroffene umgehend einen Notarzt.

Bis dieser nicht da ist, sollte der Betroffene an einen kühlen, schattigen Ort gebracht werden, seine Kleidung gelockert und ggf. mit kaltem Wasser besprenkelt werden.

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Aussicht & Prognose

Eine schwach ausgeprägte Anhidrose führt zu keinen spürbaren Einflüssen auf den Körper oder das Wohlbefinden des Patienten. Eine Behandlung ist nicht notwendig, womit die Beschwerden lebenslang vorhanden sein können, ohne dass Auswirkungen oder ein Krankheitsgefühl eintreten.

Bei einer starken Anhidrose besteht die Schwierigkeit, die Ursache zu ermitteln. Ist sie geklärt, sind meist gute Prognoseaussichten vorhanden. Bei vielen Patienten kommt es zu einer medizinischen Versorgung mit einer anschließenden dauerhaften Heilung der Erkrankung. Alternativ wird das Wissen um Vorsorgetechniken vermittelt und das Erkennen von frühzeitigen Warnhinweisen erlernt. Ohne eine Ursachenklärung kann es zu einer Zunahme der Beschwerden kommen. Die Prognoseaussichten sind dann weniger optimistisch.

In seltenen Fällen droht ein lebensbedrohlicher Zustand. Nimmt die Schweißproduktion kontinuierlich ab und angewandte Therapien bleiben wirkungslos, droht eine Überhitzung des Körpers. Ein multiples Organversagen mit Todesfolge ist möglich. Jedoch kann jeder Patient ohne eine abgeklärte Ursache der Anhidrose bei der Erkennung von Frühwarnsignalen Maßnahmen zur Linderung einleiten. Zusätzlich sollten täglich Möglichkeiten der Vorsorge ergriffen werden, auch wenn keine Beschwerden vorhanden sind. Mit dieser Sorgfalt sich selbst und der eigenen Gesundheit gegenüber reduziert sich das Risiko einer Lebensbedrohung deutlich. Dennoch ist jederzeit mit einem Ausbruch der Symptome zu rechnen, da ohne eine Ursachenbehandlung keine Heilung erreicht wird.

Vorbeugung

Einer Anhidrose selbst kann nicht vorgebeugt werden, doch die lebensgefährlichen Folgen einer Überhitzung können vermieden werden. Menschen, die an Anhidrose leiden, sollten lockere und leichte Kleidung tragen, wenn es sehr warm ist. An heißen Tagen sollten sie sich in kühlen Räumen aufhalten. Auch sollten sie vermeiden, sich zu überanstrengen und lernen auf die Warnsignale ihres Körpers zu hören.

Das können Sie selbst tun

Eine Anhidrose muss nicht unbedingt ärztlich behandelt werden. Wenn die Krankheit nur kleine Körperbereiche betrifft, kann der verminderten Transpiration durch einige Selbsthilfe-Tipps und Hausmittel entgegengewirkt werden.

Zunächst sollte direkte Sonneneinstrahlung und starke körperliche Anstrengung vermieden werden. Die Schweißbildung lässt sich auch durch kühle Umschläge und regelmäßige, leichte Yoga-Übungen reduzieren. Auch diätetische Maßnahmen wie der Verzicht auf Koffein und scharfe Speisen helfen dabei, die Schweißproduktion auf natürliche Weise an die Erkrankung anzupassen. Auf Genussmittel wie Alkohol und Nikotin sollten Anhidrose-Kranke in jedem Fall verzichten. Sollte es dennoch einmal zu einer Überhitzung kommen, gilt: hinlegen und abkühlen. Betroffene sollten sich an einem kühlen, schattigen Ort ausruhen, die Kleidung lockern und sich gegebenenfalls mit etwas Wasser übergießen.

Kaltes Mineralwasser, Fruchtsaft und Sportgetränke helfen dem Körper bei der Regeneration. Falls vorhanden, können außerdem Heilpflanzen wie der nervenberuhigende Rotklee und der entkrampfende Beifuß verwendet werden. Trotz aller Maßnahmen kann eine Überhitzung zu starken Kreislaufbeschwerden führen. Bei einem Kollaps oder Herzanfall muss umgehend der Notarzt gerufen werden. Unter Umständen müssen Erste-Hilfe-Maßnahmen getroffen werden, bis der Arzt eintrifft.

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Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Greten, H., Rinninger, F., Greten, T. (Hrsg.): Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2010
  • Renz-Polster, H., Krautzig, S. (Hrsg.): Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2012

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