Anhedonie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 12. April 2017
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Anhedonie bezeichnet einen Zustand, in dem Betroffene unfähig sind, Freude oder Lust zu verspüren. Sie kann im Rahmen psychischer Störungen auftreten, zum Beispiel bei der Depression, schizoiden Persönlichkeitsstörung oder als Teil der Negativsymptomatik von Psychosen, oder ein Symptom einer körperlichen Erkrankung sein. Aus diesem Grund richtet sich die Behandlung nach der entsprechenden Grunderkrankung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Anhedonie?

Bei der Anhedonie handelt es sich um ein psychisches Symptom, das die Unfähigkeit Freude oder Lust zu empfinden beschreibt. Sie kann als normaler Zustand bei gesunden Personen auftreten, die vorübergehend Unlust und kein Interesse an den meisten Dingen verspüren. Stark ausgeprägte oder lang anhaltende Anhedonie weist jedoch in den meisten Fällen auf ein psychologisches oder organisches Krankheitsbild hin.

Dies ist insbesondere der Fall, wenn andere Symptome die Freudlosigkeit begleiten oder die Anhedonie zu Einschränkungen in der alltäglichen Lebensführung resultiert. Das Gegenteil der Anhedonie ist die Hedonie, die unter anderem durch gesteigertes Lustempfinden, überschwängliche Freude und gesteigerte Interessen gekennzeichnet ist.

Auch sie kann als vorübergehender, normaler Zustand in Erscheinung treten oder sich als Anzeichen von Psychosen, Manien, Rauschzuständen, neurologischen und anderen Krankheiten manifestieren. Aus diesem Grund kann auch bei hedonistischen Auffälligkeiten eine ärztliche Abklärung ratsam sein.

Ursachen

Anhedonie kann im Rahmen verschiedener körperlicher Erkrankungen und psychischer Störungen auftreten. Sie stellt beispielsweise ein Kardinalsymptom der klinischen Depression dar, wo sie sich auch als vollständiger Interessenverlust äußern kann: Der Patient büßt sein Interesse an Betätigungen ein, die ihm zuvor Freude bereiteten.

Drüber hinaus tritt eine depressive Verstimmung auf. Weitere typische Symptome einer Depression sind Gewichts- und Appetitveränderungen, Schlaflosigkeit oder erhöhtes Schlafbedürfnis, psychomotorische Auffälligkeiten, Müdigkeit, Energieverlust, Wertlosigkeits- und Schuldgefühle, Konzentrationsprobleme, Entscheidungsschwierigkeiten, Gedanken an den Tod oder Suizidalität. Ähnliche, aber schwächere und länger andauernde Symptome können sich bei einer Dysthymie zeigen.

Eine andere psychische Störung, die zur Anhedonie führen kann, ist die schizoide Persönlichkeitsstörung. Dabei handelt es sich um eine psychische Auffälligkeit, die mindestens zwei Jahre andauert und durch einen abgeflachten Affekt charakterisiert ist. Die schizoide Persönlichkeitsstörung ist nicht zu verwechseln mit der Schizophrenie, die zu den psychotischen Störungen zählt und zum Beispiel durch Halluzinationen und Wahnvorstellungen gekennzeichnet sein kann.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Bei einer Schizophrenie tritt jedoch eine Negativsymptomatik auf, zu der auch die Anhedonie gehört. Die Negativsymptomatik tritt in vielen Fällen vor Positivsymptomen wie Halluzinationen in Erscheinung. Darüber hinaus kann Anhedonie auch auf körperliche Ursachen zurückgehen, zum Beispiel Eisenmangel oder eine Schilddrüsenunterfunktion.

Auch einige neurologische und andere Erkrankungen manifestieren sich in Zuständen, die durch Freudlosigkeit und Unlust gekennzeichnet sind. Welche Ursache im Einzelfall vorliegt, kann nur eine medizinische und/oder psychiatrische beziehungsweise psychologische Abklärung feststellen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Anhaltende Anhedonie kann auf eine ernste körperliche Erkrankung oder psychische Störung hindeuten und bedarf fachlicher Abklärung. Die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung hängen unter anderem von der Krankheitsursache sowie dem individuellen Schweregrad ab. Um eine möglichst zuverlässige psychische Diagnose zu erhalten, sollten Betroffene die Hilfe eines Psychiaters oder psychologischen Psychotherapeuten in Anspruch nehmen.

Diese Fachleute sind in besonderem Maße in der Diagnostik und Behandlung entsprechender Krankheitsbilder ausgebildet. Um beispielsweise die Diagnose einer Depression stellen zu können, muss ein Patient bestimmte Merkmale zeigen. Während eine Vielzahl von Störungen für die Entstehung eines Symptoms wie der Anhedonie verantwortlich sein können, ist das charakteristische Muster aus verschiedenen Symptomen für die Diagnose entscheidend.

Anhedonistische Personen können deshalb nicht automatisch davon ausgehen, dass sie unter einer Depression leiden, da noch weitere Krankheitsbilder als Erklärung in Frage kommen. Zur genaueren Abgrenzung können Fachleute auf spezielle Fragebögen wie „Becks Depressionsinventar (BDI)“ sowie strukturierte oder standardisierte Interviews zurückgreifen.

Zum Ausschluss einer körperlichen Ursache oder für die Diagnosestellung einer solchen ist in der Regel eine Blutuntersuchung notwendig. In den Ergebnissen zeigen sich unter Umständen Defizite in bestimmten Nährstoffen, die ebenfalls zur Anhedonie führen können. Beispiels dafür sind Eisenmangel oder eine Unterversorgung mit Schilddrüsenhormonen.

Komplikationen

Die Art der Komplikationen, die bei der Anhedonie möglich sind, hängt von ihrer Ursache ab. Wenn die Anhedonie auf eine vorübergehende Mangelerscheinung wie Eisen- oder Vitaminmangel zurückgeht, entstehen bei entsprechender Behandlung oft keine Komplikationen. Ohne Behandlung kann sich jedoch der allgemeine Gesundheitszustand verschlechtern.

Bei Eisenmangel ist beispielsweise eine Anämie möglich, die in schweren Fällen zu Kreislauf- und Herzbeschwerden führen kann und oft Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Müdigkeit und Abgeschlagenheit hervorruft. Anhedonie kann ein vorübergehender Zustand sein, der durch bestimmte Lebensereignisse ausgelöst wird. Die Trauer unmittelbar nach dem Tod eines nahestehenden Menschen ist keine Krankheit im eigentlichen Sinne.

Auch Trauer kann jedoch zu psychischen Beschwerden führen, insbesondere bei fehlenden Bewältigungsmöglichkeiten. Chronische Trauer, Depression, Angst- und Zwangsstörungen sind mögliche Komplikationen, die im Verlauf auftreten können. Darüber hinaus können solche kritischen Lebensereignisse andere psychische Erkrankungen auslösen, für die der Betroffene bereits eine Veranlagung besitzt.

Auch einer Schizophrenie oder einer Psychose kann Anhedonie vorausgehen. Oft ist jedoch nicht im Voraus zu erkennen, ob sich durch die Anhedonie und andere psychische Symptome eine psychotische Störung anbahnt. Wenn in der Familie bereits andere Personen unter Schizophrenie oder einer ähnlichen Erkrankung leiden, sollten jedoch entsprechende Warnzeichen beachtet werden. In diesem Fall ist es sinnvoll, bereits bei Auftreten einer längeren Anhedonie (auch ohne Halluzinationen und Wahn) ärztlichen Rat zu suchen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Anhedonie richtet sich nach der Erkrankung, in deren Rahmen sie auftritt, sowie nach persönlichen Faktoren. Bei körperlichen Ursachen steht die medizinische Therapie im Vordergrund und zielt auf die Behandlung der jeweiligen Grunderkrankung ab. Geht die Anhedonie auf eine psychische Erkrankung zurück, können eine psychiatrische und/oder psychotherapeutische Behandlung Besserung bringen.

Derzeit existieren in Deutschland drei psychotherapeutische Richtlinienverfahren, die sich sowohl in der Länge der Therapie als auch in den angewandten Methoden unterscheiden: Zu ihnen gehören die kognitive Verhaltenstherapie, die Psychoanalyse sowie die tiefenpsychologisch fundierten Verfahren. Bei Depression, Dysthymie oder schizoider Persönlichkeitsstörung kommen grundsätzlich alle drei Ansätze in Frage.

Unter Umständen kann eine medikamentöse Unterstützung der Behandlung notwendig sein, selbst wenn ein Patient sich bereits in Psychotherapie befindet. Bei akuter Eigen- oder Fremdgefährdung oder starker Überforderung im Alltag kann auch ein stationärer Aufenthalt notwendig sein, bei dem akute Unterstützung und Stabilisierung im Vordergrund stehen.

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Vorbeugung

Organisch bedingter Anhedonie können Patienten in einigen Fällen durch eine ausgewogene Ernährung und gesunde Lebensführung vorbeugen. Bei einigen Erkrankungen ist jedoch keine spezifische Prävention möglich. Zur Vorbeugung von depressiven Erkrankungen kann das Erlernen angemessener Bewältigungsstrategien beitragen.

Mit deren Hilfe können Betroffene leichter mit kritischen Lebensereignissen und Stressoren umgehen und dadurch tendenziell das Risiko verringern, an einer solchen zu erkranken. Eine vollständige, garantierte Vermeidung von psychischen Störungen ist allerdings nicht möglich. Neben psychischen und sozialen Faktoren spielen auch genetische und andere biologische Rahmenbedingungen eine Rolle.

Bücher über depressive Verstimmung

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Dilling, H., Mombour, W., Schmidt, M.H.(Hrsg.): Internationale Klassifikation psychischer Störungen – ICD 10, Kapitel V (F), klinisch-diagnostische Leitlinien. Huber, Bern 2011
  • Schneider, F.: Facharztwissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Berlin 2012

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