Analekzem

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. September 2017
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Ein Analekzem ist eine der häufigsten Hautprobleme in der Praxis von Prokologen. Aber viele Menschen scheuen sich aus Scham, mit derartigen Beschwerden einen Arzt aufzusuchen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Analekzem?

Der Begriff Analekzem kennzeichnet eine akute oder chronische Entzündung der Haut um den Anus. Sie kann Begleiterscheinung anderer organischer Erkrankungen sein, aber auch einer Hauterkrankung. Mediziner unterscheiden im Wesentlichen drei Arten von Analekzemen:

  • irritativ-toxisches Analekzem
  • kontaktallergisches Analekzem
  • atopisches Analekzem

Bei allen Formen tritt eine gerötete bis nässende Haut und ein quälender Juckreiz auf, der Betroffene nicht zur Ruhe kommen lässt, und nachts besonders schlimm ist.

Ursachen

Aufgrund der besonderen anatomischen Voraussetzungen mit Haut-auf-Haut-Kontakt ist der Anusbereich besonders anfällig für Hautausschläge. Beim irritativ-toxische Analekzem wird die Haut durch Darmsekrete gereizt, die sich in der Analspalte sammeln, zum Beispiel bei vergrößerten Hämorrhoiden oder Analfisteln, die nässen.

Auch Durchfall oder Inkontinenz kann kann eine Hautreizung hervorrufen. Manchmal bilden sich kleine Hautfältchen (Marisken) am After, die eine sorgfältige Reinigung nach dem Stuhlgang erschweren. Es können sich dort Kotreste sammeln und entzünden. Auch starkes Reiben beim Reinigen mit Toilettenpapier nach dem Stuhlgang sowie zu viel Analhygiene kann die Haut irritieren.

Beim kontaktallergischen Ekzem tritt eine allergische Reaktion auf Inhaltsstoffe oder Duftstoffe von Toilettenpapier, besonders bei feuchtem Toilettenpapier, Seifen, Slipeinlagen oder Salben auf. Hämorrhoidensalben sind ebenfalls ein häufiger Auslöser für diese Ekzemform.

Dem atopischen Analekzem liegt eine Neurodermitis mit einer generell überempfindlichen Haut zugrunde, die auch an anderen Körperstellen zu Hautausschlägen führt. Wenn nur im Analbereich ein Hautausschlag auftritt, ist es schwierig zu diagnostizieren. Weitere Ursachen für ein Analekzem können Pilzinfektionen, starkes Schwitzen im Analbereich, der Verzehr von scharfen Gewürzen und Zitrusfrüchten sowie eine zu intensive oder unzureichende Analhygiene sein.

Symptome, Anzeichen & Beschwerden

Der Begriff Analekzem kennzeichnet eine akute oder chronische Entzündung der Haut um den Anus.

Im akuten Zustand ist die Haut auf beiden Seiten der Afterspalte symmetrisch gerötet, manchmal mit einem weißen Belag besetzt, und nässt. Betroffene werden permanent von einem quälenden Juckreiz geplagt, der nachts noch schlimmer sein kann. Die Haut ist durch das ständige Kratzen wund und jeder Stuhlgang wird zur Qual, weil die Analhygiene die ohnehin schon entzündete Haut immer wieder aufs Neue reizt, besonders, weil die mechanische Reinigung mit Toilettenpapier zusätzlich die Haut reizt. Wenn der Zustand chronisch wird, kann die Haut einreißen und es können sich Schrunden und Geschwüre bilden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Für eine erfolgreiche Behandlung ist eine sorgfältige Diagnostik erforderlich. Nach einer ausführlichen Anamnese erfolgt eine körperliche Untersuchung des Analbereichs. Beim atopischen Analekzem ist die Diagnose sehr schwierig, wenn nur im Analbereich ein Hautausschlag auftritt.

Bei Verdacht auf eine Darmerkrankung erfolgt eine Enddarmspiegelung (Proktoskopie) und/oder eine Mastdarmspiegelung (Rektoskopie). Es werden Abstriche zur Untersuchung im Labor genommen und bei Verdacht auf eine Kontaktallergie sorgt ein Allergietest für Klarheit. Wenn eine Behandlung nicht anschlägt, kann vorsorglich eine Gewebeprobe entnommen und im Labor untersucht werden, um ein Rektumkarzinom, das auch ein Analekzem verursachen kann, auszuschließen.

Der Verlauf ist unterschiedlich. Oft lässt sich das Analekzem in kurzer Zeit behandeln, kann aber auch einen langwierigen Verlauf nehmen. Erfolgt keine Behandlung, kann die Haut irreparabel geschädigt werden.

Komplikationen

Beim Fortbestehen von Ekzemen im analen Bereich kann es zu weiteren Beschwerden und Komplikationen kommen. Eines der hartnäckigsten Symptome eines Analekzems ist der phasenweise Auftretende Juckreiz. Viele Menschen geben dem Juckreiz ständig nach und vorzögern somit das Abheilen des Ekzems oder verschlimmern es durch die zusätzlichen Hautverletzungen, die bei übermäßigem Kratzen entstehen. Besteht ein Analekzem über längeren Zeitraum, so besteht die Gefahr, dass es sich zu einem chronischen Ekzem entwickelt und somit dauerhaft zu einem Problem wird.

Ein weiteres Problem, welches im Zuge eines Analekzems auftreten kann, ist ein Pilzbefall oder eine bakterielle Infektion. Die geschwächte und gereizte Haut im Bereich des Ekzems, ist besonders anfällig für alle Arten von Infektionen. Auch das Risiko auf die Bildung eines Analkarzinoms steigt dabei enorm an.

Auch bei ärztlicher Therapie eines Analekzems kann es zu Komplikationen kommen. Die Bestimmung der Ursache des Ekzems erweist sich nämlich oft als schwierig und führt zu falschen Diagnosen. Werden falsche Salben und Medikamente verschrieben, so kann es zur Verschlechterung des Analekzems führen. Wenn ein Analekzem negativ auf eine Salbe reagiert, sollte keinesfalls der erneute Gang zum Arzt gescheut werden.

Ab wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei dem Verdacht auf ein Analekzem sollte umgehend der Hausarzt konsultiert werden. Eine medizinische Abklärung ist notwendig, wenn das Ekzem mit starken Schmerzen, Juckreiz oder sonstigen Begleitsymptomen einhergeht, die das Allgemeinbefinden spürbar herabsetzen. Bleiben die genannten Beschwerden länger als eine Woche bestehen, muss ein Arzt die Ursache abklären und gegebenenfalls behandeln. Kommt es zu Blutungen oder der Bildung weiterer Knoten, empfiehlt sich ein sofortiger Arztbesuch.

Ein Analekzem sollte spätestens dann abgeklärt werden, wenn beim Stuhlgang Schmerzen oder Blutungen bemerkt werden. Selbiges gilt bei einem unerklärlichen Druckgefühl am After, welches rasch zunimmt. Dann handelt es sich womöglich um eine schwere Entzündung, die von einem Arzt zu behandeln ist. Weitere Ansprechpartner sind der Proktologe oder ein Gastroenterologe. Patienten, die bereits einmal an einem Analekzem oder Hämorrhoiden gelitten haben, sollten bei ersten Anzeichen eines Ekzems mit einem Arzt sprechen. Kinder, ältere Menschen und Schwangere sollten entsprechende Beschwerden ebenfalls umgehend abklären lassen, um weitere Komplikationen zu vermeiden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung eines Analekzems ist in erster Linie auf die Linderung der Symptome ausgerichtet, damit sich die überreizte Haut beruhigt. Wenn noch keine stärkeren Beschwerden vorhanden sind, lässt es sich auch mit Hausmitteln gut behandeln, zum Beispiel mit Sitzbädern aus Eichenrindenextrakt oder grünem und schwarzem Tee. Gerbstoffe in Tees können Ekzeme austrocknen und wirken antiseptisch. Heilkräuter wie Kamille, Lavendel und Efeu haben eine entzündungshemmende Wirkung und lindern den unerträglichen Juckreiz auf sanfte Weise.

Um die Beschwerden abklingen zu lassen, muss der Anus trocken und sauber gehalten werden. Nach dem Stuhlgang reinigt man ihn am besten mit lauwarmem Wasser oder Öl und trocknet ihn nach der Reinigung vorsichtig und sorgfältig. Bei einem stark nässenden Analekzem hilft es, ein weiches Tuch zwischen die Pobacken zu legen, damit die Feuchtigkeit aufgesogen wird und die Entzündung abklingen kann. Sehr gut hilft eine Wundcreme für Babies oder Vaseline.

Bei stärkeren Beschwerden können Zäpfchen und Salben für Linderung sorgen und den Heilungsprozess fördern. Der Arzt kann entzündungshemmende Salben verordnen gegen den Juckreiz und die Entzündung. Je nach Ursache wird das Analekzem anschließend weiter mit Zinksalbe oder anderen fetthaltigen Salbe und gegebenenfalls einer Umstellung der Ernährung behandelt. Wenn Hämorrhoiden für das Ekzem verantwortlich sind, werden sie verödet. Operiert werden muss in der Regel nur bei großen Hämorrhoiden und großen Hauteinrissen.

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Aussicht & Prognose

In den meisten Fällen kommt es durch das Analekzem zu einem sehr starken und vor allem unangenehmen Juckreiz, der direkt am After eintritt. Dieser Juckreiz verringert die Lebensqualität des Patienten enorm und schränkt den Alltag ein.

Nicht selten kommt es durch das Analekzem auch zu psychischen Beschwerden oder zu Depressionen. Die Betroffenen schämen sich nicht selten für die Beschwerde und leiden dadurch an Minderwertigkeitskomplexen oder an einem verringerten Selbstwertgefühl. Auch das Aufsuchen einer Toilette kann für den Patienten zur Qual werden, da der Stuhlgang in der Regel mit Schmerzen verbunden ist. Auch das Reiben durch Toilettenpapier kann dabei zu Reizungen führen. Ohne Behandlung können sich durch das Analekzem auch Geschwüre oder Schrunden ausbilden.

In den meisten Fällen können die Beschwerden mit Hilfe von Cremes und Salben gut eingeschränkt werden, sodass es zu einem positiven Krankheitsverlauf kommt. Bei einer Erkrankung des Darms ist eventuell ein operativer Eingriff notwendig. Dabei hängt der weitere Verlauf der Krankheit allerdings stark von der Grunderkrankung ab, sodass eine allgemeine Voraussage in den meisten Fällen nicht möglich ist. Dem Betroffenen stehen verschiedene Mittel der Selbsthilfe zur Verfügung, um diese Beschwerden einzugrenzen. Die Lebenserwartung wird durch das Analekzem in der Regel nicht verringert.

Vorbeugung

Einem Analekzem kann man besonders gut vorbeugen durch eine sanfte und hautschonende Analhygiene. Durch ausreichendes Trinken und eine ballaststoffreiche Ernährung bleibt der Stuhlgang weich. Es sollte am besten weißes Toilettenpapier aus Zellulose benutzt werden. Recyclingpapier, gefärbtes und feuchtes Toilettenpapier können die Haut reizen. Den Verzehr von scharfen Gewürzen und Zitrusfrüchten sollten Betroffene lieber einschränken und Unterwäsche aus Baumwolle tragen, weil synthetische Fasern das Schwitzen fördern.

Das können Sie selbst tun

Bei einem Analekzem müssen Betroffene nicht unbedingt bei einem Arzt vorstellig werden. In den meisten Fällen lassen sich die schmerzhaften Wucherungen durch einfache Maßnahmen und Hausmittel lindern. Zunächst empfiehlt sich eine gesteigerte Intimhygiene. Bei Analekzemen bieten sich entzündungslindernde Pflegeprodukte ebenso an wie Salben und Lotionen aus der Apotheke.

Um die Genesung zu beschleunigen, sollte vorübergehend außerdem auf belastende Sportarten verzichtet werden. Sinnvoller sind sanfte Entspannungsübungen und Yoga. Ein bewährtes Hausmittel sind Steinkleeblüten. In Form einer Lotion zubereitet, kann die Pflanze direkt auf den After aufgetragen werden und sollte die Beschwerden rasch lindern. Ebenso wirksam sind Zäpfchen und Salben aus Hammamelisbaum. Geeignet sind auch heiße Kompressen mit Schafgarbe oder Dampfbäder mit Kamille, die möglichst täglich angewendet werden sollten.

Die Ernährung sollte ebenfalls umgestellt werden. Es empfehlen sich ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Obst und frisches Gemüse. Süßigkeiten und andere Lebensmittel, die Verstopfung verursachen könnten, sollten gemieden werden. Zudem sollte ausreichend getrunken werden, am besten Mineralwasser oder leichte Kräutertees aus Kamille, Melisse oder Taubnessel. Bleibt das Analekzem trotz allem bestehen, muss mit den Beschwerden zum Arzt gegangen werden.

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Quellen

  • Brühl, W., Wienert, V., Herold, A.: Aktuelle Proktologie. Uni-Med, Bremen 2011
  • Sterry, W., Paus, R.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Winkler, R., Otto, P., Schiedeck, T.: Proktologie. Thieme, Stuttgart 2011

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