Angeborene Knieluxation

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 9. November 2017
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Bei der angeborenen Knieluxation ist der Unterschenkel der Patienten verdreht und ihre Kniegelenkflächen stehen in unzureichendem Kontakt. Mittlerweile stehen als Therapiemaßnahmen nicht-invasive Dehnungen zur Verfügung. Nur im Extremfall muss das Gelenk operativ repositioniert werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine angeborene Knieluxation?

Von einer Luxation spricht die Medizin beim vollständigen oder unvollständigen Kontaktverlust zweier Gelenkflächen. Eine angeborene Knieluxation ist demzufolge eine angeborene Gelenkfehlstellung im Knie. Dieses Phänomen betrifft also den Schienbein- und den Oberschenkelknochen. Die Fehlstellung mündet in eine Überstreckung des Kniegelenks. Die Oberschenkelmuskulatur ist verkürzt und die Kniescheibe verlagert sich nach außen.

Oft fehlen die Kreuzbänder oder Valgus- und Drehfehlstellungen treten auf. Chatelain beschreibt diese Luxationsform im 19. Jahrhundert erstmals. In einigen Familien scheint eine familiäre Häufung beobachtet worden zu sein. Von einer tatsächlichen Erblichkeit ist im Allgemeinen aber keine Rede. Als Prävalenz für die angeborene Knieluxation wird einem Verhältnis von etwa 1,5 auf 100.000 Neugeborene angegeben. Damit ist die Knieluxation ein relativ häufiges Phänomen.

Ursachen

Die angeborene Knieluxation tritt eher sporadisch auf. Die genauen Ursachen der Fehlstellung sind bislang nicht abschließend erforscht. Die Medizin geht davon aus, dass überstreckte Lagen der Beine im Mutterleib eventuell eine ursächliche Rolle spielen. Auch eine Fibrose ist als Ursache denkbar. Das gilt insbesondere für eine Fibrose des Musculus quadriceps femoris (vierköpfiger Oberschenkelmuskel).

Da Betroffenen der angeborenen Knieluxation häufig die Kreuzbänder fehlen, wird auch diesem Phänomen ursächlich Beachtung geschenkt. Nichtsdestotrotz ist die Muskelfibrose durch überstreckte Lagen im Mutterleib die wahrscheinlichere Ursache. Anders als die fehlenden Kreuzbänder liegt die Fibrose nämlich bei allen Patienten der angeborenen Knieluxation vor. Die angeborene Fehlstellung kann außerdem im Rahmen von verschiedenen Syndromen auftreten. Patienten des Larsen- und Down-Syndroms sind zum Beispiel gehäuft von der Fehlstellung betroffen. In diesen Fällen kann das Phänomen auch eine erbliche Komponente haben.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Leitsymptom einer angeborenen Knieluxation ist mit bloßem Auge zu erkennen. Der Unterschenkel der Patienten ist aufgrund der Fehlstellung verdreht und der Oberschenkelmuskel ist mehr oder weniger stark verkürzt. Bei der Verdrehung des Unterschenkels handelt es sich um eine Verrenkung aus dem Kniegelenk heraus, bei der sich der Unterschenkel nach vorne verlagert.

Meist tritt die Fehlstellung einseitig auf, aber auch doppelseitige Varianten wurden schon beobachtet. Die doppelseitige Form tritt offenbar vor allem im Rahmen von Syndromen auf. Falls die angeborene Knieluxation tatsächlich im Rahmen eines Syndroms eintritt, wird die Erscheinung von verschiedenen Symptomen begleitet. Die begleitenden Symptome hängen dann von der Art der Ursprungserkrankung ab.

Beim Larsen-Syndrom treten zum Beispiel multiple Luxationen auf. Außerdem kommen Dysplasien des Skeletts vor. Bei Syndromen wie dem Zellweger-Syndrom stellen sich wiederum nicht nur Skelett- und Gelenkanomalien ein, sondern auch Anomalien des Gehirns und der inneren Organe.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die angeborene Knieluxation lässt sich blickdiagnostisch unmittelbar nach der Geburt erkennen. Die typische Verdrehung des Unterschenkels reicht für eine sichere Diagnose aus. Oft wird eine Sonographie durchgeführt, die Aufschluss über die genaue Stellung der Kniescheibe gibt. Auf Röntgenaufnahmen können sich außerdem knöcherne Veränderungen zeigen, die ebenso typisch für die Knieluxation sind, wie die verdrehte Stellung des Unterschenkels.

Um das Vorliegen eines Syndroms auszuschließen, finden zusätzlich zur Ultraschall- und Röngtenuntersuchung meist verschiedene Ausschlussverfahren und Testungen statt. Der Verlauf hängt bei einer Knieluxation stark von dem Zeitpunkt des therapeutischen Eingriffs ab. Daher empfehlen Ärzte nach der Diagnosestellung in der Regel einen alsbaldigen Eingriff. Je früher die Luxation behoben wird, desto weniger Bewegungseinschränkungen bleiben im weiteren Leben des Patienten nämlich zurück.

Meist resultiert die Luxation zumindest in eine etwas eingeschränkte Beugefähigkeit des Unterschenkels, die die Fortbewegung der Betroffenen aber nicht verhindert. Wenn zusätzlich zur Luxation Schäden am Kapselapparat vorliegen, sprechen Ärzte meist von einer etwas ungünstigeren Prognose.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Die angeborene Knieluxation wird in der Regel direkt nach der Geburt diagnostiziert. Der zuständige Arzt wird die Eltern über die Fehlstellung informieren und zur weiteren Behandlung an ein kinderorthopädisches Zentrum verweisen. Meistens ist es möglich, die Knieluxation durch orthopädische Maßnahmen zu korrigieren. Ob im Anschluss daran eine weitere Operation erforderlich ist, hängt unter anderem von der Schwere und Lokalisation der Fehlstellung ab.

Weitere ärztliche Maßnahmen sind beispielsweise dann erforderlich, wenn durch einen Redressionsgips, also eine manuelle Korrektur, kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt wird. Das genaue Vorgehen ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Die Eltern sollten deshalb regelmäßig Rücksprache mit dem zuständigen Arzt halten und alle medizinischen Möglichkeiten in Betracht ziehen. Sollte es im späteren Leben zu Funktionsstörungen des betroffenen Knies kommen, muss unverzüglich ein Arzt konsultiert werden. Der Betroffene selbst benötigt mitunter therapeutische Unterstützung, da die manchmal auftretenden Gangstörungen zur sozialen Ausgrenzung und in der Folge zu psychischen Problemen führen können. Im Normalfall sind bei einer umgehenden Behandlung jedoch keine Langzeitfolgen zu erwarten.

Komplikationen

Die angeborene Knieluxation ist eine schmerzhafte Kniefehlstellung, die zu akuten Folgeschäden führen kann. Normalerweise sitzt die Kniescheibe unverrückbar und von Bändern platziert. Bei der Knieluxation springt diese jedoch zur Knieaußenseite hin aus der vorgegebenen Gleitbahn. Meistens gleitet sie von selbst in die korrekte Position zurück.

Ignorieren Betroffene das Symptom, häufen sich nach jedem Verrutschen die Komplikationen. Das Gelenk schwillt an und eine chronische Arthrose kann sich bilden. Zudem können die Schmerzen so stark werden, dass problemloses Gehen und Stehen unmöglich wird. Das Bein knickt am Kniegelenk regelrecht weg. Das Symptom tritt um das 20. Lebensjahr auf.

Frauen sind eher betroffen als Männer. Durch die Luxation der Kniescheibe werden die Bänder, das feine Gewebe sowie Knorpel und Knochen überbeansprucht. Wird das Symptom nicht frühzeitig behandelt, können Bänder und Knorpel reißen und es kommt zu schweren Schäden des Halteapparates sowie Schmerzen die bis zum Oberschenkelknochen reichen. Die ärztliche Diagnose erfolgt mittels Röntgenaufnahmen beziehungsweise MRT.

Entstandene Knochen- und Bänderschäden werden operativ behoben. Eine anschließende physiotherapeutische Maßnahme hilft dem Betroffenen, sein Kniegelenk wieder belasten zu können. Je nach Schwere des Befundes muss eine Spezialbandage getragen werden. Betroffene mit angeborener Knieluxation sollten daher regelmäßig die Oberschenkelmuskulatur trainieren, um das Komplikationsrisiko zu mindern.

Behandlung & Therapie

Fehlstellungen lassen sich nach dem aktuellen Stand der Medizin relativ effektiv therapieren. Bei Patienten der angeborenen Knieluxation erfolgt die Behandlung in einem kinderorthopädischen Zentrum. Das Ziel der Therapie ist eine Repositionierung des verdrehten Gelenks, die die Beweglichkeit des Betroffenen soweit wie möglich wiederherstellt. Oft muss dazu keine Operation stattfinden.

Dehnungen können unter Umständen schon den erwünschten Effekt haben. Der Patient wird zur Dehnung des verkürzten Oberschenkelmuskels in der Regel in Narkose gelegt. Diese Narkose ist insbesondere angesichts des zarten Alters der Patienten wichtig. Über einen Redressionsgips kann das verdrehte Gelenk in seiner Stellung beeinflusst werden. In der Regel finden regelmäßig sonographische Verlaufskontrollen statt, während der die bisherigen Erfolge der Gelenkrepositionierung erfasst werden.

Falls sich über einen Redressionsgips keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielen lassen, werden oft chirurgische Maßnahmen in Erwägung gezogen. In dieser Hinsicht kommt zum Beispiel eine operative Verlängerung des Quadriceps infrage. Das genaue Vorgehen bei einer operativen Muskelverlängerung hängt vom Einzelfall ab. Mehrere Verfahren kommen infrage. Das Ausmaß der Fehlstellung, aber auch die Qualität des Kapselapparats können für die Auswahl des Operationsverfahrens zum Beispiel eine Rolle spielen.

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Aussicht & Prognose

Durch diese Beschwerde kommt es in den meisten Fällen zu relativ starken Einschränkungen in der Bewegung des Patenten. Der Unterschenkel des Betroffenen ist dabei in der Regel stark verdreht, was ebenso in einer Verkürzung des Oberschenkelmuskels resultiert. Dadurch kommt es zu einer starken Fehlstellung, sodass gewöhnliche Tätigkeiten im Alltag durch diese Krankheit deutlich erschwert werden.

Nicht selten leiden die Betroffenen durch die Einschränkungen auch an Depressionen oder an anderen psychischen Verstimmungen. Mehrfach kam es vor, dass zumeist Kinder durch die Fehlstellung von Hänseleien betroffen sind. Auch im Schulsport oder in der kindlichen Entwicklung kann es durch diese Krankheit zu deutlichen Einschränkungen und Verzögerungen kommen.

Die Behandlung der Krankheit erfolgt mit Hilfe verschiedener Therapien oder durch einen operativen Eingriff. Damit können die meisten Beschwerden eingeschränkt werden, sodass es nicht zu erheblichen Einschränkungen im Alltag des Patienten kommt. Auch die Lebenserwartung des Betroffenen wird durch diese Erkrankung nicht verringert.

Die Beschwerde verheilt nicht von selbst, sodass es ohne Behandlung auch im Erwachsenenalter zu starken Beschwerden und Einschränkungen kommen kann. In der Regel ist die Lebensqualität des Betroffenen dadurch stark verringert.

Vorbeugung

Der angeborenen Knieluxation lässt sich nicht vorbeugen. Da die Behandlungsmöglichkeiten mittlerweile aber weit fortgeschritten sind, kommt es heute kaum mehr zu Beeinträchtigungen, die die Lebensqualität der Betroffenen stark reduzieren.

Das können Sie selbst tun

Das Beste im Alltag ist, kontinuierlich leichten Sport zu treiben. Zu Hause empfiehlt es sich, zwei- bis dreimal pro Woche auf niedriger Stufe auf einem Hometrainer zu trainieren. Dadurch wird der Oberschenkelmuskel gestärkt, der für die Kniescheibenführung zuständig ist. Das Training hilft außerdem dabei, ein Gespür für den richtigen Bewegungsablauf des Beugers und Streckers zu entwickeln. Waldspaziergänge und kleinere Einkäufe zu Fuß zu erledigen helfen dabei, die Beweglichkeit des Beins aufrechtzuhalten und können leicht in den Alltag integriert werden.

Beim Putzen oder beim Bettenüberziehen ist es hilfreich, eine Kniematte zu kaufen und diese unterzulegen. Dadurch wird das Gelenk entlastet und es wird keine fremde Hilfe für diese Tätigkeiten benötigt. Um alle Bewegungsabläufe einfacher zu gestalten ist es sinnvoll, die Hände als Hilfsmittel zu benutzen. Beim Setzen oder auf Aufstehen empfiehlt es sich, das Gewicht auf diese zu verlagern und durch Abdrücken bzw. Abfedern sitzen oder sich stellen zu können.

Bei Schmerzen im Alltag ist es ratsam, stehen zu bleiben und die Kniescheibenführung manuell zu testen und gegebenenfalls zu korrigieren. Meist ist danach ein problemloses Weiterlaufen möglich. Bei nächtlichen Problemen empfiehlt es sich, Quark auf das Knie zu schmieren und einen lockeren Verband anzulegen. Die angenehmste und schmerzärmste Schlafposition ist auf dem Bauch.

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Quellen

  • Krämer, J., Grifka, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Berlin 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013
  • Wirth, C.J. et al.: Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2013

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